{"id":10297,"date":"2005-01-07T19:49:14","date_gmt":"2005-01-07T18:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10297"},"modified":"2025-05-13T11:36:59","modified_gmt":"2025-05-13T09:36:59","slug":"2-buch-mose-kapitel-3-1-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-buch-mose-kapitel-3-1-14\/","title":{"rendered":"2. Mose 3, 1-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Letzter Sonntag nach Epiphanias | 16. Januar 2005 | 2. Mose 3, 1-14 | Anne T\u00f6pfer |<\/h3>\n<p><strong>Liebe Gemeinde!<\/strong><\/p>\n<p>Wer bin ich eigentlich? Was ist mir wichtig? Wie will ich sein\/werden?<br \/>\nIrgendwann stellt sich jede\/r diese Fragen.<br \/>\nDie Antworten auf diese Frage fallen sehr verschieden aus. Sie h\u00e4ngen davon ab, wie ich mich erlebe und wie ich sein m\u00f6chte, welche Ideale oder Idole ich habe, wer mir ein Vorbild ist und wem ich nacheifere. Die Antwort auch diese Fragen wird sich im Laufe der Jahre ver\u00e4ndern. Ich erlebe mich jetzt anders als vor 30 Jahren und das ist gut so. Es ist die Frage nach der eigenen Identit\u00e4t.<br \/>\nWer bin ich eigentlich? Diese Frage kann auch aus Unverst\u00e4ndnis und Angst heraus gestellt sein oder in Krisenzeiten, wenn ich nicht mehr ein noch aus wei\u00df. Gestellt ist sie dann etwa in dem Sinne, was erwartet ihr\/was erwartest du eigentlich von mir, das kann ich nicht und das bin ich auch nicht.<br \/>\nIn Krisenzeiten wie jetzt den Tagen seit Weihnachten, in denen wir ein neues Wort mit all seinen Schrecken lernen mussten: Tsunami! In solchen Zeiten kommt zu der Frage: Wer bin ich, die Frage: Wer bist du Gott, hinzu.<\/p>\n<p>Auf diese <strong>Identit\u00e4tsfrage<\/strong> gibt uns die Bibel eine <strong>Beziehungsantwort<\/strong> (GPM 53\/1, Schlumberger, S.112). Denn in ihr finden wir Geschichten wie den heutigen Predigttext. Er erz\u00e4hlt von diesen uralten Fragen der Menschheit. Es ist eine aussagekr\u00e4ftige Geschichte auch f\u00fcr uns heute, gerade weil es keine historische Geschichte ist. Ich lese aus dem 2. Buch Mose, Kapitel 3, 1-14.<br \/>\n<strong>Lesung<br \/>\n<\/strong><br \/>\nMitten in der Geschichte stellt Mose die Frage vom Anfang der Predigt. \u201eWer bin ich &#8230;, dass ich zum Pharao gehe und f\u00fchre die Israeliten aus \u00c4gypten?\u201c<br \/>\nWie kam es zu dieser Frage?<\/p>\n<p><strong>Alltag<br \/>\n<\/strong>Es ist ein normaler Tag. Unsereiner w\u00e4re aufgestanden und h\u00e4tte dann sein Tagespensum vor sich. Auf zur Schule oder zur Arbeit. Keine besonderen Vorkommnisse. Ein ganz normaler Tag eben. Dann kommt es aber anders, als wir gedacht haben. So \u00e4hnlich war das auch bei Mose.<br \/>\nIn Midian hatte er Zuflucht gefunden, nachdem er einen \u00c4gypter ermordet hat. Er hat ein neues Leben angefangen. Er hat geheiratet und hat seine Aufgaben. Mose macht sich auf seinen t\u00e4glichen Weg. Er ist f\u00fcr die Schafe verantwortlich. Er rechnet mit nichts Besonderem.<br \/>\nMitten in der Routine, mitten im Alltagstrott sieht er das Au\u00dfergew\u00f6hnliche. Ein Busch brennt, aber er verbrennt nicht. Eine faszinierende Naturerscheinung.<\/p>\n<p><strong>Neugierde\/Wissen<br \/>\n<\/strong>Das macht ihn neugierig. Er will es genauer wissen. \u201eIch will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt.\u201c<br \/>\nMitten im Alltag verl\u00e4sst er vertraute Wege und probiert neue aus. Das bringt ihn weiter, auch wenn er zu Beginn des Weges noch nicht wei\u00df, wo er denn landen wird.<br \/>\nWer sich nicht aufmacht, wird nicht weiterkommen. Wer nicht neugierig ist, wird nur schwer Neues erleben und steht so in der Gefahr, stehen zu bleiben und sich gen\u00fcgen zu lassen, an dem was man hat und was man wei\u00df.<br \/>\nWer aufbricht, der erlebt manch eine<\/p>\n<p><strong>Unverhoffte Begegnung.<br \/>\n<\/strong>Im normalen Alltag wird Mose aufmerksam und neugierig auf etwas Ungew\u00f6hnliches und begegnet Gott. Kein besonders gestalteter Gottesdienst, kein prachtvoll vorbereitetes Ritual, keine priesterlichen Mittler als Zwischeninstanzen, sondern eine f\u00fcr Mose v\u00f6llig unverhoffte Begegnung. Und das ihm, der wahrhaftig genug Dreck am Stecken hatte. Ein M\u00f6rder begegnet Gott ohne gro\u00dfes Brimborium \u2013 einfach so im Alltag. Er wird angesprochen: Mose, Mose und antwortet: Hier bin ich.<br \/>\nAber etwas ist doch anders als an anderen Tagen und zu anderen Zeiten. Mose \u00fcberschreitet eine Grenze. Er hat es nicht mit Absicht getan. Er wei\u00df nichts von dieser Grenze. Er wei\u00df nicht, dass dieser vermeintlich so normale Ort, heiliges Land ist. Wie sollte er das auch wissen. Nichts deutet hier drau\u00dfen auf etwas Heiliges hin.<br \/>\nDurch die Gegenwart Gottes wird das Normale ver\u00e4ndert. In der Begegnung mit Gott, wo auch immer, ver\u00e4ndert sich der Augenblick und manchmal das ganze Leben. Da erscheint unser normales Verhalten unangemessen, da kann es einem dann schon mal die Schuhe ausziehen, auch wenn man erst darauf hingewiesen werden muss.<br \/>\nUnd dann geht es los. Gott stellt sich vor.<\/p>\n<p><strong>Vorstellung Gottes<br \/>\n<\/strong>Und um es von Anfang an klarzustellen. Er ist kein neuer Gott. Er war schon da, lange bevor Mose \u00fcberhaupt geboren wurde. Und Mose bekommt es mit der Angst zu tun. Der vermeintlich so normale Tag ver\u00e4ndert sich be\u00e4ngstigend. Was will Gott von ihm? mag er sich gefragt haben.<br \/>\nNoch geht Gott nicht darauf ein. Erst einmal teilt er Mose mit, worum es ihm geht. Er hat genug gesehen, um zu wissen, Abhilfe muss her. Menschen leiden, sie werden als Sklaven missbraucht, sie erleben Ungerechtigkeit. Und das alles ist Gott nicht egal. Es ber\u00fchrt ihn. Er kann das nicht l\u00e4nger mit ansehen. Er hat sie schreien geh\u00f6rt und ihre Not gesehen \u2026 die der Israeliten und auch die der Opfer der gro\u00dfen Welle (Tsunami).<br \/>\nUnd das, was er sieht, l\u00e4sst ihn nicht kalt. Das, was er h\u00f6rt, l\u00e4sst ihn handeln. Er kommt auf die Erde. Er kommt runter, er f\u00e4hrt hernieder. Er bleibt nicht in der Ferne des Beobachters.<br \/>\nGott l\u00e4sst sich anr\u00fchren, denn im Leid verstummen die Menschen nicht, sie klagen nicht \u00fcber Gott, sondern sie klagen zu Gott. Das tun sie mitten im Elend, in der Verw\u00fcstung und im Schmerz. Sie haben Stimmen, und Gott h\u00f6rt sie.<br \/>\nAber angesichts so gro\u00dfen Leides braucht Gott Menschen, die sich schicken lassen. Er will Mose. Und Mose wird angst und bange.<\/p>\n<p><strong>Begrenzung erleben &#8211; Identit\u00e4tsfrage<br \/>\n<\/strong>\u201eWer bin ich?