{"id":10267,"date":"2004-12-07T19:49:22","date_gmt":"2004-12-07T18:49:22","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10267"},"modified":"2025-05-13T08:33:34","modified_gmt":"2025-05-13T06:33:34","slug":"lukas-2232-jahreslosung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2232-jahreslosung\/","title":{"rendered":"Lukas 22,32"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Predigt <\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">anl\u00e4sslich der Flutkatastrophe im Indischen Ozean | <\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">Jahresanfang 2005 | Lukas 22,32, (Jahreslosung) |\u00a0Wolfgang Wallrich |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Anmerkung: Die Predigt wurde in einem Gottesdienst zum Jahreswechsel in St.Gertrud in Stockholm gehalten.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Pray for us&#8220; -&#8222;Betet f\u00fcr uns&#8220;<\/strong>, schreibt uns am 30.Dezember Robinson Butarbar, Mitarbeiter der VEM, der Evang. Vereinigten Mission, aus Sri Lanka<\/p>\n<p>Dringlichste Aufgabe sei es, die obdachlos gewordenen Menschen unterzubringen und sie mit Medizin und sauberem Trinkwasser zu versorgen bei ihnen zu sein. Die Kirchen in Sri Lanka begehen den 31.12.2004 und 1.1.2005 als nationalen Trauer- und Gebetstag. Zehntausende von Menschen werden betrauert.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Pray for us&#8220; &#8222;Betet f\u00fcr uns&#8220;, schreiben sie uns<\/strong>. Wenn ich den Fernseher oder das Radio einschalte, habe ich Angst vor neuen Zahlen. Die Opfer der Flutwelle in S\u00fcdasien steigen und steigen &#8211; die Obdachlosigkeit ist so gro\u00df als wenn alle Berliner, Hamburger, M\u00fcnchener und Stockholmer obdachlos w\u00e4ren &#8211; ja fast alle Schweden. &#8222;Terroranschlag der Natur&#8220; sagen Journalisten. Die Bilder zeigen bisher Unvorstellbares.<\/p>\n<p><strong>Ach Gott&#8230;beten<\/strong> Wut und Verzweiflung h\u00f6re ich fragen: Warum bauten die Hoteliers so dicht am Meer.. um gut zu verdienen Sicherungen wurden ausgespart.. um Kunden zu locken..um gut zu verdienen. Es geht immer um den momentanen Gewinn. Billig fliegen und weit reisen.. der Dollar steht tief&#8230; Reisen bis ans Ende der Welt. Sharehoulder &#8211; Value &#8211; Fans sehen nur auf ihr Konto und nicht auf den Markt, obwohl ihr Geld vom Markt kommt. Der Markt ..das sind Menschen unsrer einen Welt. Die \u00c4rmsten der Armen hat es getroffen.<\/p>\n<p><strong>Ach Gott..beten<\/strong> Wut und Verzweiflung h\u00f6re ich fragen: &#8222;Und wo ist Gott ?&#8220; &#8222;Wie kann Gott das zulassen ?&#8220; Vom Glockenturm spielt es automatisch: &#8222;Nun danket alle Gott&#8220; &#8211; das Glockenspiel hat starke Spr\u00fcnge bekommen. Gott, von dem wir doch gerade Weihnachten geh\u00f6rt haben, wie gut er den Menschen will. &#8222;Dem Sch\u00f6pfer aller Ding&#8220; so sangen wir und erleben zugleich Zerst\u00f6rungen ganzer Regionen, Tod und Elend in einem unvorstellbaren Ausmass. Nach 2 Weltkriegen hatte eine ganze Generation das naive Vertrauen in Gott als den Vater, den Sch\u00f6pfer, den Regenten und Erhalter verloren. Unschuldiges Gottvertrauen war unm\u00f6glich geworden.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Pray for us&#8220; &#8222;Betet f\u00fcr uns&#8220;, bitten sie aus Sri Lanka<\/strong>. Zu diesen Tagen zwischen den Jahren geh\u00f6rt f\u00fcr viele Christen ein Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, dem evang.Pfarrer und M\u00e4rtyrer des Widerstandes im Dritten Reich. Der hatte zur Jahreswende 1944 geschrieben: &#8222;Von guten M\u00e4chten wunderbar geborgen&#8220;. Selbst in der Todeszelle und im Angesicht des schrecklichen Sterbens in Europa, f\u00fchlte sich Bonhoeffer vom guten Gott geborgen. Seine Welt war damals nicht weniger ersch\u00fcttert als die Welt in dieser Tage.. Nur &#8211; damals war das Morden von Menschen gemacht, die b\u00f6sen M\u00e4chte lie\u00dfen sich beim Namen nennen. Aber jetzt diese Katastrophe ? &#8211; Das Beben ist nicht von Menschen gemacht.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Betet f\u00fcr uns&#8220;<\/strong> Ist es ein Wunder, dass wir uns da an Gott selbst wenden, nach ihm fragen, an ihm zweifeln, verzweifeln. Wir sind nicht die ersten, die Gott die Schrecken der Flut klagen:<\/p>\n<p><strong>&#8222;Herr Gott&#8220;<\/strong> hei\u00dft es im 88.Psalm: <strong>&#8222;du bedr\u00e4ngst mich mit allen deinen Fluten. Ich schrei zu Dir und du verbirgst dein Antlitz vor mir&#8220;.