{"id":10257,"date":"2004-12-07T19:49:24","date_gmt":"2004-12-07T18:49:24","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10257"},"modified":"2025-05-12T14:57:15","modified_gmt":"2025-05-12T12:57:15","slug":"johannes-8-12-16-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-8-12-16-2\/","title":{"rendered":"Johannes 8, 12-16"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><span style=\"font-size: 18px;\"><b><span style=\"color: #000099;\">2. Weihnachtstag | 26. Dezember 2004 |\u00a0<\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">Johannes 8, 12-16 | Monika Waldeck |<\/span><\/b><\/span><\/h3>\n<p>Der 2. Weihnachtstag ist angebrochen und Sie haben sich auf den Weg in die Kirche begeben.<br \/>\nWas erwarten Sie am heutigen Morgen vom Gottesdienst?<\/p>\n<p>Wenn wir uns jetzt dar\u00fcber austauschen w\u00fcrden, k\u00e4me wahrscheinlich sehr Unterschiedliches zusammen.<\/p>\n<p>Es ist die Zeit nach dem Heiligen Abend, der den ersten H\u00f6hepunkt des<br \/>\nWeihnachtsfestes darstellt, f\u00fcr viele Menschen eine Zeit hochgespannter<br \/>\nErwartungen, nicht nur f\u00fcr die Kinder.<br \/>\nWer einen guten Kontakt zu seiner Familie hat, verbringt diese Tage mit ihr und oft ist<br \/>\ndie Vorfreude auf die Begegnung mit den anderen gro\u00df. Gemeinsame Erlebnisse<br \/>\nstehen auf dem Programm, Essen und erz\u00e4hlen, der Kirchgang, um sich vom<br \/>\nKrippenspiel der Kinder anr\u00fchren zu lassen oder die feierliche Christmette zu<br \/>\nerleben. Man versichert sich der anderen und gewinnt darin selbst Sicherheit.<\/p>\n<p>Wenn Weihnachten mit so hohen Erwartungen besetzt ist, sitzt die Entt\u00e4uschung \u00fcber nicht erf\u00fcllte Hoffnungen umso tiefer.<br \/>\nMitarbeiter\/innen der Beratungsstellen, Notdienste oder Telefonseelsorge k\u00f6nnen ein Lied davon singen, wie die h\u00e4usliche Gewalt in diesen Tagen explodiert, aber auch, wie Menschen sich f\u00fchlen, f\u00fcr die der Wunsch auf ein gemeinsam verlebtes Fest unerf\u00fcllbar bleibt.<br \/>\nEinsamkeit zu Weihnachten ist bitterer als zu anderen Zeiten des Jahres.<\/p>\n<p>Manch einer mag sich w\u00fcnschen, das Fest w\u00e4re schon vorbei, weil er vielleicht gerade in diesem Jahr seine Arbeit verloren hat wie so Viele in unserer Region. Da ist es schmerzhaft, nicht mehr einfach Geschenke einkaufen zu k\u00f6nnen wie sonst und mit Angst auf die Ver\u00e4nderungen durch die Sozialreformen im kommenden Jahr zu blicken.<\/p>\n<p>Heute ist der 2. Weihnachtstag. Das Fest neigt sich langsam dem Ende zu. So f\u00fchlen wir es, obwohl der Weihnachtskreis der Kirche erst jetzt beginnt.<br \/>\nSchade, sagen die einen, Gott sei Dank die anderen.<br \/>\nUnd wir, die wir heute morgen hier versammelt sind?<\/p>\n<p>Vielleicht kehrt jetzt erst bei einigen von uns Ruhe ein, die Gedanken auf den Grund dieses Festes zu richten.<br \/>\nVielleicht ist es f\u00fcr andere leichter, heute, an diesem Br\u00fcckentag zum Alltag in die Kirche zu kommen.<br \/>\nVielleicht w\u00fcnschen wir uns, dass etwas eingel\u00f6st wird von den Versprechen, die das Fest f\u00fcr uns auch in diesem Jahr wieder nicht gehalten hat.