{"id":10434,"date":"2005-03-07T19:49:16","date_gmt":"2005-03-07T18:49:16","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10434"},"modified":"2025-05-15T14:24:12","modified_gmt":"2025-05-15T12:24:12","slug":"matthaeus-281-10-11-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-281-10-11-15\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 28,1-10 (11-15)"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><span style=\"color: #000099;\">Ostersonntag | 27. M\u00e4rz 2005 |\u00a0Matth\u00e4us 28,<\/span><span style=\"color: #000099;\">1-10 (11-15) | Karl Rennstich |<\/span><\/h3>\n<p><em>28:1 Als aber der Sabbat vor\u00fcber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.<\/em><br \/>\n<em>2 Und siehe, es geschah ein gro\u00dfes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und w\u00e4lzte den Stein weg und setzte sich darauf.<\/em><br \/>\n<em>3 Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand wei\u00df wie der Schnee.<\/em><br \/>\n<em>4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als w\u00e4ren sie tot.<\/em><br \/>\n<em>5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: F\u00fcrchtet euch nicht! Ich wei\u00df, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.<\/em><br \/>\n<em>6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die St\u00e4tte, wo er gelegen hat;<\/em><br \/>\n<em>7 und geht eilends hin und sagt seinen J\u00fcngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galil\u00e4a; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.<\/em><br \/>\n<em>8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und gro\u00dfer Freude und liefen, um es seinen J\u00fcngern zu verk\u00fcndigen.<\/em><br \/>\n<em>9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegr\u00fc\u00dft! Und sie traten zu ihm und umfassten seine F\u00fc\u00dfe und fielen vor ihm nieder.<\/em><br \/>\n<em>10 Da sprach Jesus zu ihnen: F\u00fcrchtet euch nicht! Geht hin und verk\u00fcndigt es meinen Br\u00fcdern, dass sie nach Galil\u00e4a gehen: Dort werden sie mich sehen.<\/em><br \/>\n<strong><br \/>\nDogmatische und homiletische Entscheidung<br \/>\n<\/strong><strong>Der Tod ist eine Station auf dem Weg zur Auferstehung<\/strong><\/p>\n<p>Den Bericht von Jesu Auferstehung finden wir in den Evangelien auch in\u00a0Markus 16,1-10; Lukas 24,1-10 und Johannes 20,1-18.\u00a0Doch nur Matth\u00e4us berichtet in der Fortsetzung unseres Textes den ersten Korruptionsfall im Zusammenhang der Auferstehung Jesu:<\/p>\n<p>28:11 Als sie aber hingingen, siehe, da kamen einige von der Wache in die Stadt und verk\u00fcndeten den Hohenpriestern alles, was geschehen war.<br \/>\n12 Und sie kamen mit den \u00c4ltesten zusammen, hielten Rat und gaben den Soldaten viel Geld<br \/>\n13 und sprachen: Sagt, seine J\u00fcnger sind in der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, w\u00e4hrend wir schliefen.<br \/>\n14 Und wenn es dem Statthalter zu Ohren kommt, wollen wir ihn beschwichtigen und daf\u00fcr sorgen, dass ihr sicher seid.<br \/>\n15 Sie nahmen das Geld und taten, wie sie angewiesen waren.<\/p>\n<p>Die Entmachtung des Todes zeigt sich am deutlichsten an der Auferstehung Jesu Christi. \u00bbDer Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? H\u00f6lle, wo ist dein Sieg?