{"id":10436,"date":"2005-03-07T19:49:22","date_gmt":"2005-03-07T18:49:22","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10436"},"modified":"2025-05-15T14:30:13","modified_gmt":"2025-05-15T12:30:13","slug":"jesaja-2613-14-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-2613-14-19\/","title":{"rendered":"Jesaja 26,13-14.19"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Osternacht | 27. M\u00e4rz 2005 |\u00a0Jesaja 26,13-14.19 | Angelika \u00dcberr\u00fcck |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nwenn man das Fernsehen anschaltet oder die Zeitung aufschl\u00e4gt, dann geht es immer wieder um Rekorde und darum, wer der Beste ist:<br \/>\nVor ein paar Wochen schaffte es der erste Mensch, in einem Non-Stopp-Flug um die Erde zu fliegen. Weltumsegler haben neue fabelhafte Zeiten f\u00fcr eine Runde um die Erde erreicht. Es gibt Shows um einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde. Dann werden die tollsten Filme, die besten Schauspieler, die Newcomer des Jahres und und und ausgezeichnet. Seit Neustem dann die Shows, die auf die besten Schlager, Kindersendungen oder \u00e4hnliches der vergangenen Jahrzehnte zur\u00fcckblicken. Hier ein Preis und dort ein Preis.<br \/>\nNur der z\u00e4hlt, der so einen Preis gewonnen hat. Nur der ist toll, der in irgendeiner Form einmal ausgezeichnet wurde.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, wie es Ihnen mit diesen ganzen Preisverleihungen und Superlativen geht, aber ich finde sie auf die Dauer auch nur langweilig, weil ich l\u00e4ngst den \u00dcberblick verloren habe \u00fcber die vielen verschiedenen Bambis, Oskars und was es da sonst noch so alles gibt. So viele wichtige und \u201eausgezeichnete\u201c Leute kann es doch gar nicht geben.<br \/>\nSelbst die renommierten Preise wie die Nobelpreise gehen in diesen ganzen Superlativen unter.<br \/>\nUnd daneben laufen die Sch\u00f6nheits-Shows: Jeder will der oder die Sch\u00f6nste sein. Hier ein Lifting, dort ein Implantat. Ins Fernsehen kommt, wer den gr\u00f6\u00dften Busen, das tollste Aussehen, die st\u00e4rksten Muskeln usw. hat. Und die Miss-Wahlen finden kein Ende. Wobei ich die Gesichter oft als austauschbar empfinde, weil der Mensch hinter Schminke, einstudiertem Verhalten und L\u00e4cheln nicht deutlich wird.<br \/>\nDiese Sendungensind noch langweiliger. Sie sind zum Teil auch gef\u00e4hrlich, weil viele junge Menschen denken, dass ein idealer K\u00f6rper machbar ist. Und dass so ein K\u00f6rper notwendig ist, um Erfolg zu haben.<br \/>\nWenn es mit Rekorden und Sch\u00f6nheit nicht klappt, dann hilft vielleicht Lottospielen. Vorletzte Woche gab es den gr\u00f6\u00dften Lottogewinn eines Einzelnen, der 20,4 Millionen Euro gewonnen hat. Auch die Lottogewinne sind immer gr\u00f6\u00dfer und spektakul\u00e4rer. Je h\u00f6her sie steigen, desto mehr Menschen spielen mit, weil sie auf den ganz gro\u00dfen Gewinn, das ganz gro\u00dfe Los hoffen.<\/p>\n<p>Wir streben nach Rekorden, nach Erfolgen. Wir streben nach ewiger Jugend,. Nach etwas, was uns unvergesslich, ja, unsterblich macht.<\/p>\n<p>Unser Predigttext heute stellt uns ein ganz anderes Ziel vor Augen. Er ist ein Gebet aus dem Alten Testament. Er steht im Propheten Jesaja im 26. Kapitel, die Verse 13-14 und 19:<br \/>\n<em>\u201eHerr, unser Gott, es herrschen wohl andere Herren \u00fcber uns als du, aber wir gedenken doch allein deiner und deines Namens. Tote werden nicht lebendig, Schatten stehen nicht auf; darum hast du sie heimgesucht und vertilgt und jedes Gedenken an sie zunichte gemacht. Aber deine Toten werden leben, deine Leichname werden auferstehen. Wacht auf und jubelt vor Freude, die ihr unter der Erde liegt. Du, Herr, bist der belebende Tau, darum gibt die Erde die Toten heraus.