<br \/>\nVielleicht m\u00f6chten wir heute einfach noch einmal die Lichter des Festes in uns aufnehmen.<\/p>\n<p>Ein weihnachtliches Wort des erwachsenen Jesus begegnet uns heute morgen im Text des Johannesevangeliums., wo es hei\u00dft:<\/p>\n<p><strong>&#8222;Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.<br \/>\nDa sprachen die Pharis\u00e4er zu ihm: Du gibst Zeugnis von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr.<br \/>\nJesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr; denn ich wei\u00df, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe.<br \/>\nIhr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand.<br \/>\nWenn ich aber richte, so ist mein Richten gerecht; denn ich bin`s nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.&#8220;(Joh 8, 12-16)<\/strong><\/p>\n<p>Vertraut sind uns die Worte vom Licht am Anfang, er wird oft als Konfirmanden-, Tauf- oder Trauspruch gew\u00e4hlt, weil er als Leitwort \u00fcber einem ganzen Leben stehen kann.<br \/>\nJesus sagt von sich, er sei das Licht der Welt und spricht uns unmittelbar an, denn wir wissen: Ohne Licht gibt es kein Leben, ohne Licht w\u00e4ren wir verloren.<br \/>\nDenen, die daran glauben, verspricht Jesus das Licht des Lebens. Da verliert die Angst ihren Schrecken.<br \/>\nDas klingt ermutigend, besonders in dieser Festzeit, die bei uns so hoch gesch\u00e4tzt ist, aber auch so entt\u00e4uschend erlebt werden kann.<br \/>\nSolch ein mutmachendes Wort w\u00fcnsche ich mir in einer be\u00e4ngstigenden verunsichernden Lebenssituation, denn es l\u00e4sst mich f\u00fchlen, dass ich einen starken Beistand im R\u00fccken habe, eine Kraft, die von Gott kommt.<\/p>\n<p>Damals, zur Zeit Jesu, empfanden besonders die Pharis\u00e4er dieses Wort als Zumutung. Wie kann ein Mensch behaupten, die Kraft Gottes, das Licht der Welt zu sein? Das gab es noch nie, das setzt alle Sicherheiten und Regeln au\u00dfer Kraft.<br \/>\nUnbeweglich, wie erstarrt scheinen sie im Text, abwehrend in ihrer Haltung.<\/p>\n<p>Jesus antwortet ihnen, dass sie nichts verstanden h\u00e4tten.<br \/>\nWeder von Jesus, noch von sich selbst.<br \/>\nEr gebraucht Worte der Bewegung: \u201enachfolgen\u201c, \u201ewandeln\u201c, \u201ekommen\u201c, \u201egehen\u201c.<br \/>\nUnd wir verstehen, dass wir selbst angesprochen werden.<br \/>\nEr will uns herauslocken, will uns ermutigen, Schritte zu tun aus der Erstarrung heraus.<br \/>\nWir erhalten eine Verhei\u00dfung, Jesus hilft uns zu sehen, was Glaube bedeutet: eine Bewegung aus dem Gewohnten heraus.<br \/>\nAus der Abwehr gegen andere, aus den Vorurteilen und den \u00c4ngsten, aus unseren Schicksalen und den Traurigkeiten, aber auch aus Sicherheiten und privatem Gl\u00fcck.<br \/>\nDas Licht ist in die Welt gekommen. Jesus Christus ist geboren. Gott hat eine Beziehung zu uns aufgenommen.<\/p>\n<p>Wie ich etwas davon sp\u00fcren kann?<br \/>\nEine Szene aus unserer Studentengemeinde f\u00e4llt mir ein.<\/p>\n<p>Nach der Weihnachtsandacht sitzen wir noch eine Weile bei Pl\u00e4tzchen und Tee zusammen. Vier Studenten sind das erste Mal gekommen.<br \/>\nVorher waren sie bei einer Zenmeditation.