{"id":10438,"date":"2005-03-07T19:49:27","date_gmt":"2005-03-07T18:49:27","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10438"},"modified":"2025-05-15T14:37:04","modified_gmt":"2025-05-15T12:37:04","slug":"matthaeus-28-1-10-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-28-1-10-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 28, 1-10"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Ostersonntag | 27. M\u00e4rz 2005 | Mt 28,1\u201310 | Erich Faehling |<\/h3>\n<p>Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<p>Wann hat Euch eigentlich zum letzten Mal jemand die Ostergeschichte erz\u00e4hlt? Halt Stop, ich meine die wirkliche, die wahre, die echte Ostergeschichte. Die von Kreuz und Auferstehung Jesu, nicht die vom Osterhasen, auch nicht die von den Schokoladeneiern mit der guter Milch von Milka, die man sogar ausl\u00f6ffeln kann, aber nur zu Ostern. Ich meine auch keine Geschichten vom Geschenkestre\u00df, den es jetzt auch schon zu Ostern gibt.<\/p>\n<p>Ich meine die Geschichte von diesem unglaublichen Jesus, den seine Freundinnen nicht mehr dort fanden, wo sie ihn hingelegt hatten, n\u00e4mlich in seinem Grab. Ich bitte Euch, stellt Euch das ruhig mal ganz konkret vor. Da begr\u00e4bt man jemanden. Das ist schon schwer genug. Dann ist er auch noch zu fr\u00fch gestorben &#8211; es wird noch schwerer. Und dann ist er nicht nur gestorben, sondern eigentlich sogar ermordet. Es geht kaum schlimmer. Und das alles hat einer gerade noch so verkraftet. Und dann richtet er sich ein mit dem Tod. Und dann ist die sch\u00f6ne Zeit eben Vergangenheit. Und dann war\u00b4s das. Und dann geht so einer nur noch zum Grab mit dem Gedanken, dem Toten Ehre zu erweisen, zu pflegen, zu h\u00fcten. Damals die Freundinnen Jesu gingen am ersten Tag der neuen Woche hin. Und sie hatten neben ihrer tiefen Traurigkeit eigentlich nur einen Wunsch: Jesus noch einmal gut zu behandeln, ihm\u00a0\u00a0einen letzten Liebesdienst erweisen, ihn einbalsamieren, duftende \u00d6le, ein Beweis der F\u00fcrsorge und der Liebe \u00fcber den Tod hinaus. So, als wenn wir Blumen bringen. Und dann der Gedanke an das Felsengrab, in dem Jesus liegt. Ein riesiger Stein davor. Wie krieg ich den Stein weg. Wer r\u00e4umt uns den Stein von des Grabes T\u00fcr? So hei\u00dft es in der Bibel. Und dann kommen die beiden Frauen, die sich all dies fragen, zum Grab, zum Ort des Todes. Und an diesem Ort ist aber auch gar nichts so, wie sie es erwartet hatten. Der Stein ist weg. Und mehr noch das Grab ist leer. Und in der leeren Grabh\u00f6hle sitzen zwei Engel, und einer sagt: Hier ist Jesus nicht. Ihr sucht an der falschen Stelle.\u00a0\u00a0Er ist auferstanden. Fast besserwisserisch kommt dieses &#8222;er ist doch auferstanden&#8220;, so fast nach dem Motto &#8222;hat er euch doch oft genug versprochen&#8220;. Den Frauen geht der Boden unter den F\u00fc\u00dfen weg. Es ist einfach zu unfassbar. Sie waren so drin in ihrem Kummer, so gefangen vom Tod und allem, was er bedeutet. Und nun dies. Sie erwarteten Tod, endg\u00fcltigen Abschied, Trauer, die sich langsam aufl\u00f6sen muss. Wer rollt uns den Stein weg &#8211; war die Frage, die alte Frage. Und die neue Realit\u00e4t ist auf einmal: Da ist gar kein Stein, die T\u00fcr ist offen. Das ganze hat eine unfassbare Wendung genommen. Wer kann das fassen?<\/p>\n<p>Ihr lieben Leute hier am Ostermorgen auf dem Husumer Marktplatz, habt Ihr diesen Blickwechsel schon erfassen oder erf\u00fchlen k\u00f6nnen? Eben noch sucht einer einen Toten bei den Toten. Eben noch ist alles aus und vorbei. Und einen Augenblick sp\u00e4ter ist der Tod Vergangenheit, ist neues Leben. Und der, den man gesucht hat, lebt.<\/p>\n<p>Der Stein ist weg, die T\u00fcr ist offen, das Grab ist leer. Kein Tod, Leben! Kein Einbalsamieren, kein Konservieren, sondern suchen, wo das Leben ist. Sucht bei den Lebenden!