{"id":10448,"date":"2005-03-07T19:49:14","date_gmt":"2005-03-07T18:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10448"},"modified":"2025-05-15T14:20:48","modified_gmt":"2025-05-15T12:20:48","slug":"matthaeus-28-1-10-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-28-1-10-6\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 28, 1-10"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Ostersonntag | 27. M\u00e4rz 2005 | Matth\u00e4us 28,1-10 | Gerhard M\u00fcller |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>\u201eAls aber der Sabbat vor\u00fcber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein gro\u00dfes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und w\u00e4lzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand wei\u00df wie der Schnee. Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als w\u00e4ren sie tot. Aber der Engel sprach zu den Frauen: F\u00fcrchtet euch nicht! Ich wei\u00df, da\u00df ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die St\u00e4tte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen J\u00fcngern, da\u00df er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galil\u00e4a, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und gro\u00dfer Freude und liefen, um es seinen J\u00fcngern zu verk\u00fcndigen. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegr\u00fc\u00dft! Und sie traten zu ihm und umfa\u00dften seine F\u00fc\u00dfe und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: F\u00fcrchtet euch nicht! Geht hin und verk\u00fcndigt es meinen Br\u00fcdern, da\u00df sie nach Galil\u00e4a gehen; dort werden sie mich sehen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Zu einem Grab zu gehen und Abschied zu nehmen von einem Menschen, der mir viel bedeutet hat und bedeutet, war mir immer wichtig. Die Trauer findet darin ihren Ausdruck. In vielen Gemeinden gab und gibt es auch heute Ostergottesdienste auf Friedh\u00f6fen, in denen die Trauer um Menschen, die bereits abgerufen wurden, sich verbindet mit der Freude \u00fcber des Todes Tod: \u201eDer Tod ist verschlungen vom Sieg\u201c, sagen Altes und Neues Testament (1. Kor 15, 54). Es sind Frauen, die am ersten Tag der Woche, am dritten Tag nach seinem Tod, zum Grab Jesu gehen. Haben die beiden mehr Mut als andere Frauen? Und nat\u00fcrlich auch als die M\u00e4nner? Oder hingen sie besonders stark an Jesus, den sie auf seinem Weg von Galil\u00e4a nach Jerusalem begleitet hatten? Oder waren sie besonders sensibel und hatten diesen Trauergang n\u00f6tig? Jedenfalls ist ihre Trauer st\u00e4rker als die Furcht, die vielleicht in ihnen steckte. Sie machen sich auf, obwohl sie gewu\u00dft haben d\u00fcrften, da\u00df das Felsengrab bewacht wird. Aber sie wollen dem nahe sein, der als Lebender ihnen viel zu sagen gehabt hatte. Sie werden jetzt sicher an ihn im Gebet denken und ihre Anliegen vor Gott bringen wollen. Sie haben vor, \u201enach dem Grab zu sehen\u201c. So hei\u00dft es. Es mu\u00df ja alles seine Ordnung haben, wenn der Tod ein Leben beendet hat. Denn es wird weitergehen. Aber wie? Diese Frage mag Maria von Magdala und die andere Maria auf ihrem Weg zum Grab bewegt haben.<\/p>\n<p>Was sie dort erleben, ist aber alles andere als die Ruhe und das Schweigen des Todes. Kosmische Bewegungen werden geschildert: ein Erdbeben, \u00e4hnlich wie am Karfreitag, dem Todestag Jesu. Was aber wichtiger ist, ist die Erscheinung eines Engels. Er wird als eine Lichtgestalt hingestellt, unanschaulich wie ein Blitz, wei\u00df wie der Schnee. Strahlen gehen von der Erscheinung aus, nicht schwarze Trauer und Wehklagen. \u201eVom Himmel kam er herab.