{"id":10452,"date":"2005-03-07T19:49:25","date_gmt":"2005-03-07T18:49:25","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10452"},"modified":"2025-05-15T14:47:29","modified_gmt":"2025-05-15T12:47:29","slug":"lukas-24-36-45","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-24-36-45\/","title":{"rendered":"Lukas 24, 36-45"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Ostermontag | 28. M\u00e4rz 2005 | Lk 24,36\u201345 | Andreas Pawlas |<\/h3>\n<p>&#8222;Als die J\u00fcnger aber noch von ihm redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und f\u00fcrchteten sich und meinten, sie s\u00e4hen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine H\u00e4nde und meine F\u00fc\u00dfe, ich bin&#8217;s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe.<\/p>\n<p>Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe. Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein St\u00fcck gebratenen Fisch vor. Und er nahm&#8217;s und a\u00df vor ihnen. Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erf\u00fcllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da \u00f6ffnete er ihnen das Verst\u00e4ndnis, so dass sie die Schrift verstanden.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Seit bald 2000 Jahren feiert die Christenheit Ostern! Seit bald 2000 Jahren feiert damit die Christenheit, dass Christus von den Toten auferstanden ist. Seit bald 2000 Jahren erinnert sich die Christenheit an diese unglaublichen Ereignisse in Jerusalem und hat sie wohl immer noch nicht vollkommen begriffen. Aber vielleicht <strong><em>kann<\/em><\/strong> man das Geheimnis der Auferstehung Jesu Christi auch niemals vollkommen begreifen, Aber Hauptsache, man freut sich trotzdem dar\u00fcber, so, wie es in unserem Bericht dann am Ende auch von den J\u00fcngern hei\u00dft.<\/p>\n<p>Immerhin k\u00f6nnten wir uns durch alle Zeiten hindurch mit den J\u00fcngern damals in Einem verbunden f\u00fchlen! Und worin? Doch darin, dass sie zun\u00e4chst \u00fcberhaupt nichts verstanden. Lasst uns deshalb zun\u00e4chst einmal genauso wie die J\u00fcnger damals von Jesus reden und erz\u00e4hlen &#8211; allerdings mit dem Risiko, dass uns dann aber auch die Gegenwart des Auferstandenen zun\u00e4chst durcheinander bringt oder gar erschreckt.<\/p>\n<p>Also lasst uns zun\u00e4chst erinnern. Was ist denn damals eigentlich in den Ostertagen geschehen? Da waren einige Frauen direkt an dem Grab, in das man Jesus am Karfreitag gelegt hatte. Und die gerieten v\u00f6llig durcheinander als sie das Grab leer fanden &#8211; sicherlich genauso durcheinander, wie <strong><em>wir<\/em><\/strong> es damals wohl auch gewesen w\u00e4ren. Und was sollte es schon helfen, dass da selbst ein Engel verk\u00fcndigte, dass Jesus auferstanden ist. Das Unfassbare lie\u00df sich einfach nicht fassen. Aber hinzu kam dann noch, dass da andere J\u00fcnger, die nach Emmaus unterwegs waren, eine wunderbare Begegnung hatten. Aber kein Zweifel, da musste <strong><em>Jesus selbst<\/em><\/strong> ihnen begegnet sein. Jedoch richtig fassen konnten sie es auch nicht. So ist also der Ostertag \u00fcber die J\u00fcnger damals gekommen. Und so ist der Ostertag \u00fcber uns gekommen, aber fast keiner kann ihn so richtig begreifen.<\/p>\n<p>Und obwohl in der Christenheit immer wieder von Osterjubel oder sogar von Osterlachen die Rede ist, so wird in unserem biblischen Bericht zun\u00e4chst \u00fcberhaupt <strong><em>nicht<\/em><\/strong> von Osterfreude berichtet. Vielmehr ist ja in der Versammlung der J\u00fcnger, mit einem Mal <strong><em>Erschrecken<\/em><\/strong> und Sich<strong><em>-f\u00fcrchten<\/em><\/strong>. Und warum? Doch weil <strong><em>Jesus <\/em><\/strong>pl\u00f6tzlich mitten unter sie tritt! \u201eHimmel Hilf! Ein Geist will uns peinigen!