{"id":10322,"date":"2005-02-07T19:49:28","date_gmt":"2005-02-07T18:49:28","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10322"},"modified":"2025-05-14T08:38:59","modified_gmt":"2025-05-14T06:38:59","slug":"lukas-1038-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1038-4\/","title":{"rendered":"Lukas 10,38-42"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Estomihi | 6. Februar 2005 | Lk 10,38\u201342 | Gerhard Prell |<\/h3>\n<p><em>(38) Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf.<br \/>\n(39) Und sie hatte eine Schwester, die hie\u00df Maria; die setzte sich dem Herrn zu F\u00fc\u00dfen und h\u00f6rte seiner Rede zu.<br \/>\n(40) Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, da\u00df mich meine Schwester l\u00e4\u00dft allein dienen? Sage ihr doch, da\u00df sie mir helfen soll!<br \/>\n(41) Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr Marta, Marta, du hast viel Sorge und M\u00fche. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erw\u00e4hlt; das soll nicht von ihr genommen werden.<br \/>\n<\/em><br \/>\nLiebe Schwestern und Br\u00fcder,<br \/>\nvor allem aber zun\u00e4chst: liebe Schwestern,<\/p>\n<p>m\u00f6gt ihr diese Geschichte?<br \/>\nEtliche M\u00fctter und t\u00fcchtige Hausfrauen haben auch mir schon des \u00d6fteren gesagt: \u201eIch habe sie noch nie richtig leiden k\u00f6nnen! Da wird doch der Wert der Arbeit in Haushalt und Familie herabgesetzt!\u201d &#8211; Wahrscheinlich denken viele von euch auch so, nicht nur unter den Frauen. Grund genug, einmal die beiden so unterschiedlichen Schwestern in dieser Geschichte genau zu betrachten und zu w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p>Marta lernen wir kennen als eine tatkr\u00e4ftige, flei\u00dfige und gastfreie Frau.<br \/>\nOb sie verheiratet ist oder alleinstehend, ob sie Kinder hat oder nicht, erfahren wir nicht. Aber da\u00df sie Jesus eingeladen hat mitsamt allen, die mit ihm zogen, 15 oder 20 oder 30 Leute bestimmt, das war jedenfalls ihre eigene, selbst\u00e4ndige Entscheidung &#8211; und keineswegs selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr eine Frau im Vorderen Orient. Dort pflegen ja bis auf den heutigen Tag eher die M\u00e4nner ihre Frauen mit Besuchern zu \u00fcberraschen, ohne da\u00df sie sie vorher fragen, ob es ihnen \u00fcberhaupt genehm ist. Aber hier ist Marta selbst die Gastgeberin und die Hausherrin. In ihrer Macht steht es, Einladungen auszusprechen und \u00fcber K\u00fcche, Garten, Feld und Stall zu verf\u00fcgen.<br \/>\nUnd nun hat sie alle H\u00e4nde voll zu tun mit dem Haus voller G\u00e4sten. Sie will ihnen ein festliches Essen zubereiten. Und wir sehen sie regelrecht vor uns, wie sie durch das Haus l\u00e4uft. Wie sie Anweisungen gibt an das Hauspersonal, wie sie die Speisekammer durchsucht und wie sie unter den Schafen, Ziegen oder K\u00e4lbern dasjenige Tier aussucht, das der Festbraten werden soll.<br \/>\nW\u00e4hrend alledem sitzt ihre Schwester Maria bei Jesus und l\u00e4\u00dft sie allein arbeiten. Und als Marta sich bei Jesus beschwert, bekommt sie nur Vorw\u00fcrfe zu h\u00f6ren. Sie mache sich Sorgen und verbreite eine echte Unruhe. Auch ich als Mann w\u00fcrde hier am liebsten sagen: Das ist unfair &#8211; nicht nur gegen\u00fcber den vielen flei\u00dfigen Martas aus unseren Tagen:<br \/>\nDas ist unfair &#8211; nicht nur gegen\u00fcber denjenigen Frauen, von denen auch heute wieder ihre M\u00e4nner erwarten, dass um 12.00 Uhr p\u00fcnktlich die Kn\u00f6del auf dem Tisch dampfen. Und die an jedem Sonntagvormittag <em>sich viel zu schaffen <\/em>machen und die <em>viel Sorge und M\u00fche <\/em>haben mit dem Haushalt und den Kindern.