<br \/>\n\u201eDann k\u00f6nnen wir die Weihnachtsfeier in der ESG auch noch besuchen\u201c, haben sie sich gedacht.<br \/>\nWir kommen ins Gespr\u00e4ch und tauschen uns \u00fcber die verschiedenen Weisen der Meditation in den \u00f6stlichen und westlichen Kulturen aus.<br \/>\n\u201eMir ist aufgefallen\u201c, sagt eine der Studentinnen, \u201edass es hier viel w\u00e4rmer war.<br \/>\nBei der Zenmeditation sass jeder mit dem Gesicht zur Wand, es gab klare, strikte Anweisungen, man begab sich allein auf die Reise zum Nichts hin. Das war mir sehr fremd.<br \/>\nAber hier: Die Kerzen in der Mitte und die Gedanken zur Bibelstelle, die das Kind in der Krippe und seine Bedeutung f\u00fcr uns beschreiben, dazu wir alle im Kreis und mit unseren eigenen Gedanken dazu, da ging mir richtig das Herz auf. Da f\u00fchlte ich mich auf einmal wie zu Hause, ich wusste, hier geh\u00f6re ich hin.\u201c<\/p>\n<p>Diese Aussage war nicht als Diffamierung einer anderen Kultur gemeint. Sie machte die Besonderheit des christlichen Glauben deutlich.<br \/>\nIch h\u00f6rte in ihr, dass die Studentin einen Kontakt fand zu ihren eigenen religi\u00f6sen Wurzeln.<br \/>\nUnd das brachte in mir selbst etwas zum Klingen.<br \/>\nDenn das ist ja das Entscheidende des Christentums: Es hat etwas W\u00e4rmendes.<\/p>\n<p>Gott nimmt zu uns Menschen Beziehung auf. Zu Weihnachten wird er als das Licht der Welt geboren, als kleines Kind. Er wei\u00df also, wie wir uns f\u00fchlen in unserer Schutzlosigkeit, in unserer Angst und Ungeborgenheit.<br \/>\nUnd kann uns so aus ihr herausf\u00fchren.<br \/>\nIm Glauben an Jesus Christus, das Licht der Welt, k\u00f6nnen wir die Finsternis hinter uns lassen. Das ist das Versprechen Gottes, das Weihnachten besonders f\u00fchlbar und greifbar wird.<br \/>\nVielleicht veranlasst dies nicht nur mich, heute in den Gottesdienst zu gehen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte Anteil an diesem Heilsereignis haben, mich verkn\u00fcpfen mit den Menschen, die vor mir gelebt und daran geglaubt haben.<br \/>\nIch m\u00f6chte entdecken, was mir in der Ungewissheit meines Menschseins Halt und Kraft und Sinn gibt.<br \/>\nIch m\u00f6chte eine Antwort finden auf das Geschenk Gottes an mich. Es wird eine Antwort sein, die nur im Glauben gegeben werden kann. Argumente haben hier ihre Grenzen.<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin das Licht der Welt&#8220;, sagt Jesus zu uns an diesem Weihnachtstag, &#8222;wer an mich glaubt, der wird nicht in der Finsternis wandeln.&#8220;<br \/>\nWir d\u00fcrfen daran glauben, an jedem Tag unseres Lebens. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Monika Waldeck, Studentenpfarrerin<br \/>\n<a href=\"mailto:waldeck.esg-wiz@ekkw.de\">waldeck.esg-wiz@ekkw.de <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Weihnachtstag | 26. Dezember 2004 |\u00a0Johannes 8, 12-16 | Monika Waldeck | Der 2. Weihnachtstag ist angebrochen und Sie haben sich auf den Weg in die Kirche begeben. Was erwarten Sie am heutigen Morgen vom Gottesdienst? Wenn wir uns jetzt dar\u00fcber austauschen w\u00fcrden, k\u00e4me wahrscheinlich sehr Unterschiedliches zusammen. 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