{"id":10334,"date":"2005-02-07T19:49:19","date_gmt":"2005-02-07T18:49:19","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10334"},"modified":"2025-05-14T09:39:10","modified_gmt":"2025-05-14T07:39:10","slug":"matthaeus-4-1-11-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-4-1-11-5\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 4, 1-11"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><span style=\"color: #000099;\">Invokavit | 13. Februar 2005 |\u00a0Matth\u00e4us 4, 1-11 | Elof Westergaard |<\/span><\/h3>\n<p>(Textauswahl nach der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>1. In fast allen Biographien und Erinnerungen spielt die Schulzeit eine wesentliche Rolle. Und so geht es wohl \u00fcberhaupt uns allen. Da sind Lehrer und Kameraden, die bleibende Bedeutung f\u00fcr einen gehabt haben in Einstellungen und im Denken, \u2013 da sind Ereignisse, die man mit sich herumtr\u00e4gt und an die man sich erinnert. Gute und erbauliche, vielleicht aber auch grausame und ausgesprochen b\u00f6se Taten, die man im Ged\u00e4chtnis hat.<br \/>\nEin griechischer Schriftsteller, der vor mehr als hundert Jahren in die Schule ging, erz\u00e4hlt in seinen Erinnerungen, die in den 1950ern entstanden sind, von einer bestimmten Episode aus seiner Schulzeit. Sie hatten den Schulleiter in einigen F\u00e4chern. Er war ein kleiner Mann mit einem hei\u00dfen Temperament und mit b\u00f6ser Laune.<br \/>\nEs war um Ostern. Der Lehrer nahm die Sch\u00fcler mit in die Kirche. Nachdem sie in der Kirche gewesen waren, begann der Lehrer den Sch\u00fclern zu erz\u00e4hlen, wie Gott seinen Sohn auf die Erde geschickt hat, wie Christus um unserer S\u00fcnden willen litt und gekreuzigt wurde. Und er erz\u00e4hlte ihnen auch von den zw\u00f6lf J\u00fcngern, vor allem von dem J\u00fcnger, der Judas hie\u00df und Jesus verriet.<br \/>\nDer Schriftsteller erinnert sich, wie der Lehrer mit einem b\u00f6sen Blick \u00fcber die Klasse hinsah und zum Abschluss seiner Schilderung der Tat und des traurigen Endes des Judas sagte: \u201eJa, und Judas, der ist wie&#8230;\u201c \u2013 und der Lehrer streckte seine Hand aus und sah jeden einzelnen Sch\u00fcler der Reihe nach an.<br \/>\nEs entstand eine Pause, in der alle auf die Erde sahen, bis der Lehrer einen rothaarigen, bleichen Jungen ausmachte, der armselig gekleidet war. Ein Junge namens Nikolios. \u201eJa, Judas war wie du, Nikolios\u201c, sagte der Lehrer. \u201eDieselbe Haarfarbe und dieselbe Kleidung. Auch Judas hatte rote Haare, tiefrote, wie die Flammen der H\u00f6lle.\u201c<br \/>\nAls Nikolios das h\u00f6rte, begann er zu weinen. Aber darauf nahm der Lehrer keine R\u00fccksicht. Und die anderen, die merkten, dass sie dem Gericht entronnen waren, sahen nun voller Hass auf diesen Judas. Hatten sie es nicht schon immer gewusst? Und ein Fl\u00fcstern erhob sich in der Klasse, dass dieser Judas nach der Schule verpr\u00fcgelt werden sollte.<br \/>\nUnd der Schriftsteller erz\u00e4hlt, wie sie, als sie aus der Schule kamen, hinter dem armen Jungen herliefen und ihn schlugen und ihm \u201eJudas\u201c nachriefen.<br \/>\nDieser Junge hat sich seit diesem Tage nie wieder in seiner Klasse blicken lassen, er ist \u00fcberhaupt nie wieder in der Schule aufgetaucht.<br \/>\nDrei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter: der Schriftsteller hat weit weg von seinem Heimatort gelebt, jetzt kommt er zu einem Ferienaufenthalt zur\u00fcck, und er begegnet dem Jungen von damals wieder. Der ist Schuhputzer. Er stand sch\u00fcchtern auf der Treppe zum Elternhaus des Schriftstellers, er wollte geputzte Schuhe abliefern. Und er sah den Schriftsteller an und sch\u00fcttelte den Kopf: \u201eKennst du mich nicht?