\u00ab (1Korinther 15,55). Doch obwohl der Tod bereits hinter dem Christen liegt, werden die Todesangst und die grauenerregende Macht des Todes offen angesprochen. Die Todesangst der Menschen wird konkret gezeigt am Beispiel der J\u00fcnger Jesu und ihrer Todesangst w\u00e4hrend einer Fahrt auf dem st\u00fcrmischen See Genezareth (Markus 4,35ff.) und ihrer Angst bei der Verhaftung und nach der Kreuzigung Jesu. Noch eindr\u00fccklicher sich die Todesangst Jesu im Gebetskampf im Garten Gethsemane (Markus 14,32ff).<br \/>\nF\u00fcr Johannes und Paulus ist der Tod und jedes neues Leben immer leiblich und seelisch <em>zugleich<\/em>. Paulus richtet seinen Blick nach vorn, um Christus und die \u201eMacht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seines Leidens\u201c besser erkennen zu k\u00f6nnen (Philipper 3,10f). Aus dieser Gewissheit gewinnt er eine tiefe innere Gelassenheit und Zuversicht:<br \/>\n\u00bbDenn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch F\u00fcrstent\u00fcmer noch Gewalten, weder Gegenw\u00e4rtiges noch Zuk\u00fcnftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn\u00ab (R\u00f6mer 8,38f.).<br \/>\nDer Tote schl\u00e4ft nur (1Thessalonicher 4,14; Johannes 11,11): er kann die Stimme dessen h\u00f6ren, der ihn auferweckt (Johannes 11,43; 5,24.28 und die Posaune (1 Korinther 15,52). Erst mit der Neusch\u00f6pfung der Welt, am Ende der Tage, verschwindet auch der Tod, der zusammen mit allem, was widerg\u00f6ttlich ist, zerst\u00f6rt werden wird. Paulus fasst es in die Worte: \u00bbDer letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod\u00ab (1 Korinther 15,26; vgl. auch Offenbarung 20,14). Von dieser <em>neuen Welt<\/em> aber hei\u00dft es: \u00bbUnd Gott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein; denn das Erste ist vergangen.\u00ab (Offenbarung 21,4).<br \/>\n<em>Auferweckung des Leibes<\/em> bedeutet, dass der <em>ganze<\/em> Mensch mit seiner Lebensgeschichte und all seinen Beziehungen zu anderen Menschen und zur Sch\u00f6pfung eine Zukunft hat<\/p>\n<p><strong>II. Predigt<br \/>\n<\/strong><br \/>\nLiebe Gemeinde!<br \/>\n<strong><br \/>\n<\/strong>Jeden Morgen, wenn ich meinen Computer einschalte, sehe ich als erstes das strahlende Gesicht eines Jungen. Es ist das Bild meines \u00e4ltesten Sohns, der 1968 &#8211; nicht ganz f\u00fcnfj\u00e4hrig- ertrank. Am Ende des Tages ist er das letzte Bild. Ich war mit meiner Familie damals in Malaysia- in der Gegend, in der Hunderttausende an Weihnachten des vergangenen Jahres in wenigen Minuten durch die Macht des Wassers ihr Leben verloren haben. <em>Erde zur Erde, Asche zur Asche, Staub zu Staub <\/em>sind f\u00fcr mich schmerzende Worte, welche die Realit\u00e4t des Lebens umschreiben.<br \/>\nErst nach drei\u00dfig Jahren traute ich mich wieder \u00fcber das Wort des Leid geplagten Hiob zu predigen: \u00bbDer Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen. Gepriesen sei der Namen des Herrn\u00ab. Dass ich heute mit dem Bild meines strahlenden Jungen den Arbeitstag beginnen und beenden kann, ist f\u00fcr mich ein Geschenk des Glaubens. Der Glaube w\u00e4chst mit der Zeit.