{"id":10332,"date":"2005-02-07T19:49:22","date_gmt":"2005-02-07T18:49:22","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10332"},"modified":"2025-05-14T09:32:54","modified_gmt":"2025-05-14T07:32:54","slug":"1-mose-31-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-mose-31-24\/","title":{"rendered":"1. Mose 3,1-24"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><span style=\"color: #000099;\">Invokavit | <\/span><span style=\"color: #000099;\">13. Februar 2005 | 1. Mose 3,1-24 |<\/span><span style=\"color: #000099;\">\u00a0Friedrich-Otto Scharbau |<\/span><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Kinder kriegen das gelegentlich wohl hin, dass sie sich in aller Unschuld ihr kleines Paradies bauen, dass sie f\u00fcr einen Augenblick ganz zu Hause sind in ihren Phantasien und Tr\u00e4umen und fast nicht mehr wahrnehmen, was um sie herum passiert. Sie tauchen ein in eine andere Welt. Erwachsene schaffen das nicht mehr, manchmal tr\u00e4umen sie zwar von einer besseren Welt, aber sie wissen, dass das unwirklich ist und dass die \u201eheile\u201c Welt nichts ist als ein sch\u00f6ner Schein. Das Paradies gibt es nicht mehr, es ist f\u00fcr uns verloren. Und es gibt auch keine Hoffnung, dorthin zur\u00fcckzukehren \u2013 wenn es denn \u00fcberhaupt einen Ort hat. Unsere Erwartung ist auf das Kreuz Jesu Christi gerichtet, auf <em>Erl\u00f6sung<\/em>, wenn Gott abwischen wird alle Tr\u00e4nen und Tod und Schmerz und Leid nicht mehr sein werden. (Offb. 21, 4) Das ist mehr als die R\u00fcckkehr ins Paradies; das ist der <em>neue<\/em> Himmel und die <em>neue<\/em> Erde, Gottes <em>neue<\/em> Sch\u00f6pfung in Jesus Christus.<\/p>\n<p>Das Paradies ist f\u00fcr uns verloren. Wohl haben wir dann und wann noch eine Ahnung davon, dass es das einmal gegeben haben muss, ein Menscheitswissen von einem guten Anfang. Wir haben uns den Begriff bewahrt \u2013 das ist viel! &#8211; und wir verbinden auch eine Vorstellung damit, aber wehm\u00fctig und ohne Aussicht, jemals selbst das Paradies zu ber\u00fchren. Es ist doch nur der Versuch, f\u00fcr einen Augenblick die Wirklichkeit, die oft genug ja niederschmetternd leidvoll und unparadiesisch ist mit ihrer M\u00fchsal und den Anstrengungen des Lebensalltags, zu vergessen. Hier und da taucht das Paradies wohl auch in politischen Weltbegl\u00fcckungsprogrammen auf; aber die haben bisher noch immer Zerst\u00f6rung und Chaos und viel Leid \u00fcber die V\u00f6lker gebracht. Und nie das Paradies. Das ist f\u00fcr uns verloren.<\/p>\n<p>Die Bibel erz\u00e4hlt, wie es dazu kam. Wie auf einem Gem\u00e4lde kommt die Geschichte zun\u00e4chst daher, in leisen Farben gleichsam, fast harmlos im Umgang der Beteiligten miteinander. Und ist in Wahrheit eine hochdramatische Auseinandersetzung zwischen Gott und Mensch. Es geht um den Widerspruch des Menschen gegen Gottes Anspruch als Sch\u00f6pfer; der Mensch k\u00e4mpft um seine Autonomie, um sein Recht auf Selbstbestimmung. Und es geht schlie\u00dflich um die Geburt der Gnade im Umgang Gottes mit dem gefallenen Menschen. Seine Vertreibung aus dem Paradies ist nicht die