{"id":10188,"date":"2021-02-07T19:49:36","date_gmt":"2021-02-07T19:49:36","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10188"},"modified":"2022-10-06T14:50:06","modified_gmt":"2022-10-06T12:50:06","slug":"lukas-1511-32-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1511-32-4\/","title":{"rendered":"Lukas 15,11-32"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Jesus erz\u00e4hlt dieses Gleichnis \u201evom verlorenen Sohn\u201c als die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten sich dar\u00fcber ereiferten, dass er sich mit \u201eZ\u00f6llnern und S\u00fcndern\u201c abgab. Seine Antwort auf diesen Vorwurf ist der Ausspruch: \u201eSo sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes \u00fcber einen S\u00fcnder, der Bu\u00dfe tut.\u201c Und dann erz\u00e4hlt er das Gleichnis, \u00fcber das wir nun gemeinsam nachdenken wollen.<\/p>\n<p>Das Zusammenleben in einer Familie ist Jesus wohl bekannt: Er wei\u00df, dass da, wo Menschen zusammen unter einem Dach leben nicht jeden Tag Freude und Zufriedenheit herrschen. Es gibt \u00fcberall auf der Welt Sitten, Gewohnheiten und feste Regeln, die das Miteinander erleichtern.<\/p>\n<p>Tatsache ist, dass sich Eltern ihre Kinder nicht aussuchen k\u00f6nnen, sondern sie mit all ihren guten und weniger guten Seiten annehmen m\u00fcssen, so wie sie auch selbst nicht ohne Fehler sind. An vielen Stellen in der Bibel werden uns solche Konflikte und Familienszenen aufgezeigt: Denken wir an Esau, der seinen Erstgeborenensegen durch List und Betrug an seinen Bruder Jakob verliert, an Josef, den Liebling seines alten Vaters, der von seinen eigenen Br\u00fcdern f\u00fcr 20 Silberst\u00fccke an fahrende Kaufleute verkauft wird. Das alte Testament ist voller Erz\u00e4hlungen \u00fcber tragische Familienereignisse!<\/p>\n<p>In unserem Gleichnis ruft der J\u00fcngere von zwei S\u00f6hnen seinen Vater an und fordert sein Erbteil ein, damit er von zu Hause fortgehen kann. Was mag wohl in diesem Vater vorgegangen sein ? Er musste lange Zeit dem unseligen Treiben seiner S\u00f6hne zusehen, da half kein gutes Zureden, kein Vermitteln, kein Schlichten mehr ! Der Vater erf\u00fcllt die Forderung des j\u00fcngsten Sohnes, teilt das Erbe schon zu seinen Lebzeiten auf und sieht den Jungen in die Welt hinaus ziehen.<\/p>\n<p>Kennen wir das nicht auch ? Kinder, die selbst\u00e4ndig sein wollen und doch noch so unerfahren sind ! Wie schwer f\u00e4llt es uns, loszulassen. Oft denken wir an das 4. Gebot: \u201eDu sollst Vater und Mutter ehren.\u201c Gilt das nicht mehr \u2013 haben wir in der Erziehung versagt ? Aber Gott \u2013 unser Vater \u2013 hat uns die Freiheit geschenkt, selbst zu entscheiden und unser Leben in die eigenen H\u00e4nde zu nehmen. So l\u00e4sst Jesus in seinem Gleichnis den j\u00fcngeren Sohn ziehen. Dieser erlebt eine tolle Welt: \u201eGeld regiert die Welt!\u201c Was kann man sich nicht alles f\u00fcr Geld kaufen ?! Er genie\u00dft seine Freiheit, findet Freunde, mit denen er sein Verm\u00f6gen bei einem genussvollen Lebenswandel durchbringt. Wer sonnt sich nicht gern in Reichtum und Ber\u00fchmtheit anderer ? Er wird zum Playboy \u2013 unserer Regenbogenpresse ist voll von solchen Geschichten ! Ist Jesus nicht modern mit seiner Erz\u00e4hlung \u2013 kennen wir das nicht auch alle ?! Aber das dicke Ende kommt rasch: der mutige, aufm\u00fcpfige, reiche, bewunderte Fremdling landet in der Gosse: Hungersnot, falsche Freunde, die ihn nicht mehr kennen wollen, das Geld ist aufgebraucht mit Prassen. Aus dem reichen bewunderten jungen Mann wird ein armseliger Bettler, ein Schweinehirt, der nicht einmal das Futter mit den Tieren teilen durfte ! \u201eHochmut kommt vor dem Fall\u201c, kennen wir das Sprichwort nicht, haben wir es nicht auch schon gesehen oder selbst erlebt ?