\u201c \u201eUnd erst jetzt erkannte ich ihn wieder\u201c, schreibt der Autor. \u201eUnd ich nannte seinen Namen \u201aNikolios\u2019. Und ich ergriff seinen Arm. Aber er antwortete nur: \u201aja, Judas\u2019, und er l\u00e4chelte bitter.\u201c<\/p>\n<p>2. Das B\u00f6se, der Teufel, tritt heute im Bericht des Evangeliums von Jesus in der W\u00fcste als ein selbst\u00e4ndiges Wesen auf, als eine Macht, eine Person, die zu Jesus kommt und ihn versucht: ihn dazu bringen will, dass er Stein zu Brot macht, dass er sich von einem Felsen hinabst\u00fcrzt, und schlie\u00dflich Jesus \u00fcberreden will, ihn anzubeten.<br \/>\nDer Teufel, Satan, ist hier als eine Person geschildert, eine Macht, die zu Jesus kommt.<br \/>\nWie Gott eine pers\u00f6nliche Macht ist, so ist der Teufel es auch.<\/p>\n<p>Ist der Teufel eine pers\u00f6nlich selbst\u00e4ndige Macht, dann ist es uns also nicht beschieden, uns gegenseitig zu Teufeln zu machen. So wie der Lehrer es in der Erinnerung tat, als er den Sch\u00fcler zu einem Judas machte.<br \/>\nWir sollen uns \u00fcberhaupt davor h\u00fcten, andere zu Teufeln zu machen. Zu sagen: du gleichst dem B\u00f6sen selbst, du bist ein Satan, ein Teufel, Judas oder wer sonst es sein mag, der stigmatisiert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ist der Teufel eine pers\u00f6nliche Macht, dann bedeutet das jedoch auf der anderen Seite nicht, dass wir das B\u00f6se, das stattfindet, von uns wegschieben k\u00f6nnten. Und dass wir blo\u00df sagen k\u00f6nnten: Der Teufel war daran schuld, oder wie Adam und Eva versuchten, die Schuld auf die Schlange zu schieben, als sie vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten.<br \/>\nDas B\u00f6se ist immer etwas, was wir tun: sei es in der Erinnerungsgeschichte das teuflische Ausmachen des einen Sch\u00fclers und seine Ernennung zum S\u00fcndenbock. Und weiter das dann folgende Handeln der anderen Jungen, n\u00e4mlich dass sie den Jungen schlugen und f\u00fcrs Leben verletzten.<\/p>\n<p>3. Das Handeln des Lehrers wie das der Sch\u00fcler l\u00e4sst sich m\u00f6glicherweise psychologisch verstehen, es l\u00e4sst sich aber nicht rechtfertigen. Sie handeln alle b\u00f6se.<br \/>\nUnd so ist es ja. Gewiss ist der Teufel eine pers\u00f6nliche Macht. Aber das B\u00f6se \u2013 und die b\u00f6sen Taten, das sind nun einmal Taten, die wir selbst auf uns nehmen und begehen. Nicht nur die anderen, sondern auch wir selbst. Wir Menschen sind es, die das B\u00f6se tun.<br \/>\nEs mag noch so viele Entschuldigungen und Erkl\u00e4rungen geben, warum wir es tun und warum es geschieht.<br \/>\nDa mag Rachsucht im Spiel sein, Angst, Furcht, Habsucht, Besitzanspr\u00fcche, Egoismus, Eifersucht, Neid usw. Aber das rechtfertigt nicht, dass wir das B\u00f6se tun.<br \/>\nDeshalb m\u00fcssen wir in Erkenntnis unserer eigenen Schw\u00e4che weiterhin, so wie wir es in der Einleitung zum Glaubensbekenntnis tun, dem Teufel und allen seinen Taten und all seinem Wesen entsagen. Wir haben fortgesetzt guten Grund, das zu tun.<br \/>\nWie es fortgesetzt guten Grund gibt, dass wir uns Gott zuwenden und hier immer wieder beten, wie wir es in dem Gebet tun, das Jesus selbst uns gelehrt hat: im Vaterunser, wo wir beten: \u201eRette uns vor dem B\u00f6sen, denn dein ist das Reich und die Macht\u201c.<br \/>\nWir haben es fortgesetzt n\u00f6tig, so zu beten.<br \/>\nDenn wie immer wir uns im Leben einrichten, welche Ideologie auch immer herrschen mag, wie sichere Bedingungen wir auch immer f\u00fcr das Leben schaffen, so ist es doch n\u00f6tig, dass wir beten: Rette uns vor dem B\u00f6sen.<br \/>\nDenn Tod und S\u00fcnde gibt es weiterhin. Sie verlassen uns nicht so ohne weiteres, sie greifen uns vielmehr so leicht, in Gesinnung, Denken und Handeln, und in dem gemeinsamen Leben, neben- oder miteinander.<br \/>\nDie Bosheit ist ein Teil des Lebens, das wir leben.