ganze Antwort Gottes auf den Fall. Die ganze Antwort Gottes hei\u00dft: Verlust des Paradieses, Entlassung des Menschen in die Freiheit eines nichtparadiesischen Lebens, aber <em>nicht Entlassung aus der Obhut Gottes<\/em>. Auch das Leben au\u00dferhalb des Paradieses wird ihm von Gott zugewiesen, <em>er empf\u00e4ngt es<\/em>. Er verliert das Paradies, aber er findet zugleich einen neuen Ort f\u00fcr das neu definierte Leben, und so hat der Fluch Gottes auch seine <em>Verhei\u00dfung<\/em>. Gott steht zu dem Menschen auch nach dem Fall.<\/p>\n<p>Die Bibel erz\u00e4hlt diese Geschichte ganz am Anfang und damit bringt sie zum Ausdruck: Jeder findet sich vor in dem, was da beschrieben wird, keiner ist frei davon. Es wird ein St\u00fcck Ursprungsgeschichte erz\u00e4hlt, nicht das zuf\u00e4llige und dann auch wieder zu vergessende Scheitern eines einzelnen an dem Anspruch Gottes. Was da geschehen ist, geht ein in die Menschheitsgeschichte. In den Kampf Adams um seine Autonomie sind wir alle einbezogen, nehmen diese Auseinandersetzung auf, machen sie zu unserer eigenen und folgen den Einlassungen der Schlange. Wie oft geht es uns nicht so, dass wir genau wissen, was richtig zu tun w\u00e4re und was falsch, und zwar nicht in einem vordergr\u00fcndigen Sinn, sondern <em>was richtig und falsch ist vor Gott<\/em>, entweder, weil es ein ausdr\u00fcckliches Gebot Gottes gibt, oder auch in dem Sinn, dass unser Gewissen uns das sagt. Und dann wird die Vernunft ins Feld gef\u00fchrt oder die ge\u00e4nderten Verh\u00e4ltnisse oder ein neuer gesellschaftlicher Konsens und man f\u00fchlt sich mit einem Mal frei zu einer eigenverantwortlichen Entscheidung, die selbst da, wo sie schlie\u00dflich doch dem Willen Gottes folgt, ihm nicht mehr folgt, weil entscheidend das eigene Urteil geworden ist: Nicht, weil Gott es so geboten hat, tu ich dies und das, sondern <em>weil ich es richtig finde, was Gott geboten hat, darum tu ich es<\/em>. Und wenn ich es nicht f\u00fcr richtig halte, folge ich <em>meiner <\/em>Erkenntnis von richtig und falsch, von gut und b\u00f6se. Und richtig schwierig wird es erst, wenn einer das, was er f\u00fcr richtig h\u00e4lt, unkritisch als Gottes Willen ausgibt und damit andere verf\u00fchrt. Soweit geht diese Geschichte vom S\u00fcndenfall nicht; aber es deutet sich an in der Entschlossenheit, zu werden wie Gott.<\/p>\n<p>Es ist eine tragische Geschichte, wenn man so will: Keiner der Beteiligten hat diesen Ausgang gewollt, aber so ist es gekommen und auch Gott hat es nicht verhindert. Das ist \u00fcberraschend. H\u00e4tte er es verhindern k\u00f6nnen? Wenn man von seiner Allmacht ausgeht, h\u00e4tte er es verhindern k\u00f6nnen m\u00fcssen. Aber nur um den Preis, genau jene M\u00f6glichkeit dem Menschen wieder zu nehmen, die er ihm zuvor gegeben hatte: Gottes Gebot zu folgen und darin anzuerkennen, dass Gott ist; oder aber sich zum Richter \u00fcber Gottes Gebot zu machen und damit selbst an die Stelle Gottes zu treten. Diese M\u00f6glichkeit, diese Freiheit durfte Gott nicht wieder kassieren, weil genau an dieser Stelle sich kl\u00e4rt, was aus dem Menschen wird: einer, der sich begreift als Mensch vor Gott; oder einer, der seine Gesch\u00f6pflichkeit leugnet und versucht, sich allein aus sich selbst heraus zu begreifen und selbstverliebt stets zu sich selbst zur\u00fcck zu kehren.