\u201c Genau das muss den J\u00fcngern wohl durch den Kopf geschossen sein. Und wahrscheinlich w\u00e4ren sie alle am Liebsten weggelaufen.<\/p>\n<p>Aber <strong><em>warum<\/em><\/strong> denn nur, ihr lieben J\u00fcnger? Denn ihr h\u00e4ttet doch eigentlich <strong><em>wissen<\/em><\/strong> m\u00fcssen, dass unser Christus am dritten Tage auferstehen und bei uns sein wird. Das hat er euch und uns doch vorher <strong><em>gesagt<\/em><\/strong>. Und immerhin hatte es euch der Engel am Grab dann <strong><em>noch einmal<\/em><\/strong> verk\u00fcndigt. Und au\u00dferdem ist das alles doch schon vor langen Zeiten im <strong><em>Alten Testament<\/em><\/strong> etwa am Bild des Jona vorausgesagt worden und geschieht darum doch genau nach <strong><em>Gottes heiligem Willen<\/em><\/strong>. Ja, das muss euch Jesus nachher noch einmal alles erkl\u00e4ren. So \u00f6ffnet er euch das Verst\u00e4ndnis, so dass ihr die Schrift wirklich versteht. Und <strong><em>dann<\/em><\/strong> endlich, dann ist auch eure Furcht und euer Erschrecken \u00fcberwunden.<\/p>\n<p>Allerdings, wie gut, dass uns in unserem Osterbericht von eurer Furcht und eurem Erschrecken so haargenau berichtet wird, das finde ich \u2013 entschuldigt bitte \u2013 einfach gro\u00dfartig! Denn offenbar kann man gerade an solchen Details die Wahrhaftigkeit eines Berichtes scharf erkennen. Und so kann man hieran sehen, wie unsere Bibel uns ganz lebendig und ganz realistisch davon Zeugnis gibt, wie wir Menschen wirklich sind und wie wunderbar Gottes Weg mit uns ist zum Heil und zur Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Allerdings haben wir begrenzte Menschen immer wieder Schwierigkeiten, diese Wege Gottes so richtig zu verstehen und f\u00fcr unser Leben wirklich ernst zu nehmen. Ja, was ist da f\u00fcr ein <strong><em>Widerspruch<\/em><\/strong> in uns! Da k\u00f6nnen wir uns einerseits wirkliche Auferstehung \u00fcberhaupt nicht vorstellen aber da haben wir andererseits Phantasie genug, uns auszumalen, dass irgendein Geist in unserer Mitte herumspukt. Jedoch der Auferstandenen ist ja gerade <strong><em>kein<\/em><\/strong> Geist oder Phantasiegebilde, sondern er tritt mit Fleisch und Knochen unter uns, und mit diesen entsetzlichen Wunden, an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen, auf die wir gar nicht richtig schauen m\u00f6gen. Aber unser Verstand will und will das nicht mitmachen. So konkret k\u00f6nnen wir uns einfach die \u00dcberwindung des Todes nicht vorstellen.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend wir noch so menschlich, kleinlich mit unserem Vorstellungsverm\u00f6gen hadern, da gibt es mit einem Mal ganz konkret <strong><em>Fisch<\/em><\/strong>, <strong><em>ausgerechnet<\/em><\/strong> gebratenen <strong><em>Fisch<\/em><\/strong>, wo jeder wei\u00df, wie der riecht, und wo einem bei solchem Geruch garantiert nicht nach Geisterstunde zu Mute ist, sondern nach ganz konkretem Leben, nach Leben mit Schmecken, Riechen und F\u00fchlen. Es geht hier also um Auferstehung mit <strong><em>allen<\/em><\/strong><strong><em>Sinnen<\/em><\/strong>!<\/p>\n<p>Aber dabei ist doch genau solche<strong><em> Auferstehung <\/em><\/strong>f\u00fcr uns so <strong><em>unglaublich.