{"id":10440,"date":"2005-03-07T19:49:18","date_gmt":"2005-03-07T18:49:18","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10440"},"modified":"2025-05-15T13:45:20","modified_gmt":"2025-05-15T11:45:20","slug":"markus-16-1-8-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-16-1-8-2\/","title":{"rendered":"Markus 16, 1-8"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><span style=\"color: #000099;\">Ostersonntag | 27. M\u00e4rz 2005 | Markus 16,1-8 | Arne \u00d8rtved |<\/span><\/h3>\n<p>\u201dGeht hin und sagt seinen J\u00fcngern und Petrus: er geht euch nach Galil\u00e4a voran; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat!\u201d<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte wissen, ob sie das an jenem Tage auch richtig geh\u00f6rt haben. Sie flohen ja fort von dem Grabe. Erst sp\u00e4ter, als alles aufgekl\u00e4rt worden war, erinnerten sie sich daran: <em>Er ist euch nach Galil\u00e4a vorangegangen. <\/em>Das war eigentlich das Wichtigste an der Botschaft. Dass sie ihn dort treffen w\u00fcrden, wo sie ihr Leben lebten. Nicht in einem Grab, nicht in einem Kult, nicht in einem Tempel, sondern in ihrem lebendigen Leben. Dort w\u00fcrden sie ihn treffen, dort w\u00fcrde von jetzt an ihr Gott sein.<\/p>\n<p>Auf gewisse Weise ist das ja nicht so gut, denn dann ist es vorbei mit Religion und Kirche und Pfarrern und allem, was dazu geh\u00f6rt. Gott ist dort, wo Menschen ihr Leben leben. Nicht dort, wo sie sich mit dem Heiligen einschlie\u00dfen und sich mit Mystik und Weihrauch und heimlichen Formeln umgeben. Nicht dort, wo Menschen sich von der weltlichen Gesellschaft isolieren, um Gott zu ehren. Auch nicht dort, wo sich Menschen auf einem Friedhof oder in dessen N\u00e4he versammeln, um des Verstorbenen zu gedenken und seinen Fortgang zu beweinen.<\/p>\n<p>Nein, im Leben f\u00fcr und andere Menschen, dort werdet ihr euren Gott finden. Nicht in einer bestimmten Art von Leben, das ihr erfinden und arrangieren m\u00f6gt, um Gott wohlgef\u00e4llig zu sein, damit er euch besuche, sondern in eurem ganz gew\u00f6hnlichen Leben miteinander. Mit allem, was das beinhaltet an Freuden und Sorgen, Konflikten und Harmonie, Krieg und Frieden, Fu\u00dfball und Violinkonzerten.<\/p>\n<p>Ihr habt es ja selbst am Karfreitag geh\u00f6rt, wie der Vorhang zum Heiligen v\u00f6llig zerrissen wurde, als er verschied. Da gab es nichts mehr, das heilig war. Es war zusammengebrochen und mit dem gew\u00f6hnlichen, weltlichen Leben vermischt worden. Und hier h\u00f6ren die Frauen nun, dass das Heilige nicht wieder hinter den Vorhang kriechen will, sondern drau\u00dfen im Leben bleiben und den Menschen dort begegnen will. Auf diese Weise ist es das Leben, das heilig wird. Also nicht das Leben an sich, sondern wenn Gott in ihm kommt. Und er kommt <em>selbst<\/em> \u2013 und <em>von<\/em> selbst. Er reagiert nicht auf Kommandos oder einladende Lockt\u00f6ne. Er kommt in der Stunde, die er f\u00fcr angemessen h\u00e4lt. Und das \u00fcberrascht uns oft, weil wir glauben, dass Gott ein anderer ist als der, der er ist.<\/p>\n<p>Die Frauen flohen fort vom Grabe, denn sie f\u00fcrchteten sich. Das kann man gut verstehen. Wo sind wir denn, wenn das Heilige pl\u00f6tzlich unter uns losgelassen ist. Da k\u00f6nnen wir nirgends in Frieden sein. Wir wissen nie, wann Gott pl\u00f6tzlich auftaucht und Rechenschaft von uns verlangt. Wir wissen nie, wann Gott seine schwere Hand auf uns legt und sagt: <em>Warte einen Augenblick, ich habe dir etwas zu sagen!