{"id":10415,"date":"2005-03-07T19:49:23","date_gmt":"2005-03-07T18:49:23","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10415"},"modified":"2025-05-15T11:11:59","modified_gmt":"2025-05-15T09:11:59","slug":"johannes-12-12-19-26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-12-12-19-26\/","title":{"rendered":"Johannes 12, 12-19 (26)"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Predigtreihe &#8222;Psalmen der Passionszeit&#8220; | Palmarum | 20. M\u00e4rz 2005 | Joh 12,12\u201319 (26) | J\u00f6rg Heimbach |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wir haben es eben in der Lesung geh\u00f6rt \u2013 Jesu gro\u00dfer Auftritt in Jerusalem, unter Jubelrufen hatten sie ihn in Jerusalem empfangen, wie einen K\u00f6nig, sie hatten ja viel von ihm geh\u00f6rt, auch gesehen, was er f\u00fcr Wunder tat. Die Auferweckung des Lazarus&#8230;.. &#8211; davon zu h\u00f6ren, ja sogar dabei gewesen zu sein, das hatte die Menge der Leute anschwellen lassen und neugierig, gespannt gemacht auf weitere Taten, wenn wir dem Bericht des Johannes folgen.<br \/>\nSo hei\u00dft es bei ihm:<br \/>\nDarum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie h\u00f6rte, er habe dieses Zeichen getan.<\/p>\n<p>Unser Evangelist macht durch die Wahl seiner Worte \u2013 so glaube ich -keinen Hehl daraus, dass er skeptisch auf so viel Begeisterungsf\u00e4higkeit schaut.<br \/>\nDie Pharis\u00e4er \u2013 so hei\u00dft es bei ihm \u2013 sehen ebenso skeptisch und auch ein wenig resigniert auf das Get\u00fcmmel der Menschen um Jesus:<br \/>\n<em>\u201eAlle Welt l\u00e4uft ihm nach!\u201c<\/em> sagen sie.<\/p>\n<p>Und so verbreitet sich beim Evangelisten Johannes eine ganz andere Atmosph\u00e4re beim Einzug Jesu in Jerusalem als bei den anderen Evangelisten.<br \/>\nJohannes malt die Stimmung des Volkes beim Einzug in Jerusalem in den Farben eines in die Stadt einziehenden Zirkusses und Jesus inmitten, ein Zauberer, mit Hut auf, und schon warten die Leute auf das n\u00e4chste Zeichen, dr\u00e4ngen sich als Zuschauer auf die Strasse!<\/p>\n<p>Und nun tauchen im Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag besondere Leute auf, sogenannte Griechen, die auch zum Passahfest nach Jerusalem gekommen waren, keine Juden, aber doch Menschen, die vom Glauben der Juden angezogen waren, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, sogenannte Gottesf\u00fcrchtige, Griechen, die am Gottesdienst der Juden teilnehmen wollten.<br \/>\nDie hatten wohl in diesen Tagen von Jesus und seinen Taten geh\u00f6rt und wenden sich nun an einen der J\u00fcnger Jesu, an Philippus, und sagen:<br \/>\n<em>\u201eHerr, wir wollen Jesus gerne sehen!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und dann beginnt eine ganz seltsame Szene, ich zumindest erlebe sie so.<br \/>\nKeine Rede davon, dass nun Philippus sofort losl\u00e4uft, um das Interesse der Griechen zu befriedigen, k\u00f6nnte er doch stolz und froh sein, dass auch Fremde seinen Meister sehen wollen,<\/p>\n<p>oder: ist er vielleicht unsicher, ob denn die Menschen aus den Heidenv\u00f6lkern so einfach vor seinen Herrn treten d\u00fcrfen?&#8230;<\/p>\n<p>oder: traut er vielleicht nicht den redlichen Absichten dieser fremden Herren&#8230;.?&#8230;<\/p>\n<p>Das bleibt im Dunkeln, &#8230;. zumindest stellt er sie zun\u00e4chst ins Wartezimmer und bittet sie, noch etwas Geduld zu haben, l\u00e4uft dann zum n\u00e4chsten J\u00fcnger, zu Andreas und berichtet dem wohl vom Begehren der Griechen.