<br \/>\n<strong><br \/>\nOstern beginnt mit einem Erdbeben<br \/>\n<\/strong>Aus unserem Predigttext erfahren wir, dass zwei Frauen in aller Fr\u00fche des ersten Tages der Woche, am Sonntag, zum Grab des am Freitag gekreuzigten Jesus kommen, um es zu \u00bbbesehen\u00ab. Sie wollen den Leichnam mit wohlriechenden Salben zubereiten. Pl\u00f6tzlich erschien ein Engel. Ein Erdbeben verunsicherte sie. Doch dadurch wurde der Stein vom Grab gerollt. Der Engel des Herrn setzt sich auf den Stein. Die Erscheinung des Engels war wie ein <em>Sternauge<\/em>, hei\u00dft es w\u00f6rtlich im Urtext. Der Engel trug leuchtende Gew\u00e4nder, wei\u00df wie Schnee. Die W\u00e4chter \u00bb sind wie Tote\u00ab!<\/p>\n<p>Der Engel sprachzu den erschrockenen Frauen<strong>:<\/strong> \u00bbER ist nicht hier. ER ist auferstanden. ER lebt wie er gesagt hat. Kommt her und sehet die St\u00e4tte, da er gelegen hat; und gehet eilend hin und sagt es seinen J\u00fcngern, dass er auferstanden sei von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galil\u00e4a; da werdet ihr ihn sehen. Siehe ich habe es euch gesagt\u00ab.<strong><br \/>\n<\/strong><br \/>\nDer moderne Mensch mag fragen:<br \/>\n&#8211; War Jesus vor der Erscheinung des Engels auferstanden?<br \/>\n&#8211; War er w\u00e4hrend des Erdbebens auferstanden?<br \/>\n&#8211; Wie konnten die Soldaten sp\u00e4ter berichten, was geschehen war, wenn sie \u00bbwie tot\u00ab waren?<\/p>\n<p>Dennoch: Die Auferstehung Jesu ist zweifellos viel besser dokumentiert als die meisten uns bekannten geschichtlichen Berichte aus alter Zeit. Aber dieser Bericht ist in einer symbolischen Sprache geschrieben. Leider haben viele so genannte moderne Menschen diese Sprache, die eine eigene Grammatik und Syntax hat, verlernt. Die Auferstehung Jesu ist ein mysterion, ein <em>Geheimnis.<\/em> Das Mysterion ist die Mutter des Staunens (thaumazo), der Anfang aller Weisheit.<\/p>\n<p>Auch das Erdbeben ist immer noch ein Mysterion. Nach der Bibel ist das Erdbeben eine Begleiterscheinung Gottes wie besispielsweise auf dem <em>Horeb,<\/em> als Mose die Zehn Gebote erhielt (Exodus 19, 11f.), oder als Elija auf dem Berg Horeb seinen neuen Auftrag erhielt, gegen die Ungerechtigkeit und Korruption im Lande anzuk\u00e4mpfen. Jedes Mal erschien dabei Gott in einem gewaltigen und starken Sturm. Nach dem Beben kam ein Feuer. Und nach dem Feuer kam ein sanftes, <em>leises S\u00e4useln<\/em>, in dem Gott war. <strong><br \/>\n<\/strong><br \/>\nDie Frauen und die Soldaten sind von <strong>Furcht<\/strong> ergriffen. Die W\u00e4chter des Grabes \u00bberschrecken zu Tode\u00ab durch die Erscheinung des Engels. Die Frauen werden von der \u00bbFurcht\u00ab befreit. Im Urtext bedeutet \u00bbFurcht\u00ab sowohl <em> Flucht<\/em> als auch <em>Furcht.<\/em> W\u00e4hrend die Soldaten fl\u00fcchten, halten die Frauen stand. So erhalten sie einen neuen Standpunkt. Der Auferstandene macht die Frauen frei f\u00fcr ihren neuen Dienst, Menschen zu Gott zu rufen.Die Auferstehung ist Anfang und Mitte des christlichen Glaubens. Das Letzte im Leben des Menschen ist das Leben in seiner ganzen F\u00fclle und nicht der Tod. In <em>Sph\u00e4re des Todes <\/em>zusammengefasst sind Krankheit, Not, Einsamkeit und Beziehungslosigkeit, aber auch S\u00fcnde, Schuld und Trennung von Gott. Sch\u00f6n umschreibt das der Kirchenvater <em>Tertullian<\/em>: \u00bbDie Hoffnung der Christen hei\u00dft Auferstehung der Toten; alles, was wir sind, sind wir im Glauben daran\u00ab.