{"id":10282,"date":"2005-01-07T19:49:27","date_gmt":"2005-01-07T18:49:27","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10282"},"modified":"2025-05-13T09:08:14","modified_gmt":"2025-05-13T07:08:14","slug":"matthaeus-2-1-12-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-2-1-12-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 2, 1-12"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Heilige drei K\u00f6nige | 6. Januar 2005 |\u00a0<\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">Matth\u00e4us 2, 1-12 | Erik Bredmose Somonsen |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Die Geschichte von den drei Weisen aus dem Morgenland, die nach Jud\u00e4a kamen, um das neugeborene Kind zu sehen &#8211; oder den neugeborenen K\u00f6nig, wie sie ihn nennen, ist eine der Geschichten, zu denen man unmittelbar Zugang findet, weil sie so einfach und anschaulich ist. Sie ist wie ein M\u00e4rchen. Im Grunde h\u00f6ren wir nichts dar\u00fcber, wie viele Weise es waren, aber die Tradition hat sie allm\u00e4hlich zu drei Weisen gemacht, vielleicht weil die Zahl drei eine heilige Zahl war, und die Zahl drei finden wir bekanntlich auch in vielen bekannten M\u00e4rchen. Es handelt sich oft um drei Br\u00fcder, die in die Welt hinausziehen, um ihr Gl\u00fcck zu versuchen, oder um drei Pr\u00fcfungen, die man bestehen mu\u00df oder dergleichen. Matth\u00e4us ist der einzige der Evangelisten, der diese Geschichte \u00fcberliefert, er berichtet uns \u00fcbrigens nichts dar\u00fcber, da\u00df die drei Weisen K\u00f6nige sind, das ist auch etwas, was die Nachwelt dazugedichtet hat. Und das hat ja auch einen guten Effekt, da\u00df es gerade K\u00f6nige sind, die kommen und das kleine Kind anbeten. Die Ortsangabe dar\u00fcber, woher sie kommen, ist auch m\u00e4rchenhaft: das <em>Morgenland.<\/em> Das duftet ja geradezu nach M\u00e4rchen und Mystik. Wo dieses Morgenland genauer liegt, ist v\u00f6llig gleichg\u00fcltig, denn eine Erz\u00e4hlung, wie wir sie hier vor uns haben, beschr\u00e4nkt sich nicht auf Aussagen, die an einen bestimmten Ort und eine bestimmte Zeit gebunden sind. Die Erz\u00e4hlung will vielmehr etwas sagen, das wahr ist und allgemein g\u00fcltig f\u00fcr alle Menschen zu allen Zeiten. Nach dem Morgenland im geographischen Sinne zu suchen, w\u00e4re nicht nur absurd, sondern auch ein v\u00f6lliges Mi\u00dfverst\u00e4ndnis, denn diese Frage hat \u00fcberhaupt keine Bedeutung f\u00fcr das, was die Erz\u00e4hlung von den Weisen sagen will. Die Erz\u00e4hlung von den Weisen will uns n\u00e4mlich u.a. sagen, da\u00df wir die Wahrheit und den Sinn des Lebens nicht durch die Wissenschaft finden k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen nicht das herausanalysieren, worum es hier im Leben geht. Weder der Historiker, der Mediziner, der Chemiker, der Psychologe oder andere k\u00f6nnen in ihren F\u00e4chern durch ihre Wissenschaft den Sinn und die Bedeutung des Daseins ergr\u00fcnden &#8211; und das kann der Theologe \u00fcbrigens auch nicht.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen weit kommen in der Wissenschaft, viel k\u00f6nnen wir herausfinden, wie die Dinge zusammenh\u00e4ngen und funktionieren, woraus alles besteht und dergleichen. Aber die Fragen danach, wer wir sind, warum wir existieren, was wir mit unserem Leben sollen &#8211; die liegen au\u00dferhalb des Bereichs der Wissenschaft. Solche Fragen werden von vielen Wissenschaftlern sogar direkt als irrelevant und st\u00f6rend abgewiesen.<\/p>\n<p>Wenn es um die Frage nach dem Sinn des Ganzen geht, bewegen wir uns in einem ganz anderen Bereich, weil wir da jeder mit seinem eigene Leben fragen. Hier geht es nicht um fachliches Wissen und K\u00f6nnen, nicht um Ausbildung oder Spezialwissen, sondern vielmehr darum, mit offenem und empf\u00e4nglichem Sinn im allgemeinen Sinne zu leben &#8211; und hier ist etwas dran an dem Worte Jesu: Wer Ohren hat zu h\u00f6ren, der h\u00f6re.<\/p>\n<p>Wir empfangen Bruchst\u00fccke f\u00fcr den Sinn des Lebens immer dann, wenn wir eine gute Geschichte lesen oder h\u00f6ren. Wir k\u00f6nnen heutzutage gewi\u00df vieles, aber was den Sinn des Lebens anbetrifft, sind wir in bezug auf die Menschen fr\u00fcherer Zeiten keinen Schritt weiter gekommen &#8211; vielleicht ganz im Gegenteil. Es bedurfte immer guter Geschichten, damit die Menschen Sinn und Bedeutung, Richtung und Ziel in ihrem Dasein fanden, und so ist es auch heute. So wie es einmal Mythen, Sagen und M\u00e4rchen waren, die den Menschen Ziel und Sinn und Geborgenheit im Dasein vermittelten, so sind es auch heute die guten Geschichten, die den Sinn des Lebens tragen.