{"id":10269,"date":"2004-01-07T19:49:14","date_gmt":"2004-01-07T18:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10269"},"modified":"2025-05-13T08:37:10","modified_gmt":"2025-05-13T06:37:10","slug":"lukas-2-21-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2-21-2\/","title":{"rendered":"Lukas 2, 21"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Neujahrstag | 1. Januar 2005 |\u00a0<\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">Lukas 2, 21 | Lars Ole Gjesing | <\/span><\/b><\/h3>\n<p>Hier in der Neujahrszeit pflegen wir uns mit Recht auf das Jahr, das vergangen ist, und auf das Jahr, das kommt, zu besinnen. Wir h\u00f6ren die Neujahrsansprachen von K\u00f6nigin und Premierminister und k\u00f6nnen sie hoffentlich als Anlass und Hilfe benutzen, uns im Strom der Ereignisse zu orientieren und mit uns selbst ins Reine zu kommen, wo sich das d\u00e4nische Volk zur Zeit befindet und welche Aufgaben in Angriff zu nehmen sind, was dabei wichtig ist und was weniger wichtig ist. Der Neujahrsgottesdienst befindet sich zwar nicht ganz im selben Raum wie die verschiedenen politischen und allgemeineren Bestandsaufnahmen, aber er hat doch auch ein Verh\u00e4ltnis zu den politischen und allgemeineren Neujahrsansprachen. Luther schimpfte seinerzeit dar\u00fcber, dass Predigten zu Neujahr voller guter W\u00fcnsche und frommer Vors\u00e4tze seien, anstatt sich mit dem zu befassen, was ihnen der Text vorschrieb. Der Text ist ja so kurz, dass man wohl kaum \u00fcbersehen kann, worum es darin geht: n\u00e4mlich um die Beschneidung und die Namensgebung Jesu. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass es einen engen Zusammenhang gibt zwischen diesen beiden Dingen: den Bestandsaufnahmen und Jesu Beschneidung hier am achten Tag seines Lebens.<\/p>\n<p>Vor acht Tagen feierten wir die Geburt, und alle Weihnachtslieder sprachen auf unterschiedliche Weise von derselben Sache, dass Gott Mensch geworden war, und sie befassten sich mit gutem Grund ausf\u00fchrlich mit dem eigent\u00fcmlichen Zusammensto\u00df zwischen Gott und Mensch. Demgegen\u00fcber gibt es nicht so viele Lieder \u00fcber die Beschneidung, obwohl sie ja recht deutlich den Zusammensto\u00df zwischen g\u00f6ttlich und menschlich und das darin enthaltene Ansto\u00dferregende versch\u00e4rft. Worin besteht der Ansto\u00df? Er besteht ja darin, dass Gott sich weigert, unserer Erwartung zu ensprechen, dass er \u00fcber den Wasssern schweben soll. Er mischt sich unters Volk. Und die Versch\u00e4rfung von heute besteht dann darin, dass man sich ja nicht unters Volk mischen kann, ohne dass es ein bestimmtes Volk ist, unter das man sich mischt. Als Gott Mensch wurde, wurde er nicht blo\u00df Mensch ganz allgemein, sondern Mensch eines betimmten Volkes. Die Beschneidung ist f\u00fcr sein Volk ja genau das Zeichen seiner Identit\u00e4t. Gott wurde Jude. Das ist der kurze Bescheid des kurzen Textes von heute. Und der trifft uns wie eine \u00dcberraschung und ruft uns auf zum Nachdenken. Denn wir haben eine fast unausrottbare Erwartung, dass Gott \u00fcber den Wassern schweben k\u00f6nnen muss, ohne sich besonders mit bestimmten Menschen und ihrer Sprache und ihren Traditionen zu verbinden und ohne sich auf besondere Weise mit ihnen zu identifizieren. Wenn wir nun \u00fcber dieses Anst\u00f6\u00dfige nachdenken, was kommt dabei heraus? Was meinen wir im Grunde damit, wenn wir es auf etwas unklare Weise merkw\u00fcrdig finden, wenn wir sagen, Gott wurde Jude. Leiden wir nicht eigentlich