{"id":10295,"date":"2005-01-07T19:49:26","date_gmt":"2005-01-07T18:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10295"},"modified":"2025-05-13T11:32:26","modified_gmt":"2025-05-13T09:32:26","slug":"exodus-3-1-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/exodus-3-1-14\/","title":{"rendered":"Exodus 3, 1-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Letzter Sonntag nach Epiphanias | 16. Januar 2005 | Exodus 3,1\u201314 | Christian-Erdmann Schott |<\/h3>\n<p><em>1 Mose h\u00fctete die Schafe Jethros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe hinter die W\u00fcste und kam an den Berg Gottes, Horeb.<br \/>\n2 Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Busch. Und er sah, dass der Busch mit Feuer brannte und ward doch nicht verzehrt;<br \/>\n3 und sprach: Ich will dahin und beschauen dies gro\u00dfe Gesicht, warum der Busch nicht verbrennt.<br \/>\n4 Da aber der Herr sah, dass er hinging, zu sehen, rief ihm Gott aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich,<br \/>\n5 Er sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe aus von deinen F\u00fc\u00dfen; denn der Ort, darauf du stehst, ist ein heilig Land!<br \/>\n6 Und sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verh\u00fcllte sein Angesicht; denn er f\u00fcrchtete sich, Gott anzuschauen.<br \/>\n7Und der Herr sprach: Ich habe gesehen das Elend meines Volks in \u00c4gypten und habe ihr Geschrei geh\u00f6rt \u00fcber die, so sie dr\u00e4ngen; ich habe ihr Leid erkannt<br \/>\n8 und bin hernieder gefahren, dass ich sie errette von der \u00c4gypter Hand und sie ausf\u00fchre aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig flie\u00dft, an den Ort der Kanaaniter, Hethiter, Amoriter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter.<br \/>\n9 Weil denn nun das Geschrei der Kinder Israel vor mich gekommen ist und ich auch dazu ihre Angst gesehen habe, wie die \u00c4gypter sie \u00e4ngsten,<br \/>\n10 so gehe nun hin, ich will dich zu Pharao senden, das du mein Volk, die Kinder Israel, aus \u00c4gypten f\u00fchrest.<br \/>\n11 Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zu Pharao gehe und f\u00fchre die Kinder Israel aus \u00c4gypten?<br \/>\n12 Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus \u00c4gypten gef\u00fchrt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge.<br \/>\n13 Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer V\u00e4ter hat mich zu euch gesandt, und sie mir sagen werden: Wie hei\u00dft sein Name? Was soll ich ihnen sagen?<br \/>\n14 Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: Ich werde sein hat mich zu euch gesandt.<\/em><\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren diese Geschichte in einer Situation, die in dreifacher Hinsicht einmalig zu sein scheint: Zum einen soll die Naturkatastrophe in S\u00fcdostasien, die uns seit einigen Wochen in Atem h\u00e4lt, die gewaltigste in der Menschheitsgeschichte gewesen sein.<br \/>\nZum anderen soll die Hilfsbereitschaft weltweit ein Ausma\u00df angenommen haben, das es so ebenfalls noch nie gegeben hat.<br \/>\nZum dritten erleben wir, dass Absichten und Motive der Hilfeanbieter in Frage gestellt, verd\u00e4chtigt, denunziert, demaskiert werden, wie wir das ebenfalls noch nicht miterleben mussten. Das hei\u00dft: Die Menschheit sieht sich durch die Not im Indischen Ozean zwar insgesamt herausgefordert. Aber leider, so scheint es, bleibt sie der alte eifers\u00fcchtig zerstrittene Haufen, der sie immer schon war.<\/p>\n<p>In dieser Situation ist die Frage der Glaubw\u00fcrdigkeit neu gestellt. Es sind ja nun wirklich nicht alle, die mit der Not anderer Menschen f\u00fcr sich etwas gewinnen und ein politisches, moralisches oder wirtschaftliches Gesch\u00e4ft machen wollen, sondern wirklich die Notleidenden im Blick haben und ihre Lage, auch ihre seelische Lage, verbessern wollen. Aber wie erkennt man die ehrlichen Helfer?