\u201c Ein Gottesbote ist er also. Die W\u00e4chter erstarren vor Angst und Schrecken. Sie sind wie gel\u00e4hmt. Verst\u00e4ndlich, denn wenn Au\u00dfergew\u00f6hnliches passiert, dann werden wir unsicher, wissen nicht, wie wir uns verhalten sollen. M\u00f6glicherweise tun wir, als seien wir gar nicht anwesend, sondern stellen uns schlafend. So die W\u00e4chter. Stumm und wie tot sind sie. Randfiguren, die bedeutungslos sind und die nicht in das Geschehen eingreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber die Frauen werden vom Engel angesprochen. Sie sind nicht wie tot, sondern sie sind trotz ihrer Furcht ganz Ohr. Was wird ihnen gesagt, da sie doch nur das Grab Jesu, des Gekreuzigten, besuchen wollen? Der Engel spricht zu den Frauen: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht! Ich wei\u00df, da\u00df ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die St\u00e4tte, wo er gelegen hat.\u201c Da\u00df die Frauen sich f\u00fcrchten, ist mehr als verst\u00e4ndlich. Wer m\u00f6chte nicht in Grund und Boden versinken, wenn solch Au\u00dferordentliches geschieht? Aber es besteht kein Grund zu Angst und Furcht. Denn der Engel will sie nicht erschrecken, sondern er will ihnen eine Botschaft mitteilen und ihnen eine weitere an andere auftragen.<\/p>\n<p>Sie erfahren, da\u00df Jesus, der schm\u00e4hlich am Kreuz Gestorbene, von den Toten auferstanden ist. Gott hat sich zu dem bekannt, der am verfluchten Holz, am Galgen der R\u00f6mer gehangen hatte. Gott hat ihn nicht im Tod gelassen, sondern ihm weitere Auftr\u00e4ge gegeben. Das ist das Zweite, das sie erfahren: Jesus wird seinen J\u00fcngerinnen und J\u00fcngern vorausgehen nach Galil\u00e4a. \u201eDort werden sie ihn sehen.\u201c Es ist ungew\u00f6hnlich, da\u00df nicht Jesus selbst den Seinen sagt, was Gottes Wille ist und was sie zu tun haben. Aber der Engel unterstreicht seine Botschaft mit den Worten: \u201eSiehe, ich habe es euch gesagt.\u201c Da gibt es keine Diskussion. Er, der von Gott kommt, macht seinen Auftrag kund und erkl\u00e4rt, da\u00df er nicht eine eigene Einbildung vortr\u00e4gt. Da\u00df Jesu J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger, die aus Galil\u00e4a stammen, nach dort zur\u00fcckkehren werden nach dem Geschehen in Jerusalem, ist klar. Denn Jesus wurde von ihnen hinweggenommen. Also werden sie sinnvollerweise nach Hause zur\u00fcckkehren. Aber sie sollen nicht allein in Galil\u00e4a sein, dieser Provinz im Norden Israels, sondern Jesus will ihnen nach dort vorausgehen. Wie er von Galil\u00e4a nach Jerusalem den Weg angegeben hatte, so geht er jetzt den R\u00fcckweg vor ihnen her.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich macht diese Botschaft den Frauen Beine. Eilends machen sie sich auf den Weg zu den J\u00fcngern, die den Weg zu Jesu Grab noch nicht gesucht oder jedenfalls noch nicht gefunden haben. Noch sitzt ihnen die Furcht in den Knochen \u00fcber das seltsame und unerwartete Geschehen, das sie erlebt haben. Aber die Freude der beiden Marien ist gr\u00f6\u00dfer als der Schreck, der ihnen in ihre Glieder fuhr. Mit \u201egro\u00dfer Freude\u201c laufen sie, um ihren Auftrag zu erf\u00fcllen und \u201eseinen J\u00fcngern zu verk\u00fcndigen\u201c, da\u00df Jesus lebt und weiterhin vor ihnen hergehen wird.<\/p>\n<p>Aber ihre Eile wird pl\u00f6tzlich beendet. Jesus tritt n\u00e4mlich nun selbst vor sie hin und spricht sie freundlich an. Das ist nun der zweite Schock. Wie sollen sie dem begegnen, der vom Tod zum Leben hindurchgedrungen ist? Was sollen sie tun, nachdem Gott sich zu dem scheinbar Gescheiterten bekannt und als seinen Gesandten best\u00e4tigt hat? Beide Frauen fallen vor ihm nieder. Sie betasten seine F\u00fc\u00dfe. Sie unterwerfen sich ihm. Aber zugleich f\u00fcrchten sie sich nicht so stark vor ihm, da\u00df sie nicht zu ihm tr\u00e4ten. Ihre alte Vertrautheit mit Jesus verbindet sich mit der Ehrfurcht vor dem, den sie f\u00fcr tot gehalten haben, der aber zu ihnen redet, wie er das auch fr\u00fcher getan hatte. Die Botschaft Jesu ist eigentlich nicht neu. Auch er sagt: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht!\u201c Auch Jesus wei\u00df um die Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn Leid und Freude pl\u00f6tzlich zusammenkommen, wenn wir gar nicht recht zu fassen verm\u00f6gen, was eigentlich los ist. Jesus beschr\u00e4nkt sich darauf, die Botschaft des Engels zu wiederholen: Die J\u00fcnger sollen nach Galil\u00e4a gehen; \u201edort werden sie mich sehen\u201c. Seine J\u00fcnger sind seine \u201eBr\u00fcder\u201c. So redet der Auferweckte. Die J\u00fcnger werden nicht als die Furchtsamen, die Verleugner, die Geflohenen, die Versager bezeichnet. All dies h\u00e4tte Jesus ihnen vorwerfen k\u00f6nnen. Hatten sie ihn doch in der Stunde der Not allein gelassen und verleugnet. Nein, die schwachen Menschen aus Galil\u00e4a werden wegen ihres allzu menschlichen Verhaltens nicht angeklagt, sondern als seine \u201eBr\u00fcder\u201c bezeichnet, als Leute, mit denen sich der Auferweckte zusammengeh\u00f6rig wei\u00df. Nie zuvor hatte Jesus die J\u00fcnger so genannt. Jetzt wirft er ihnen ihre Schwachheit nicht vor, sondern er nimmt sie als seine Schwestern und Br\u00fcder an. Der katholische Theologe Johann Baptist Metz hat k\u00fcrzlich gesagt, Jesu \u201eerster Blick galt nicht der S\u00fcnde der anderen, sondern dem Leid der anderen\u201c. Der Gekreuzigte und Auferstandene wei\u00df, da\u00df seine J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger jetzt wie Schafe sind, die keinen Hirten haben: verst\u00f6rt, hilf- und kopflos. Deswegen macht er klar: Ich bin und bleibe f\u00fcr euch da, auch und gerade in schwerer Zeit.<\/p>\n<p>Was ist da am ersten Tag der Woche passiert, den die Christen bald den \u201eHerrentag\u201c genannt haben? Denn an diesem Tag ist er auferstanden und hat sich dadurch als m\u00e4chtiger als der Tod erwiesen. Was ist da passiert? Menschen erfahren, da\u00df Gott lebt \u2013 damals und heute. Frauen und M\u00e4nner erfahren, da\u00df in Gott in allem Leide Freude ist, weil er die Seinen nicht straft, sondern ihnen vergibt. Gewi\u00df \u2013 das m\u00fcssen wir immer wieder neu buchstabieren und erleben, da\u00df nicht der Tod unser Ziel ist, sondern der Dreieinige Gott, der uns geschaffen, erl\u00f6st und geheiligt hat. Er wartet auf uns, so wie er auf Jesus gewartet hat, der der Erstgeborene gewesen ist derer, \u00fcber die der Tod nicht endg\u00fcltig zu herrschen vermag.<\/p>\n<p>Jesus gibt uns seine Zusage: Ich gehe vor euch her. Deswegen singen wir berechtigterweise von Jesus, der uns auf unserer Lebensbahn vorangehen m\u00f6ge. Und Jesus gibt uns einen Auftrag: Folgt mir nach! Nach Galil\u00e4a damals und auf unseren vielen Wegen heute nicht minder. Auch als Auferstandener geht er den Seinen voran und zeigt ihnen ihr Ziel. Er gibt uns den Auftrag, in seiner Nachfolge zu bleiben und h\u00e4lt uns unser Versagen nicht vor, sondern vergibt uns. Deswegen wird aus Leid Freude, aus Niedergeschlagenheit wird Zuversicht, aus Ausweglosigkeit wird Hoffnung, aus Selbstzufriedenheit wird Gottes- und N\u00e4chstenliebe. Gott schafft an Ostern neues Leben. Darum haben wir am heutigen hohen und geheimnisvollen Fest Anla\u00df zu Dank, Lob und Freude. Denn: \u201eDer Tod ist verschlungen vom Sieg!\u201c Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong> <strong>Landesbischof i.R. Prof. Dr. Gerhard M\u00fcller, Erlangen<\/strong><br \/>\n<a href=\"mailto:gmuellerdd@compuserve.de\">gmuellerdd@compuserve.de <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostersonntag | 27. 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