\u201c fragt er. Und wir k\u00f6nnten erg\u00e4nzen. \u201eGott, das ist eine Nummer zu gro\u00df f\u00fcr mich. Ich kann das nicht und ich habe auch Angst davor.\u201c<br \/>\nVorher die gro\u00dfe Aufgabe zu kennen \u2013 wie Mose \u2013 l\u00e4sst viel Raum, um Angst zu bekommen.<br \/>\nDiesen Raum hatten die Vielen in S\u00fcdasien nicht. Die \u00dcberlebenden sind hineingeschleudert worden. Und f\u00fcr Viele ist es keine Frage, ob sie die Aufgabe, die vor ihren F\u00fc\u00dfen lag, wahrnehmen, sie tun es. Sie teilen, was sie haben, so wenig es auch sein mag. Andere kommen hinzu und tun, was sie k\u00f6nnen. Unvorstellbar das Leid und Elend f\u00fcr uns hier Deutschland. Mit den Bildern, die wir t\u00e4glich geliefert bekommen, haben wir zwar vermeintlich eine Vorstellung, aber in unserem Wohnzimmer riecht unsere Nase nichts, sehen unsere Augen nicht die entstellten K\u00f6rper, f\u00fchlen wir, wenn wir keinen kennen, die Leere und die Trauer um Tote und Vermisste nicht.<br \/>\nWer bin ich? Und wer bist du Gott? in diesem Leid.<br \/>\nJedenfalls kein Gott in weiter Ferne, der \u00fcber allem thront. Herniedergefahren ist er \u2013 damals und sp\u00e4ter dann ist er uns noch n\u00e4her gekommen, als Kind in der Krippe im Stall. Er ist bei denen, die weinen, die schreien, die klagen und bei denen, die zupacken, die Tote bergen und identifizieren, bei denen, die sich anr\u00fchren lassen und teilen, Geld und anderes.<br \/>\n\u201eIch will mit dir sein!\u201c<\/p>\n<p><strong>Beziehungsantwort<\/strong><br \/>\nDen Identit\u00e4tsfragen von Mose und von uns erteilt diese Geschichte eine Beziehungsantwort. Gott sagt: \u201eIch will mit dir sein!\u201c<br \/>\nAls Mose Gott nach seinem Namen fragt, um den Israeliten Rede und Antwort stehen zu k\u00f6nnen, antwortet Gott:<br \/>\nIch werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: \u201eIch werde sein\u201c, der hat mich gesandt.<br \/>\nGott ist da \u2013 wenigstens das. F\u00fcr manche zu wenig. F\u00fcr manche nicht sp\u00fcrbar und nicht erlebbar. Aber dennoch. Er ist da. Das ist nicht nichts.<br \/>\nDer Blick darauf ist getr\u00fcbt. Die Tr\u00e4nen versperren die Aussicht. Die Sprachlosigkeit l\u00e4hmt oder l\u00e4sst einen Wortschwall nach dem anderen herausbrechen. Hauptsache ich kann Worte f\u00fcr die schrecklichen Bilder finden und offene Ohren, die bereit sind zuzuh\u00f6ren.<br \/>\nUnd in allem ist Gott da!<br \/>\nSo hat er es gemeint. So lautet seine Antwort auf die Frage:<br \/>\n<strong>Wer bin ich?<br \/>\nEin Mensch, der nicht alleine ist.<br \/>\nEgal wie viel Leid ihm\/ihr geschieht;<br \/>\negal welche Aufgaben auf ihn\/sie warten!<\/strong><\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Anne T\u00f6pfer<br \/>\nSteffensweg 65<br \/>\n37120 Bovenden<br \/>\nFon: 0551-83255 \/ Fax: 0551-508 960 37<br \/>\n<a href=\"mailto:annetoepfer@t-online.de\"> annetoepfer@t-online.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias | 16. Januar 2005 | 2. Mose 3, 1-14 | Anne T\u00f6pfer | Liebe Gemeinde! Wer bin ich eigentlich? Was ist mir wichtig? Wie will ich sein\/werden? Irgendwann stellt sich jede\/r diese Fragen. Die Antworten auf diese Frage fallen sehr verschieden aus. 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