<\/p>\n<p>Eva steht zun\u00e4chst im Vordergrund. Adam bleibt noch au\u00dfen vor und betritt die Szene erst in dem Augenblick, als Eva bereits zur Tat schreitet. Er folgt ihr willenlos, genauer: er willigt ein. Ob er das Gespr\u00e4ch zwischen ihr und der Schlange mitgekriegt hat, wird nicht berichtet. Gleichviel: Auch er kannte ja Gottes Gebot und wusste, was er tat, als er die verbotene Frucht a\u00df. Es geht eben auch ohne diese ganze komplizierte Wortklauberei der Schlange, und auch Eva folgt schlie\u00dflich ja ganz ihrer eigenen Wahrnehmung: Sie sieht die Fr\u00fcchte \u2013 sch\u00f6n und verlockend bieten sie sich dar und verhei\u00dfen die Erkenntnis von gut und b\u00f6se &#8211; und schon hat Gott verloren.<\/p>\n<p>Dennoch, zun\u00e4chst beherrscht die Schlange das Geschehen. Was ist sie? Ein Gesch\u00f6pf Gottes.<\/p>\n<p>Immerhin! Kein mythologisches Wesen also, das aus den Tiefen archaischer Erinnerungen auftaucht, der Gegenspieler Gottes, das B\u00f6se eben, das nun auf den Plan tritt, um Gottes gute Sch\u00f6pfung zu st\u00f6ren. Die Schlange ist Gesch\u00f6pf Gottes neben anderen und ihr zugewiesener Lebensraum ist das Feld. Sie ist nicht fremd auf dieser Erde, sie geh\u00f6rt zu ihr. In einem unterscheidet sie sich allerdings von den anderen Tieren: Sie ist listiger als sie alle. Aber auch das muss man nicht negativ verstehen. Sie liebt das Hinterfragen und spitzfindige Argumentieren. Warum nicht? Nur, dass sie dabei von der einfachen Wahrheit abkommt. Und wir begreifen, was die List der Schlange eigentlich ist: dass sie die Wahrheit kompliziert macht und ihr auszuweichen versucht; und dass sie die Wahrheit ersetzt durch das, was vern\u00fcnftig und plausibel erscheint.<\/p>\n<p>Weder mit Gottes Gebot noch mit Evas Antworten geht sie redlich um. Sie argumentiert stets am Rande der Wahrheit. Darin liegt ihre suggestive Kraft und Eva, die Arglose, f\u00e4llt darauf herein. Nat\u00fcrlich nur, weil die Schlange sie gleichsam in den Nerv trifft und formuliert, was bei ihr, vielleicht noch etwas unbestimmt, aber l\u00e4ngst schon da ist: Mutma\u00dfungen \u00fcber Gott und \u00fcber Gottes Gebot, \u00fcber den geheimnisvollen Baum, und \u00fcber die Frage, wer sie selbst ist in diesem Ensemble.<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndliche Fragen \u00fcbrigens; wer w\u00fcrde sie nicht stellen. Entscheidende Fragen \u00fcberdies. Wer wollte nicht nach sich selbst fragen, nach seiner Rolle und seiner Bestimmung, wenn er Gott entdeckt und wahrnimmt in seinem Leben: Wer bin ich, was soll ich, was will ich?<\/p>\n<p>Auf dem H\u00f6hepunkt des Dialogs will die Schlange die Frau glauben machen, Gott f\u00fcrchte nur um sein Gottsein und in Wahrheit k\u00f6nnten durch das Essen der Frucht sie und Adam werden wie Gott. Welche M\u00f6glichkeit, sich zu begreifen!