<br \/>\nUnd Dietrich Bonhoeffer nennt die Auferstehung den archimedischen Punkt, mit dem die Welt aus den Angeln gehoben werden kann.<\/p>\n<p><strong> \u00dcberredungskunst oder Zeugnis<br \/>\n<\/strong><em>\u00bbUnd sie kamen zusammen mit den \u00c4ltesten und hielten einen Rat und gaben den Kriegsknechten Geld genug und sprachen: \u00bbSaget, seine J\u00fcnger kamen des Nachts und stahlen ihn, w\u00e4hrend wir schliefen \u00ab.<br \/>\n<\/em><br \/>\nIm <em>Urtext<\/em> steht hier ein Wort, das <em>zwei <\/em>ganz unterschiedliche <em>Bedeutungen <\/em>hat: \u00bb\u00fcberreden\u00ab und \u00bb\u00fcberzeugen\u00ab. Die <em>\u00dcberredungskunst <\/em>geschieht seit alters bis zum heutigen Tag auf zweierlei Weisen: \u00bbWillst du nicht mein Bruder (Schwester) sein, so schlag ich dir den Sch\u00e4del ein. Der eigentliche <strong>Gegengott <\/strong> zum wahren und lebendigen Gott ist f\u00fcr Jesus der <strong>Mammon. <\/strong>Er steht f\u00fcr Macht<strong>. <\/strong>Andererseits ist die Grundfeste des Glaubens \u00bb<em>Trauen <\/em>auf Gottes Wort\u00ab. Im biblischen Wort f\u00fcr Glauben,<strong> \u00bbpistis\u00ab, <\/strong>bilden Glaube und Vertrauen eine untrennbare Einheit.<br \/>\nDie M\u00e4chtigen in Jerusalem versuchten (wie die M\u00e4chtigen unserer Tage) durch Bestechung ihre \u00bb<em>\u00dcberzeugung\u00ab<\/em> durchzusetzen: Wahrheit ist k\u00e4uflich. Der biblische Glaube wird weitervermittelt durch \u00bb<strong>Zeugen<\/strong>\u00ab. Der M\u00e4rtyrer ist der Zeuge, der mit seiner ganzen Lebensexistenz f\u00fcr die Wahrheit der Auferstehung eintritt.<br \/>\nDie Freude ist die Frucht der Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Der Auferstehungsglaube, k\u00e4mpft an gegen Bitterkeit und Mutlosigkeit.<\/p>\n<p><strong> Steh auf und lebe dein Leben nach der Kraft der Auferstehung <em><br \/>\n<\/em><\/strong><em>Steh auf<br \/>\nwenn dich etwas umgeworfen hat<br \/>\nsteh auf<br \/>\ngerade wenn du meinst<br \/>\ndu k\u00f6nntest nicht aufstehen<br \/>\nder stein vor deinem grab<br \/>\nwird sich von selbst<br \/>\nfortbewegen<br \/>\nes wird dir ein stein vom herzen fallen<br \/>\nmach alle ostergeschichten wahr<br \/>\nund frage nicht, ob sie wahr sind<br \/>\nprobier sie aus<br \/>\nob sie auf dich passen<br \/>\nsie passen auf dich<br \/>\nsie sind keine totengeschichten<br \/>\nprobier sie<br \/>\ndann wirst du sehen<br \/>\nes sind wahrsagengeschichen.<br \/>\n(W. Willms: Der geerdete Himmel, S. 10)<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Karl W. Rennstich<br \/>\nLerchenstrasse 17<br \/>\nD-72762 Reutlingen<br \/>\nGermany<br \/>\nTel: +49-(0)7121-372651<br \/>\nMobile: +49-(0)174-595-5914<br \/>\nEmail: <a href=\"mailto:kwrennstich@gmx.de\">kwrennstich@gmx.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostersonntag | 27. M\u00e4rz 2005 |\u00a0Matth\u00e4us 28,1-10 (11-15) | Karl Rennstich | 28:1 Als aber der Sabbat vor\u00fcber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein gro\u00dfes Erdbeben. 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