{"id":10288,"date":"2005-01-07T19:49:24","date_gmt":"2005-01-07T18:49:24","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10288"},"modified":"2025-05-13T10:22:57","modified_gmt":"2025-05-13T08:22:57","slug":"matthaeus-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-6\/","title":{"rendered":"Lukas 2,41\u201352"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>1. Sonntag nach Epiphanias | 9. Januar 2005 | Lukas 2,41\u201352 | Birgit Hesselager |<\/h3>\n<p>Gebet<br \/>\nHerr, wir kommen zu dir als das, was wir sind, mit dem, was uns freut, und mit dem, was uns Angst macht und Verzweiflung bereitet. Du wei\u00dft, wir haben dein Wort n\u00f6tig. Hilf uns, dass wir nicht meinen, wir w\u00fcssten schon, was du uns sagen willst. Hilf uns zu einer lebendigen Hoffnung. Amen.<\/p>\n<p>Die Eingangslesung f\u00fcr heute stammt aus den Psalmen im Alten Testament. Wir haben den 84. Psalm geh\u00f6rt, einen der sogenannten Wallfahrtspsalmen, das sind Psalmen, die in Jerusalems Tempel w\u00e4hrend der gro\u00dfen Wallfahrtsfeste gesungen worden sind: zu Ostern, am Wochenfest und am Laubh\u00fcttenfest \u2013 zu den Festen, an denen alle, die die M\u00f6glichkeit dazu hatten, zu dem gro\u00dfen Tempel in Jerusalem zogen.<\/p>\n<p>Die Stimmung in dem Psalm ist Dankbarkeit, Freude und Vertrauen. Dankbarkeit und Vertrauen zu dem gro\u00dfen allm\u00e4chtigen Gott und Freude dar\u00fcber, dort sein zu k\u00f6nnen, wo er ist, in seinem Haus. \u201eWie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorh\u00f6fen des Herrn,\u201c stand da, und \u201eEin Tag in deinen Vorh\u00f6fen ist besser denn sonst tausend, ich will lieber die T\u00fcr h\u00fcten in meines Gottes Hause denn wohnen in der Gottlosen H\u00fctten.\u201c Grob gesagt: Gott ist in seinem Tempel in Zion, und dort muss man hingehen, um ihm zu begegnen. Gott auf die rechte Weise verehren bedeutet: zu seinem Haus gehen und ihm dort begegnen \u2013 mit den Priestern und all den anderen frommen Menschen, die in derselben Absicht dort sind.<\/p>\n<p>Aber dann habe ich auch den Episteltext gelesen, Paulus\u2019 Brief an die R\u00f6mer, wo er schreibt: \u201eIch ermahne euch, Br\u00fcder, kraft der Barmherzigkeit Gottes: Bringt euer leibliches Leben Gott zu einem lebendigen, heiligen, ihm wohlgef\u00e4lligen Opfer dar; das soll euer vern\u00fcnftiger Gottesdienst sein. Und macht euch nicht dieser Weltzeit gleich, sondern wandelt euch um; lasst eure Sinne neu werden, dass ihr beurteilen k\u00f6nnt, was Gottes Wille ist: das Gute, das Gott Wohlgef\u00e4llige, das Vollkommene.\u201c Hier klingt es, wie wenn der rechte Gottesdienst, die rechte Art und Weise, Gott zu ehren, ein inneres Anliegen ist, es ist die Rede von vern\u00fcnftigem Gottesdienst und davon, dass die Sinne neu werden sollen. Hier ist das Verh\u00e4ltnis zu Gott etwas, was im einzelnen Menschen entschieden wird, im Herzen, in den Gef\u00fchlen, und nicht etwas, was physische Folgen hat, nicht etwas, das an einem bestimmten Ort zu geschehen hat und auch nicht notwendigerweise gemeinsam mit Priestern oder mit anderen.<\/p>\n<p>Grob gesagt: Gott auf die rechte Weise ehren ist eine private Angelegenheit des Einzelnen. Und das kann \u00fcberall geschehen, weil Gott ja \u00fcberall ist. Es ist eigentlich auch das, was in dem bekannten, forschen Spruch liegt: \u201eEs ist besser, in der Kneipe zu sitzen und an die Kirche zu denken, als in der Kirche zu sitzen und an die Kneipe zu denken.