<\/em><\/strong> Weil sie nun einmal allem widerspricht, wie wir uns so v\u00f6llig menschlich, und ohne mit Gott zu rechnen, in unserem Leben eingerichtet haben! Wir, die wir beim Tod eines geliebten Menschen in Trauer und Erinnerung wie gefangen sind! Wir, die wir am Liebsten in allem Schmerz \u00fcber den Verlust, die Welt untergehen lassen wollten. Wir, die wir als Verlassene im Geheimen sogar manchen sanften Vorwurf gegen den von uns gegangenen h\u00e4tten. Sicherlich genauso wie die J\u00fcnger, in ihrer Erinnerung an Jesus und die gro\u00dfen Taten, die er getan hatte, und angesichts der gro\u00dfen Hoffnungen die sie dann in ihn gesetzt hatten. Ja, warum hatte er ihnen das alles angetan? Denn er h\u00e4tte doch <strong><em>fliehen<\/em><\/strong> k\u00f6nnen und sie h\u00e4tten ihn doch versteckt und so sie h\u00e4tten ihn nicht loslassen m\u00fcssen. Warum hatte er denn nach Jerusalem gehen m\u00fcssen, in die H\u00f6hle des L\u00f6wen, in die Stadt der Verhei\u00dfung, die aber doch von fremden Truppen und machtgierigen Politikern besetzt war? Er h\u00e4tte doch in Galil\u00e4a bleiben k\u00f6nnen oder in der W\u00fcste. Dann h\u00e4tten sie doch weiter im kleinen vertrauten Kreis seinen wunderbaren Worten und Versprechen lauschen k\u00f6nnen. Dann h\u00e4tte man weiter in aller Gem\u00fctlichkeit miteinander das Brot brechen und das Abendmahl feiern k\u00f6nnen und alles w\u00e4re so sch\u00f6n und gut geworden.<\/p>\n<p>Ja, so haben die J\u00fcnger sicherlich in ihrer verst\u00e4ndlichen menschlichen Perspektive gefragt und geklagt und nicht verstanden, dass Christus das alles allein <strong><em>f\u00fcr uns<\/em><\/strong> durchleiden und durchsterben musste, um uns nach Gottes Willen zu erl\u00f6sen und zu befreien. Zu sehr waren sie eben gefangen in allen ihren menschlichen Fragen und Klagen. Und geh\u00f6rte dazu nicht auch die Frage nach seiner Liebe, die sie immer so deutlich gesp\u00fcrt hatten und die so gro\u00df und so unbedingt und die gr\u00f6\u00dfer als alle Schuld war, sodass sie sich sicher waren, dass sie die Liebe Gottes sei, ob etwa diese seine Liebe doch nur ein frommer Selbstbetrug war? Ein liebenswerter Selbstbetrug, der mit den harten Hammerschl\u00e4gen, mit denen sie die N\u00e4gel durch seine H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe trieben, wie ein Spuk verscheucht wurde? Aber wie sollte Trauer hier streiten wollen und nachgetragene Liebe z\u00fcrnen k\u00f6nnen? Sie waren ja bereit, ihm alle Entt\u00e4uschung zu verzeihen, und in frommen Schmerz zusammenzubleiben.<\/p>\n<p>Aber darum, liebe J\u00fcnger, dann mit einem Male umso gr\u00f6\u00dfer eure Furcht und euer Erschrecken als euch am Ostertag <strong><em>Jesus<\/em><\/strong> gegen\u00fcbersteht. Allerdings als ihr dann das Unglaubliche begreift, da schl\u00e4gt eure Furcht und euer Erschrecken um in Freude und Jubel und dann k\u00f6nnt ihr nur noch vor Freude weinen und lachen und das mit der ganzen Christenheit.<\/p>\n<p>Ja, wenn uns die Auferstehung Jesu Christi in das wahre Leben zeigt, dass Gottes Liebe <strong><em>st\u00e4rker ist<\/em><\/strong> als aller Tod und alle Vernichtung, wenn wir uns endlich im Gegen\u00fcber zum Auferstandenen ganz <strong><em>gewiss<\/em><\/strong> werden, dass Gott zu vertrauen und zu glauben <strong><em>weiter tr\u00e4gt<\/em><\/strong> als aller Lebenswille, wenn uns die leibhafte Erscheinung Jesu Sicherheit und Gelassenheit dar\u00fcber gibt, dass auf Gott zu hoffen, die kurze Zeit irdischen Lebens <strong><em>einschlie\u00dft<\/em><\/strong> in seine Ewigkeit, <strong><em>dann<\/em><\/strong> kann man wirklich nur noch <strong><em>vor Freude weinen und lachen <\/em><\/strong>und vor Dankbarkeit Gott loben und preisen und diese Nachrichten weitersagen in alle Welt.