<br \/>\nUnd dann erst, als h\u00e4tte er sich zun\u00e4chst mit diesem beraten m\u00fcssen, ob das Anliegen wohl rechtens und ungef\u00e4hrlich sei, gehen sie beide und bringen das Anliegen der Griechen vor Jesus.<\/p>\n<p>Eine komische Stafette, finde ich? Kann man das nicht leichter haben? Wohl doch nicht in unserer Geschichte. Aber nun werde ich erst recht neugierig. Was verbirgt sich dann hinter so viel Unsicherheit und Verz\u00f6gerungstaktik. In einem Drama w\u00fcrde man von dem retardierenden Moment einer Geschichte sprechen. Aber dann ist diese Verz\u00f6gerung des Philippus wirklich wichtig und wir ahnen in ihr vielleicht schon etwas vom Ziel der Geschichte&#8230;..??<\/p>\n<p>Und darum ist jetzt nat\u00fcrlich spannend, was Jesus denn nun selbst auf das Begehren der Griechen, in sehen zu wollen, antwortet.<\/p>\n<p>Aber auch Jesu Antwort scheint keine richtige Antwort auf den Wunsch der Griechen zu sein. Schon wieder Unterbrechung, Verz\u00f6gerung, zumindest weigert sich mein Verstand im ersten Moment, seine S\u00e4tze als logische Antwort auf das Begehren der Griechen zu begreifen.<\/p>\n<p>Geht es denn vielleicht im ganzen Verlauf der Geschichte um eine Verhinderung dessen, dass die Griechen Jesus sehen, geht es um die Verhinderung des Sehens???<\/p>\n<p>Ich frage nur, ich will nicht so tun als w\u00e4re ich mir meiner L\u00f6sung sicher.<\/p>\n<p>Jesus antwortet:<br \/>\nVerse 23-26<\/p>\n<p>Da bitten Menschen, Jesus <strong>sehen zu k\u00f6nnen<\/strong> und dann diese Antwort.<br \/>\nJesus spricht, ja weist auf seinen Tod hin, vergleicht ihn mit einem Weizenkorn, das in die Erde f\u00e4llt, aber dann neu und mit viel Frucht aufersteht, er spricht davon, sein Leben zu hassen, aber es doch am Ende zu erhalten zum ewigen Leben&#8230;.<\/p>\n<p>Es ist auch v\u00f6llig unsicher, ob denn die Griechen \u00fcberhaupt etwas von der Rede mitbekommen oder ob er sich mit seinen Worten nur an die jetzt vor ihm stehenden J\u00fcnger wendet, um ihnen etwas mitzuteilen \u00fcber sich.<\/p>\n<p>Irgendwie ist der Wunsch der Griechen im Verlauf der Geschichte seltsam ins Leere gelaufen, so scheint es mir. Aber warum?<\/p>\n<p>Wie steht denn dann die Antwort, die Jesus gibt, mit dem Wunsch der Griechen in Verbindung, wenn denn der Evangelist hier nicht einfach zusammengef\u00fcgt hat, was nicht zusammengeh\u00f6rt?<br \/>\nWelche Verbindung hat beides miteinander?<\/p>\n<p>Ich versuche eine, meine vorl\u00e4ufige, Antwort.<\/p>\n<p>Johannes hatte den <strong>Einzug Jesu in Jerusalem<\/strong> wie ein <strong>Spektakel<\/strong> gezeichnet, auf dem es den Wundert\u00e4ter Jesus, den Auferwecker des Lazarus, zu sehen gibt: <em>\u201ealle Welt l\u00e4uft ihm nach!\u201c<\/em> Das klingt nach Sensation, nach Neugierde der Augen,&#8230;. was ja alles verst\u00e4ndlich ist und wir m\u00fcssen aufpassen, dass wir die Aufgeregtheit des Volkes nicht nur in dunklen Farben malen.<br \/>\nAber unser Evangelist Johannes \u2013 und das m\u00fcssen wir ernst nehmen \u2013 hat ja nun Blockaden eingearbeitet gegen\u00fcber dem ungez\u00fcgelten Sehen, wie wir eben gemerkt haben.<\/p>\n<p>Vielleicht sollen wir ja bei ihm zwischen den Zeilen eine Kritik des blo\u00dfen Sehens h\u00f6ren&#8230;.<\/p>\n<p>Glaubt nicht, dass ihr Jesus nahe kommt, wenn eure Augen ihn und das, was er tut, anschauen, es kommt darauf an, was eure Herzen aufnehmen, ob Jesus in eure Herzen vordringt und nicht nur an der Oberfl\u00e4che eures Lebens bleibt, einfach anzuschauen, aber wie aus der Ferne, letztlich unbeteiligt, wie ja blo\u00dfes Sehen ist.