{"id":10219,"date":"2004-12-07T19:49:24","date_gmt":"2004-12-07T18:49:24","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10219"},"modified":"2025-05-12T11:49:25","modified_gmt":"2025-05-12T09:49:25","slug":"lukas-3-1-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-3-1-14-2\/","title":{"rendered":"Lukas 3, 1-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 align=\"left\">3. Advent | 12. Dezember 2004 | Lukas 3,1\u201314 | Friedrich Wintzer |<\/h3>\n<p align=\"left\">Wir begehen heute den 3. Advent. Diese Vorbereitungszeit vor Weihnachten l\u00f6st bei vielen Menschen zwiesp\u00e4ltige Gef\u00fchle aus. Auf der einen Seite ist die Adventszeit eine Zeit der Erwartung und der Sehnsucht nach Frieden, Gemeinschaft und Liebe. \u2013\u00a0Das kommende Weihnachtsfest stellt den von Gott gesandten Jesus in den Mittelpunkt. Er war ein Verk\u00fcnder von dem anbrechenden Heil und sein Leben war gepr\u00e4gt von dem Vertrauen auf den weltzugewandten Gott. Die adventliche Vorweihnachtszeit l\u00e4dt darum ein zu Stunden der Besinnung. Am Adventskranz brennen heute 3 Kerzen. Aber es gibt auch eine zweite Seite der Vorweihnachtszeit. Gemeint ist die Betriebsamkeit und Hektik der Weihnachtsvorbereitung. Es wird \u00fcberlegt, was den Verwandten und Freunden sowie Freundinnen zu Weihnachten geschenkt werden kann. Die Reklame der Gesch\u00e4fte und Kaufh\u00e4user nimmt zu. Die Verk\u00e4uferInnen erleben diese Tage als hektisch und abends kehrt die gro\u00dfe M\u00fcdigkeit ein. Die Tage werden zudem k\u00fcrzer. Die Dunkelheit beginnt relativ fr\u00fch. Es wird deutlich, da\u00df das Jahr 2004 dem Ende zugeht. Das Kirchenjahr hat dagegen am 1. Advent neu begonnen.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>I<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">Am 3. Advent erinnert die Kirche an den Mann, der Jesus vorausging und den Messias ank\u00fcndigte. Er war eine auff\u00e4llige Gestalt. Er h\u00fcllte seinen K\u00f6rper in ein Kamelfell und trug um die H\u00fcfte einen ledernen G\u00fcrtel. Vegetarische Speise war seine Nahrung. H\u00f6chstwahrscheinlich trug er auch lange Haare und einen Bart.<br \/>\nDer Name des Mannes lautete Johannes. Er kam selten in eine Stadt, sondern er trat in der W\u00fcste auf. Mit seiner Predigt wollte er vorbereiten auf das Kommen des Messias, also auf den Menschen, der im Namen Gottes das Heil, den Frieden und die Vers\u00f6hnung bringen sollte. Der Text, der von Johannes, dem sogenannten T\u00e4ufer, berichtet, steht bei Lukas im 3. Kapitel, in den Versen 1-14. Er lautet nach der Luther\u00fcbersetzung:<\/p>\n<p align=\"left\"><b>(Text aus Luk. 3)<\/b><\/p>\n<p>Lukas beginnt den Bericht \u00fcber Johannes den T\u00e4ufer, wie es das Alte Testament bei Prophetenberufungen tut. Er ordnet den Beginn des Wirkens von Johannes dem T\u00e4ufer ein in das 15. Jahr des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Jud\u00e4a war und Hannas sowie Kaiphas als Hohepriester t\u00e4tig waren. Diese Zeitangabe datiert den Beginn des Wirkens von Johannes ungef\u00e4hr in das Jahr 28 oder 29. Johannes predigte nicht nur, sondern er vollzog zugleich die Taufe zur Vergebung der S\u00fcnden. Darum wollte er Menschen auf das Endgericht Gottes ausrichten und vorbereiten. Weil das Kommen des Messias nahe war, \u00a0konnte es f\u00fcr Johannes nur