<br \/>\nDas ist unfair &#8211; vor allem auch im Hinblick auf die Wertsch\u00e4tzung oder Geringsch\u00e4tzung von h\u00e4uslicher Arbeit. Ganz gleich, ob nun Frauen die Arbeit im Haushalt verrichten wie noch immer weithin \u00fcblich, oder ob sich auch M\u00e4nner &#8211; wenigstens zeitweise &#8211; in der Rolle eines Hausmannes vorstellen k\u00f6nnen, wie es in unseren Tagen mehr und mehr der Fall ist &#8211; da k\u00e4mpfen wir seit Jahren darum, da\u00df auch die schwere Arbeit in der Familie und im Haushalt als gleichwertig angesehen wird gegen\u00fcber der Erwerbst\u00e4tigkeit. Und dann wird unser ganzes Bem\u00fchen mit einem Satz zunichte gemacht:<em> : Marta, Marta, du hast viel Sorge und M\u00fche. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erw\u00e4hlt.<br \/>\n<\/em>Und wieso kommt eigentlich keiner von den vielen M\u00e4nnern Marta zu Hilfe? Es ist uns doch bekannt aus der Jesus &#8211; Bewegung, dass in ihr die traditionellen Geschlechterrollen weitgehend aufgehoben waren.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnen wir an Maria sehen.<br \/>\nSie <em>setzte sich<\/em> Jesus <em>zu F\u00fc\u00dfen<\/em>, so h\u00f6ren wir, <em>und h\u00f6rte seiner Rede zu.<br \/>\n<\/em>Das d\u00fcrfen wir uns nun nicht so vorstellen, als habe Maria dem\u00fctig und schweigend dagesessen, w\u00e4hrend die M\u00e4nner redeten und Marta arbeitete. Das Sitzen zu F\u00fc\u00dfen ihres Meisters &#8211; das war damals die Haltung der Rabbinensch\u00fcler. So sagt auch Paulus zu den Mitgliedern im Hohen Rat Jerusalems im R\u00fcckblick auf seine pharis\u00e4ische Vergangenheit: <em>Ich bin ein j\u00fcdischer Mann, geboren in Tarsus in Zilizien, aufgewachsen aber in dieser Stadt und mit aller Sorgfalt unterwiesen im v\u00e4terlichen Gesetz zu F\u00fc\u00dfen <\/em>Rabbi<em> Gamaliels, und war ein Eiferer f\u00fcr Gott, wie ihr es heute alle seid.<\/em> (Apg.22,3)<br \/>\nSo mu\u00df ich, wenn ich Maria zu F\u00fc\u00dfen des Rabbis Jesus sitzen sehe, an den Film <em>\u201eYentl\u201d<\/em> denken, in dem Barbra Streisand die einzige Tochter eines osteurop\u00e4ischen Rabbis spielt. Und entgegen der Regel im Talmud: \u201eWer seine Tochter das Gesetz lehrt, lehrt sie Albernheit\u201d (Sota 3,4) unterweist der Vater seine Tochter Yentl in der Lehre des Talmud. Als der Vater stirbt, will Yentl weiterhin den Talmud studieren. Doch weil dies &#8211; im chassidischen Judentum \u00fcbrigens bis heute &#8211; den Frauen streng verboten ist, verkleidet Yentl sich als Mann, l\u00e4\u00dft sich in eine Rabbinenschule aufnehmen und wird Schriftgelehrte.<br \/>\nMaria hingegen mu\u00df sich nicht als Mann verkleiden. Jesus, ihr Rabbi, erlaubt es ihr, aus der traditionellen Frauenrolle auszubrechen. Ohne ihr Frausein verleugnen zu m\u00fcssen, darf Maria bei ihm zu seinen F\u00fc\u00dfen sitzen, mit ihm diskutieren, kurz: Theologie studieren. So h\u00f6ren wir heute von Jesus selbst, dass Frauen ihm auch als Pfarrerinnen willkommen sind. Dass sie ihm als Gemeindeleiterinnen, Verk\u00fcnderinnen des Evangeliums und als Verwalterinnen seiner Sakramente ebenso genehm sind wie M\u00e4nner: <em>Maria hat dieses gute Teil erw\u00e4hlt. Das soll ihr nicht genommen werden.