{"id":10224,"date":"2004-12-07T19:49:27","date_gmt":"2004-12-07T18:49:27","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10224"},"modified":"2025-05-12T13:27:25","modified_gmt":"2025-05-12T11:27:25","slug":"johannes-119-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-119-28\/","title":{"rendered":"Johannes 1,19-28"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>4. Advent | 19. Dezember 2004 | Johannes 1,19\u201328 | Lars Ole Gjesing |<\/h3>\n<p>Die vielen merkw\u00fcrdigen Fragen, die Johannes dem T\u00e4ufer in diesem Verh\u00f6r gestellt werden, machen zun\u00e4chst einmal einige Kommentare n\u00f6tig. Das Volk Israel hat nie geglaubt, dass die Dinge der Welt ununterbrochen ihren schiefen Gang gehen w\u00fcrden. Sie haben das Vertrauen zu Gott gehabt, dass er nicht allein der Sch\u00f6pfer alles Lebendigen, sondern auch sein Besch\u00fctzer und Wiederhersteller war.<\/p>\n<p>Deshalb ist das Alte Testament durchwoben von Erwartungen des Tages, an dem Gott im Ernst eingreifen und den Bedr\u00e4ngten mit klaren und einleuchtenden Taten zu Hilfe kommen wird. Deshalb finden wir \u00fcberall in ihren Schriften Erwartungen verschiedenster Art, wie Gott eingreifen k\u00f6nnte. Vor allem erwarteten viele Propheten, dass Gott den Frieden und die Herrschaft Israels wiederherstellen wird mit Hilfe eines neuen gesalbten K\u00f6nigs vom Schlage K\u00f6nig Davids.<\/p>\n<p>Der Gesalbte hei\u00dft Messias auf Hebr\u00e4isch und Christus auf Griechisch. Es war diese Messiaserwartung, die in Israel zur Zeit Jesu vorherrschend war. Aber im Alten Testament gab es auch andere Formulierungen derselben Art Hoffnung. Der Prophet Maleachi hatte sich daran gehalten, dass der Prophet Elias nicht gestorben war, sondern in einem Feuerwagen direkt zu Gott aufgefahren war, Maleachi erwartete also, dass Elias als Vorbereitung auf den gro\u00dfen Tag des Herrn wieder auf die Erde kommen w\u00fcrde. Und Moses gelobt dem Volk Israel, dass Gott nach dem Tod des Moses einen neuen Propheten derselben Art wie Moses als Anf\u00fchrer Israels schicken wird.<\/p>\n<p>Alle diese verschiedenen Ausgaben derselben Hoffnung auf ein Eingreifen waren zur Zeit Jesu sehr genau von den Schriftgelehrten studiert worden, und die Schriftgelehrten hatten die Erwartungen zu einem ganzen System ausgebaut, in dem man alle die verschiedenen erwarteten Gestalten nicht als verschiedene Versionen ein und derselben Hoffnung betrachtete, sondern als eine ganze Serie von verschiedenen Gestalten, die kommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Deshalb haben sie hier so viele Fragen an den T\u00e4ufer, als er als T\u00e4ufer mit besonderer Autorit\u00e4t aufzutreten beginnt: Bist du der Gesalbte, bist du Elias, bist du der Prophet, von dem Moses gesprochen hat? Aber Johannes sagt \u201enein\u201c zu allen Fragen. Er ist nur einer, der in der W\u00fcste ruft: Bereitet den Weg des Herrn. Niemand soll sich f\u00fcr seine, des Johannes Person interessieren. Er selbst ist an sich uninteressant. Nur was er \u00fcber das Kommen des Herrn sagt, ist von Interesse, wenn Johannes selbst es denn sagen soll.