an einer kleinen verborgenen Verachtung des J\u00fcdischen? An der Auffassung, dass das j\u00fcdische Menschenleben, so wie es existiert \u2013 aufgeteilt in Volk und Sprache und Kulturen \u2013, f\u00fcr Gott zu klein ist? Dass dem Leben, das wir miteinander haben, so viel an Wesentlichkeit fehlt, dass wir uns nicht vorstellen k\u00f6nnen, wie das G\u00f6ttliche darin enthalten sein und unser Leben in Volk und Kultur zu irgendwas gebrauchen k\u00f6nnte. Wir denken, nicht ganz klar, dass es kaum wirklich Gott sein kann, wenn er sich darauf einl\u00e4sst, einem bestimmten Volk anzugeh\u00f6ren. Wie gesagt ist diese Art des Denkens nahezu unausrottbar. Der Ansto\u00df liegt sehr tief \u2013 er ist, was in der alten Bibel\u00fcbersetzung \u00c4rgernis hie\u00df. Nicht die moralische Ver\u00e4rgerung, sondern eben der Zusammensto\u00df zwischen unseren geringen Erwartungen an das irdische Leben, das wir miteinander haben, und andererseits dem g\u00f6ttlichen Einzug in diese menschlichen Ordnungen. Das ist wom\u00f6glich das Allerwichtigste, dass das Weihnachtsevangelium und das Neujahrsevangelium unter uns auszurichten haben: uns zu dem Verst\u00e4ndnis zu bringen, dass sich genau an diesem Ort, wo wir sind, das Allergr\u00f6\u00dfte, das G\u00f6ttliche abspielt. Christlicher Glaube ist nicht, dem allt\u00e4glichen Leben in Volk und Gesellschaft, in Kultur und Politik den R\u00fccken zuwenden, als geh\u00f6rte das Religi\u00f6se in andere und h\u00f6here Sph\u00e4ren. Das Religi\u00f6se geh\u00f6rt genau hierher und entfaltet sich als Forderung und als Gnade in den Ordnungen, die wir miteinander haben. Unser Leben miteinander, so wie die Weltgeschichte es nun einmal eingerichtet hat, ist geheiligt durch die Liebe Gottes zur Welt und vollst\u00e4ndig geheiligt durch Gottes Eingang in diese Welt und ihre Ordnungen.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass zwischen den Neujahrsansprachen und dem Neujahrsgottesdienst der allerengste Zusammenhang besteht. Das engagierte Interesse daran, wie wir uns zusammen einrichten und unsere Probleme l\u00f6sen, die in den Neujahrsansprachen bestenfalls zum Ausdruck kommen, dieses Interesse ist ein Teil des Lebens eines jeden Christenmenschen. Nicht in dem Sinne, dass wir auf christliche Weise mit einem Rezept versehen w\u00e4ren, wie das Dasein in unserem Volk einzurichten sei, sondern so, dass wir wissen, dass Barmherzigkeit und Liebe und Vergebung in eben der Welt, in die wir geh\u00f6ren, Wirklichkeit sind und sein sollen. Diese schwerwiegenden g\u00f6ttlichen Worte geh\u00f6ren hierher und nicht auf eine andere und besonders religi\u00f6se Ebene, die feiner w\u00e4re als die, auf der sich K\u00f6nigin und Premierminister bewegen, wenn sie versuchen, uns hier zum Jahreswechsel mit dem \u00dcberblick zu helfen. Als Gott Jude wurde, erhielt jede religi\u00f6s begr\u00fcndete Weltflucht ihr Urteil, und wir wurden dazu bestimmt, ein Spiegel der Liebe Gottes zu sein, hier, wo unser Volk sich mit der Einrichtung unseres gemeinsamen Lebens abm\u00fcht. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Lars Ole Gjesing<br \/>\nS\u00f8ndergade 43<br \/>\nDK-5970 \u00c6resk\u00f8bing<br \/>\nTel.: ++ 45 \u2013 62 52 11 72<br \/>\nE-mail:<a href=\"mailto:logj@km.dk\"> logj@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p>\u00dcbersetzt aus dem D\u00e4nischen von Dietrich Harbsmeier<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neujahrstag | 1. 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