<\/em><\/p>\n<p>Marta hingegen ist aus anderem Holz als ihre Schwester. Zwar verharrt sie in ihrer eher traditionellen Frauenrolle. Aber sie f\u00fcllt sie mit ihrer ganzen Person aus. F\u00fcr sie ist es kein auferlegter Zwang, wenn sie ihren Haushalt in Schuss h\u00e4lt, wenn sie G\u00e4ste bewirtet, organisiert und zupackt. Sie ist nicht das geschm\u00e4hte Heimchen am Herd, sie ist kein langweiliges, h\u00e4usliches Mauerbl\u00fcmchen. Sondern sie ist Hausherrin, selbst\u00e4ndige B\u00e4uerin, Unternehmerin. Sie gibt Anweisungen und versteht es, andere einzuspannen &#8211; vor allem freilich ihre &#8211; wohl j\u00fcngere \u2013 Schwester Maria. Und sie traut sich, ihr Unbehagen auszusprechen und Jesus Vorw\u00fcrfe zu machen: <em>Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester l\u00e4sst allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!<br \/>\n<\/em>Und Jesus? So viel ist jedenfalls sicher: Jesus wei\u00df, da\u00df er und die Seinen solche Martas brauchen, sonst k\u00f6nnten sie nicht leben. Ja, es g\u00e4be nirgendwo ein Gemeindeleben ohne solche flei\u00dfigen Martas. Es h\u00e4tte wohl keine Reformation gegeben, wenn Luther nicht seine K\u00e4the gehabt h\u00e4tte, die ihm den R\u00fccken f\u00fcr sein akademisches Lehren und B\u00fccherschreiben freigehalten h\u00e4tte, die mit den knappen Haushaltsmitteln zu wirtschaften verstand und die G\u00e4ste bewirtete, w\u00e4hrend er seine Tischreden hielt, und die er darum immer wieder als eine Marta bezeichnete. Und es g\u00e4be auch in unserer Kirchengemeinde etliches nicht ohne den Dienst solcher Martas.<\/p>\n<p>So sch\u00e4tzt Jesus auch den Dienst der Marta nicht gering &#8211; er wei\u00df, wie dringend er und die Seinen ihn brauchen. Sonst h\u00e4tte er wohl auch zu Marta gesagt, sie solle sich zu ihm setzen wie ihre Schwester. Aber er legt keine Frau auf eine bestimmte, von M\u00e4nnern gemachte Frauenrolle fest. Darum sagt er zu Marta, sie solle Maria lassen. Auch die ganz und gar nicht traditionelle Rolle, die Maria gew\u00e4hlt hat, ist ein gutes Teil. <em>Das soll ihr nicht genommen werden.<\/em><br \/>\nEs soll den Frauen, die ein Studium absolviert haben und sich geistiger Arbeit widmen, keine traditionelle Frauenrolle vorgeschrieben werden, die durch die drei \u201eK\u2019s\u201c gepr\u00e4gt ist: Kinder, K\u00fcche, Kirche.<br \/>\nEs darf nicht sein, dass Frauen, die berufst\u00e4tig sind, allein die Sorgen und M\u00fchen der Hausarbeit zu tragen haben und einer Doppelbelastung ausgesetzt sind, w\u00e4hrend sich berufst\u00e4tige M\u00e4nner aus allen T\u00e4tigkeiten im Haushalt und bei der Kindererziehung heraushalten.<\/p>\n<p>Und darum w\u00e4re es auch eine Verk\u00fcrzung der Antwort Jesu, an der wir m\u00e4nnlichen Prediger nicht unschuldig sind, wenn wir sie so verstehen wollten, als w\u00fcrde Jesus die ganz praktische Arbeit mit den Kindern, in der K\u00fcche und in der Kirche gering achten; als sei nur eines wirklich not: der Beruf. Und der Dienst der Gemeindeleitung in Verk\u00fcndigung und Sakramentsverwaltung, den ja sowohl M\u00e4nner als auch Frauen, wenn sie beide ehrlich sind, nicht ohne Eitelkeit und Selbstgef\u00e4lligkeit verrichten. Und auch, wenn hier nicht ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt wird, ob Jesus nicht an Marias Stelle einen oder gleich ein paar von den M\u00e4nnern Marta zur Hilfe geschickt hat &#8211; es ist durchaus denkbar, da\u00df es f\u00fcr ihn nicht nur weibliche Martas und Marias gibt, sondern ebenso auch m\u00e4nnliche, nennen wir sie Martins und Marios.