<\/em> Man kann nirgends privat sein. Man hat nie sein Leben f\u00fcr sich, denn Gott ist immer ganz in der N\u00e4he und immer vor uns: <em>Er ist vorangegangen nach Galil\u00e4a oder hier in unseren Ort oder ins Sommerhaus, an den Arbeitsplatz<\/em>.<\/p>\n<p>Die ersten Christen geben einige verstreute, verwirrte Berichte dar\u00fcber, wie sie dem auferstandenen Gott in den Wochen nach dem ersten Osterfest begegnen. Das allen Geschichten Gemeinsame ist, dass sie davon \u00fcberzeugt sind, dass es tats\u00e4chlich der Jesus ist, den sie im wirklichen Leben gekannt haben, und dem sie nun begegnen. Daran ist eigentlich nichts Mystisches. Es geht nur um Glauben. Dass sie Jesus in dem begegnen werden, was er gesagt hatte und gewesen war und was er in seinem Leben zusammen mit ihnen gelebt hatte. Es ist der Gott, dem sie begegnen werden.<\/p>\n<p>Deshalb machten sie sich nun eifrig daran, alles \u00fcber ihn zu sammeln, woran sie sich erinnern konnten. Sie erz\u00e4hlten und erz\u00e4hlten. Von Mann zu Mann \u2013 oder vielleicht \u00f6fters von Frau zu Frau. Aber auch, wenn sie sich an dem neuen Sonntag versammelten, der faktisch keine Spur heiliger war als alle anderen Tage, immerhin aber der Tag der Auferstehung war; auch an diesem Tage erz\u00e4hlten sie Erinnerungen an Jesus. Und die Erz\u00e4hlungen waren nat\u00fcrlich gef\u00e4rbt durch ihren neuen Glauben und ihre eigene Begeisterung. Es sind alle diese Erz\u00e4hlungen, die wir heute in verblasster Form in den Evangelien wiederfinden. Es war nicht leicht, die Begeisterung und Glut in Geschriebenes zu \u00fcbertragen, aber es ist doch einigerma\u00dfen gut gelungen.<\/p>\n<p>Das Wichtigste war aber die ganze Zeit, die Worte unter ihnen zu bewahren, denn dort sollte er kommen, der auferstandene Gott, Jesus Christus. Dadurch wurde der Sonntag trotz allem zu einer Art heiligen Tages f\u00fcr sie. Es war also der Tag, an dem sie zusammenfanden und die Geschichten \u00fcber ihn erz\u00e4hlten. Dadurch wurde es auch oft der Tag, an dem sie seinen Besuch bei sich erlebten. Er kam zusammen seinen Worten und den Worten \u00fcber ihn.<\/p>\n<p>Damit entstand auch die Kirche. Mehr und mehr \u00fcberlie\u00dfen sie es bestimmten Personen, zu erz\u00e4hlen und vorzulesen und Gebete zu sprechen. Sie begannen mit anderen Worten, Pastoren zu bekommen. Es war ihnen \u00fcberhaupt nicht klar, dass sie auf diese Weise drauf und dran waren, das ganze Projekt Gottes zunichte zu machen. Pastoren und Kirche, das war doch nicht die Absicht gewesen. Die Worte sollten frei unter ihnen leben, damit Gott sie jederzeit und an jedem beliebigen Ort besuchen konnte.<\/p>\n<p>Aber sie fassten es nicht so auf, dass ihre sonnt\u00e4gliche Zusammenkunft dem im Wege gestanden h\u00e4tte. Sie wurden nicht tagaus tagein mit Eindr\u00fccken bombardiert wie wir heute. Sie konnten leicht von dem leben, was sie am Sonntag h\u00f6rten, und zwar die ganze folgende Woche lang. Sie sprachen ja auch davon \u2013 oder fl\u00fcsterten davon, denn es waren ja verbotene Worte. Das machte es auch leichter. Aber das bedeutete auf der anderen Seite auch, dass die Worte den Charakter von etwas Geheimnisvollem annahmen, worum es eigentlich \u00fcberhaupt nicht ging. Die Worte sollen offen sein, lebendig, wirkungsvoll in ihrem allt\u00e4glichen Leben.