<\/p>\n<p>Schon vor 4000 Jahren hat Mose diese Frage gestellt: Woran k\u00f6nnen die in der Unterdr\u00fcckung durch die \u00c4gypter leidenden Israeliten erkennen, dass ich ein ehrlicher Nothelfer bin? Die Antwort, die ihm von Gott gegeben wurde, ist verbl\u00fcffend modern:<\/p>\n<p>1. Glaube an Deine Berufung. Nach dem, was wir von Mose wissen, hat er sich zu diesem Auftrag nicht gedr\u00e4ngt. Im Gegenteil, nach allem, was er in \u00c4gypten erlebt hat, ist er froh, dass er dort nicht mehr leben muss. Er wei\u00df, was dort l\u00e4uft. Im Zorn hat er einen Aufseher erschlagen. Er musste weg. Auf der Oase Midian hat er seinen Frieden und ein privates Gl\u00fcck gefunden. Er hat geheiratet, er hat eine geachtete Stellung im Clan seines Schwiegervaters Jethro. Nichts zieht ihn in den Kampf mit dem Pharao. Aber er wei\u00df auch, dass er sich nicht entziehen kann. Er wei\u00df, es gibt niemanden au\u00dfer ihm, der diesen Auftrag ausf\u00fchren k\u00f6nnte. Er ist berufen von Gott und durch die Not seines Volkes. Daran darf und soll er glauben.<\/p>\n<p>2. Binde die Leute nicht an Dich. Erwecke nicht den Eindruck von Kr\u00e4ften oder F\u00e4higkeiten, die Du nicht hast. Verweise die Menschen auf den Herrn, den Gott der V\u00e4ter, den Gott Israels. Ihm sollen sie sich anvertrauen.<\/p>\n<p>3.<br \/>\nVertraue auf Gott. Er wird es wohl machen, du wirst es sehen. Ihr alle werdet es sehen. Sein Name \u201eIch werde sein, der ich sein werde\u201c wird sich erweisen.<\/p>\n<p>Damit sind Kriterien genannt, die bis heute g\u00fcltig sind. Sie sind noch einmal best\u00e4tigt worden von Jesus Christus im Beispiel vom barmherzigen Samariter. Dieser Reisende aus Samaria sp\u00fcrte: Hier, zwischen Jerusalem und Jericho, wo dieser Zusammengeschlagene auf der Stra\u00dfe liegt, kommt es auf mich an. Ich bin gerufen. Der Priester und der Levit, die auch diese Stra\u00dfe entlang kamen, haben diese Berufung nicht gesp\u00fcrt. Aber der Samariter wusste sich zugleich nicht allumfassend und dauernd verpflichtet. Er konnte und wollte im Rahmen seiner M\u00f6glichkeiten helfen, begrenzt und sich auch nicht unentbehrlich machen. Vielmehr hat er den ganzen gro\u00dfen Rest an Hilfe und Versorgung dem Wirt der Herberge und \u2013 vielleicht \u2013 auch Gott \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Diese Kriterien lassen sich auch auf unsere heutigen Helferteams anwenden. Mir pers\u00f6nlich stehen die haupt- und ehrenamtlichen Helfer der evangelischen Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) nahe. Von daher wei\u00df ich, dass die seit Jahrzehnten bew\u00e4hrte und anerkannte Transparenz in der Verwaltung der Zusch\u00fcsse, Spenden- und F\u00f6rdermittel, die Bew\u00e4hrung in allen gro\u00dfen Krisengebieten im ausgehenden 20. Jahrhundert und die hohe Motivation der Einsatzkr\u00e4fte die Grundlagen f\u00fcr ein erfolgreiches Engagement auch in S\u00fcdostasien bilden.<\/p>\n<p>Hier haben sich Die Johanniter seit dem 26. Dezember 2004 in Sri Lanka und Sumatra schwerpunktm\u00e4\u00dfig in medizinischer Grundversorgung f\u00fcr 90.000 Menschen und beim Aufbau von Wasseraufbereitungsanlagen engagiert, zum Teil in Zusammenarbeit mit der englischen Schwesterorganisation St. John Ambulance Gleichzeitig koordinieren sie die Verlegung und den Weitertransport der ins Bundesgebiet eingeflogenen Verletzten. Am 1.1.2005 brachten sie mit einem eigenen Flugzeug gel\u00e4ndeg\u00e4ngige Fahrzeuge, Zelte, Decken, Babynahrung, medizinisches Verbrauchsmaterial nach Sri Lanka; in den folgenden Tagen 500.000 Chlortabletten, Verbandsmaterial, sechs weitere Wasseraufbereitungsanlagen und technisches JUH-Personal zur Schulung der Einheimischen \u2013 um nur dieses aus den mir zug\u00e4nglichen Berichten zu erw\u00e4hnen. Die Ausweitung der Arbeit auch auf Indonesien ist im Gespr\u00e4ch. Die Eins\u00e4tze in den westlichen Provinzen des Sudan, f\u00fcr ein Orthop\u00e4diezentrum in Indien, f\u00fcr 10.000 Aids-Waisen in Simbabwe, aber auch in Deutschland und Polen gehen unterdessen ohne Unterbrechung weiter.