{"id":10228,"date":"2004-12-07T19:49:20","date_gmt":"2004-12-07T18:49:20","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10228"},"modified":"2025-05-12T13:36:42","modified_gmt":"2025-05-12T11:36:42","slug":"lukas-1-26-38-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1-26-38-2\/","title":{"rendered":"Lukas 1, 26-38"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><span style=\"color: #000099;\">4. Advent | 19. Dezember 2004 |\u00a0<\/span><span style=\"color: #000099;\">Lukas 1, 26-38 | Elisabeth Tobaben |<\/span><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-14898 alignnone\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/041219-7_clip_image002-300x203.jpg\" alt=\"\" width=\"692\" height=\"468\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/041219-7_clip_image002-300x203.jpg 300w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/041219-7_clip_image002-18x12.jpg 18w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/041219-7_clip_image002.jpg 555w\" sizes=\"auto, (max-width: 692px) 100vw, 692px\" \/><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Es gibt eine F\u00fclle k\u00fcnstlerischer Darstellungen aus verschiedenen Zeiten zur Geschichte der Verk\u00fcndigung an Maria, der Verhei\u00dfung der Geburt Jesu.<br \/>\nBesonders eindrucksvoll finde ich immer wieder dieses Fresko aus dem Kreuzgang des Brixener Doms.<br \/>\nEs ist vor einigen Jahren restauriert worden, und erstrahlt jetzt wieder in den urspr\u00fcnglichen, frischen, leuchtenden Farben.<br \/>\nDer Engel Gabriel mit ausladenden, zarten wei\u00dfen Fl\u00fcgeln und die jugendliche Maria knien einander gegen\u00fcber, beide in wallenden wei\u00dfen Gew\u00e4ndern.<br \/>\nDer Engelsbote hat die rechte Hand segnend erhoben, in der linken tr\u00e4gt er eine wei\u00dfe Lilie, Symbol des Lichtes, der Reinheit und Unschuld.<br \/>\nOben \u00fcber der Begegnungsszene thront Gott Vater, in der linken Hand die Weltkugel als Insignium der Macht.<br \/>\nAus seiner Rechten hat er gerade das Kind auf den Weg geschickt, es fliegt durch die Luft auf Maria zu \u2013 oder schwimmt es vielmehr?<br \/>\nJedenfalls wird es geleitet vom Heiligen Geist, durch eine wei\u00dfe Taube symbolisiert, der dem winzigen Wesen den Weg zeigt.<br \/>\nGeschultert tr\u00e4gt das ungeborene Kind bereits das Kreuz.<br \/>\nDie ganze Lebensgeschichte Jesu schwingt schon mit in diesem Bild.<\/p>\n<p>Und Maria?<br \/>\nSie hat die H\u00e4nde \u00fcberkreuz \u00fcber der Brust zusammengeschlagen, vor Schreck vielleicht, als wollte sie sich sch\u00fctzen vor dem, was ihr da zugemutet werden soll.<br \/>\nSehr ernsthaft blickt sie auf den Engel, aber doch auch ein bisschen fassungslos.<br \/>\nEin herrlich plastisch-realistisches Bild!<br \/>\nEin Kind ist \u201eunterwegs\u201c im wahrsten Sinne des Wortes, unterwegs in diese Welt, die es ver\u00e4ndern und auf den Weg des Friedens und des Heils bringen soll.<\/p>\n<p>Auf einen Stein der Verk\u00fcndigungskirche in Nazareth, an dem Platz, an dem die Verk\u00fcndigungs- Geschichte vielleicht gespielt haben k\u00f6nnte, hat ein Gl\u00e4ubiger in ganz fr\u00fcher Zeit geschrieben: \u201eFreu dich, Maria!\u201c (Wochenspruch Phil. 4,4)<br \/>\nMan hat diesen Stein in ein Museum nach Jerusalem gebracht, weil man in ihm ein Zeichen sah f\u00fcr die Wertsch\u00e4tzung, die Maria schon vor so langer Zeit entgegengebracht wurde.<\/p>\n<p>\u201eFreu dich, Maria!\u201c<br \/>\nAber zun\u00e4chst h\u00f6ren wir, dass Maria erschrickt.<br \/>\nAber erstaunlicherweise erschrickt sie gar nicht \u00fcber die unm\u00f6gliche Situation, in die sie da gerade geraten ist.<br \/>\nDass ein Engel kommt, ist allein ja schon aufregend genug, und dann noch zu ihr nach Nazareth!<br \/>\n\u201eWas kann aus Nazareth schon Gutes kommen?\u201c (Joh. 1,46)<br \/>\nDieses Kaff im heidnischen Galil\u00e4a \u2013 was kann man da schon erwarten?<br \/>\nDa gab es ganz andere, viel bedeutendere Orte, ganz abgesehen von dem, was die Propheten angek\u00fcndigt hatten, von Nazareth war da jedenfalls nie die Rede!<br \/>\nUnd dann handelt es sich ja auch noch um einen v\u00f6llig Fremden, der offenbar das Zimmer einer jungen Frau betritt, die noch dazu dort auch noch <em>allein<\/em> ist \u2013 ohne die Bewachung durch Vater oder Bruder, noch dazu verlobt &#8211; skandal\u00f6s!<br \/>\nDas tat man nicht, man redete eigentlich \u00fcberhaupt nicht mit einer fremden Frau!<br \/>\nDer Bote bringt Maria damit in Verruf, sie ger\u00e4t in eine sehr zwielichtige Rolle!