<\/p>\n<p>Das sitzt. Damit hat sie die Sehnsucht und die Versuchung des Menschen schlechthin formuliert: sein zu k\u00f6nnen wie Gott, \u201ewissend\u201c zu werden wie Gott, die Gesch\u00f6pflichkeit abzusch\u00fctteln wie ein l\u00e4stiges Kleid. Und keinen Gott mehr zu haben! Wer sein will wie Gott, will keinen Gott neben sich haben, und wer wie Gott \u201ewissend\u201c sein will, wei\u00df, dass Wissen Macht ist, und genau die will der Mensch, die Macht \u00fcber sich selbst. Selbstbestimmung, Autonomie.<\/p>\n<p>Und dann steht sie vor dem Baum und sp\u00fcrt die Verlockung: Er macht klug, wissend um gut und b\u00f6se, allwissend. Werden wie Gott. Da steht der Baum, die Fr\u00fcchte sind reif und seine Verhei\u00dfung ist gro\u00df. Und sie nahm und a\u00df und gab ihrem Mann auch davon und auch er a\u00df. Das wird ganz undramatisch erz\u00e4hlt. Nat\u00fcrlich: Die Entscheidungen sind ja l\u00e4ngst gefallen, Vernunft und Herz haben geurteilt. Die Situation ist reif, du brauchst nur noch die Hand auszustrecken, und dann hast du, was dir ohnehin geh\u00f6rt und was auch Gott dir nicht vorenthalten darf. Du bist alleine <em>dir<\/em> verpflichtet.<\/p>\n<p>So einfach hat die Schlange es ihnen erz\u00e4hlt und im Grunde h\u00e4tte es dessen gar nicht bedurft: Ganz von alleine kommt der Mensch darauf, dass es gut w\u00e4re, von dem Baum zu essen. Ganz von alleine kommt der Mensch darauf, dass er frei sein will von Gott, und es bedarf dazu keines Ansto\u00dfes von au\u00dfen. Wir selbst sind es, die ganz elementar den Widerspruch gegen Gott formulieren und sich zu Richtern \u00fcber Gott machen. Kein Satan, keine Schlange, kein Verf\u00fchrer. Es gen\u00fcgt, dass da der Baum ist mit seiner Frucht und dass <em>Gott diesen Baum f\u00fcr sich reklamiert<\/em>. Das weckt die Begierde \u2013 nicht, weil verbotene Fr\u00fcchte immer die interessantesten sind, aber <em>weil der Mensch nicht akzeptieren will, dass ein anderer entscheidet, was er darf und was nicht<\/em>. Insofern hat die Schlange schon Recht gehabt mit ihrer Behauptung, dass es Gott um sich selbst geht und nicht etwa um Adam und Eva. Es steht wirklich auf des Messers Schneide zwischen Gott und Mensch. Und Gott k\u00f6nnte verlieren \u2013 wenn er w\u00e4re, wie Adam und Eva in ihrer Schl\u00e4ue sich das denken.<\/p>\n<p>Aber er ist anders, in jeder Hinsicht. Zun\u00e4chst: Kein Blitz, kein Donner, die Erde tut sich nicht auf. Adam und Eva m\u00fcssen nicht sterben, nachdem sie die verbotene Frucht gegessen haben. So hatte Gott es ihnen ja angedroht. Aber sie leben, so wie die Schlange es ohnehin vorausgesagt hatte. Und sie werden Leben weitergeben. Das eben ist die Bedeutung des Namens, den Adam nun \u201edem Weibe\u201c gibt: Eva, Mutter aller, die da leben. (v. 20) Es ist Gottes Gnade, dass sie leben d\u00fcrfen. Auch, wenn sie sich eigentlich aus seiner Verf\u00fcgung l\u00f6sen wollten, so \u00fcberl\u00e4sst Gott sie jetzt trotzdem nicht sich selbst und ihrem Schicksal, sondern er steht auch weiterhin zu ihnen. Aber nun weit \u00fcber die Beziehung, die besteht zwischen dem Sch\u00f6pfer und seinem Gesch\u00f6pf, hinaus: eben <em>aus Gnade <\/em>h\u00e4lt er an ihnen fest.