<\/p>\n<p>Dabei weisen die Erinnerungen an den Namenspatron Johannes den T\u00e4ufer und an das achtspitzige Kreuz, unter dem wir arbeiten, auch auf die Grenzen hin, die der Verband nach innen, in die eigenen Reihen hinein, wie nach au\u00dfen immer wieder bewusst zu machen sucht. Johannes stellte klar, dass nicht er der Erl\u00f6ser ist, sondern Christus, der Kommende. So wissen auch die Johanniter, dass wir die Not der Welt immer nur lindern, aber niemals aufheben k\u00f6nnen. Die endg\u00fcltige Heilung der Welt kann nur Gott herbeif\u00fchren. Diese Einsicht in die eigene Begrenztheit ist angesichts des Elends in S\u00fcdostasien ganz aktuell lebendig geworden. Sie ist ehrlich und entlastend zugleich.<\/p>\n<p>Dass es trotz geglaubter Berufung, hohem Einsatz, sichtbaren Erfolgen offensichtlich nicht m\u00f6glich ist, alle Menschen von einem solchen Engagement zu \u00fcberzeugen, zeigt die Erfahrung, nicht nur der Diakonie. Als Christen wissen wir, dass das auch nichts wirklich Neues ist. Es zeigte sich schon in den st\u00e4ndigen, zerm\u00fcrbenden Querelen, mit denen Mose im eigenen Volk zu k\u00e4mpfen hatte. Die Bibel berichtet dar\u00fcber in den Kapiteln, die die 40 Jahre in der W\u00fcste nach dem Auszug aus \u00c4gypten beschreiben, ausf\u00fchrlich. Die Frage, wer ist ein wahrer, wer ist ein falscher Prophet; wer ist ein ehrlicher, wer ist ein eigenn\u00fctziger Helfer; wer ist von Gott gesandt, wer hat sich selbst ernannt? \u2013 hat selbst vor Jesus Christus nicht halt gemacht. Hingerichtet wurde er, weil man ihm die Uneigenn\u00fctzigkeit nicht abnahm und ihn verd\u00e4chtigte, ein falscher Helfer zu sein. Nur wenige haben an seine Berufung durch Gott, an seine Echtheit geglaubt. Diese haben auf ihn gesetzt \u2013 und erfahren, dass Gott wirklich bei ihm gewesen ist und sein Lebenszeugnis und seine Worte bis heute als Orientierung und Ermutigung unter uns aufleuchten l\u00e4sst \u2013 damit eines Tages doch noch alle Menschen f\u00fcr ihn gewonnen werden.<\/p>\n<p>Bis dahin bleibt uns als Gemeinde nur, auf diesem Weg zu bleiben, f\u00fcr Jesus Christus zu werben, das hei\u00dft: zu missionieren, anhaltend das Gute zu tun und uns durch modische Launen des Zeitgeistes nicht beunruhigen zu lassen. Amen.<\/p>\n<p>Im Gebetb\u00fcchlein der Johanniter-Unfall-Hilfe \u201eBefiehl dem Herrn deine Wege\u201c, 4. Auflage, Berlin 2004, findet sich unter der \u00dcberschrift \u201eEins\u00e4tze bei Naturkatastrophen\u201c dieses Gebet.: <em>Herr, du Sch\u00f6pfer Himmels und der Erde, wir haben immer gedacht, wir h\u00e4tten alles in unserem Leben und auf dieser Erde fest im Griff, doch nun stehen wir ohnm\u00e4chtig vor den Gewalten der Natur und m\u00fcssen unsere Kleinheit vor dir bekennen. Herr, wir haben uns \u00fcbersch\u00e4tzt und waren \u00fcberheblich geworden. Diese Katastrophe hat uns gezeigt, dass nicht wir die Herren dieser Welt sind, wir d\u00fcrfen deine Erde nur bebauen und bewahren.<br \/>\nUnd so bitten wir um deinen Beistand in unserer Hilfsaktion. Gib uns die Einsicht zu rechten Entscheidungen, gib uns Kraft zur Hilfe, damit wir Menschenleben retten, Kranken und Verwundeten mit unserem Wissen und unseren Hilfsmitteln beistehen k\u00f6nnen. Herr, lass uns bei aller Anspannung in unserem Kampf mit den Naturgewalten nicht das tr\u00f6stende Wort den Notleidenden gegen\u00fcber vergessen.<br \/>\nHerr, hilf du uns, damit wir helfen k\u00f6nnen in deinem Namen. Amen.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nBundespfarrer der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.<br \/>\nElsa-Braendstroem-Stra\u00dfe . 21<br \/>\n55124 Mainz (Gonsenheim)<br \/>\nTel.: 06131-690488<br \/>\nFAX 06131-686319<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:ce.schott@surfeu.de\">ce.schott@surfeu.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias | 16. 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