eine ver\u00e4nderte Lebenseinstellung gaben. Weil das g\u00f6ttliche Endgericht bevorstand, rief er die zahlreichen Menschen, die zu ihm in die W\u00fcste gekommen waren, zur Bu\u00dfe auf. Das Wort, das im griechischem Text steht, k\u00f6nnte auch mit Umkehr \u00fcbersetzt werden. Das Wort Bu\u00dfe hat bei uns ja eine bestimmte Bedeutung. Wir kennen die Bu\u00dfbescheide, mit denen zur Zahlung aufgefordert wird. Es gibt sie zum Beispiel bei Geschwindigkeits\u00fcbertretungen mit dem Auto. Mit der Zahlung einer Geldbu\u00dfe ist die Sache dann erledigt. Martin Luther hat unter dem Wort Bu\u00dfe allerdings etwas Grundlegenderes verstanden, n\u00e4mlich die \u00c4nderung der Lebenspraxis in der Verantwortung vor Gott. Darum hei\u00dft es in der 1. von Luthers 95 Thesen, die er 1517 an eine Wittenberger Kirchent\u00fcr geschlagen hat: &#8222;Wenn unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Bu\u00dfe, so will er, da\u00df das ganze Leben seiner Glaubenden soll eine Bu\u00dfe sein.&#8220; Hart war die Bu\u00dfpredigt Johannes des T\u00e4ufers. Sie klang wie eine Publikumsbeschimpfung. Die Worte lauteten: &#8222;Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gewi\u00df gemacht, da\u00df ihr dem k\u00fcnftigen Zorn Gottes entrinnen werdet? Seht zu, bringt rechtschaffene Fr\u00fcchte der Bu\u00dfe; und nehmt euch nicht vor zu sagen: &#8222;Wir haben Abraham zum Vater.&#8220; Mit seinen Droh- und Umkehrpredigten wollte Johannes als Vorl\u00e4ufer Jesu die Menschen aus ihrem Sicherheitsdenken herausrei\u00dfen. Beruft euch nicht als Israeliten auf \u00a0eure Abrahamskindschaft, lautete seine Rede. Diese bringt euch nichts; es sei denn, ihr \u00e4ndert eure Lebenseinstellung. Zu der Nachkommenschaft des Vaters Abraham zu geh\u00f6ren ist ein Geschenk und eine Ehre, aber auch eine Verpflichtung, Gottes Gebote im Leben ernst zu nehmen und sich danach zu richten. Johannes der T\u00e4ufer w\u00e4re heute kein Wortf\u00fchrer einer Spa\u00dfgesellschaft, sondern er w\u00e4re auch heute ein Beispiel f\u00fcr die Hinwendung und Umkehr zu Gott. Er verk\u00fcndete seine Botschaft, auch wenn er sich dadurch Feinde schuf. So kritisierte er den K\u00f6nig Herodes wegen seiner unsittlichen Lebensweise. Herodes warf ihn daf\u00fcr ins Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>II<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">Wie aber reagierte die gro\u00dfe H\u00f6rerschaft, die zu ihm gekommen war, um sich von ihm im Flu\u00df Jordan taufen zu lassen mit der Taufe der Bu\u00dfe zur Vergebung der S\u00fcnden? Diese Menschen stellten nach Lukas die Frage nach der Bu\u00dfhandlung und fragten: Was sollen wir denn tun? Johannes gibt darauf keine Pauschalantwort, sondern er nennt drei Beispiele. Zun\u00e4chst ruft er zum Teilen auf. Wer zwei Hemden hat \u2013\u00a0das war damals viel -, der gebe dem eins, der kein Hemd hat. Und wer genug zu essen hat, der teile mit den Hungrigen und Darbenden. Heute ist an die Aktion &#8222;Brot f\u00fcr die Welt&#8220; zu denken, die am 1. Advent wieder er\u00f6ffnet wurde. Sie will im kommenden Jahr mit unseren Spenden besonders etwas gegen die Wasserknappheit in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern tun. Dazu werden z.B. Grundwasserbohrungen f\u00fcr Brunnen gebraucht.