\u201c<\/p>\n<p>Warum nun dieser Unterschied zwischen dem Psalm und dem Paulustext? Ist das der Unterschied zwischen Altem und Neuem Testament? Ist das der Unterschied im Verst\u00e4ndnis der rechten Gottesanbetung in Judentum und Christentum? Nein, so einfach ist es nicht. Es ist eine anhaltende Spannung zwischen zwei Weisen, Gottes Verh\u00e4ltnis zur Welt und unser Verh\u00e4ltnis zu Gott zu betrachten. Eine Spannung zwischen der Auffassung Gottes als desjenigen, der uns konkret in der Welt begegnet und dem wir deshalb konkret begegnen sollen, d.h. in der Gemeinschaft und in der Zeit und im Raum \u2013 und auf der anderen Seite der Auffassung Gottes als einer geistigen Kraft, die im Einzelnen wirkt. Die Kirchengeschichte ist u.a. die Geschichte davon, wie wir zwischen diesen beiden Sehweisen wechseln.<\/p>\n<p>Als Luther seine Kritik an der katholischen Kirche formulierte, war einer der Kernpunkte die Behauptung, dass es nur innerhalb der Kirche Erl\u00f6sung gebe, dass alle diejenigen, die sich au\u00dferhalb der Lehre der Kirche stellten oder aus der Kirche hinausgeworfen wurden, damit automatisch auch verloren, zur H\u00f6lle verdammt waren. Nein, sagte Luther, das Entscheidende, das einzig Entscheidende ist das Verh\u00e4ltnis zu Gott. Gerechtfertigt werden wir allein aus dem Glauben.<\/p>\n<p>Aber es dauerte nicht lange, bis Luther sich auch mit einem Teil derjenigen auseinandersetzen musste, die ihm in seinem Kampf gegen die r\u00f6mische Kirche folgten, mit den Schw\u00e4rmern, wie er sie nannte. Diejenigen, die unter Hinweis darauf, dass nur das Verh\u00e4ltnis zu Gott etwas bedeute, Familie und Arbeit im Stich lie\u00dfen und sich \u00fcber alle Regeln der Gemeinschaft \u2013 \u00fcber Gesetz und Ordnung der Gesellschaft \u2013 hinwegsetzten.<\/p>\n<p>Die Erweckungsbewegungen zu Beginn des letzten Jahrhunderts hierzulande sind ebenfalls ein Beispiel f\u00fcr die Spannung zwischen den beiden Weisen, das Verh\u00e4ltnis zu Gott und der Welt zu verstehen.<\/p>\n<p>Die d\u00e4nische Kirche mit ihren Pastoren im Staatsdienst, die predigten, man k\u00f6nne auf dem Wege der Vernunft zu Gott gelangen, war in den Augen der Erweckten zu einer fruchtlosen und rein \u00e4u\u00dferlichen, weltlichen Einrichtung geworden. Man sehnte sich nach Innerlichkeit, Ergriffenheit, der pers\u00f6nlichen Berufung und vermisste die Himmelssehnsucht. Man sehnte sich danach, erweckt zu werden \u2013 Gott in sein Herz schlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Und auch hier endete die gesunde und notwendige Auseinandersetzung f\u00fcr manche im anderen Extrem, in Weltflucht und kleinen Gruppen von Erl\u00f6sten, die sich \u00fcber die Gemeinschaft des Volkes hinwegsetzten und sich ihr gegen\u00fcber, dem Leben hier und jetzt, dem Menschenleben in Zeit und Raum gegen\u00fcber, nicht verpflichtet f\u00fchlten. Die Geschichte bietet zahllose Beispiele, auch heute noch k\u00f6nnen wir es verfolgen, zum Beispiel in der Auseinandersetzung mit dem, was man h\u00f6hnisch \u201eGewohnheitschristentum\u201c nennt, dem Interesse am inneren Menschen. S\u00e4tze wie: \u201eDas Wichtige ist nicht, wie es ist, sondern wie du es erlebst\u201c oder \u201eGott ist in mir\u201c, gelegentlich als Erkl\u00e4rung benutzt, warum man nicht in die Kirche geht. Oder: \u201eIn die Kirche gehen \u2013 das sagt mir nichts\u201c \u2013 das pers\u00f6nliche Erleben und die pers\u00f6nliche Wahl werden hier zum Ausgangspunkt f\u00fcr die Beurteilung. Denn die Dinge haben nur den Wert, den sie f\u00fcr mich haben.