{"id":10358,"date":"2005-02-07T19:49:27","date_gmt":"2005-02-07T18:49:27","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10358"},"modified":"2025-05-14T15:43:39","modified_gmt":"2025-05-14T13:43:39","slug":"psalm-256","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/psalm-256\/","title":{"rendered":"Psalm 25:6"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Predigtreihe &#8222;Psalmen der Passionszeit \u201c | Reminiscere | 20. Februar 2005 | Psalm 25,6 | Jan Greso |<\/h3>\n<p>&#8222;Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine G\u00fcte, die von Ewigkeit her gewesen sind.&#8220;<\/p>\n<p>Im ersten Augenblick kann es scheinen, als ob der Mensch, der diese Worte sagt, den Herrn an etwas erinnern m\u00f6chte, was er, der Herr, vergessen hat, in diesem Fall: ihn an seine Barmherzigkeit und G\u00fcte erinnern. So ist das freilich nicht gemeint \u2013 das w\u00e4re ein grober Anthropomorphismus, eine zu menschliche, unerlaubt menschliche Vorstellung von Gott. Der Sinn dieses Satzes \u2013 wenn wir ihn im Kontext des ganzen Psalmes lesen \u2013 ist eine dringende Bitte um die Hilfe Gottes.<\/p>\n<p>Der Mensch, der diese Bitte ausspricht, ist von mehreren Seiten bedr\u00e4ngt. \u2013 Er ist von vielen Feinden umgeben, die ihn hassen. \u2013 In verschiedenen Situationen ist er nicht weise genung, um sich f\u00fcr den richtigen Weg zu entscheiden. \u2013 Er kann nicht die S\u00fcnden in seiner Vergangenheit (\u201edie S\u00fcnden meiner Jugend\u201c) vergessen. \u2013 Er ist einsam, verlassen. \u2013 Die Angst erf\u00fcllt sein Herz. \u2013 Sogar sein Leben ist bedroht. \u2013 Er weiss von den Versuchungen, die auf ihn lauern und er weiss zugleich, dass er zu schwach ist, um ihnen zu widerstehen. \u2013 Nicht nur seine pers\u00f6nliche Not ist dies alles, sondern er betet f\u00fcr die ganze Gemeinschaft, in der er lebt. \u2013 So ist die Situation beschrieben, aus der er ruft: \u201eGedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine G\u00fcte, die von Ewigkeit her gewesen sind.<\/p>\n<p align=\"left\">Warum erw\u00e4hnt der Beter gerade die Barmherzigkeit und die G\u00fcte Gottes? Um zu zeigen, dass wenn er um die Hilfe Gottes bittet, kann er diese Hilfe nicht beanspruchen als etwas, auf das er ein Anrecht hat. Er weiss ja von seinen S\u00fcnden. Im folgenden Vers (27) ist das ganz eindeutig ausgesprochen: \u201e Gedenke nicht der S\u00fcnden meiner Jugend und meiner \u00dcbertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner G\u00fcte willen!\u201c Derselbe Gedanke ist in diesem Psalm auch mit den Worten ausgedr\u00fcckt: \u201eUm deines Namens willen, HERR, vergib mir meine Schuld, die so gro\u00df ist!\u201c. \u201eUm deines Namens willen\u201c: Nur in dir ist der Grund, nur du bist der Grund der Vergebung, die ich erbitte. Du, dein Wesen \u2013 das ist die letzte Begr \u00fcndung und Erkl\u00e4rung dessen, dass es Vergebung geben kann. Hinter diese Begr\u00fcndung ist es nicht m\u00f6glich weiterzugehen. Um diese grosse Vergebung bittet der Mensch, der hier betet.<\/p>\n<p align=\"left\">Genauso ist es auch mit unseren Gebeten um Vergebung. Unsere Verdienste helfen uns nicht, auf unseren Verdiensten k\u00f6nnen wir unsere Hoffnung nicht bauen. Wenn uns unsere S\u00fcnden und Schuld bedr\u00fccken und wir bei uns selbst keine Hilfe finden k\u00f6nnen, die Barmherzigkeit und die G\u00fcte Gottes ist die einzige Zuflucht, wo wir die wirkliche und wirksame Vergebung erlangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"left\">Die Barmherzigkeit und die G\u00fcte Gottes ist nicht nur die Begr\u00fcndung und Erkl\u00e4rung der Vergebung der S\u00fcnden, sondern bedeutet noch mehr. Der barmherzige und g\u00fctige Gott ist f\u00e4hig und willig, sich in die \u00e4ussere und innere Situation des leidenden, sich \u00e4ngstigenden Menschen hineinzudenken \u2013 wieder eine zu menschliche Weise, von Gott zu sprechen, aber anders k\u00f6nnen wir nicht \u2013 und aus diesem tiefen Erkennen heraus ihm zu helfen. Wir kennen zwar unsere Not, aber in vielen F\u00e4llen verstehen wir sie nicht tief genug. Ein grosser Trost ist es, dass der barmherzige und g\u00fctige Gott uns und unsere Not, unsere Probleme vollkommen versteht und uns helfen will. Auch um diese T\u00e4tigkeit der Barmherzigkeit und der G\u00fcte Gottes bittet der Mensch im Psalm und wir mit ihm.