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\ndas Sehen ist der menschliche Sinn, mit dem ich mir die Wirklichkeit am weitesten vom Leibe! halten kann (vom Leibe!). \u00dcber weite Distanz k\u00f6nnen wir sehen und k\u00f6nnen doch unbeteiligt bleiben. Beim H\u00f6ren muss ich schon n\u00e4her rangehen, beim Riechen noch mehr und beim F\u00fchlen, Ber\u00fchren, da brauche ich die gr\u00f6\u00dft m\u00f6gliche N\u00e4he.<\/p>\n<p>Darum f\u00fcrchten wir uns auch nicht selten vor dem Blick anderer Menschen. Weil sie uns dann zwar in den Blick genommen haben, also schon Verbindung mit uns hergestellt haben, aber zugleich k\u00f6nnen sie dabei in gro\u00dfer Distanz zu uns bleiben, wir bef\u00fcrchten, taxiert, abgesch\u00e4tzt zu werden. Ja, aus der griechischen Mythologie wissen wir, dass Blicke so m\u00e4chtig sein k\u00f6nnen, dass sie Menschen zerst\u00f6ren, t\u00f6ten k\u00f6nnen.<br \/>\nDer Spruch: \u201eWenn Blicke t\u00f6ten k\u00f6nnten\u201c, beweist ja nur, was Menschen sich durch ihren Blick antun k\u00f6nnen. Ein Blick kann hei\u00dfen: \u201eDu bist f\u00fcr mich gestorben!\u201c \u201eEin Blick sagt mehr als 1000 Worte!\u201c<\/p>\n<p>Mit den Augen k\u00f6nnen wir uns die Wirklichkeit vom Leibe halten, wir k\u00f6nnen sie aber auch zugleich mit unserem Blick im Griff halten. Wir k\u00f6nnen weit zur\u00fccktreten von dem, was uns zu bedrohen scheint und m\u00fcssen dann nicht wirklich teilnehmen.<\/p>\n<p>Es wurde ja vor allem im ersten Irakkrieg deutlich, wie sehr unser Sehen durch die Kameras der amerikanischen Satelliten oder Flugzeuge zwar die Zerst\u00f6rung optisch wahrnimmt aber auf den Leib ger\u00fcckt ist uns dabei nichts, denn die Augen h\u00f6ren nicht das schrecklich laute Zerbersten von Bunkern, die Augen h\u00f6ren keine Schreie von Menschen und selbst wenn wir das Elend mit den eigenen Augen \u00fcber die Fernseher sehen, wissen wir auch, dass wir Menschen abstumpfen k\u00f6nnen \u00fcber dem Anblick vieler Schreckensbilder.<\/p>\n<p>Das blo\u00dfe Sehen n\u00fctzt nichts. Die Gefahr ist gro\u00df, dabei au\u00dfen vorzubleiben.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nauf das Begehren, Jesus zu sehen, antwortet Jesus mit dem Weizenkorn, das in die Erde f\u00e4llt und stirbt&#8230;, er spricht vom dienen in der Nachfolge, da, wo er ist.<br \/>\nWenn das Weizenkorn nicht in die Erde f\u00e4llt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.<br \/>\n<em>&#8230;<br \/>\nWer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. V.24f<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr Jesus spricht sich hier wohl ein anderer Umgang mit der Wirklichkeit aus, auch und vor allem ein anderen Umgang mit ihm als der des blo\u00dfen Sehens oder Zuschauens.<br \/>\nDieser Vers spricht ja vom Ein-lassen auf und in die Wirklichkeit. Das Weizenkorn kommt erst in der Ber\u00fchrung mit der Erde, ja eingelassen in sie, am Ende dazu, Frucht zu bringen.<br \/>\nEinlassen auf die Wirklichkeit hei\u00dft aber dann: sich ber\u00fchren lassen von dem Elend, das man sieht, wie Jesus, den das Schicksal derer, die er traf, nicht kalt gelassen hat, sondern, der auf Tuchf\u00fchlung ging, den Menschen leiblich nahe kam, dem die Not der Menschen unter die Haut ging und es brannte ihm unter den N\u00e4geln, Hand anzulegen, wo das n\u00f6tig war.<br \/>\nDas sind leibliche Begriffe f\u00fcr eine Lebenshaltung, die sich eingelassen hat und nicht nur sah, nicht nur hinschaute, sondern Jesu Sehen, sein Blick war immer einer, der zugleich ein Tun war. (Wie in einem Atemzug hei\u00dft es wundersch\u00f6n und sehr deutlich bei Matth\u00e4us: <em>Und als Jesus das Volk sah, da jammerte es ihn<\/em>. Ein beteiligter Blick, ein engagierter! Ein Sehen mit innerer Beteiligung, keines, das mich von der Wirklichkeit trennt, sondern in sie eingeht, wie das Weizenkorn und sich ver\u00e4ndern l\u00e4sst.)