{"id":10467,"date":"2005-04-07T19:49:15","date_gmt":"2005-04-07T17:49:15","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10467"},"modified":"2025-05-15T16:56:51","modified_gmt":"2025-05-15T14:56:51","slug":"hesekiel-341-31","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hesekiel-341-31\/","title":{"rendered":"Hesekiel 34,1\u20132.10\u201316.31"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><strong>Misericordias Domini | 10. April 2005 | Hesekiel 34,1\u20132.10\u201316.31 | <\/strong><strong>J\u00f6rg Egbert Vogel |<\/strong><\/h3>\n<p>Der Prophet Hesekiel schreibt:<br \/>\n<em>1 Und des HERRN Wort geschah zu mir:<\/em><br \/>\n<em>2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?<\/em><br \/>\n<em>10 So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren H\u00e4nden fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen.<\/em><br \/>\n<em>11 Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.<\/em><br \/>\n<em>12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es tr\u00fcb und finster war.<\/em><br \/>\n<em>13 Ich will sie aus allen V\u00f6lkern herausf\u00fchren und aus allen L\u00e4ndern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den T\u00e4lern und an allen Pl\u00e4tzen des Landes.<\/em><br \/>\n<em>14 Ich will sie auf die beste Weide f\u00fchren, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels.<\/em><br \/>\n<em>15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR.<\/em><br \/>\n<em>16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zur\u00fcckbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache st\u00e4rken und, was fett und stark ist, beh\u00fcten; ich will sie weiden, wie es recht ist.<\/em><br \/>\n<em>31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\ndie Worte der Propheten sind Ansagen des Willens Gottes an das Volk in einer bestimmten Zeit und einer bestimmten Situation. Im Falle des Propheten Hesekiel ist das Wort wohl an die Deportierten in der Babylonischen Gefangenschaft gerichtet. Es spricht also diejenigen an, die, so scheint es die \u00fcberwiegende \u00dcberzeugung des Volkes gewesen zu sein, durch das Verschulden der M\u00e4chtigen Israels, der <em>Hirten<\/em>, in diese schreckliche Situation der Vertreibung aus ihrer Heimat gekommen sind.<\/p>\n<p>Dabei wird in diesem Kapitel aus dem Gerichtswort am Anfang: <em>Weissage gegen die Hirten Israels \u2026 Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! \u2026 So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten,<\/em> aus diesem Gerichtswort wird dann eine Heilszusage, die im selben gleichnishaften Bildwort bleibt, aber nun Gott selbst als den Hirten beschreibt, der seine Herde, das Volk weidet, als guter Hirte, dem kein Schaf verloren geht, ja der die verstreuten Schafe wieder zusammenbringt: <em>Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zur\u00fcckbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache st\u00e4rken und, <\/em>(ganz besonders sch\u00f6n) <em>was fett und stark ist, beh\u00fcten; ich will sie weiden, wie es recht ist.<\/em><\/p>\n<p>Das Bildwort vom Verh\u00e4ltnis Gottes zu den Menschen, vom Hirten und seinen Schafen, kennen wir auch aus Psalm 23, <em>der Herr ist mein Hirte, er weidet mich auf einer gr\u00fcnen Aue,<\/em> vermutlich \u00e4lter als der Hesekieltext, und nat\u00fcrlich von Jesus, der es mehrfach gebraucht und nach dem Johannesevangelium auf sich selbst bezieht: <em>Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte l\u00e4sst sein Leben f\u00fcr die Schafe.<\/em><\/p>\n<p>Hesekiels Worte sind im 6. Jahrhundert vor Christus Trostworte f\u00fcr die heimatlosen Israeliten. Gott hat sie nicht vergessen, sagt er ihnen, er wird das, was die F\u00fchrer des Volkes vermasselt haben, wieder zurecht bringen. Gott selbst wird nun der Hirte des Volkes sein und <em>sie aus allen V\u00f6lkern herausf\u00fchren und aus allen L\u00e4ndern sammeln und sie in ihr Land bringen und sie weiden auf den Bergen Israels, in den T\u00e4lern und an allen Pl\u00e4tzen des Landes.<\/em><br \/>\nSo hat es Gott selbst zugesagt, das verspricht der Prophet seinen H\u00f6rern.