{"id":10221,"date":"2004-12-07T19:49:14","date_gmt":"2004-12-07T18:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10221"},"modified":"2025-05-12T13:18:12","modified_gmt":"2025-05-12T11:18:12","slug":"lukas-1-26-38-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1-26-38-4\/","title":{"rendered":"Lukas 1, 26-38"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\"><strong>\u201eVerhei\u00dfung der Geburt Jesu\u201c | <\/strong>4. Advent | 19. Dezember 2004 | <\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">Lukas 1, 26-38 | Alois Schifferle |<\/span><\/b><\/h3>\n<\/div>\n<div align=\"left\">\n<p>In der Tradition und der Erwartung Israels spielt das \u201eHaus Davids\u201c eine bedeutende Rolle: Der Messias ist ein \u201eSohn Davids\u201c, und mit dem Geschick der Davididen sind das Volk Israel \u2013 und somit Maria und Josef besonders verbunden.<em> \u201eDer Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegr\u00fc\u00dft du Begnadete, der Herr ist mit dir [&#8230;]. F\u00fcrchte dich nicht Maria, denn du hast bei Gott Gnade gefunden\u201c<\/em> (VV 28.30). Eine Aussage und nicht etwa ein Wunsch liegt im Wortspiel: \u201eBegnadete\u201c und \u201edu hast Gnade gefunden\u201c. Sie, Maria, erf\u00e4hrt hier die Gr\u00f6\u00dfe ihres Kindes: <em>\u201eDer Heilige Geist wird \u00fcber dich kommen, und die Kraft des H\u00f6chsten wird dich \u00fcberschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden\u201c<\/em> (V 38). <em>\u201eSohn des H\u00f6chsten\u201c<\/em> bedeutet: Auf dem Throne Davids, Herrscher \u00fcber Israel \u2013 und <em>\u201evom Heiligen Geist \u00fcberschattet\u201c<\/em> weist auf das Offenbarungszelt mit der Bundeslade hin (Ex 40,34f), auf die sich Gott niedergelassen hat. Maria glaubt und wird dadurch zum Vorbild des Glaubens schlechthin, uns geschenkt als Mitte und Mittlerin.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren wiederum die heiligen Texte von einer Jungfrau, die verlobt ist und einen Sohn geb\u00e4rt, der gro\u00df sein und \u201eSohn des H\u00f6chsten\u201c genannt werden wird. Kein Gem\u00e4lde vermag dies ganz zu fassen; keine Vertonung auszusch\u00f6pfen. Diese biblischen Erz\u00e4hlungen sind einfach und kunstvoll zugleich, sie reden offen und doch behutsam zugleich; sie preisen liebevoll, aber nicht aufdringlich. Gewiss gibt es von Anfang an auch das \u00c4rgernis des Gegenteils: Nicht die Botschaft der heiligen Texte interessiert, sondern die ihnen zu Grunde liegende Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Verhei\u00dfung der Geburt Jesu? Der Mensch ist in seinem Innersten auf Gl\u00fcck und Freundschaft angelegt. Er kann ohne Freude nicht leben. Freude setzt einen Grund voraus. Man kann sich nicht einfach hin freuen.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Bischof Keppler sagte einmal: <em>\u201eMan darf nie vergessen, dass die Freude im Lebenshaushalt nicht Wurzel ist und nicht Stamm, sondern Bl\u00fcte.\u201c <\/em>Freude k\u00f6nnen uns menschliche Dinge und Bindungen schenken.<\/p>\n<p>Aber: Wir sp\u00fcren auch, dass in jedem menschlichen Zusammensein noch etwas Unerf\u00fclltes, Unausgesprochenes ist, eine letzte Einsamkeit. Nicht nur die Dinge, auch die Menschen sind zu klein, als dass sie die Sehnsucht unseres Herzens nach einem vollkommenen Einssein ganz zu erf\u00fcllen verm\u00f6gen. Jede menschliche N\u00e4he hier auf Erden ist Hinweis auf eine gr\u00f6\u00dfere, ganz erf\u00fcllende Verbundenheit in der ewigen Vollendung.