\u201c<br \/>\n<\/em><br \/>\nLiebe Gemeinde,<br \/>\n\u201eHerr, es herrschen wohl andere Herren \u00fcber uns als du\u201c, so beginnt unser Predigttext. Er sagt nicht, wer die anderen Herren damals waren. Aber wenn ich ihn auf uns beziehe, dann sind f\u00fcr mich die Herren das, was unser Leben bestimmt. Das Streben nach Anerkennung, nach Gewinnen, nach Rekorden und Sch\u00f6nheit um jeden Preis scheinen die Herren zu sein, die \u00fcber unser Leben herrschen.<br \/>\nDer Beter des Psalms stellt solchem Denken entgegen, dass unser Leben endlich ist trotz aller Versuche, ewige Jugend zu erlangen oder einen unvergesslichen Rekord. \u201e Wir gedenken allein deiner und deines Namens. Tote werden nicht lebendig, Schatten stehen nicht auf.\u201c<br \/>\nUnd damit stellt er uns vor die Frage, die wir uns sp\u00e4testens dann stellen, wenn ein Mensch stirbt. Was waren eigentlich die wirklich wichtigen Dinge in diesem Leben? Was bleibt eigentlich? Und was will ich in diesem Leben erreichen? Was ist mir wichtig? Aus welcher Hoffnung heraus gestalte ich mein Leben?<br \/>\nOb die erworbenen Preise dann standhalten? Ob die Rekorde dann tragf\u00e4hig sind?<br \/>\nGestern haben wir Karfreitag gefeiert. Haben an den Tod Jesu am Kreuz gedacht. Er musste sterben. Mit aller Brutalit\u00e4t und mit aller Verlassenheit. Glanz und Gloria haben sein Leben nicht ausgemacht. Es war f\u00fcr die da, die am Rande stehen. Es war seine Art, sich nicht allen Regeln zu beugen, sondern allein auf Gott zu h\u00f6ren. Sein Ende war zwar kein normales Sterben, aber auch keines, das in der damaligen Zeit Schlagzeilen gemacht h\u00e4tte. Mit dem Tod am Kreuz sind viele Verbrecher bestraft worden.<br \/>\nIch denke nicht, dass Jesus auch nur in einer unserer Superlativ-Shows etwas gewonnen h\u00e4tte, weder in seinem Leben, noch mit seinem Sterben. Dennoch hat er weiter gewirkt. Seine Botschaft, dass Gott einer ist, zu dem wir Vertrauen haben k\u00f6nnen, hat sich schon \u00fcber viele hundert Jahre gehalten. Warum eigentlich?<\/p>\n<p>Der Predigttext geht noch weiter. Er bleibt nicht beim Tod stehen. \u201eAber deine Toten werden leben, deine Leichname werden auferstehen.\u201c Am Ende der Zeit erwartet der Beter die Auferstehung der Toten. Die Auferstehung der Toten f\u00fcr die, die auf Gott vertraut haben. Es ist \u00fcbrigens eine der ganz wenigen Stellen im Alten Testament, die von der Auferstehung redet.<br \/>\nDie Auferstehung der Toten ist die gr\u00f6\u00dfte christliche Hoffnung bis heute. Wenn wir gleich die Osterkerze in die Kirche tragen, das Licht sich in der Kirche ausbreitet und der Ruf ert\u00f6nt: Christus ist auferstanden, dann hat diese Hoffnung einen Grund. Denn Christus ist auferstanden von den Toten. Jesus ist der erste, der den Tod \u00fcberwindet. Er steht daf\u00fcr das an der Botschaft von der Auferstehung etwas dran ist<br \/>\nChristus ist wieder lebendig geworden. Er lebt. Er ist auferstanden. Auch f\u00fcr uns. Das ist die Botschaft von Ostern. Auch wir k\u00f6nnen auf ein Leben nach dem Tod hoffen und vertrauen.