<\/p>\n<p>Ja, das hat auch etwas mit Selbstverzicht zu tun, mit Hin-gabe in diesem Moment, mit Selbstvergessenheit, mit Loslassen vom eigenen Standpunkt, der eigenen Existenz, wenn ich so sehe in die Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Und dann wird uns vielleicht auch der n\u00e4chste Vers verst\u00e4ndlicher, wie der denn jetzt gemeint ist, wenn dort vom Hassen des eigenen Lebens geredet wird.<\/p>\n<p>Das meint nat\u00fcrlich nicht, dass wir Menschen unser Leben grunds\u00e4tzlich hassen sollen. Das w\u00fcrde quer gehen gegen alles, was ich \u00fcber den Gott der Bibel und sein Verh\u00e4ltnis zum Leben, zu unserem Leben, bisher glaubte verstanden zu haben.<\/p>\n<p>Nein, das ist kein Aufruf zum Lebensverdruss, dazu, das eigen Leben zu hassen.<br \/>\nAber ich kann der Wirklichkeit, meinen N\u00e4chsten und vor allem dem Leiden in der Welt nur begegnen, wenn ich mich einlasse und daf\u00fcr auch loslassen kann, ja vielleicht sogar muss.<\/p>\n<p>Anders ist z.B. das Engagement der Vielen, die sich freiwillig als Helfer in die Katastrophengebiete der Tsunami-Welle gemeldet haben, nicht zu verstehen. Hier konnten wir und k\u00f6nnen wir sehen wie viel Solidarit\u00e4t, wie viel Selbstvergessenheit und Einlassen, wie viel Weizenkorn-Mentalit\u00e4t hier Fr\u00fcchte bringt&#8230;<\/p>\n<p>Anders ist das ganze Leben Jesu nicht zu verstehen.<br \/>\nEr ist nicht gestorben, weil er sein Leben gehasst hat, er ist gestorben, weil er sich so sehr aufs Leben, auf die Notleidenden, auf die Gerechtigkeit und den Frieden f\u00fcr die Welt und die Menschen eingelassen hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Johannesevangelisten endet diese Lebenshaltung nicht im Tod, im Leiden, sie bringt viel Frucht.<br \/>\nDie Auferstehung Jesu ist das Zeichen, das f\u00fcr diese Wirklichkeit einsteht und Mut dazu macht, mein Leben nicht in der Distanz zum Leben und den Menschen zu halten.<\/p>\n<p>Das Johannesevangelium k\u00e4mpft um ein Verh\u00e4ltnis zur Wirklichkeit, das nicht durch Distanz und damit immer auch durch ein zerst\u00f6rerisches Verh\u00e4ltnis zur Wirklichkeit bestimmt ist, sondern es k\u00e4mpft um ein Verh\u00e4ltnis der N\u00e4he, der Beteiligung, des Ber\u00fchrens und der Anteilnahme.<\/p>\n<p>Vielleicht darum auch am Ende des Evangeliums die Geschichte von Thomas, dem Ber\u00fchrer, den Jesus seine Wunden ber\u00fchren l\u00e4sst. Wir m\u00fcssten dieses Evangelium endlich so predigen, dass Thomas nicht mehr als Zweifler dabei wegkommt (vom Zweifel und vom Unglauben steht n\u00e4mlich in dieser Geschichte kein Wort), sondern als jemand, der eine besondere N\u00e4he zu Jesus will und braucht.<\/p>\n<p>Ja, es gibt auch Zeiten, in denen es Distanz braucht, Entfernung zu einem Gegenstand meines Lebens oder zu Menschen, um sich zu befreien. Davon kann man auch immer wieder h\u00f6ren in der Bibel. (Maria)<\/p>\n<p>Aber hier und heute geht es um Ber\u00fchrung und ber\u00fchrt werden, um eine N\u00e4he zu Jesus, in der ich mich wirklich einlasse auf sein Leben und seine Worte, wo sie mir ins Herz gehen und ich sie mir zu Herzen gehen lasse.<\/p>\n<p>Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde f\u00e4llt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt bringt es viel Frucht.