<\/p>\n<p>Das war die alttestamentliche Lesung und die Epistel von heute \u2013 was ist nun das Evangelium von heute \u2013 die gute Botschaft? Es ist die Geschichte vom zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Jesus im Tempel. Die Geschichte von Gott, der Mensch wurde und in den Tempel ging mit anderen Menschen, um dort, mit ihnen, Gott zu begegnen, um in der Gemeinschaft mit anderen Gottes Verh\u00e4ltnis zu uns zu preisen und f\u00fcr es zu danken und es zu bedenken, denn er wusste und zeigte, dass er bei seinem Vater zu sein hat. Aber er blieb nicht im Tempel. Er ging hinaus, er ging in die Welt, nach Hause zu seiner Familie, und er war ihnen untertan, wie es hei\u00dft. Er lebte in seinem Beruf und Stand, w\u00fcrde Luther gesagt haben, denn Jesus Christus, Gottes Sohn, wusste und zeigte, dass Gott auch dort ist.<\/p>\n<p>Gott ist im Tempel, in der Kirche, er spricht zu jedem einzelnen von uns, pers\u00f6nlich, und wir sollen wie Maria sein Wort in unseren Herzen bewahren, denn nur von dort kann es uns umwenden. Uns wegwenden von uns selbst und hin zu Gott.<\/p>\n<p>Aber Gott spricht auch zu uns als Mitgliedern einer Gemeinschaft, er spricht zu seinem Volk, zu dir und zu mir, zu jedem f\u00fcr sich und gemeinsam; denn \u201eMensch sein\u201c ist immer auch \u201eTeil einer Gemeinschaft sein\u201c. Man verf\u00e4lscht das Leben und flieht vor der Wirklichkeit, wenn man versucht, vor dieser Tatsache zu fliehen.<\/p>\n<p>Gott ist im Himmel, im Erhabenen und in der Ferne, er ist in der Ewigkeit, und unsere Hoffnungen und Verlangen sollen zu ihm dort gelangen, aber wir sind in der Welt, wir sind Menschen in der Zeit, im Raum und in Gemeinschaft, und hier spricht Gott zu uns. Gott wurde Mensch, um uns als Menschen zu begegnen. Und als Menschen sollen wir sein Wort in uns aufnehmen. Seine Befreiung empfangen und sie nach ihrem Ziel gebrauchen, zu Nutzen und Freude, hier und jetzt in der Gemeinschaft, die die unsrige ist. \u201eDenn wie wir einen Leib haben, aber viele Glieder, alle mit verschiedenen Aufgaben, so sind wir alle ein Leib in Christus, und jeder f\u00fcr sich Glieder voneinander.\u201c Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pr\u00f6pstin Birgit Hesselager<br \/>\nS\u00f6borg Pr\u00e6steg\u00e5rd<br \/>\nBygaden 40B<br \/>\nDK-3250 Gilleleje<br \/>\nTel.: +45 \u2013 48 39 17 25<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:bhas@km.dk\"> bhas@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p>\u00dcbersetzt von Dietrich Harbsmeier<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag nach Epiphanias | 9. Januar 2005 | Lukas 2,41\u201352 | Birgit Hesselager | Gebet Herr, wir kommen zu dir als das, was wir sind, mit dem, was uns freut, und mit dem, was uns Angst macht und Verzweiflung bereitet. Du wei\u00dft, wir haben dein Wort n\u00f6tig. 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