<\/p>\n<p>Keine Wissenschaft kann z.B. herausfinden, was Tapferkeit und Gerechtigkeit sind. Man kann ja nicht hingehen und ein St\u00fcck Tapferkeit oder ein St\u00fcck Gerechtigkeit finden und sagen: Hier habt ihr es, so sehen sie aus. Nein, wir m\u00fcssen eine Geschichte erz\u00e4hlen, die uns einen tapferen Mann oder eine gerechte Frau zeigen, damit wir verstehen k\u00f6nnen, was diese Begriffe meinen. Und so ist es mit vielen Dingen, die im Leben wichtig sind, sie brauchen alle gute Geschichten.<\/p>\n<p>Es sei denn, es wird f\u00fcr uns in andere Weise sichtbar, indem es uns z.B. offenbart wird, sichtbar wird, und dies heute. Das Fest der Heiligen drei K\u00f6nige hat man auch Epiphanias genannt. Epiphanie bedeutet, da\u00df etwas in unsere Welt einbricht, in der wir leben. Etwas wird sichtbar, was vorher verborgen war. Und eben dies sehen die Weisen. Sie sind keine Wissenschaftler &#8211; jedenfalls nicht nur Wissenschaftler, sondern vielmehr eben Weise, und das ist etwas ganz anderes. Der Wissenschaftler hat ein gro\u00dfes Wissen, die Weisen aber haben Weisheit. Weise sein oder Weisheit besitzen hei\u00dft, sich auf das Leben verstehen und Einsicht zu haben in das, was es hei\u00dft, ein Mensch zu sein, und das ist etwas ganz anderes als Wissen. Man kann sehr wohl viele B\u00fccher gelesen haben und dennoch ganz dumm sein in bezug auf das Leben &#8211; und umgekehrt kann man Lebensweisheit und Einsicht bei einem Ungelehrten finden &#8211; der Ungelehrte kann n\u00e4mlich all das aufnehmen, was ihm widerf\u00e4hrt &#8211; und dadurch sehend werden.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich kann man es auch kombinieren. Dieselbe Person kann gelehrt sein und weise, Wissen und Weisheit besitzen.<\/p>\n<p>Wie es sich nun in dieser Hinsicht mit den Weisen verhielt, die auszogen, das wei\u00df man nicht, aber jedenfalls waren sie imstande zu endecken und wahrzunehmen, zu sehen und zu h\u00f6ren, das sich da etwas tat, als sie am Himmel einen gro\u00dfen Stern \u00fcber Jud\u00e4a sahen. Sie sahen sofort, da\u00df sich nun in der Welt etwas Gro\u00dfes offenbarte.<\/p>\n<p>Und als sie den Stern gesehen hatten, setzten sie sich nicht erst hin und analysierten die Sache kritisch, ob das nun auch richtig wart, da\u00df so etwas geschehen konnte. Sie zogen vielmehr sofort los, um den K\u00f6nig zu finden und anzubeten.<\/p>\n<p>Als sie nach Jud\u00e4a kamen, verga\u00dfen sie f\u00fcr eine Weile ihre Weisheit und verlie\u00dfen sich auf das, was wir Allgemeinwissen nennen k\u00f6nnten. Deshalb suchten sie den Neugeborenen am Schlo\u00df des K\u00f6nigs in der Hauptstadt Jerusalem. Denn nach der Logik, die sich dort geltend macht, wo alles auf Wissen beruht, sollte ein K\u00f6nig nat\u00fcrlich hier geboren werden.<\/p>\n<p>Aber auch hier war Wissen nicht genug. Eine Offenbarung aus der H\u00f6he geht ihre eigenen Wege &#8211; sie ist dem menschlichen Wissen nicht unterworfen. Die Weisen mu\u00dften nach Bethlehem, um dort das Kind in einem Stall zu finden, gewickelt und in einer Krippe liegend. Als sie dorthin kamen, fielen sie nieder und beteten es an und gaben ihm kostbare Geschenke, denn hier war ja das Ziel ihres Suchens. Das Licht, das sie am Himmel gesehen hatten, sagen sie nun in dem neugeborenen Kind. Sie hatten eine Offenbarung vom Himmel gesehen und erlebt. Den Umfang dieser Offenbarung konnten sie nat\u00fcrlich nicht erkennen &#8211; da\u00df sie alles in der Welt unter ein neues Vorzeichen stellen sollte, das w\u00fcsten sie nicht, aber sie hatten sich dem neuen Licht, das sie gesehen hatten anheim gegeben und sich von ihm binden lassen. Sie sahen das Licht, das in die Welt kam, und es wurde f\u00fcr ihr Leben entscheidend.<\/p>\n<p>La\u00dft uns nur studieren, kl\u00fcger werden \u00fcber diese Welt, das kann sehr n\u00fctzlich und von Vorteil sein. Aber wir d\u00fcrfen nicht zulassen, da\u00df dieses Wissen uns blind und taub macht f\u00fcr all das, was wirklich etwas bedeutet, all das, was unser Leben tr\u00e4gt und ihm Sinn, Wahrheit und Bedeutung gibt.<\/p>\n<p>M\u00f6ge uns die Weisheit zuteil werden, da\u00df wir uns von diesem Licht leiten lassen, das mit dem Kind in der Krippe in der Weihnacht in die Welt kam. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Pfarrer Erik Bredmose Somonsen<br \/>\nPr\u00e6stebakken 11<br \/>\nDK-8680 Ry<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 86 89 14 17<br \/>\nE.mail: <a href=\"mailto:ebs@km.dk\"> ebs@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Eberhard Harbsmeier<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heilige drei K\u00f6nige | 6. 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