<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re hier nicht nur Tod, ich h\u00f6re hier geradezu ein erotisches Verh\u00e4ltnis zum Leben raus. In der Liebe verlieren sich Menschen und gewinnen sich neu. Liebe ohne die Dimension des Selbstverlustes ist nicht zu haben.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen sehr auf der Hut sein vor allem, was uns diese N\u00e4he zum Leben nehmen will, vor den reinen Analytikern, die uns alles erkl\u00e4ren k\u00f6nnen aber nicht sagen k\u00f6nnen, zu was ihre Analyse nutzt, vor den reinen Wissenschaftlern, die nicht mehr sagen k\u00f6nnen, wem diese oder jene Errungenschaft dient.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob ich den Griechen in unserem Text heute Unrecht getan habe.<br \/>\nEs war ein, mein Versuch, die Zur\u00fcckhaltung, die Verz\u00f6gerungen, Verhinderungen zu verstehen, die sich in unserer Geschichte zwischen das Bed\u00fcrfnis, Jesus zu sehen und einer wirklichen Begegnung mit ihm gestellt haben.<\/p>\n<p>Und nun will ich doch einen letzten Vorbehalt gegen\u00fcber meiner eigenen Idee formulieren. Denn es geht ja auch auf der anderen Seite im ganzen Johannesevangelium immer wieder um das Sehen, es ist eigentlich und auch das gro\u00dfe Augenevangelium. Schon am Anfang hei\u00dft es \u00fcber Jesus: <em>Und das Wort ward Fleisch &#8230; und wir sahen seine Herrlichkeit<\/em>.<br \/>\nImmer wieder h\u00f6ren wir von der Einladung, auch aus dem Munde Jesu: <em>Kommt und sehet<\/em>, immer wieder hei\u00dft es: <em>Siehe!<\/em>&#8230;<br \/>\nPasst dann nicht der Wunsch der Griechen, Jesus zu sehen, gut in dieses Evangelium.<br \/>\nTrotzdem bleibt mein Gef\u00fchl, dass unsere Geschichte bei Johannes die vom Evangelisten selbst erz\u00e4hlte Kritik gegen das Sehen ist, weil er wei\u00df, welche Gefahren das menschliche Sehen birgt, vor allem dann, wenn wir an das biblische Bilderverbot denken. <em>Du sollst dir kein Bildnis machen.<\/em><\/p>\n<p>Vielleicht m\u00fcnden alle: Kommt und sehet, Siehe \u2013 Stelle im Johannesevangelium in die Begegnung zwischen Pilatus und Jesus:<br \/>\nDort steht Jesus vor Pilatus, mit Dornenkrone auf dem Haupt, bespuckt und geschlagen und gegei\u00dfelt von dessen Soldaten. Im Anblick des leidenden Jesus spricht Pilatus: <strong><em>Seht<\/em><\/strong><em>, den Menschen!<\/em><\/p>\n<p>Die Augen, die sich auf diesen leidenden Menschen richten, k\u00f6nnen nicht mehr unbeteiligt sehen. Johannes versucht alles, um unseren Blick mit Anteilnahme und Solidarit\u00e4t zu verwickeln, damit wir nicht kalt schauen, sondern mit warmen Blick auf Jesus, den leidenden Menschen und damit auf unsere ganze Wirklichkeit: <strong><em>Seht, den Menschen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Auf dieses beteiligte, anger\u00fchrte Sehen zielt \u2013 so glaube ich \u2013 das ganze Evangelium!<br \/>\n<strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>Es geht um diesen liebevollen Blick auf uns Menschen, den Gott selbst hat. Gott will uns die Gabe dieses Blicks schenken, damit wir immer wieder aus der selbst gew\u00e4hlten Distanz zur Welt und zu den Menschen und zu uns selbst, zu einer liebevollen, bewahrenden, beteiligten Haltung im Blick auf die Welt und uns selbst gelangen.<\/p>\n<p>Das Johannesevangelium, Gott k\u00e4mpft bei uns um diesen Blick. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>J\u00f6rg Heimbach<br \/>\n<a href=\"mailto:Heimbach@Kirche-Koeln.de\">Heimbach@Kirche-Koeln.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe &#8222;Psalmen der Passionszeit&#8220; | Palmarum | 20. 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