<\/p>\n<p>Und auch die Vertreibung aus dem Paradies ist in erster Linie nicht Strafe, sondern es ist die <em>Entlassung in die Freiheit<\/em>, die sie gesucht haben, n\u00e4mlich selbst einzustehen f\u00fcr ihr Leben. Und wenn das auch \u201eim Schwei\u00dfe deines Angesichts\u201c geschehen soll, so ist auch das Gottes Gnade. Er fordert nicht einfach die R\u00fcckkehr in das alte Gehorsamsverh\u00e4ltnis ein, wenn er sie schon leben l\u00e4sst, sondern er l\u00e4sst ihnen die Freiheit und bindet sie gleichzeitig in Gnade neu an sich.<\/p>\n<p>Aber solange sie noch im Paradies sind, kommt es f\u00fcr die beiden zu einer schrecklichen Ern\u00fcchterung: Sie erkennen, dass sie nackt sind, sie stehen ohne Kleider da. Nichts von Gottgleichheit, nichts von einem neuen Lebensgef\u00fchl; das Paradiesische ist schon vorbei, bevor sie aus dem Garten Eden vertrieben werden. Scham kommt \u00fcber sie und sie verstecken sich, verstecken sich vor Gott, dem sie doch eigentlich entkommen wollten und auch nun noch irgendwie ganz unzureichend zu entkommen versuchen, weil sie ahnen: Es ist nichts mit der Freiheit \u00fcber uns selbst, sondern jetzt wird er \u00fcber uns richten. Sie verkriechen sich, machen sich unsichtbar in der kindischen Hoffnung, er w\u00fcrde sie nicht finden. Zwischen sie und Gott ist der Ungehorsam, ist eben die Schuld getreten. Darum darf er sie nicht entdecken.<\/p>\n<p>Peinlich und l\u00e4cherlich zugleich dieser Augenblick, als sie gegenseitig ihre Nacktheit entdecken. Nackt waren sie auch vorher schon, aber da wussten sie es noch nicht. Jetzt wissen sie es, und das ist zun\u00e4chst wohl auch alles an neuem Wissen, das ihnen zugewachsen ist. Von wegen Erkenntnis von gut und b\u00f6se! Sie erkennen, dass sie nackt sind! Das ist alles.<\/p>\n<p>Wer meint, er k\u00f6nne werden wie Gott, wirkt so l\u00e4cherlich und peinlich wie Adam und Eva, als sie sich in ihrer Nacktheit erkannten. Nur wissen sie das leider nicht, die Herrenmenschen in ihrem Wahn oder die anderen, die in der Welt eine Achse des B\u00f6sen ausmachen \u2013 und doch nicht in ihr Herz kriegen, dass sie <em>die Welt nicht erl\u00f6sen k\u00f6nnen wie ein Gott. <\/em>Wir k\u00f6nnen immer nur das eine oder andere ver\u00e4ndern, manchmal mehr und manchmal weniger, und das ist m\u00fchsam und anstrengend und voller R\u00fcckschl\u00e4ge, eben so, wie die Bestellung des Ackers durch den Menschen nach der Vertreibung aus dem Paradies. Man kann und darf durch noch soviel rhetorisches Pathos seine Mitmenschen und vor allem sich selbst \u00fcber diese n\u00fcchterne Wahrheit nicht hinwegt\u00e4uschen. Wir k\u00f6nnen ja froh sein, wenn wir die Dinge jeweils vorl\u00e4ufig einigerma\u00dfen hinkriegen und auch das ist meistens ganz unzul\u00e4nglich. Eine heile Welt ist ein Phantom. Adam und Eva haben f\u00fcr einen Moment nach der Erkenntnis von gut und b\u00f6se gegriffen \u2013 aber sind sie wirklich dahinter gekommen? Haben sie die Kraft und den Charakter, haben sie die Moral mit erworben, mit dieser Erkenntnis auch umzugehen? Wir leiden doch darunter, dass wir