<\/p>\n<p>Wir lesen heute das Prophetenwort Hesekiels als Wort Gottes, das auch an uns gerichtet ist. In unserer ganz anderen Zeit und Situation wollen wir versuchen Gottes aktuelle Botschaft an uns in diesen Worten zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Ich denke, es gibt mindestens zwei Bereiche, in denen dieses Wort heute von ebenso bedr\u00e4ngender Aktualit\u00e4t sein kann, wie zu Hesekiels Zeiten.<\/p>\n<p>Damals war es an die Verantwortungstr\u00e4ger des Volkes gerichtet, an die Politiker und Priester. Auch heute k\u00f6nnen wir es so h\u00f6ren, zumal man beim Bild von den Hirten und der Herde heute wohl sogar zuerst an die Beziehung von Pfarrer und Gemeinde denkt.<\/p>\n<p>Der Vorwurf Gottes an sie im Prophetenwort ist ein einziger: <em>So spricht Gott der HERR: Ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden.<\/em><\/p>\n<p>Die Hirten weiden sich selber, das ist der Vorwurf.<br \/>\nSie werden ihrer Aufgabe nicht gerecht, f\u00fcr die Menschen da zu sein, sondern sorgen nur noch f\u00fcr sich selbst, f\u00fcr ihre Zukunft, ihr Wohlbefinden und ihr Fortbestehen.<br \/>\nDas ist ein sehr hartes Wort und \u00fcberall gibt es diese Situationen in Staat und Wirtschaft und gesellschaftlichen Organisationen und auch in der Kirche, dass die Verantwortungstr\u00e4ger, die eigentlich f\u00fcr andere da sein sollten, in die eigene Tasche wirtschaften und ihren eigenen Vorteil suchen.<\/p>\n<p>Im Blick auf die Politiker und die Wirtschaftsbosse h\u00f6ren wir solche harschen kritischen Worte ganz gerne.<br \/>\nAls Worte an die Kirche, an Bisch\u00f6fe, Pfarrer und Kirchenvorst\u00e4nde schmerzen sie uns, greifen sie uns an und dr\u00e4ngen uns in die Defensive.<\/p>\n<p>Doch das Prophetenwort sagt uns etwas sehr Wichtiges: Jeder, der Verantwortung f\u00fcr eine Herde \u00fcbernommen hat, in Politik, Wirtschaft oder Kirche, muss sich immer wieder fragen und fragen lassen, ob er dieser Verantwortung gerecht wird, ob er die Schafe recht weidet, oder ob er sich nur selber weidet.<br \/>\nBin ich f\u00fcr die da, die mir anvertraut sind? Gehe ich richtig um mit den Ressourcen, f\u00fcr die ich verantwortlich bin?<\/p>\n<p>Der Hirtenstab ist das Insignum der Bisch\u00f6fe des Mittelalters. Damit beziehen sie sich, und in der katholischen Tradition bis heute, in ihrer Amtsf\u00fchrung auf das biblische Bild des Hirten und der Herde.<br \/>\nIn der evangelischen Tradition ist zumindest dieses Bild fest verwurzelt, auch wenn unsere Bisch\u00f6fe den Stab nicht tragen.<br \/>\nDeshalb muss die Stimmigkeit dieses Bildes auch permanent hinterfragt werden.<br \/>\nDabei d\u00fcrfen wir jedoch nicht bei dem Gerichtswort des Hesekiel verharren. Es f\u00fchrt schliesslich in eine grossartige Heilszusage.<br \/>\nGott selber wird der Hirte sein, der uns recht weidet.<\/p>\n<p>Das bedeutet einerseits, dass Gott selbst uns zeigt, was es heisst, ein rechter Hirte zu sein, und andererseits ist es eine Entlastung der irdischen Hirten, wenn sie wissen, sie sind letztlich auch nur Teil der Herde, f\u00fcr die Gott selbst die Verantwortung \u00fcbernimmt. Wir k\u00f6nnen bestenfalls Unterhirten sein, die sich vor dem Oberhirten, Gott, zu verantworten haben.<\/p>\n<p>Und schliesslich ist das Prophetenwort vor allem Trostwort an die Gefangen, das ihnen sagt, eure F\u00fchrer haben versagt. Vertraut euer Leben in Zukunft nicht mehr F\u00fchrern an, die Hirten sind, die sich selber weiden, sondern vertraut auf Gott. Menschen k\u00f6nnen euch entt\u00e4uschen oder sogar Schaden zuf\u00fcgen, Gott nicht, er kann, wie Isaak von Ninive im 7. Jahrhundert sagte, nur seine Liebe schenken, Gott kann nur lieben.<br \/>\nEr kann euch nicht entt\u00e4uschen oder euch Schaden zuf\u00fcgen, er ist der wahrhaft gute Hirte.<\/p>\n<p>Hesekiels Trostwort ist auch Anrede Gottes an uns in unserer ganz anderen Zeit und Situation. Es sagt auch uns heute, hinterfragt euch als menschliche F\u00fchrer, fragt euch kritisch, ob ihr euch selber weidet oder wirklich eurer Verantwortung gerecht werdet. Und es sagt uns: Vertraut auf Gott, er f\u00fchrt uns zur\u00fcck, wenn wir uns verirrt haben, er verbindet unsere Wunden, er st\u00e4rkt uns, wenn wir schwach sind. Denn er sagt uns:<br \/>\n<em>Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pf. J\u00f6rg Egbert Vogel, Basel<br \/>\n<a href=\"mailto:j.e.vogel@gmx.ch\">j.e.vogel@gmx.ch <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Misericordias Domini | 10. 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