<\/p>\n<p>4. Es war eine Zeitlang mond\u00e4n, zu sagen, wir sollten uns doch mit dem B\u00f6sen abfinden, es bestehe im Menschenleben eine Art von Balance zwischen dem B\u00f6sen und dem Guten.<br \/>\nDas ist Unsinn. Das B\u00f6se ist b\u00f6se, und es gibt keinerlei Grund, sich damit abzufinden. Wir haben ihm vielmehr weiterhin zu entsagen, und wir sollen nicht versuchen, es neutral oder gar gut zu machen.<\/p>\n<p>5. Und obwohl wir das B\u00f6se nicht selbst beherrschen k\u00f6nnen, haben wir an Jesu Wort und Widerstand gegen das B\u00f6se festzuhalten. Er lie\u00df sich nicht in Versuchung f\u00fchren, weder mit seiner Eitelkeit noch seiner Lust zu Macht und Reichtum. Er war standhaft. Wie er mit seinem ganzen Leben der S\u00fcnde und dem Tod widerstanden hat und uns weiterhin ein Schutz ist gegen das B\u00f6se.<br \/>\nWir sangen davon in dem Lied Ein feste Burg ist unser Gott, wo die dritte Strophe lautet:<br \/>\nUnd wenn die Welt voll Teufel w\u00e4r<br \/>\nund wollt uns gar verschlingen,<br \/>\nso f\u00fcrchten wir uns nicht so sehr,<br \/>\nes soll uns doch gelingen.<br \/>\nDer F\u00fcrst dieser Welt,<br \/>\nwie saur er sich stellt,<br \/>\ntut er uns doch nicht;<br \/>\ndas macht, er ist gericht\u2019:<br \/>\nein W\u00f6rtlein kann ihn f\u00e4llen.<\/p>\n<p>Und an diesem Vertrauen, dass das B\u00f6se, dass S\u00fcnde und Tod in Christus keine Macht haben, m\u00fcssen wir festhalten.<br \/>\nDenn gewiss beruht diese F\u00e4higkeit, das B\u00f6se zu begrenzen, nicht auf uns selbst, sondern auf Gott.<br \/>\nAber weil Gott uns will und seinen Namen in unsere Herzen schreibt und uns in der Taufe zu den Seinigen macht, deshalb gibt es auch weiterhin Hoffnung f\u00fcr uns: dass der Teufel nicht herrschen und das B\u00f6se keine Macht haben werde.<\/p>\n<p>Wie immer unser Leben sich formt: Gott gibt uns, ob unsere Tage zahlreich oder wenige werden; wieviel B\u00f6ses wir auch immer einander zuf\u00fcgen: Gott gibt uns immer Hoffnung und Gewissheit, dass nicht das B\u00f6se, sondern die Liebe die Macht besitzt.<br \/>\nDies ist es, war wir bereits bei der Taufe h\u00f6ren, wenn das Kreuzeszeichen gemacht wird \u00fcber Gesicht und Brust des Kindes und wenn gesagt, wird, dass es Gott und Jesus Christus angeh\u00f6ren soll.<br \/>\nDas hei\u00dft, es ist nicht der B\u00f6se, sondern dasjenige, was dem B\u00f6sen zu entsagen vermocht hat, dem wir angeh\u00f6ren und das uns will, will, dass kein Teufel uns schaden kann.<br \/>\nLebe in der Gnade der Taufe in ewigem Vertrauen hierauf.<br \/>\nWie wir gleich in Grundtvigs Lied singen werden:<\/p>\n<p>Dir Gott hat geschrieben<br \/>\ndas Kreuz seines Lieben<br \/>\nvor Stirne und Brust,<br \/>\nschon eh du\u00b4s gewusst,<br \/>\ndrum soll dir kein Teufel mehr schaden.<br \/>\nZur Hoffnung in Christ<br \/>\ngetauft ja du bist,<br \/>\nkannst Seele und Herz darin baden.<\/p>\n<p>(Nr. 674 im d\u00e4nischen Gesangbuch, hier nach Salmer p\u00e5 dansk og tysk, Auszug aus dem d\u00e4nischen Gesangbuch, Nr. 488)<\/p>\n<p>Gebe Gott, dass wir weiter in dieser Hoffnung leben k\u00f6nnen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Elof Westergaard<br \/>\nGramvej 2, Husby<br \/>\nDK-6990 Ulfborg<br \/>\nTel. +45 97495108<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:eve@km.dk\"> eve@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p>\u00dcbersetzt von Dietrich Harbsmeier<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Invokavit | 13. Februar 2005 |\u00a0Matth\u00e4us 4, 1-11 | Elof Westergaard | (Textauswahl nach der d\u00e4nischen Perikopenordnung) Liebe Gemeinde! 1. In fast allen Biographien und Erinnerungen spielt die Schulzeit eine wesentliche Rolle. Und so geht es wohl \u00fcberhaupt uns allen. 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