<\/p>\n<p>Heute, so viele Jahre sp\u00e4ter, k\u00f6nnen wir feststellen, dass die Besorgnis durchaus wohlbegr\u00fcndet war. Es ist in der ganzen Zeit eine ernste Versuchung gewesen, Gott wieder in einen heiligen Raum mit einer gro\u00dfen und starken Priesterschaft einzusperren, die Ausgang und Eingang zu ihm zu bewachen hatte. Aber Gott l\u00e4sst sich nicht so einfach einsperren. Jedes Jahr zu Ostern rollt er den Stein vom Eingang fort und geht hinaus in die klare Luft und geht uns voran zum Leben. Wenn wir in den sogenannten heiligen Raum hineingehen, kann es nur mit der Stimme der Wahrheit so lauten: <em>Er ist nicht hier; er ist auferstanden und euch vorangegangen zu eurem Leben.<\/em> Wenn es nicht das ist, was die Stimme sagt, dann l\u00fcgt sie. Dann spr\u00e4che kein Engel, sondern der Teufel selbst.<\/p>\n<p>Gott ist also drau\u00dfen in unserem Leben, uns voran und hinter uns. Sowohl in unserem pers\u00f6nlichen Leben und unserer pers\u00f6nlichen Geschichte als auch in Leben und Geschichte der Menschheit. Gott ist immer da. Wir k\u00f6nnen ihn nicht sehen, ihn nicht greifen, ihn nicht festhalten. Aber er ist dennoch da. Vielleicht in der Finsternis der Ver\u00adzweiflung, vielleicht in dem klaren Licht des Gl\u00fccks. Vielleicht begegnet er dir in der Einsamkeit der Stube oder in der Gemeinschaft der Gemeinde, in dem neugeborenen Kind oder deiner alten Gro\u00dfmutter. Er ist dir immer voraus, so dass du keine Angst zu haben brauchst. Er ist auch immer hinter dir, so dass du an die Vergebung glauben kannst.<\/p>\n<p>Ja, aber warum in aller Welt sind wir dann hier in der Kirche? Was sollen wir mit Kirchen und Pastoren? Wir sind hier, damit wir die beste und wichtigste Botschaft unseres Leben h\u00f6ren k\u00f6nnen: <em>Das Grab ist leer, und jetzt ist er dir vorangegangen zu deinem Leben!<\/em> Wenn man die Botschaft nicht h\u00f6rt, ist es unm\u00f6glich, an sie zu glauben. Und sie muss wieder geh\u00f6rt werden, weil der Glaube so leicht in Betriebsamkeit, Problemen und Sorgen untergeht.<\/p>\n<p>Wir sind nicht hier, weil die Kirche ein Patent auf Gott h\u00e4tte, oder weil Gott hier ein besonders sicheres Versteck f\u00fcr sich gefunden h\u00e4tte; sondern hier hat das Wort Gottes eine Chance, den L\u00e4rm von drau\u00dfen zu \u00fcbert\u00f6nen und dir zu erz\u00e4hlen, dass du nach Hause eilen und in Glauben und Liebe leben sollst. Er wartet auf dich in allen Dingen, &#8211; auch wenn du an die Grenze deines Lebens kommst und deine Tage hier auf Erden vorbei sind. Da ist er dir noch immer voraus bis in den Tod und die Ewigkeit hinein. Heute ist Ostern. Wir h\u00f6ren, dass er uns vorangegangen ist. Das macht Hoffnung. Das schenkt Zukunft. Das gibt Leben. Das ist die reine Freude! Frohe Ostern. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Pastor Arne \u00d8rtved<br \/>\nBirkeb\u00e6k 8<br \/>\nDK-7330 Brande<br \/>\nTlf.: ++ 45 \u2013 97 18 10 98<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:ortved@mail.dk\">ortved@mail.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>\u00dcbersetzt von Dietrich Harbsmeier<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostersonntag | 27. M\u00e4rz 2005 | Markus 16,1-8 | Arne \u00d8rtved | \u201dGeht hin und sagt seinen J\u00fcngern und Petrus: er geht euch nach Galil\u00e4a voran; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat!\u201d Ich m\u00f6chte wissen, ob sie das an jenem Tage auch richtig geh\u00f6rt haben. 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