<br \/>\nAber <em>das alles<\/em> scheint Maria gar nicht weiter zu ber\u00fchren, sie l\u00e4sst sich sogar auf ein Gespr\u00e4ch ein mit dem Fremden.<br \/>\nWas <em>sie<\/em> wundert, ist der <em>Gru\u00df,<\/em> den der Bote ihr entgegenbringt: \u201eSei gegr\u00fc\u00dft, du Begnadete, der Herr ist mit dir!\u201c<br \/>\nAls sie noch \u00fcberlegt, was das denn nun wohl hei\u00dfen k\u00f6nnte, wiederholt der Engel seinen Gru\u00df noch einmal und pr\u00e4zisiert, was er schon gesagt hatte. (V. 30)<br \/>\n\u201e\u2026du hast Gnade gefunden\u2026\u201c<br \/>\nDer Engel w\u00fcrdigt Maria, die sonst als junges M\u00e4dchen eigentlich keines Gru\u00dfes w\u00fcrdig w\u00e4re, noch dazu mit <em>solch <\/em>einem Gru\u00df!<br \/>\nDer Merkw\u00fcrdigkeiten sind kein Ende\u2026<br \/>\n<strong><em>Sie<\/em><\/strong> soll dem angek\u00fcndigten Kind einen Namen geben, obwohl das doch stets die Aufgabe des Mannes war.<br \/>\nUnd dann noch so einen! \u201eJesus\u201c \u2013 soll das Kind hei\u00dfen, \u201eGott hilft\u201c.<br \/>\nWas mag aus ihm werden?<br \/>\nNicht weniger als<em> Gottes<\/em> Ankunft in unserer Welt wird angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Jahrhunderte lang war Maria <em>die<\/em> biblische Figur, an der in besonderer Weise Unterw\u00fcrfigkeit, Ergebenheit, Demut und Geduld festgemacht wurden.<br \/>\nSo hat man sie (vor allem katholischen) Frauen als Vorbild hingestellt, ihr Verhaltern, ihre Einstellung als nie zu erreichendes Ideal vor Augen gemalt.<br \/>\nEs h\u00f6rt sich in unseren modernen Ohren ja auch so dem\u00fctig und untergeordnet an, wenn Lukas Maria sagen l\u00e4sst: \u201esiehe, ich bin des Herrn Magd\u2026\u201c.<br \/>\nDoch muss man bedenken: im alttestamentlichen Zusammenhang hat dieser Satz auch noch einen ganz anderen Klang:<br \/>\nMan kannte nat\u00fcrlich die ber\u00fchmten \u201eGottesknechtslieder\u201c des Propheten Jesaja.<br \/>\nUnd wenn Maria sich hier als \u201eMagd des Herrn\u201c bezeichnet, dann klingt das in Aram\u00e4isch wie die weibliche Fassung des Gottesknechtes.<br \/>\nDem Leser damals muss der Atem gestockt haben!<br \/>\nWas sagt sie da? \u201eMagd des Herrn\u201c? Darf sie das denn \u00fcberhaupt? Das steht ihr doch gar nicht zu!<br \/>\nEs ist, als h\u00e4tte Maria jetzt schon alles verstanden.<br \/>\nSie scheint im Vorab zu begreifen: dies Unfassbare, was mir hier gerade geschieht, es wird grundlegend, f\u00fcr immer und alle Zeiten das Leben auf den Kopf stellen!<br \/>\nMaria wird von nun an etwas Besonderes sein, von Gott auserw\u00e4hlt f\u00fcr eine besondere Aufgabe!<br \/>\nUnd in Maria beginnt die Befreiung aus allem, was uns gefangen h\u00e4lt.<br \/>\nSie erlebt es im Rahmen der Traditionen ihres Volkes, der Thron Davids wird ihrem Sohn verhei\u00dfen, als K\u00f6nig und Herrscher wird er angek\u00fcndigt.<br \/>\nDoch das, was dann kommen wird, geht weit \u00fcber die alten Vorstellungen hinaus!<br \/>\nSo wie in dem Bild aus dem Kreuzgang des Brixener Doms schon die ganze Jesus-Geschichte enthalten scheint, so deutet sich in Maria schon an, dass ihr Sohn aus noch ganz anderen Zw\u00e4ngen befreien wird.<br \/>\nDer erwachsene Jesus wird Menschen begegnen, sie in seine Nachfolge rufen, heilen und tr\u00f6sten, aber auch in Frage stellen und ins Leben rufen.<br \/>\n\u201eGanz Mensch und ganz Gott\u201c werden die alten Bekenntnisse sagen.<br \/>\nIn ihm kommen Himmel und Erde wieder zusammen, Gott und Mensch, Glauben und Leben.<\/p>\n<p>Martin Luther sagt: \u201eWenn ich das Evangelium nicht als blo\u00dfes Geschw\u00e4tz nehme, sondern wei\u00df: das Kind ist mein, und ich soll h\u00f6ren, was es lehrt mit Worten und Taten, dann bleibt\u2019s im Herzen festgewurzelt und beschlossen und der Mensch wird st\u00e4rker davon\u2026Es soll kein Wort sein, das vor\u00fcberrauscht: er (Christus) soll <em>mir<\/em> empfangen und geboren sein.\u201c<br \/>\nDazu helfe uns Gottes Geist.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Elisabeth Tobaben<br \/>\n<b> Ev. Luth. Inselkirchengemeinde JUIST<\/b><br \/>\n<a href=\"mailto:Elisabeth.Tobaben@evlka.de\">Elisabeth.Tobaben@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Advent | 19. Dezember 2004 |\u00a0Lukas 1, 26-38 | Elisabeth Tobaben | Liebe Gemeinde! Es gibt eine F\u00fclle k\u00fcnstlerischer Darstellungen aus verschiedenen Zeiten zur Geschichte der Verk\u00fcndigung an Maria, der Verhei\u00dfung der Geburt Jesu. Besonders eindrucksvoll finde ich immer wieder dieses Fresko aus dem Kreuzgang des Brixener Doms. 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