<\/p>\n<p>Wie l\u00e4sst Jesus nun sein Gleichnis weitergehen ? Haben der erstgeborene Sohn und der Vater nun Ruhe gefunden ? Das Leben auf dem Anwesen geht weiter \u2013 aber warum f\u00fchrt des Vaters Spaziergang abends immer auf den nahen H\u00fcgel, wo man die Umgebung so gut einsehen kann? Die Zeit vergeht, aber der Vater findet keine Ruhe. \u2013 Denken wir nicht auch oftmals an unserer Kinder in der Ferne? Kennen wir nicht die heimlichen Tr\u00e4nen, die wir nachts in unser Kissen weinen ? Blicken wir nicht betend zum Himmel, hoffend, dass Gott unseren Kindern Einsicht und Schutz geben m\u00f6ge \u2013 wo wir nicht mehr helfen k\u00f6nnen und loslassen m\u00fcssen, da suchen wir Gottes Beistand und hoffen, dass der Vater im Himmel alles zum Guten wendet &#8211; wie der Vater in Jesu Gleichnis: Er sieht den zerlumpten, entkr\u00e4fteten Mann langsam den H\u00fcgel heraufkommen \u00ae ganz anders als er fortgelaufen war \u2013 und es jammert ihn. Er rennt ihm entgegen, nimmt ihn in die Arme und k\u00fcsst ihn: er ist und bleibt sein Sohn. Kaum h\u00f6rt er des Jungen Schuldbekenntnis und Bitte da befiehlt er schon seinen Knechten ein Fest zu richten. Gewand, Ring und Schuhe weisen den Reuigen wieder als Sohn des Vaters aus \u2013 vor aller Welt !<\/p>\n<p>Ist nun wieder eitel Friede und Sonnenschein in der Familie ? Nein, Jesus l\u00e4sst das Gleichnis weitergehen: Der \u00e4ltere Sohn ist beleidigt, erbost, f\u00fchlt sich gekr\u00e4nkt und nicht anerkannt: \u201eSiehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie \u00fcbertreten und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fr\u00f6hlich gewesen w\u00e4re.\u201c Er g\u00f6nnt seinem Bruder den tiefen Sturz \u2013 Recht geschah ihm \u2013 wer nicht h\u00f6ren will, muss f\u00fchlen !\u201c Und nun soll ihm alles vergeben und vergessen sein ? Ist das gerecht ihm gegen\u00fcber von seinem Vater ? Die Worte: \u201eDu bist allezeit bei mir und alles was mein ist, das ist dein\u201c sind f\u00fcr den Erstgeborenen nur ein schwacher Trost. Versteht er ihren Sinn ? Der eine Sohn \u201ewar fort und ist wieder lebendig geworden\u201c, der andere muss die Liebe, die aus des Vaters Worten spricht, erst noch verstehen und anzunehmen lernen. Er muss sich entscheiden \u2013 die Freiheit dazu hat Gott uns allen gegeben \u2013 ob er tot oder lebendig, verloren oder wiedergefunden in des Vaters und des Bruders Armen liegen will. Und wof\u00fcr entscheiden wir uns, wenn wir versagt haben und ges\u00fcndigt haben gegen den Himmel vor Gott ?<\/p>\n<p>Mokieren wir uns und l\u00e4stern wir wie die Pharis\u00e4er oder gehen wir zu Jesus, wie die Z\u00f6llner und S\u00fcnder, um auf seine Worte zu h\u00f6ren, und den Sinn seines Gleichnisses zu verstehen ?<\/p>\n<p>Liebe ohne Grenzen ? Kinder bringen Freude. Solange sie klein sind erfreuen wir uns an ihnen besonders, werden sie gr\u00f6\u00dfer und bekommen ihren eigenen Kopf wird es schwieriger. Dann setzen nicht nur wir Eltern bei der Erziehung unserer Kinder die Grenzen ! Oftmals ist es auch umgekehrt. Sie ziehen Grenzen, sto\u00dfen uns fort, nehmen unsere gutgemeinten Ratschl\u00e4ge nicht mehr an, wollen weder h\u00f6ren noch nachgeben. Wir sehen sie den verkehrten Weg einschlagen und k\u00f6nnen es doch nicht verhindern! Ja, Liebe hat f\u00fcr mich Grenzen und schmerzvoll ist es, das zu erleben. Die Kinder wissen alles besser, wollen ihre Freiheit ohne die Einmischung Erwachsener, h\u00f6chstens unser Geld &#8230; Wie bei dem Vater im Gleichnis !<\/p>\n<p>Ja, die Erziehung unserer Kinder und Enkel und das Leben mit ihnen ist wahrlich nicht immer leicht. Jesus wusste das \u2013 daher auch dieses Gleichnis. Wir selbst sind nicht ohne Fehler und unsere Liebe st\u00f6\u00dft oft an Grenzen \u2013 gewollte oder ungewollte ! Wir selbst setzen uns und anderen Grenzen \u2013 solange sie von der Liebe zu Gottes Geboten und der Liebe zu unserem N\u00e4chsten bestimmt sind, sind sie n\u00fctzlich und gut. Uns geben Grenzen St\u00fctze und Halt, auch bei der Erziehung unserer Kinder, sie sind wichtig als Schutz und Garantie f\u00fcr ein Leben in Freiheit und W\u00fcrde, so wie es Gott f\u00fcr uns Menschen bestimmt hat. Denken wir immer wieder an dieses Gleichnis Jesu: Unser Vater steht wartend vor der T\u00fcr seiner Ewigkeit, um uns, wenn wir wollen, in grenzenloser Liebe in seine Arme zu nehmen und hereinzuholen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><strong>Bianca Weiand, Stade-Wiepenkathen<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jesus erz\u00e4hlt dieses Gleichnis \u201evom verlorenen Sohn\u201c als die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten sich dar\u00fcber ereiferten, dass er sich mit \u201eZ\u00f6llnern und S\u00fcndern\u201c abgab. 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