<\/p>\n<p align=\"left\">Die 2. Antwort hat sicher heute mehr Adressaten als fr\u00fcher. Sie lautet: Fordert nicht mehr, als in eurer Vorschrift festgesetzt ist. Damals waren die vielen Z\u00f6llner gemeint; heute denken wir an \u00fcberh\u00f6hte Preise, die von manchen Handwerkern oder Gesch\u00e4ftsleuten verlangt werden, es gibt noch andere Beispiele. Die 3. Antwort gilt in unserem Predigttext den Soldaten. Sie sollen kein Unrecht tun, weder pl\u00fcndern, noch erpressen und sich gen\u00fcgen lassen an ihrem Sold. Heute h\u00e4tte Johannes auch die \u00fcberh\u00f6hten Spitzengeh\u00e4lter z.B. von manchen Managern genannt.<br \/>\nWie man sieht, nennt Johannes Beispiele \u00a0aus dem Gebiet der Ethik. Insgesamt pl\u00e4dierte er f\u00fcr mehr Mitmenschlichkeit, damit das Zusammensein der Menschen besser gedeiht.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>III<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">Der Bericht \u00fcber die grobe Bu\u00dfpredigt Johannes des T\u00e4ufers enth\u00e4lt auch ein Zitat aus dem \u00a040. Kap. des Jesajabuches. Es beschreibt den Bau eines ebenen Weges durch die W\u00fcste, damit auf ihm Gott das gefangene Volk aus Babylon befreie und herausf\u00fchre. In dem verlesenen Lukastext \u00a0fordert die &#8222;Stimme eines Predigers in der W\u00fcste&#8220; ebenfalls die Anlage eines geraden Weges und das Zitat schlie\u00dft: &#8222;Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen&#8220;. Damit steht der johanneischen Aufforderung zur Umkehr die Ansage von Gottes Heil, sichtbar in der Gestalt des Heilandes, gegen\u00fcber. \u00a0Der Prediger und T\u00e4ufer Johannes ist auf diese Weise zum Wegbereiter von Jesus Christus geworden.<br \/>\nAber zwischen diesen beiden herrscht ein gro\u00dfer Unterschied. Beide rufen zur Umkehr und zur Mitmenschlichkeit auf. Aber die Begr\u00fcndungen sind verschieden. Johannes der T\u00e4ufer steht in der alten Zeit. Er droht mit dem g\u00f6ttlichen Endgericht. Jesus, der Bergprediger, verk\u00fcndet das Neue. Gegen die Hoffnungslosigket von vielen Menschen stellt er die Hoffnung auf die Barmherzigkeit des unsichtbaren Gottes. Jesus ruft uns zu einem ver\u00e4nderten Leben auf, weil er beherrscht ist von dem Glauben an die N\u00e4he Gottes. Deshalb trat er ein f\u00fcr die Liebe und das Vertrauen zu Gott, sowie f\u00fcr den Frieden und die gelebte Gerechtigkeit unter Menschen. Mit Jesus hat deshalb eine neue Zeit begonnen, auch wenn wir immer noch dabei sind, diese Zeitenwende zu begreifen und danach zu leben. Weil Gott uns liebt, mutet er uns zu, auf den Bahnen der N\u00e4chstenliebe zu wandeln.Wir Menschen haben diese Sinnes\u00e4nderung n\u00f6tig, weil sie Gottes Willen entspricht und uns Menschen zugute kommt.<\/p>\n<p><strong>Liedervorschl\u00e4ge<\/strong>: EG 10, 1.2.4; 15, 1-4; 18, 1-2<\/p>\n<p>Als <strong>Lesung<\/strong> schlage ich neben 1. Kor. 4, 1-5 die T\u00e4uferfrage aus dem Gef\u00e4ngnis Mt. 11, 2-6 vor.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. em. Dr. Friedrich Wintzer<br \/>\nStettiner Weg 12<br \/>\n53340 Meckenheim\/Bonn<\/strong><strong><br \/>\nE-mail: \u00a0<a href=\"mailto:f.Wintzer@t-online.de\">f.Wintzer@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Advent | 12. Dezember 2004 | Lukas 3,1\u201314 | Friedrich Wintzer | Wir begehen heute den 3. Advent. 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