<\/p>\n<p>Alle Freude in dieser Welt ist Vorfreude! Dies will uns der Advent sagen. Erst Gott ist die Erf\u00fcllung. Deshalb sind wir unser ganzes Leben lang Wartende. Aber wir wissen: \u201eDer Herr ist nahe!\u201c Die Geburt des Nazareners ist uns verhei\u00dfen. Seine ankommende N\u00e4he ist Freude, und in ihm finden wir unser tiefstes Gl\u00fcck! Die Kraft der Erinnerung kommt nach Dietrich Bonhoeffer \u2013 aus der Dankbarkeit. In ihm werden auch alle Schranken der Fremdheit, die sich vielleicht noch zwischen Mensch und Mensch geschoben haben, fallen. Jeder wird im Herrn dem Anderen unendlich nahe sein, mit ihm eins und doch in rechter Freiheit und Ehrfurcht.<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Gl\u00fcck und die gro\u00dfe Freude, die bereits beim Kommen des Herrn allem Volke verhei\u00dfen wurde, erf\u00fcllt und vollendet sich in der Ewigkeit. Schon jetzt l\u00e4sst uns die Kirche sie vorempfinden im Glauben!<\/p>\n<p>Maria selbst ist aber auch Vorbild des Advents \u2013 und Urbild urchristlichen Glaubens! Sie ist Vorbild adventlicher Hoffnung, gl\u00e4ubige Ganzhingabe und des Dienens aus dem Geist der Liebe. Sie ist Urbild des auf Gottes Wort h\u00f6renden und zu Gott betenden Menschen. Sie bewahrt und erw\u00e4gt in ihrem Herzen, was sie von Gott her geh\u00f6rt und gesehen hat (Vgl. Lk 2,19.51). F\u00fcr Maria gilt: Sie wird als die beispielshafte H\u00f6rerin des Wortes Gottes bezeichnet. Ihr wird die Geburt verhei\u00dfen. Sie wird als die <em>\u201eMagd des Herrn\u201c<\/em> bezeichnet, die \u201eJa\u201c zu Gottes Willen sagt als die \u201eBegnadete\u201c, die aus sich selber nichts, durch Gottes G\u00fcte aber alles ist. Durch die Verhei\u00dfung der Geburt Jesu wird Maria zum Urbild der Menschen, die sich von Gott \u00f6ffnen und beschenken lassen! Sie ist es, die als Vorbild der Kirche bezeichnet wird. Sie geht der Kirche voran. Durch ihr \u201eJa\u201c, das sie als erste und stellvertretend f\u00fcr alle spricht, wird sie zur \u201eEingangst\u00fcr Gottes\u201c in der Welt.<\/p>\n<p>Mit der Verhei\u00dfung der Geburt Jesu wird also der Menschheit ein neues Dasein angek\u00fcndigt und angeboten, das christliche Dasein, in dem der Mensch, unter der Weisung und in der Kraft Gottes endlich aus sich selbst herausfindet und auf eine Ebene gehoben wird, die es ihm m\u00f6glich macht, von sich selber fort auf Gott und den N\u00e4chsten zuzugehen. Die gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr uns heute bleibt und realisiert sich treu und zuverl\u00e4ssig in der Orientierung an der Botschaft Jesu Christi im t\u00e4glichen Leben, im gew\u00f6hnlichen Alltag, in der Familie und anderen Lebensverh\u00e4ltnissen wie Beruf und sozialen Bindungen wie bei sonstigen Aufgaben.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Prof. Dr. Alois Schifferle<br \/>\nLehrstuhl f\u00fcr Pastoraltheologie<br \/>\nKatholische Universit\u00e4t Eichst\u00e4tt-Ingolstadt<br \/>\n<a href=\"mailto:Alois.Schifferle@ku-eichstaett.de\">Alois.Schifferle@ku-eichstaett.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eVerhei\u00dfung der Geburt Jesu\u201c | 4. Advent | 19. 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