{"id":10425,"date":"2005-03-07T19:49:19","date_gmt":"2005-03-07T18:49:19","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10425"},"modified":"2025-05-15T11:34:35","modified_gmt":"2025-05-15T09:34:35","slug":"jesaja-5213-5312-matthaeus-27-31-56-lukas-23-26-49","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-5213-5312-matthaeus-27-31-56-lukas-23-26-49\/","title":{"rendered":"Jesaja 52,13-53,12; Matth\u00e4us 27,31-56; Lukas 23,26-49"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><span style=\"color: #000099;\">Karfreitag | 25. M\u00e4rz 2005 |\u00a0Jes 52,13-53,12; Mt 27,31-56; Lk 23,26-49 |\u00a0Hanne Sander |<\/span><\/h3>\n<p>(Texte der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Letztes Jahr konnte man den viel diskutierten Film &#8222;The Passion of the Christ&#8220; sehen, der versucht, die letzten 12 Stunden im Leben Jesu darzustellen.<\/p>\n<p>Ich habe ihn nicht gesehen, ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich ihn sehen wollte oder nicht, weil er, so die Meinung der Rezensenten, eine Orgie an Leiden und Gewalt darstellte.<\/p>\n<p>Und da ich ihn nun nicht gesehen habe, war das deshalb, weil ich der Wirklichkeit nicht in die Augen sehen wollte? Wollte ich nicht mit Schmerz, Blut, Schreien und Tod konfrontiert werden?<\/p>\n<p>Ich glaube nicht daran, da\u00df dies der Grund ist, denn niemand von uns kann dieser Begegnung entgehen. Auch wenn man nicht ins Kino geht und sich Filme anschaut, sondern nur regelm\u00e4\u00dfig im Fernsehen die Nachrichten anschaut oder die Zeitung liest, entgeht man nicht den Bildern von aller erdenklicher Gewalt und allem Leiden, das Menschen einander antun.<\/p>\n<p>Ich meine also: Die Bilder haben wir &#8211; ob wir es wollen oder nicht &#8211; und sie werden gegenw\u00e4rtig immer dann, wenn wir von \u00dcbergriffen h\u00f6ren und Brutalit\u00e4t und menschlichem Zyniusmus.<\/p>\n<p>Wir haben geh\u00f6rt, wie Matth\u00e4us von den letzten Stunden im Leben Jesu erz\u00e4hlt, man sieht es vor sich: Wie sie einen zuf\u00e4lligen Passanten zwingen, das Kreuz zu tragen, das zur Hinrichtung verwandt werden soll. Simon von Kyrene wird so mitschuldig, so wie viele gezwungen werden, an \u00dcbergriffen und Massakern teilzunehmen.<\/p>\n<p>Im Lukasevangelium h\u00f6ren wir von treuen und gutherzigen Leuten, die gerne ihre Anteilnahme zeigen wollen und weinen \u00fcber all das Furchtbare, das Jesus widerf\u00e4hrt, so wie andere heute Blumen und Kr\u00e4nze hinlegen und Lichter anz\u00fcnden. Jesus aber sagt fast n\u00fcchtern zu den Frauen, da\u00df sie nicht \u00fcber ihn weinen sollen, sondern vielmehr \u00fcber sich selbst und die Welt, die sie ihren Kindern weitergeben.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen auch brutale und h\u00f6hnische Sodaten und Polizisten sehen &#8211; und einen Mitgefangenen, der nicht einmal in dieser Situation, wo er selbst dem Tode entgegensieht, solidarisch sein kann, sondern h\u00f6hnisch und spottend ist. Aus den Gef\u00e4ngnissen wissen wir, wie hart die Gefangenen gegeneinander sein k\u00f6nnen, gnadenlos und unbarmherzig.<\/p>\n<p>Was aber willst du mit alledem? Ja so h\u00e4\u00dflich, dem\u00fctigend und qualvoll Jesus starb, so sind Menschen vor ihm gequ\u00e4lt, gedem\u00fctigt und get\u00f6tet worden &#8211; und genauso brutal und unbegreiflich werden Menschen noch immer gequ\u00e4lt und zu Tode gefoltert, ja Jesus blieb es doch erspart, mit ansehen zu m\u00fcssen, wie seine Lieben vergewaltigt und get\u00f6tet wurden, ehe er selbst starb.