{"id":10252,"date":"2004-12-07T19:49:26","date_gmt":"2004-12-07T18:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10252"},"modified":"2025-05-12T14:42:28","modified_gmt":"2025-05-12T12:42:28","slug":"matthaeus-23-34-39","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-23-34-39\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 23, 34-39"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>2. Weihnachtstag | 26. Dezember 2004 | Matth\u00e4us 23,34\u201339 | Lars Ole Gjesing |<\/h3>\n<p>Es wohnt ein kolossaler Realismus im christlichen Glauben. Eine Erkenntnis des Zustandes der Dinge auf dieser Erde. Da gibt es niemanden, der einem etwas auf den Arm binden wollte. Obwohl der Ausgangspunkt das ist, was wir in der Weihnachtszeit feiern, dass der Gott, der den Menschen und ihrer Erde aus Liebe Leben geschenkt hat, direkt in die Welt gekommen ist \u2013 obwohl dies der Ausgangspunkt ist, so verbirgt sich darin keine Vorstellung, dass damit alles gut w\u00e4re. Wenn \u00fcberhaupt irgendwo die Unordnung der Welt und ihre grundlegende Zweideutigkeit festgehalten wird, dann geschieht das hier im Hause.<\/p>\n<p>Die Zweideutigkeit der Welt ist ja dies, dass es gut und b\u00f6se neben einander gibt, dass Leben und Tod, Hass und Liebe um die Macht k\u00e4mpfen, ohne dass jemand von vornherein der einen oder der anderen Seite die Macht und die Ehre und das Reich zuerkennen k\u00f6nnte. Wir sehen, dass sich das Leben gegen den Tod zu behaupten vermag, aber wir sehen auch, dass jedes Leben mit dem Tod endet. Wir sehen auch, dass es dem B\u00f6sen oft gut geht und dem Guten schlecht. Wir sehen auch \u2013 besonders heute am Stephanitag -, dass der, der sich am st\u00e4rksten zur Liebe Gottes bekennt, Gefahr l\u00e4uft, M\u00e4chten zum Opfer zu fallen, die es anders wollen. \u2013 Alles h\u00f6chst realistisch, und es entspricht unserer gew\u00f6hnlichen Erfahrung.<\/p>\n<p>Der christliche Glaube behauptet nicht, dass die Welt anders aussieht, als sie tats\u00e4chlich aussieht, und anders, als wir sie sehen. Aber er nimmt Partei! Im Streit zwischen Gut und B\u00f6se und zwischen Leben und Tod steht der christliche Glaube auf der Seite des Lebens, und zwar so, dass wir zu glauben wagen, dass Gott selbst ein Feind von Tod und Untergang ist. Ja, das Evangelium \u2013 sowohl das Weihnachtsevangelium als auch das Osterevangelium \u2013 sagen genau dies, dass Gott Partei ergriffen hat, dass er f\u00fcr das Leben und die Liebe einsteht, f\u00fcr die er die Erde geschaffen hat.<\/p>\n<p>Aber das ist ja gerade das, was nicht einleuchtet. Die Welt hat ja ihre Zweideutigkeit nicht abgelegt, nachdem Jesus hier gewesen ist. Der Kampf rast weiter mit unverminderter St\u00e4rke zwischen Leben und Tod. Die Welt hat sich nicht ver\u00e4ndert, nur weil zum ersten Mal Weihnachten gewesen ist.<\/p>\n<p>Obwohl wir uns hier im Hause jetzt zu dem Glauben daran bekennen, dass Gott das Leben liebt und den Tod hasst, sind wir doch fortgesetzt Menschen, die verlieren und sterben m\u00fcssen. Und hier wimmelt es mit Fragen, die sich stellen. Wenn Gott das Leben liebt und den Tod hasst, warum gibt es dann den Tod? Wenn alle Macht im Himmel und auf Erden dem Tod widersteht, wie kann es ihn dann geben? Und wie k\u00f6nnen alle seine Begleiterscheinungen wie Krankheit, Hunger, Krieg, Missmut, Verfolgung usw. so gut gedeihen, wie das der Fall ist? So gut, dass wir nicht umhin k\u00f6nnen zuzugeben, dass die Welt genauso zweideutig ist wie vorher?