{"id":10253,"date":"2004-12-07T19:49:14","date_gmt":"2004-12-07T18:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10253"},"modified":"2025-05-12T14:43:34","modified_gmt":"2025-05-12T12:43:34","slug":"johannes-8-12-16-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-8-12-16-4\/","title":{"rendered":"Johannes 8, 12-16"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">2. Weihnachtstag | 26. Dezember 2004 |\u00a0<\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">Johannes 8, 12-16 | Paul Kluge |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Geschwister,<\/p>\n<p>noch flimmert und flackert, blitzt und blinkt es aus Fenstern und von Balkonen. Manches Haus, mancher Vorgarten ist in ein Lichternetz eingewickelt. Die weihnachtlichen Dekorationen erinnern eher an eine Kirmes als an Jesus Christus, und es scheint, dass um so mehr Gl\u00fchbirnen eingeschraubt werden, je weniger die Menschen vom Licht der Welt wissen.<\/p>\n<p>Der f\u00fcr heute vorgeschlagene Predigttext passt nicht gut in solche Lichterseligkeit. In ihm geht es nicht um Tausende von Gl\u00fchbirnen, sondern um ein einziges, um das einzige Licht. Im achten Kapitel des Johannesevangeliums hei\u00dft es in den Versen 12 bis 16:<\/p>\n<p><em>&#8222;Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Da sprachen die Pharis\u00e4er zu ihm: Du gibst Zeugnis von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr; denn ich wei\u00df, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wi\u00dft nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe. Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand. Wenn ich aber richte, so ist mein Richten gerecht; denn ich bin&#8217;s nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Pharis\u00e4er und Schriftgelehrte n\u00e4mlich hatten versucht, Jesus eine juristische zu stellen: &#8222;Das Gesetz schreibt vor, Ehebrecherinnen zu steinigen, was sagst du dazu?&#8220; Seine Antwort hatte sie mehr als besch\u00e4mt: &#8222;Wer unter euch ohne S\u00fcnde ist, der werfe den ersten Stein.&#8220; Dann hatte er die Frau nach Hause geschickt, Pharis\u00e4er und Schriftgelehrte hatten sich schon vorher davongeschlichen.<\/p>\n<p>Dieser Vorfall &#8211; er geschah im Tempel &#8211; hatte Aufsehen erregt. Jesus sa\u00df allein auf einer Bank und beobachtete die Menschen. \u00dcberall standen sie in Gruppen und Gr\u00fcppchen zusammen, beredeten den Fall. Wu\u00dften nicht, wie sie das Urteil Jesu beurteilen sollten. Einerseits hatten sie ein Gesetz, und nach diesem Gesetz h\u00e4tte die Frau sterben m\u00fcssen. Andererseits hatten auch die Davongeschlichenen sich als schuldig bekannt. Manche, die das mitbekommen hatten, waren von denen entt\u00e4uscht, die als Vorbilder galten; andere waren ratlos, und noch andere reagierten mit Schadenfreude und hatten ihr h\u00e4misches Vergn\u00fcgen an dem Urteil Jesu.<\/p>\n<p>Eine dieser Gruppen stand ziemlich nahe bei Jesus, und er h\u00f6rte, wor\u00fcber sie sprachen: Wo sie denn hink\u00e4men, wenn das Gesetz einfach so ausgehebelt w\u00fcrde, fragte einer, und ein anderer meinte, Gesetze seien unbedingt einzuhalten. Ein dritter forderte, die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten m\u00fcssten diese Blo\u00dfstellung vergelten &#8211; schlie\u00dflich garantiere ihre Treue zum Wortlaut der Schrift den Fortbestand von Gesetz und Ordnung. &#8222;Reden wir doch mal mit ihm,&#8220; schlug einer vor. Z\u00f6gerlich setzte sich das Gr\u00fcppchen in Bewegung. Als es sich Jesus n\u00e4herte, malte er mit einem Stock im Sand, Linien, Kurven, Kreise &#8211; wie manch einer kritzelt, wenn er nachdenkt.<\/p>\n<p>&#8222;Meister,&#8220; sprach einer ihn an, &#8222;Wir haben gelernt und glauben es, dass das Gesetz des Mose unseres Fu\u00dfes Leuchte ist und ein Licht auf unseren Wegen; wer dies Gesetz nicht h\u00e4lt, geht im Dunkel der Gesetzlosigkeit unter. Du aber -&#8220; Abrupt stand Jesus auf: &#8222;Ich bin das Licht der Welt!&#8220; rief er ziemlich laut und erregt. Andere Gruppen drehten ihre K\u00f6pfe zu ihm hin, kamen n\u00e4her. Jesus wartete, wiederholte dann, etwas ruhiger, noch einmal: &#8222;Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wer tut, was ich sage und lebt, wie ich lebe, braucht das Dunkel nicht zu f\u00fcrchten, denn er lebt im Licht.&#8220;<\/p>\n<p>Die Umstehenden &#8211; darunter auch einige Pharis\u00e4er &#8211; waren erst einmal stumm. Doch sie kannten sich in den Gesetzen aus, und so hielt einer ihm entgegen: &#8222;Du sagst \u00fcber und f\u00fcr dich selbst aus. Du wei\u00dft, dass das vor Gericht nicht zieht.&#8220; &#8211; &#8222;Erstens stehe ich hier nicht vor Gericht,&#8220; antwortete Jesus, &#8222;und zweitens stimmt es einfach, was ich sage.