<\/p>\n<p>Er hat wohl nicht allzu viel \u00fcber Gesetze der Vermarktung gelernt. Hier geht es um Sichtbarmachung. Wer sich zur Geltung bringen will, muss vor allem sich selbst, seine Firma und sein Produkt sichtbar machen. Johannes macht systematisch das Gegenteil: er macht sich unsichtbar, lenkt alle Aufmerksamkeit von sich weg, obwohl er doch eine Stellung hat, die es ihm erlauben w\u00fcrde, Volksverf\u00fchrer zu sein und als alles M\u00f6gliche Huldigungen entgegenzunehmen. Er begn\u00fcgt sich damit, von sich wegzuzeigen und zu sagen: \u201eSiehe das Lamm Gottes\u201c, oder \u201emitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt, er, der nach mir kommt, und ich bin nicht w\u00fcrdig, ihm seine Schuhriemen zu l\u00f6sen\u201c. \u2013 So sieht der Evangelist Johannes den T\u00e4ufer: als einen, der nur deshalb wichtig ist, weil er auf Christus hinweist.<\/p>\n<p>Auf diese Weise gleicht die Rolle Johannes des T\u00e4ufers weitestgehend derjenigen der Kirche. Es gibt auch nur einen einzigen Sinn von Kirche und Gottesdienst und Verk\u00fcndigung: auf Christus hinzuweisen, um es kurz zu sagen.<\/p>\n<p>Trotzdem wird der Kirche unaufh\u00f6rlich auferlegt, sich sichtbar zu machen, sie soll sich profilieren, soll mehr auf sich selbst aufmerksam machen. Und es sind nicht blo\u00df kirchenfremde Experten des Marktes, die sich so vernehmen lassen, wenn ein Journalist einmal die Idee hat, danach zu fragen. Es gibt auch immer mal wieder kirchliche Vertrauensleute, die in denselben Fehler verfallen. Solche Aussagen sind nat\u00fcrlich gut gemeint. Man w\u00fcnscht sich, dass die Organisation, in der man seinen Einsatz leistet, gedeiht und bei den Menschen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht.<\/p>\n<p>Aber die Kirche hat nur einen einzigen Sinn, n\u00e4mlich Christus sichtbar zu machen. Wo die Kirche die Aufmerksamkeit auf sich selbst lenkt, da steht sie ihrer eigenen Hauptsache im Wege. Wir sollen den Platz bereiten, den Menschen zurufen, dass sie den Weg des Herrn ebnen, und dann im \u00dcbrigen zur Seite treten sollen, wie es der T\u00e4ufer getan hat. Die Kirche ist nur ein notwendiges \u00dcbel \u2013 nicht etwas, was in sich selbst irgendeine Bedeutung bes\u00e4\u00dfe. Es gab keine Kirche im Paradies, und in den Visionen vom Reich Gottes in der Offenbarung des Johannes gibt es auch keine Kirchen oder Tempel, denn Gott selbst wohnt mitten unter ihnen als ihre Sonne und ihr Licht. Einen Patz in der Zwischenzeit freihalten, das ist der Sinn der Kirche. Die Zwischenzeit ist unsere Zeit. Die Zeit, in der der Herr nicht sichtbar ist, in der wir aber auf sein Kommen warten und hoffen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Pfarrer Lars Ole Gjesing<br \/>\nS\u00f8ndergade 43<br \/>\nDK-5970 \u00c6resk\u00f8bing<br \/>\nTel.: ++ 45 \u2013 62 52 11 72<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:logj@km.dk\">logj@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong><em>\u00dcbersetzt aus dem D\u00e4nischen von Dietrich Harbsmeier <\/em><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Advent | 19. Dezember 2004 | Johannes 1,19\u201328 | Lars Ole Gjesing | Die vielen merkw\u00fcrdigen Fragen, die Johannes dem T\u00e4ufer in diesem Verh\u00f6r gestellt werden, machen zun\u00e4chst einmal einige Kommentare n\u00f6tig. Das Volk Israel hat nie geglaubt, dass die Dinge der Welt ununterbrochen ihren schiefen Gang gehen w\u00fcrden. 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