<\/p>\n<p>Die Botschaft des Karfreitag liegt nicht so sehr darin, die Leiden auszumalen, denen Jesus ausgesetzt war und an denen er starb. So furchtbar sie sind, so ist vielen, allzu vielen Menschen \u00c4hnliches oder Schlimmeres widerfahren.<\/p>\n<p>Und die Botschaft von Karfreitag sollen wir nicht h\u00f6ren, ohne auch das Evangelium von Ostern zu h\u00f6ren. Nur so k\u00f6nnen wir glauben, da\u00df Gott in der Gestalt Jesu mit allen Leidenden leidet und da\u00df Gott den Tod stirbt, den wir alle sterben m\u00fcssen &#8211; damit uns nichts von ihm scheiden kann. Damit wir glauben k\u00f6nnen, da\u00df uns nichts widerfahren kann, ohne da\u00df Gott auch mit dabei ist. Wir sind nicht uns selbst \u00fcberlassen &#8211; auch wenn uns unsere eigenen Freunde untreu werden und verrraten.<\/p>\n<p>Lukas sagt dies mit dem Bild der Verbrecher, die zusammen mit Jesus gekreuzigt wurden. Der eine bittet Jesus darum, ihn nicht zu vergessen, sondern seiner zu gedenken, da\u00df er im Tode nicht allein ist. Der Verbrecher bekennt seine eigene Schuld und nimmt seine Strafe an, aber er verteidigt den unschuldigen Jesus. Und nun bittet er darum, da\u00df der Tod sie nicht trennen m\u00f6ge, und Jesus verspricht ihm Gegenwart, die \u00fcber den Tod hinausreicht, mit den Worten: &#8222;Wahrlich ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im, Paradiese sein&#8220;. &#8211; Und die Vorstellung vom Paradies ist ja gerade eine Vorstellung davon, da\u00df es keine Trennung zwischen Gott und Mensch gibt. Die Kluft kann \u00fcberwunden und geheilt werden. Leben kann aus dem Tode und aus dem Nichts erwachsen. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar. Paulus sagt das in seiner Weise, um seine Gemeinde in Rom aufzurichten: &#8222;Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn f\u00fcr uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? &#8230; Denn ich bin gewi\u00df, da\u00df weder Tod noch Leben, weder Engel noch F\u00fcrstent\u00fcmer noch Gewalten, weder Gegenw\u00e4rtiges noch Zuk\u00fcnftiges, weder Hohes noch Tiefews noch eine andere Kreatur kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserm Herrn&#8220; (R\u00f6m. 8,31b und 38-39).<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen es sehen, wenn Matth\u00e4us und Lukas von dem r\u00f6mischen Offizier berichten, der bekennt, da\u00df er Gott sieht, als Jesus stirbt.<\/p>\n<p>Gott ist nicht nur gegenw\u00e4rtig in dem sterbenden Jesus, er ist auch bei dem Verbrecher am Kreuz und dem Offizier, dem Menschen, der die Verantwortung tr\u00e4gt f\u00fcr den Tod Jesu.<\/p>\n<p>Unsere Hoffnung Karfreitag und unser Gebet ist &#8211; sowohl wenn wir uns von Gott verlassen f\u00fchlen, als auch wenn wir selbst Leiden verursachen oder andere in ihrem Schmerz im Stich lassen &#8211; da\u00df Gott uns auch da nahe sein wird. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrerin Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:sa@km.dk\">sa@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karfreitag | 25. M\u00e4rz 2005 |\u00a0Jes 52,13-53,12; Mt 27,31-56; Lk 23,26-49 |\u00a0Hanne Sander | (Texte der d\u00e4nischen Perikopenordnung) Letztes Jahr konnte man den viel diskutierten Film &#8222;The Passion of the Christ&#8220; sehen, der versucht, die letzten 12 Stunden im Leben Jesu darzustellen. 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