{"id":10451,"date":"2005-03-07T19:49:28","date_gmt":"2005-03-07T18:49:28","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10451"},"modified":"2025-05-15T14:45:42","modified_gmt":"2025-05-15T12:45:42","slug":"jakobus-45-151","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jakobus-45-151\/","title":{"rendered":"Lukas 24,36\u201345"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\">Ostermontag | 28. M\u00e4rz 2005 | Lk 24,36\u201345 | Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<div align=\"left\">Liebe Gemeinde!<\/div>\n<div align=\"left\">\n<p>&#8222;Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!&#8220; Diese Botschaft hatte sich unter den J\u00fcngern verbreitet und war voller Freude von ihnen aufgenommen worden. Die Frauen hatten erz\u00e4hlt, sie h\u00e4tten sein Grab leer gefunden und von einem Engel die frohe Kunde geh\u00f6rt. Petrus sollte er erschienen sein. Und nun waren die beiden, die nach Emmaus aufgebrochen waren, zur\u00fcckgekommen und erz\u00e4hlten, sie seien einem Fremden begegnet, der ihnen erkl\u00e4rt habe, dass der Kreuzestod ihres Herrn dem Willen Gottes entsprochen habe. Und dann beim gemeinsamen Abendessen h\u00e4tten sie in dem Fremden Jesus selbst erkannt, der dann aber gleich verschwunden sei. &#8222;Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!&#8220; frohlockten sie.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite machten sich auch Bedenken und Zweifel breit: Ein leeres Grab war noch kein Beweis f\u00fcr eine Auferstehung von den Toten. Vielleicht war der Leichnam einfach nur gestohlen worden. Und dass Frauen von Engeln erz\u00e4hlen, war ja nichts Neues. Ja, und die Erscheinungen? Merkw\u00fcrdig, dass der Erschienene gleich wieder verschwunden war &#8211; so wie man das ja auch von Tr\u00e4umen oder Halluzinationen kennt. Und wenn er tats\u00e4chlich auferstanden war, wo bittesch\u00f6n war er dann, und warum war er nicht da, wo er immer gewesen war, n\u00e4mlich bei ihnen? Und \u00fcberhaupt: Wie sollte man sich das vorstellen: ein Toter und doch wieder lebendig? \u00dcber diese Frage diskutierten sie, diskutierten so, wie man das allerorten heute auch noch tut, wenn von Auferstehung Jesu die Rede ist.<\/p>\n<p>Und pl\u00f6tzlich ist er, von dem sie gerade reden, mitten unter sie getreten. Sie sind vom Schrecken nat\u00fcrlich wie gel\u00e4hmt. Ein Gespenst, ist ihr erster Gedanke, und voller Schaudern richten sie sich auf so etwas wie eine spiritistische Sitzung ein, die Aufschlu\u00df geben w\u00fcrde \u00fcber das Leben nach dem Tode. Denn was sonst ist von einem zu erwarten, der aus dem Tode kommt?<\/p>\n<p>Jesus aber &#8211; und darauf liegt der Ton dieser Geschichte &#8211; holt sie sehr entschieden in die Wirklichkeit dieser materiellen und damit nat\u00fcrlich auch verg\u00e4nglichen Welt zur\u00fcck. Mensch, sagt er, h\u00f6rt doch auf, mich wie ein \u00fcbersinnliches Wesen anzustarren. Seht mich bitte genau an. Ich bin noch derselbe, als den ihr mich habt sterben sehen: hier seht die N\u00e4gelmale an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen. Gespenster und k\u00f6rperlose Seelen pflegen so etwas nicht zu tragen, nicht wahr?<\/p>\n<p>Und wenn er, der Auferstandene, sich als der Gekreuzigte zeigt, dann bekennt er sich damit ja ausdr\u00fccklich zu dem Leben, das ihm das Leben gekostet hat. Nichts davon, liebe J\u00fcnger &#8211; sagt er mit dem vorzeigen seiner Wunden -, nichts davon ist jetzt vorbei. Das mit der Kreuzigung war keine bedauerliche Panne im Leben eines ansonsten so edlen Mannes &#8211; eine Panne, die durch seine Auferstehung nun gottseidank behoben ist. Nein, Jesus will nach wie vor als der Gekreuzigte und nur als der Gekreuzigte erkannt werden. Er will erkannt, verehrt und gefeiert werden als der Mann, der im Namen Gottes \u00fcberall zwischen die Fronten des Lebens ging und sich da aufrieb. Ostern streicht das Kreuz nicht durch, hebt es nicht auf. Im Gegenteil: Zu Ostern sagt der Gekreuzigte: Ich mache weiter! Und zwar nicht in irgendeiner Hinterwelt oder versteckt hinter Kirchenmauern, sondern ich mache weiter da, wo sich das ganz normale Leben abspielt &#8211; wo gegessen und getrunken wird. &#8211; Ach \u00fcbrigens, liebe Freunde &#8211; sagt er zu seinen J\u00fcngern &#8211; habt ihr nicht was zu essen? Ich mache weiter da drau\u00dfen, wo die einen den Hals nicht voll genug kriegen k\u00f6nnen und die anderen verhungern m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ich mache weiter. Denn seht mal, darauf l\u00e4uft doch alles hinaus, was angefangen bei Mose \u00fcber die Psalmen bis hin zu den Propheten \u00fcber Gott und die Welt gesagt ist: dass Gott mit dieser Welt und mit diesem Leben seine guten Absichten verfolgt, dass er der gute Hirte unseres Lebens ist, dem wir uns auch im finsteren Tal anvertrauen d\u00fcrfen und dass er uns zu seinen Mitarbeitern haben will, die dieser Erde ein menschliches Antlitz geben. Darauf l\u00e4uft doch alles hinaus, dass dies auch bis zur letzten Konsequenz bew\u00e4hrt wird. Das ist der Auftrag meines Lebens, Gottes heilsamen Willen und seinen damit verbundenen Anspruch bis ins letzte zu bew\u00e4hren. Und damit ihr Lieben mache ich jetzt weiter!<\/p>\n<p>Und wie soll das aussehen? Da brauchen wir uns nur selber und unsere Lebens- und Bet\u00e4tigungsm\u00f6glichkeiten anzusehen, um einen Begriff davon zu bekommen, wie das aussehen soll. Denn Jesus macht weiter mit denen, die er seit Ostern anspricht. Er macht weiter mit Petrus und Johannes, mit Jakobus und Andreas und den anderen. Er macht weiter mit allen, die neu dazu kommen: mit Paulus und den Gemeinden, die in aller Welt entstanden sind. Er macht weiter auch mit Ihnen und mit mir Er macht weiter mit dem, was Gott uns mitgegeben hat an M\u00f6glichkeiten, das Leben wahrzunehmen und zu gestalten und zu teilen.<\/p>\n<p>Der Auferstandene l\u00e4sst die Diesseitigkeit also nicht hinter sich und gibt keinerlei Anlass. \u00fcber das Leben nach dem Tod zu spekulieren. Und Leute, die an ihn glauben, sich an ihn halten, sind keine weltabgewandter Spinner. Denn er ruft uns hinein in diese von Gott geschaffene Welt. So gewiss er sich als Sterbender in Gottes Hand wu\u00dfte, so eindeutig ruft er uns auf, das Leben vor dem Tod nach Gottes Willen zu gestalten.<\/p>\n<p>Gewi\u00df, wenn einer, dann h\u00e4tte er Grund gehabt, nach dem Tode diesen Leib, der uns dem Leiden aussetzt und an die Verg\u00e4nglichkeit bindet, selig abzustreifen und ganz einzugehen in eine dar\u00fcber liegende geistige Welt und den hier noch im Leib Gefangenen Signale zu senden, die in meditativer Versenkung empfangen werden k\u00f6nnen.. Das w\u00e4re eine Auferstehung, die dem Welt- und Lebensempfinden vieler Menschen &#8211; \u00fcbrigens nicht erst in unserer Zeit \u2013 entgegen k\u00e4me.<\/p>\n<p>Die Ostergeschichten aber erz\u00e4hlen: Er, der den Tod hinter sich hat nach einem wei\u00df Gott nicht leichten Leben, er stiftet seine Anh\u00e4ngerinnen und Anh\u00e4nger dazu an, mit ihm hier auf Erden weiterzumachen. Und wenn er es ist, der dieser Erde die Treue h\u00e4lt, dann hat das schon etwas zu sagen. Schlie\u00dflich war er kein Gl\u00fcckskind, das nur die Sonnenseiten des Lebens kennen gelernt h\u00e4tte und nun zur\u00fcckk\u00e4me mit der Botschaft: Freunde, das Leben ist lebenswert! Das h\u00e4tte nicht viel zu bedeuten. Wenn aber er, der durch die tiefsten Tiefen musste, trotz des Todes zum Weitermachen auffordert, dann muss am Leben mehr und am Tode weniger dran sein, als wir zu glauben uns angew\u00f6hnt haben. Wohl dies: dass der Gott, der uns das Leben schenkt und zutraut, unsterblich treu ist! Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Superintendent Rudolf Rengstorf<br \/>\nWilhadikirchhof 11<br \/>\n21682 Stade<br \/>\n<a href=\"mailto:Rudolf.Rengstorf@evlka.de\">Rudolf.Rengstorf@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostermontag | 28. 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