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von ihrem Geschlecht braucht Jesus als Herr der Kirche ja beide: die Denkerinnen und Denker ebenso wie die T\u00e4terinnen und T\u00e4ter, die in der \u00d6ffentlichkeit Stehenden ebenso wie die im Verborgenen Wirkenden, die Aktiven ebenso wie die Kontemplativen.<br \/>\nEine alte Geschichte vom Berg Athos macht dies deutlich:<br \/>\nEinmal kam ein junger M\u00f6nch zum Abt Silvan ins Kloster Sina. Und als er die Mitbr\u00fcder dieses Klosters arbeiten sah, sagte er zu dem greisen Abt: \u201eArbeitet doch nicht um die verg\u00e4ngliche Nahrung. Maria hat den guten Teil erw\u00e4hlt.\u201d Da sprach Silvan zu einem seiner Sch\u00fcler: \u201eZacharias, bring dem Bruder ein Buch und schlie\u00dfe ihn in eine Zelle ein, wo er weiter nichts hat.\u201d Als es nun die neunte Stunde war, schaute der junge M\u00f6nch auf die T\u00fcre seiner Zelle, ob sie jemanden schicken w\u00fcrden, der ihn zum Essen riefe. Als ihn niemand abholte, stand er auf, kam zu Abt Silvan und fragte ihn: \u201eHaben die Br\u00fcder heute nicht gegessen?\u201d -\u201eDoch\u201d, antwortete der Greis. Da fragte der junge M\u00f6nch: \u201eWarum habt ihr mich dann nicht geholt?\u201d Und Silvan entgegnete: \u201eDa du doch ein geistiger Mensch bist, brauchst du diese Nahrung nicht. Wir fleischlichen Menschen jedoch m\u00fcssen essen, darum arbeiten wir. Du aber hast den guten Teil erw\u00e4hlt, weil du den ganzen Tag liest und keine fleischlichen Speisen essen willst.\u201d Als das der junge Bruder h\u00f6rte, fiel er dem Abt zu F\u00fc\u00dfen und sagte: \u201eVerzeih mir, Vater.\u201d Und der Greis belehrte ihn: \u201eDurchaus braucht Maria die Marta, denn wegen der Marta wird auch die Maria ger\u00fchmt.\u201d<br \/>\nUnd von der Mystikerin Teresa von Avila ist uns der Satz \u00fcberliefert: \u201eGlaubt mir, Maria und Marta m\u00fcssen beisammen sein, um den Herrn beherbergen zu k\u00f6nnen und ihn immer bei sich behalten zu k\u00f6nnen, sonst wird er schlecht bewirtet sein und ohne Speise bleiben.\u201d<\/p>\n<p>So sollten wir uns am Ende dieser Geschichte nicht allein fragen, welche von den beiden Schwestern wir sind: Marta oder Maria? Oder vielleicht beide? Nur die eine? Oder vielleicht auch die andere? Nur die Handelnde? Oder auch die Zuh\u00f6rende und Denkende? Oder nur die Letztere? Auch wir M\u00e4nner m\u00fcssen uns dies fragen, wenn wir \u00fcber Luthers Sinnspruch hinauskommen wollen, der wieder einzig und allein den Frauen die Sorgen und M\u00fchen der Doppelbelastung zumutet, indem er sagt: \u201eDie gute Pfarrfrau, das ist die: beide, Marta und Marie.\u201d Wenn denn ein heiliger Mann und eine heilige Frau, der Abt Silvan vom Athos und die \u00c4btissin Teresa von Avila, der einhelligen Meinung sind, dass es nicht gut ist, wenn wir nur die eine oder nur die andere sind, wenn es vielmehr beide braucht, um Jesus richtig aufzunehmen, dann m\u00fcssen wir uns auch fragen, welche von den beiden heute bei uns zu kurz kommt: Marta &#8211; die Aktive, die Besch\u00e4ftigte und T\u00e4tige? Oder Maria &#8211; die H\u00f6rende, Nachdenkende und Empfangende?<\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte, dass heute wie damals Maria zu kurz kommt.<br \/>\nWer von uns, ganz gleich, ob Frau oder Mann, hat denn heute noch Zeit zum H\u00f6ren, Nachdenken und Beten? Oder zum Lesen in der Bibel? Immer haben wir doch zu tun, und selbst in unserer Freizeit, von der wir immer mehr haben, haben wir <em>viel Sorgen und M\u00fche. <\/em>Schon unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden machen sich einen riesigen Freizeitstress. Oder warum w\u00fcrden M\u00fctter ihre Kinder vom Konfirmandenunterricht entschuldigen mit der Begr\u00fcndung: \u201eMein Sohn muss heute wieder so viele Hausaufgaben machen und Vokabeln lernen.