vielleicht noch wissen, dass da ein Unterschied ist, aber wir entscheiden uns f\u00fcr das B\u00f6se und sind \u00fcberzeugt davon, das auch zu d\u00fcrfen, und folgen tats\u00e4chlich doch nur unserem Instinkt f\u00fcr das N\u00fctzliche. Liegt das daran, dass wir nicht mehr wissen, was das Ma\u00df der Erkenntnis von gut und b\u00f6se ist? Die h\u00e4ngt ja nicht in der Luft. Gut und b\u00f6se ist <em>in Gottes Wort gefasst<\/em> und darum menschlichem Zugriff entzogen. \u201eEs ist dir gesagt, Mensch, was gut ist\u2026\u201c (Micha 6, 8) <em>H\u00f6rst du, so wei\u00dft du!<\/em> Das ist das Geheimnis! Wer gut und b\u00f6se von Gott trennt, ger\u00e4t auf Irrwege. Die Erkenntnis von gut und b\u00f6se ist an Gottes Wort gebunden und durch Gottes Gebot gesch\u00fctzt vor dem willk\u00fcrlichen Zugriff des Menschen. Und sie bleibt gesch\u00fctzt, auch wenn wir nach ihr greifen. F\u00fcr den, der sich von Gott l\u00f6st, wird gut und b\u00f6se einerlei. Und wir wissen, welche katastrophalen Folgen das haben kann.<\/p>\n<p>Diese n\u00fcchterne Einsch\u00e4tzung unserer M\u00f6glichkeiten geh\u00f6rt zum Menschheitswissen, das die Bibel \u00fcberliefert, und auch diese Geschichte vom Verlust des Paradieses erz\u00e4hlt davon: dass wir uns nicht \u00fcbersch\u00e4tzen d\u00fcrfen hinsichtlich unserer F\u00e4higkeiten, und dass wir erkennen, wer wir sind: Menschen, ganz einfach Menschen. Wichtig ist: Die Bibel sagt nicht, dass wir nach dem S\u00fcndenfall \u00fcberhaupt nichts mehr hinkriegen, dass wir mit unseren H\u00e4nden und mit unserem Kopf nichts hinkriegen, dass wir politisch und moralisch nichts hinkriegen. Die Bibel vertritt keine pessimistische Sicht des Menschen. Vielmehr gilt: Wir geh\u00f6ren Gott, er hat Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben, <em>aber er hat sie nicht verworfen<\/em>. Wir geh\u00f6ren Gott und er hat uns in diese Welt entlassen mit einem <em>Mandat<\/em>: sie zu bebauen und unseren Lebensunterhalt von ihr zu nehmen. \u201eIm Schwei\u00dfe deines Angesichtes\u201c. Das stimmt. Aber eben <em>nicht vergeblich<\/em>. Gottes Mandat geht nicht ins Leere. Es ist <em>Verhei\u00dfung<\/em>. Lebensverhei\u00dfung und die Verhei\u00dfung, Leben zu erhalten.<\/p>\n<p>Nur die R\u00fcckkehr ins Paradies, die ist uns nicht verhei\u00dfen. Und deswegen brauchen wir die T\u00fcr dahin auch gar nicht zu suchen.<\/p>\n<p>Allerdings hat Martin Luther den Moment, als erkannte, was das Evangelium von Jesus Christus, der ja auch der zweite Adam hei\u00dft, f\u00fcr ihn bedeutet, so beschrieben: \u201eDa f\u00fchlte ich mich v\u00f6llig neu geboren und durch die offenen T\u00fcren in das Paradies eintreten.\u201c Aber das ist nicht die Wiederentdeckung des Gartens Eden, sondern das ist der freie Zugang zur Freundlichkeit Gottes im Vertrauen auf Jesus Christus.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Friedrich-Otto Scharbau<br \/>\n<a href=\"mailto:F.O.Scharbau@t-online.de\">F.O.Scharbau@t-online.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Invokavit | 13. Februar 2005 | 1. 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