<\/p>\n<p align=\"left\">Wie ist der Beter des Psalmes \u00fcberhaupt dazu gekommen, dass es m\u00f6glich ist, um die Barmherzigkeit und die G\u00fcte des Herrn zu bitten? Woher hat er die betreffende Information bekommen? Er selbst beantwortet diese Frage: \u201e Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine G\u00fcte, die von Ewigkeit her gewesen sind.\u201c \u201eVon Ewigkeit her\u201c \u2013 was heisst das? Diese Worte weisen auf die eigenen Erfahrungen des Beters in seiner Vergangenheit und in der Vergangenheit seines Volkes. Die Psalmen sind voll von Danksagung f\u00fcr das, was der Herr f\u00fcr die Einzelnen und f\u00fcr das ganze Volk getan hat. Je mehr man davon weiss, desto gr\u00f6sser kann die Zuversicht auch f\u00fcr die Zukunft sein.<\/p>\n<p align=\"left\">Wissen wir genug davon, was Gott f\u00fcr uns pers\u00f6nlich, was er f\u00fcr unsere Kirche, f\u00fcr unser Volk getan hat? Oder vergessen wir nur zu leicht seine Wohltaten? Haben wir erfahren, dass auch viel davon, was uns im Tun Gottes zuerst als r\u00e4tselhaft erschien, sich nach einem Abstand der Zeit als sinnvoll gezeigt hat? Es ist n\u00f6tig, dass wir auch uns selbst sagen: Gedenke, meine Seele, an die Barmherzigkeit und die G\u00fcte des Herrn. Wie soll man das tun, dieses Gedenken? Es gibt eine wirkliche, authentische Weise, dies zu tun: Gott f\u00fcr alles danken. Gott regelm\u00e4ssig, jeden Tag danken \u2013 das ist eine ausgezeichnete Methode, sich an viele Wohltaten Gottes erinnern, die wir schon empfangen haben. Inmitten eines solchen Dankgebets kann uns zugleich geschenkt werden, verschiedenes in unserer Vergangenheit auf eine ganz neue Weise zu sehen und zu verstehen. Aufgrund eines solchen Gedenkens kann man dann mit voller Zuversicht beten: \u201eGedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine G\u00fcte, die von Ewigkeit her gewesen sind.\u201c<\/p>\n<p align=\"left\">\u201e&#8230;die von Ewigkeit her gewesen sind\u201c. Es geht nicht nur um die Vergangenheit, die wir im Ged \u00e4chtnis haben und die unsere Vorfahren erlebt haben. Es geht um viel mehr: Die Ewigkeit Gottes ist durch die Barmherzigkeit und die G\u00fcte gekennzeichnet. Das geh\u00f6rt zu seinem Wesen, das ist sein Wesen. Wenn man von diesem Geheimnis des Wesens Gottes weiss und es immer im Bewustsein tr\u00e4gt, kann man nur in grosser Ehrfurcht diese Bitte aussprechen. Bei diesem Gebet sind wir so nahe Gott wie Jesaja bei sener Berufung (Jes 6).<\/p>\n<p align=\"left\">Ist dieses Gebet erh\u00f6rt worden? Ja, viele pers\u00f6nliche Erfahrungen zeugen davon. Aber ausserdem m\u00fcssen wir an eine besondere Erh\u00f6rung denken: die Erh\u00f6rung, die uns Gott in seinem Sohn Jesus Christus gegeben hat. In ihm sind alle einzelnen Bitten dieses Psalmes erh\u00f6rt worden, Bitten, die in unserem Text zusammengefasst sind: \u201e Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine G\u00fcte, die von Ewigkeit her gewesen sind.\u201c \u2013 In seinem Leben, Wort, Leiden, Auferstehung hat er klar und eindeutig gezeigt, dass die Barmherzigkeit und die G\u00fcte das Wesen seines himmlischen Vaters sind, dass seine Barmherzigkeit und G\u00fcte allen angeboten sind. \u2013 Er hat vielen in seiner Zeit die erneuernde, sch\u00f6pferische Vergebung der S\u00fcnden gegeben und in seinem Kreuzestod die Rechtfertigung zustande gebracht. \u2013 Wer an ihn glaubt, braucht nicht mehr allein zu sein. \u2013 Er zeigt uns den richtigen Lebensweg, da er der Weg, die Wahrheit, das Leben, das Licht der Welt ist. \u2013 Wenn uns auch die Feinde umgeben, wir brauchen nicht uns zu f\u00fcrchten, weil uns nichts aus seiner Hand reissen kann, und nichts uns von der Liebe Gottes scheiden kann, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. \u2013 Er kann uns helfen, in unseren Versuchungen fest zu bleiben, da er selbst durch Versuchungen durchgegangen ist und in allen ist er Sieger geblieben und auch uns kann er zum Sieg verhelfen.<\/p>\n<p align=\"left\">Wenn wir das alles auch jetzt in der Passionszeit bedenken, wollen wir Gott f\u00fcr seine Barmherzigkeit und G\u00fcte danken: \u201e Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den HERRN, meine Seele, und vergi\u00df nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine S\u00fcnde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erl\u00f6st, der dich kr\u00f6net mit Gnade und Barmherzigkeit.\u201c Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Dr. Jan Greso<br \/>\n<a href=\"mailto:greso@fevth.uniba.sk\">greso@fevth.uniba.sk <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe &#8222;Psalmen der Passionszeit \u201c | Reminiscere | 20. 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