<\/p>\n<p>Die ersten Menschen, die damals Ostern dem Auferstandenen begegnet sind, haben Angst bekommen. Sie konnten es nicht glauben. Zu unwirklich erschien es ihnen. Aber dann haben sie vertraut und es weiter erz\u00e4hlt. Erz\u00e4hlt von Gottes Liebe, die seinen eigenen Sohn f\u00fcr uns hat sterben und auferstehen lassen, damit wir leben. Von Gottes Liebe, die unsere menschlichen Ma\u00dfst\u00e4be auf den Kopf stellt. Jesus liebt gerade die, die sich verloren glauben. Er gibt gerade denen neue Hoffnung, die am Ende sind. Darauf haben Menschen bis heute vertraut und gemerkt: es gibt Kraft im Leben und im Sterben<br \/>\nUnser Leben ist einmalig und endg\u00fcltig. Wir haben kein zweites Leben auf dieser Erde. Aber wir haben ein Leben bei Gott. Das ist Grund der Freude. Das macht es hell in unserem Leben. Wir sind etwas wert, einfach, weil Gott uns liebt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nWorauf hoffen wir in unserem Leben? Auf den Rekord, den gro\u00dfen Preis oder den gro\u00dfen Gewinn?<br \/>\nIch habe oft erlebt, dass nach dem Tod gerade von den Menschen noch lange die Rede war, die eigentlich ganz unspektakul\u00e4r gelebt hatten. Sie waren einfach da mit ihrer Liebe, mit ihrem Verst\u00e4ndnis und ihrer Hilfe. Ich denke an eine alte Frau mit einem kleinen Verkauf von S\u00fc\u00dfigkeiten bei sich zu Hause. Sie hatte immer Zeit f\u00fcr ein Schw\u00e4tzchen und f\u00fcr die Kinder immer eine Kleinigkeit umsonst. Oder ein \u00e4lterer Mann, der sein Obst einfach verschenkte an die, die es haben wollten. Oder ein Firmenbesitzer, der nicht zuerst an seinen Gewinn, sondern an seine Mitarbeiter dachte, indem er eine zus\u00e4tzliche Rente f\u00fcr seine Leute einrichtete und sie auch im Ruhestand regelm\u00e4\u00dfig zu Geburtstagen besuchte. Oder eine \u00e4ltere Frau, die so herzlich lachte, dass man einfach mitlachen musste. Sicher fallen ihnen \u00e4hnliche Menschen ein. Menschen, die einem wichtig geworden sind, vielleicht auch nur, weil sie immer ein freundliches Wort hatten oder ein wenig Zeit.<\/p>\n<p>Wenn wir nach Rekorden und Erfolgen streben, dann versuchen wir, unserem Leben selbst einen Wert beizumessen. Der Beter unseres Bibeltextes macht uns dagegen deutlich: Vertrauen kann man allein Gott. Alles andere ist nichtig und verg\u00e4nglich.<br \/>\nEr denkt dabei an die vielen Erlebnisse, die das Volk Israel mit Gott gehabt hat und bei denen es immer wieder die Erfahrung machen konnte, dass es sich lohnt, auf Gott zu vertrauen, egal in welcher Situation.<br \/>\nWir haben mit dem Neuen Testament auch noch Karfreitag und Ostern. Ereignisse, die uns ganz deutlich vor Augen stellen, dass Gott wirklich mit uns geht in die dunklen T\u00e4ler unseres Lebens. Dass Gott wirklich Tote auferwecken will.<br \/>\nUnsere Versuche, unsterblich zu werden, enden im Tod, sie sind endlich und von kurzer Dauer. Gott m\u00f6chte, dass wir leben, und deshalb hat er uns das Geschenk der Auferstehung gemacht. Jeder von uns ist bereits einmalig und besonders. Wir sind geliebte Kinder Gottes, an denen wir keine Verbesserungsvorschl\u00e4ge vornehmen m\u00fcssen. Darauf k\u00f6nnen wir vertrauen. Und dieses Vertrauen k\u00f6nnen wir leben, so wie es Menschen seit vielen Generationen getan haben. So wie es auch die Menschen getan haben, an die wir uns gerne noch Jahre nach ihrem Tod erinnern.<strong><br \/>\n<\/strong> \u201eWacht auf und jubelt vor Freude\u201c. Ja, wir k\u00f6nnen jubeln. Wir d\u00fcrfen jubeln, weil wir eine Hoffnung haben, die tr\u00e4gt. Weil wir einen Gott haben, der uns vom Tod errettet. Lassen Sie uns diese Freude erleben beim Einzug der Osterkerze und jubeln: Der Herr ist auferstanden. Halleluja.<br \/>\nAmen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Angelika \u00dcberr\u00fcck<br \/>\nPastorin<br \/>\nEschenweg 3<br \/>\n59423 Unna<br \/>\nTel.: 02303\/256276<br \/>\nEmail: <a href=\"mailto:RUeberrueck@t-online.de\">RUeberrueck@t-online.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Osternacht | 27. 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