<\/p>\n<p>Es ist die uralte Frage nach dem B\u00f6sen. Wie kann es das geben, wenn Gott gut ist? Auf diese Frage gibt es keine ordentliche Antwort. Genau dieser Realismus ist so typisch f\u00fcr den christlichen Glauben, dass er daran festh\u00e4lt, dass es das B\u00f6se gibt, ganz unwiderlegbar und machtvoll. Auf der anderen Seite kann man sehr wohl die Frage beantworten, warum es keine Antwort auf das Problem des B\u00f6sen gibt. Weil n\u00e4mlich eine jede angemessene Erkl\u00e4rung, die man f\u00fcr das B\u00f6se geben kann, ihrerseits der Sache des B\u00f6sen dient! Eine Erkl\u00e4rung besteht ja darin, wahrscheinliche Gr\u00fcnde f\u00fcr die Existenz des B\u00f6sen anzugeben, und sobald man wahrscheinliche Gr\u00fcnde daf\u00fcr angef\u00fchrt hat, hat man ihm das Recht zugesprochen dazusein. Deshalb ist es gut und richtig, dass es keine Antwort auf das Problem des B\u00f6sen gibt. Jede Erkl\u00e4rung des Leidens und des B\u00f6sen ist selbst b\u00f6se. Sie findet sich n\u00e4mlich mit dem B\u00f6sen ab, anstatt es zu bek\u00e4mpfen und sich der Notleidenden anzunehmen.<\/p>\n<p>Von Anfang bis Ende \u2013 d.h. von Weihnachten bis Ostern \u2013 tat Jesus selbst genau dies. Er bek\u00e4mpfte B\u00f6ses und Tod durch Heilung, Trost, Speisung, Auferweckung und mancherlei F\u00fcrsorge, und er forderte jeden anderen auf, ebenso zu handeln: sich dem B\u00f6sen in den Weg zu stellen, soweit die Kr\u00e4fte reichten. Das ist der Glaube Jesu, dass man, wenn man sich zur Liebe Gottes bekennt, danach handeln muss. Aber wenn ihn jemand fragte, woher das B\u00f6se komme und warum es existieren k\u00f6nne, dann gab er keine Antwort. Denn wer hier antwortet, wird ein Diener des B\u00f6sen. Vielmehr tat er etwas anderes. Er nahm selbst das Leiden und das B\u00f6se auf sich, die ihn gar nichts angingen. Er tat es mit offenen Augen. Er tat es in dem Glauben, er k\u00f6nnte damit Gott dazu bewegen, sein wahres Gesicht zu zeigen. Es war Jesu Hoffnung, dass Gott der Liebende war, der den Tod nicht auf ewig w\u00fcrde w\u00fcten lassen. In diesem Glauben gab er sein Leben und vermochte Gott dazu, sein Angesicht am Ostermorgen zu zeigen, sich als den zu zeigen, der den Tod nicht dulden will.<\/p>\n<p>Es ist christlicher Glaube, dass Gott an dem Morgen sein wahres Gesicht gezeigt hat. Dass die ganze Zweideutigkeit der Welt nur vorl\u00e4ufig ist, dass der Tod das Spiel verloren hat, so dass wir ruhig hier leben k\u00f6nnen, obwohl es auf den Tod zugeht. Genau dies taten Stephan und die vielen anderen M\u00e4rtyrer im Lauf der Jahrhunderte. Sie lie\u00dfen nicht zu, dass das B\u00f6se sie \u00fcberwand, denn sie hatten dieselbe Hoffnung und denselben Glauben, den Jesus hatte, als er sich auf das Menschenleben einlie\u00df. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Lars Ole Gjesing<br \/>\nS\u00f8ndergade 43<br \/>\nDK-5970 \u00c6resk\u00f8bing<br \/>\nTel.: ++ 45 \u2013 62 52 11 72<br \/>\nE-mail:<a href=\"mailto:logj@km.dk\"> logj@km.dk <\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzt aus dem D\u00e4nischen von Dietrich Harbsmeier<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Weihnachtstag | 26. Dezember 2004 | Matth\u00e4us 23,34\u201339 | Lars Ole Gjesing | Es wohnt ein kolossaler Realismus im christlichen Glauben. Eine Erkenntnis des Zustandes der Dinge auf dieser Erde. Da gibt es niemanden, der einem etwas auf den Arm binden wollte. 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