\u201d Oder: \u201eMeine Tochter schreibt morgen Physikschulaufgabe \u2013 das muss doch wenigstens die Kirche verstehen, dass sie keine Zeit hat?\u201d<br \/>\nWarum bleiben so viele junge Menschen dem Gottesdienst am Sonntag fern, weil sie \u201eWichtigeres\u201d zu tun haben: Sportwettk\u00e4mpfe. Oder Schularbeiten, f\u00fcr die am Samstag wegen des Trainings oder wegen der Klavierstunde keine Zeit geblieben ist. Und m\u00f6ge Gott durch die Weisheit unserer politisch Verantwortlichen verh\u00fcten, dass wir k\u00fcnftig am Sonntag wie an jedem Werktag auch noch einkaufen gehen k\u00f6nnen oder arbeiten gehen m\u00fcssen!<\/p>\n<p>Ich meine, da\u00df Jesu Kritik hier berechtigt ist: <em>Marta, Marta, du hast viel Sorgen und M\u00fche!<br \/>\n<\/em>Und in der griechischen Bibel f\u00e4hrt Jesus fort: <em>Weniger aber w\u00e4re notwendig.<br \/>\n<\/em>Das h\u00e4tte damals hei\u00dfen k\u00f6nnen: \u201eEine einfache, schnell zubereitete Mahlzeit ohne gro\u00dfe Umst\u00e4nde gen\u00fcgt.\u201d Und heute: \u201eWeniger Aktivit\u00e4t w\u00e4re besser f\u00fcr euch! Nehmt euch doch auch Zeit, um zu h\u00f6ren, um nachzudenken, um euch von mir beschenken zu lassen. Seid doch auch einmal nur die Empfangenden. Vertreibt doch nicht die Maria in euch.\u201d<br \/>\nDenn ohne das H\u00f6ren, ohne das Sich &#8211; Hineinversenken, ohne das Beten gibt es keinen Glauben. Und ohne das Glauben taugt auch das Handeln nichts, weil es seine Richtung verliert. Sp\u00fcrt ihr denn nicht, wie euer Leben umso mehr leer und hohl wird, je mehr ihr an Aktivit\u00e4t und Hektik hineinpackt? <em>Maria aber hat das gute Teil erw\u00e4hlt, das soll ihr nicht genommen werden.<\/em><\/p>\n<p>So werden wir diese Geschichte vielleicht doch wieder m\u00f6gen lernen. Es geht ja nicht um die Abwertung notwendiger ganz praktischer Arbeiten in Haus und Familie und Kirche. Es geht auch nicht um die Wertigkeit alt\u00fcberlieferter und neuer Frauenrollen. Es geht \u00fcberhaupt nicht nur um die Frauen, sondern um die M\u00e4nner ebenso.<br \/>\nDass der Evangelist Lukas diese Geschichte einrahmt vom Gleichnis des barmherzigen Samariters, das ihr vorausgeht, und vom Vaterunser, das ihr folgt, das zeigt vielmehr, da\u00df es beide braucht, um Jesus richtig aufzunehmen, Marta und Maria, den in der Liebe t\u00e4tig werdenden Glauben und die im Glauben h\u00f6rende und empfangende Liebe. Und dass wir uns ganz gewi\u00df kein schlechtes Teil erw\u00e4hlen, wenn wir uns in aller notwendigen und in aller \u00fcberfl\u00fcssigen Aktivit\u00e4t und Hektik auch die Zeit nehmen zum Beten, H\u00f6ren und Empfangen.<br \/>\nDenn das Empfangen und H\u00f6ren geht allem Tun der Liebe voraus, und der Glaube nimmt aller Sorge die dr\u00fcckende Last und aller M\u00fche die Vergeblichkeit. Dieses gute Teil darf uns, so will es Jesus, niemand nehmen.<\/p>\n<p>AMEN.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Gerhard Prell,<br \/>\nPfarrer in Bad Endorf, Oberbayern.<br \/>\n<a href=\"mailto:G.Prell@gmx.de\"> G.Prell@gmx.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Estomihi | 6. Februar 2005 | Lk 10,38\u201342 | Gerhard Prell | (38) Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. (39) Und sie hatte eine Schwester, die hie\u00df Maria; die setzte sich dem Herrn zu F\u00fc\u00dfen und h\u00f6rte seiner Rede zu. 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