<\/p>\n<p>Das ist ein Hammersatz f\u00fcr Trauernde. Das ist auch heute noch so. Das rei\u00dft raus aus Abschied und Trauer, das steht quer im Weg, man kann es kaum fassen. Darf das sein? Trauernde rei\u00dft man nicht aus ihrer Trauer, man respektiert sie vielmehr. Ja, das stimmt. Und das ist auch richtig so.<\/p>\n<p>Und dennoch ist es zugleich auch wichtig, mitten in die Traurigkeit hinein diese Botschaft zu sagen. Deine Traurigkeit stimmt, aber der Tod hat nicht das letzte Wort. Unsere Toten sterben, und doch ist ihnen Zukunft und ewiges Leben versprochen. Leben stirbt, aber Gott schenkt neuen Anfang. Das ist die Osterbotschaft: Der Tod ist bei Gott nur eine Durchgangsstation, nur eine Verwandlung, nur ein Weg, eine Wegstation, nicht das Ziel. Der Stein ist weg, die T\u00fcr ist offen, das Grab ist leer. Die T\u00fcr zum Himmel ist offen. Die Gr\u00e4ber haben T\u00fcren zum Himmel. Und Gott hat die T\u00fcren gemacht, und er hat sie aufgemacht, von seiner Seite aus.<\/p>\n<p>Solch ein Ostern ist fast unfassbar. Aber es ist die Realit\u00e4t: Eier sind wirklich nicht alles. Es geht um Leben, und zwar um Leben dort, wo ansonsten f\u00fcr uns nichts mehr k\u00e4me.<\/p>\n<p>Das ist eine Botschaft, deren Wert sehr gro\u00df ist, denn sie gilt nicht nur f\u00fcr das Ende unserer Tage auf dieser Erde als Zukunftsversprechen. Sie gilt vor allem auch schon mitten in unserem Leben. Mitten hier auf unserem Marktplatz und auf allen Pl\u00e4tzen, an denen ganz normales Leben gelebt wird.<\/p>\n<p>Der Stein ist weg, die T\u00fcr ist offen, das Grab ist leer. H\u00f6rt das doch mal nicht nur als die Botschaft des einen Festes, von Ostern. H\u00f6rt es als ein Versprechen Gottes, das an jeder Wegbiegung Eures Lebens neu auf Euch wartet. H\u00f6rt es an den Stellen, wo Steine des Lebens Euch den Weg versperren oder Euch niederdr\u00fccken. H\u00f6rt es an den Stellen des Lebensweges, wo T\u00fcren verschlossen sind, durch Euch oder durch andere. Wo einer sich verschlie\u00dft, oder einer dem anderen die T\u00fcr vor der Nase zuhaut. Wo&#8230;&#8230;. H\u00f6rt es auch an den Stellen Eures Lebens, wo Ihr etwas begraben habt, Hoffnung z.B. oder die die Liebe, die einmal gut begann, oder den Respekt voreinander&#8230;&#8230;..<\/p>\n<p>Der Stein ist weg, die T\u00fcr ist offen, das Grab ist leer. Das sind heute z.B. auch Hochzeitsworte, an unsere drei Brautpaare, aber auch an alle Paare hier auf dem Platz, an die, denen es gut geht, aber erst recht an die, die in der Krise stecken. Ostern ist Neuanfang, uns zwar nicht als fauler Kompromiss, auch nicht als lahmer Versuch, sondern dort, wo alles zu Ende schien, nicht nur aus eigener Kraft, sondern mit Gottes Hilfe.<\/p>\n<p>Ostern, Ihr Lieben, ist wirklich gro\u00df und gut f\u00fcr uns. Herzliche Einladung, das mitten in dieser Zeit zu h\u00f6ren und zu \u00fcberdenken. Herzliche Einladung, dieses Geschenk zwischen all den leckeren Schokoladeneiern zu entdecken und zu begreifen, wie wertvoll es ist. Herzliche Einladung an jede und jeden von Euch, die T\u00fcren zum Himmel zu entdecken, sie ernst zu nehmen und mit der Seele in Hoffnung hindurch zu gehen, schon jetzt immer wieder und einmal ganz und gar.<\/p>\n<p>Ostern ist ein starkes Fest. Das Fest der offenen T\u00fcren zum Himmel. Lasst Euch das nicht entgehen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Erich Faehling<br \/>\n<a href=\"mailto:KircheBokhorst@t-online.de\">KircheBokhorst@t-online.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostersonntag | 27. M\u00e4rz 2005 | Mt 28,1\u201310 | Erich Faehling | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen. Wann hat Euch eigentlich zum letzten Mal jemand die Ostergeschichte erz\u00e4hlt? Halt Stop, ich meine die wirkliche, die wahre, die echte Ostergeschichte. 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