<\/p>\n<p>Furcht und Erschrecken muss aber <strong><em>andere<\/em><\/strong> ergreifen. Furcht und Erschrecken muss aber <strong><em>die<\/em><\/strong> ergreifen, die auf dieser Welt Lug und Trug, Angst und Schrecken verbreiten durch Ungerechtigkeit, Terror und Verbrechen. Denn durch Jesu Auferstehung haben sie das letzte und schlimmste Mittel ihres Terrors und ihrer teuflischen Gewalt verloren: <strong><em>den Tod. <\/em><\/strong>Ja, weil Christus von den Toten auferstanden ist, darum sind doch Tod und Teufel <strong><em>\u00fcberwunden<\/em><\/strong>! Der Tod hat doch nun zu Ostern seine endg\u00fcltige drohende Macht verloren, weil allen, die Christus glauben, nun wirklich Leben zugesagt ist, <strong><em>ewiges Leben<\/em><\/strong>!<\/p>\n<p>Aber wie h\u00e4tten damals bereits am Ostermorgen die Frauen am leeren Grabe dieses g\u00f6ttliche Geheimnis begreifen k\u00f6nnen? Und wie h\u00e4tte die Gemeinschaft der ersten J\u00fcnger sich gleich von dieser Gewissheit tragen lassen k\u00f6nnen? Sie waren eben alle noch viel zu sehr mit sich selbst und ihren menschlichen Gedanken besch\u00e4ftigt, um Gottes Wirken und Leben wahrnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Umso wichtiger, dass jetzt all unsere menschliche Begrenztheit durcheinander gewirbelt wird, dass jetzt alle unseren gefangenen Gedanken und Gef\u00fchle befreit werden, wenn Jesus <strong><em>mitten unter uns<\/em><\/strong> tritt Dann h\u00f6rt alle Unsicherheit und Zaghaftigkeit auf, dann wei\u00df und f\u00fchlt es jeder ganz sicher, dass Gottes Liebe st\u00e4rker ist als der Tod, weil sie Christus durch allen Tod hindurchgezogen hat in das Leben. Dann wird es zur Lebensgewissheit, dass Gott den, der Christus vertraut und glaubt, genauso durch allen Tod hindurchziehen wird zum ewigen Leben in sein Reich. Und dann zieht er uns auch genauso hindurch durch alle kleinen Tode unseres Lebens, durch alle Schw\u00e4che und Dem\u00fctigung, durch alle Peinlichkeiten und Vergeblichkeiten unseres Lebens.<\/p>\n<p>Und wenn uns in g\u00f6ttlicher Geistesgegenwart, der Verstand stehen bleibt und wir uns nur noch freuen k\u00f6nnen, dann ist uns auch schon wie <strong><em>Auferstehung<\/em><\/strong>, dann ist uns auch schon das Neue, das ewig Lebendige versp\u00fcrbar nahe. Dann ist doch eigentlich Gottes ewiges Reich in unserem Herzen schon <strong><em>angebrochen<\/em><\/strong>! Und deshalb k\u00f6nnen wir dann in allen Schmerzen und Leiden, in allen Sackgassen und Fragen unseres Lebens ganz getrost sein. Denn mit Ostern beginnt Gottes ganz andere Lebenswelt unsere Lebenswelt schon wunderbar zu erf\u00fcllen! Wir m\u00fcssen hier nur dem Auferstandenen ganz konkret mit unserem Glauben begegnen, wir m\u00fcssen nur glauben, dass wir zu ihm geh\u00f6ren. Und dann k\u00f6nnen wir mit der ganzen Christenheit auf Erden fr\u00f6hlich sein und Gott loben und singen vom heutigen Ostertag bis in alle Ewigkeit.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Dr. Andreas Pawlas<br \/>\nEv.-luth. Kirchengemeinde Barmstedt<br \/>\nErlenweg 2<br \/>\n25365 Kl. Offenseth-Sparrieshoop<br \/>\n<a href=\"mailto:Andreas.Pawlas@web.de\">Andreas.Pawlas@web.de <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostermontag | 28. M\u00e4rz 2005 | Lk 24,36\u201345 | Andreas Pawlas | &#8222;Als die J\u00fcnger aber noch von ihm redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und f\u00fcrchteten sich und meinten, sie s\u00e4hen einen Geist. 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