<\/strong> Damals und heute gibt es keine Antwort auf die Frage: Warum dieses unschuldige Leiden ? Das ist nicht auszuhalten. Aber mit dem Beter dieses Psalm habe ich eine Ahnung: Gott sieht nicht einfach zu. Gott kann nicht einfach zusehen. Das w\u00e4re nicht zu fassen, wenn es Gott nicht das Herz zu schn\u00fcre, wenn wir Kinder und Frauen und M\u00e4nner jeden Alters da liegen sehen &#8211; Kleinkinder, die ohne Eltern sind &#8211; Eltern, die um ihre Kinder weinen. Gott m\u00fcssen doch die Tr\u00e4nen kommen !<\/p>\n<p>Eindr\u00fccklich kommt mir in Erinnerung wie Jakob in den Fluten des Jabbok mit einem Fremden ringt, mit einem Gespenst &#8211; mit einem der raubt und mordet &#8211; mit einem Angreifer &#8211; mit der Gefahr. Die rabbinischen Kommentare nennen das Fremde: Zauberer, Bandit &#8211; andere sagen: Engel. Jakobs Kampf ist der Kampf mit einem. der zwischen D\u00e4mon und Gott ist. Jakob schreit schwer verletzt: &#8222;Ich lasse Dich nicht, du segnest mich denn&#8220;.<\/p>\n<p>Und ich ahne: &#8222;jeder von uns k\u00e4mpft mit Gott lass uns dazu stehen auch wenn wir geschlagen werden und verrenkt jede von uns k\u00e4mpft um Gott der darauf wartet gebraucht zu werden auf uns wartet ein Kampf&#8220;<\/p>\n<p>Es ist als w\u00fcrde Beten und K\u00e4mpfen zusammengeh\u00f6ren. Als m\u00fcssten wir mit dem dunklen Gott um das Leben ringen. Als w\u00e4re Beten mehr ein Ringen. Und es spricht alles daf\u00fcr, dass wir mit Gott gegen Gott k\u00e4mpfen m\u00fcssen, dass er sichtbar werde.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Pray for us&#8220;<\/strong> &#8211; &#8222;Betet f\u00fcr uns&#8220;, schreiben sie. Unsere St.Gertruds -Kirche wurde in dieser Woche ein Bethaus. Viele Menschen fanden sich t\u00e4glich ein. Zum Hoffen und Beten &#8211; zum Stille-sein vor der Ohnmacht unseres Menschseins. Aller Allmachtswahn ist ersch\u00fctternd in die Schranken gewiesen.<\/p>\n<p>Und ein <strong>&#8222;Neues beten&#8220;<\/strong> kam hinzu: Finanzielle Gaben \u00fcber die Lutherhilfe und andere Hilfsorganisationen wurden f\u00fcr die Menschen in S\u00fcdasien gesammelt &#8211; Tausende von Ehrenamtlichen in Feuerwehren, Hilfsdiensten sind unterwegs, irgendwie zu helfen. Einige Hundert \u00fcberlebende Touristen bleiben in den L\u00e4ndern und helfen den Einheimischen bei Aufr\u00e4umarbeiten. Durch die Strassen Deutschland und Schwedens laufen Freiwillige und sammeln Spenden. Friseure schneiden Haare und die Bezahlung geht in die Sammeldose. B\u00e4cker backen ohne Lohn &#8222;Brot f\u00fcr die Welt&#8220; &#8211; der Verkaufserl\u00f6s geht in die Welt. Auf das sinnlose Verballern von Silvesterraketen verzichten viele und spenden Millionen. Es w\u00e4chst das Gesp\u00fcr: Wir Menschen leben alle zusammen auf einer Welt ! Wir leben auf einer d\u00fcnnen Erdschicht. Wir r\u00fccken enger zusammen. Wir geh\u00f6ren zusammen.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Pray for us&#8220; &#8222;<\/strong>betet f\u00fcr uns&#8220; bitten sie. Heute halten wir Abendmahl. Jesus Christus l\u00e4dt uns ein. Jesus Christus, der uns die Macht machtloser Liebe zeigte. Diese Liebe in Machtlosigkeit brauchen wir wie frisches Trinkwasser. Am Tisch von Jesus sind wir dann zusammen mit all den Opfern &#8211; Wir sind dann zusammen mit all den Verletzten, Wohnungslosen und Besitzlosen.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren dann Jesus sagen: &#8222;Ich aber habe f\u00fcr dich gebeten , dass dein Glaube nicht aufh\u00f6re&#8220; (Lukas 22:32). Jesus, h\u00f6re Du nicht auf f\u00fcr die Menschen in S\u00fcdasien zu beten. Jesus, h\u00f6re Du nicht auf, f\u00fcr uns zu beten. <strong>&#8222;Pray for us&#8220; &#8222;Bete f\u00fcr uns&#8220;<\/strong>.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Wolfgang Wallrich<br \/>\nSt.Gertrud Stockholm<\/strong><br \/>\n<strong><a href=\"mailto:hauptpastor@swipnet.se\">hauptpastor@swipnet.se<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt anl\u00e4sslich der Flutkatastrophe im Indischen Ozean | Jahresanfang 2005 | Lukas 22,32, (Jahreslosung) |\u00a0Wolfgang Wallrich | Anmerkung: Die Predigt wurde in einem Gottesdienst zum Jahreswechsel in St.Gertrud in Stockholm gehalten. &#8222;Pray for us&#8220; -&#8222;Betet f\u00fcr uns&#8220;, schreibt uns am 30.Dezember Robinson Butarbar, Mitarbeiter der VEM, der Evang. 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