&#8220;<\/p>\n<p>Das k\u00f6nne er best\u00e4tigen, lie\u00df sich einer aus der inzwischen angewachsenen Zahl der Umstehenden vernehmen, er habe sich davon \u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Alle reckten ihre H\u00e4lse in die Richtung, aus der die Stimme kam. Auch Jesus versuchte zu erkennen, wer das gesagt hatte. Der Sprecher dr\u00e4ngelte sich durch die Menschen &#8211; Jesus erkannte Nikodemus, den Pharis\u00e4er und Politiker, mit dem er eine lange Nacht hindurch diskutiert hatte. Nikodemus war damals im Morgengrauen sehr nachdenklich gegangen, jetzt merkte Jesus, dass die Saat aufgegangen war. Die beiden begr\u00fc\u00dften sich herzlich, dann erz\u00e4hlte Nikodemus den Umstehenden von seinem Gespr\u00e4ch mit Jesus und wie der ihm die Schrift erschlossen habe. &#8222;Er hat mich neu sehen gelehrt,&#8220; gestand Nikodemus, &#8222;ich habe erkannt, dass das Gesetz des Mose, dass Gottes Gebot die Menschen richtet, aber nicht verurteilt. Es richtet unsere F\u00fc\u00dfe auf den Weg des Friedens, richtet unsere Herzen auf den Weg der Liebe. Es geht nicht darum, recht zu haben oder zu bekommen, es geht darum, recht zu tun. Daran wird sich unser Leben entscheiden.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Wir werden dich ausschlie\u00dfen,&#8220; drohte ein anderer Pharis\u00e4er, &#8222;was du da sagst, verst\u00f6\u00dft gegen unsere Satzung. Gilt, was dieser Jesus sagt, mehr als alles, was geschrieben steht?&#8220; Ein Schriftgelehrter rief: &#8222;Wer ist das \u00fcberhaupt, woher kommt der, was hat der f\u00fcr eine Ausbildung?&#8220; &#8211; &#8222;Das wei\u00df ich nicht,&#8220; antwortete Nikodemus, &#8222;und das interessiert mich auch nicht. Ich wei\u00df nur, dass mir durch ihn ein Licht aufgegangen und mein Leben viel heller geworden ist. Daf\u00fcr muss man sich allerdings auf ihn einlassen, und das bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen. Nicht nach oben buckeln und nach unten treten, sondern genau umgekehrt: Denen, die unten sind, dienen, und den Herrschenden entgegentreten. So haben es die Propheten gewollt und getan, und so sollen auch wir handeln!&#8220;<\/p>\n<p>Einige klatschten Beifall. Doch ein Priester, der sich dazu gesellt hatte, warnte, das d\u00fcrfte aber kein R\u00f6mer h\u00f6ren, das sei ja fast schon Aufruhr. Das Volk aber k\u00f6nne nur \u00fcberleben, wenn es der r\u00f6mischen Obrigkeit untertan sei und bleibe. Wer anderes wolle, w\u00fcrde am Kreuz enden.<\/p>\n<p>Der Priester ging weiter; die Menschen um Jesus emp\u00f6rten sich \u00fcber ihn und seines gleichen: &#8222;Arbeiten mit den Besatzern zusammen, um ihre P\u00f6stchen zu sichern,&#8220; schimpfte einer, und ein anderer meinte, die seinen kaum besser als die Z\u00f6llner und man solle nicht auf sie h\u00f6ren. &#8222;Aus ihren \u00c4mtern soll man sie jagen!&#8220; forderte ein dritter.<\/p>\n<p>&#8222;Nun mal langsam,&#8220; ergriff Jesus das Wort, &#8222;wir sollten keinen verurteilen, solange wir seine Beweggr\u00fcnde nicht kennen. Immerhin haben die r\u00f6merfreundlichen Priester erreicht, dass wir unsere Religion aus\u00fcben k\u00f6nnen. In anderen besetzten L\u00e4ndern gibt es das nicht. Ich jedenfalls kann die Priester nicht verurteilen. Lesen wir nicht in der Schrift, dass Gott keinen Menschen verurteilt, sondern stets nur bestimmtes Verhalten, dass er wohl die S\u00fcnde, nicht aber die S\u00fcnder verurteilt? Daran halte ich mich und wei\u00df ich eins mit meinem Vater im Himmel, und ihr solltet das auch tun!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ja, aber -&#8220; wand jemand ein. &#8222;Kein Aber,&#8220; konterte Nikodemus, &#8222;es liegt auch an uns, ob wir Leid und Leiden vermehren oder mindern, ob wir das Dunkel in der Welt noch dunkler machen oder ob wir, wo wir k\u00f6nnen, ein bisschen Licht in die Welt bringen. Ich habe von Jesus gelernt, dass das geht. Jetzt geht &#8211; und tragt in die Welt nun ein Licht.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich l\u00f6ste die Ansammlung sich auf, manche kopfsch\u00fcttelnd, andere nachdenklich. Einer ging zu Jesus und fragte, ob er bei ihm bleiben k\u00f6nne. Er konnte. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Paul Kluge, P. em.<br \/>\nGrosser Werder 17<br \/>\nD-39114 Magdeburg<br \/>\n<a href=\"mailto:Paul.Kluge@t-online.de\">Paul.Kluge@t-online.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Weihnachtstag | 26. Dezember 2004 |\u00a0Johannes 8, 12-16 | Paul Kluge | Liebe Geschwister, noch flimmert und flackert, blitzt und blinkt es aus Fenstern und von Balkonen. Manches Haus, mancher Vorgarten ist in ein Lichternetz eingewickelt. 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