{"id":10470,"date":"2005-04-07T19:49:22","date_gmt":"2005-04-07T17:49:22","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10470"},"modified":"2025-05-15T17:18:57","modified_gmt":"2025-05-15T15:18:57","slug":"johannes-1633","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1633\/","title":{"rendered":"Johannes 16,16.20\u201323a"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Jubilate | 17. April 2005 | Johannes 16,16.20\u201323a | Christian Tegtmeier |<\/h3>\n<p>Christliche Freude am Leben schlie\u00dft die Geburtswehen mit ein. \u2013So m\u00f6chte ich die frohe Botschaft unseres Sonntages umschreiben, die beim Evangelisten Johannes \u00fcberliefert ist. Dort hei\u00dft es:<\/p>\n<p>-Predigttext verlesen \u2013<\/p>\n<p>Was uns der Evangelist in den Abschiedsreden Jesu \u00fcberliefert, liebe Gemeinde, sind Gedanken, die sich auf das Geschehen von Karfreitag bis Ostern beziehen. Sie greifen weiter, schenken uns Christen Freude, wenn wir unter den Umst\u00e4nden unseres Lebens und dieser Welt allen Anlass zum Lachen verloren haben. Sie verweisen auf die Leidenserfahrung Jesu und nehmen sie als Tatsachen hin. Sie leugnen nicht, wie heute gern gesagt und schon gepredigt, das Leiden des Erl\u00f6sers und seinen Tod, sie reden nicht und bleiben nicht in Vermutungen, sondern akzeptieren Kreuz und Auferstehung als reale Begebenheiten im Wirken Jesu.<\/p>\n<p>Johannes berichtet, Jesus habe im Blick auf seinen Abschied zu den J\u00fcngern davon gesprochen, dass sie ihn eine kurze Zeit noch schauen werden, dann aber nicht. Und wiederum wird er sp\u00e4ter wieder von ihnen gesehen werden. Sie werden traurig sein und weinen und klagen, ehe sich diese Trauer in \u00fcberschw\u00e4nglichen Jubel und gro\u00dfe Freude wandeln wird und sie dann singen beginnen:<\/p>\n<p align=\"center\">\u201eJauchzet, Gott, alle Lande!<br \/>\nLobsinget zu Ehren seinem Namen, r\u00fchmet ihn herrlich!<br \/>\nSprechet zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!\u201c<\/p>\n<p>Vor dem Jubel steht der Karfreitag mit Leid und Tod am Kreuz, Schande und Hohn und Spott. Die J\u00fcnger sind entsetzt und mutlos geworden, finden sich in ohnm\u00e4chtiger Trauer wieder. Mit der Grablegung am Tage darauf verl\u00e4sst Jesus ihre sichtbare Welt. Das, was ihnen Halt und Trost gab, ist zerbrochen. Das Band der Liebe, das Wirken und die Herrlichkeit ihres Herrn wird durch die Schatten des Todes und ihrer Trauer verdunkelt.<\/p>\n<p>Nach drei Tagen, einer relativ kurzen Zeit, begegnen zwei J\u00fcnger pl\u00f6tzlich und \u00fcberraschend auf dem Weg nach Emmaus dem Auferstandenen. Und auch im Kreis aller J\u00fcnger ist er mitten unter ihnen &#8211; er lebt! Selbst den ungl\u00e4ubigen Thomas \u00fcberw\u00e4ltigt die Gegenwart seines Herrn. Jetzt sehen sie ihn wieder, erkennen in ihm den Anderen, den, der umfangen ist von der Herrlichkeit und dem Licht des Vaters. Freude und Zuversicht erf\u00fcllt ihre Herzen.<\/p>\n<p>Das war keineswegs im Horizont ihrer Erwartungen, deshalb blieben ihnen vor Ostern die Worte Jesu verschlossen und fremd. Trauer hatte sie ber\u00fchrt, Hoffnung g\u00e4nzlich verlassen. Und nun werden Tr\u00e4nen in Freude und Lachen verwandelt. Sie f\u00fchlen sich nach den schweren, d\u00fcsteren Tagen wie von neuem geboren. So schwer waren diese Tage zu ertragen, das Jesus sie mit den Stunden der Geburt vergleicht: Am Ende der Schmerzen und nach dem Leid der Stunden der Geburt stehen das \u00fcbergro\u00dfe Gl\u00fcck und die Freude \u00fcber ein neugeborenes Menschenkind, und dieses Gl\u00fcck l\u00e4sst die Mutter alle \u00c4ngste und N\u00f6te vergessen.<br \/>\nChristliche Freude am Leben schlie\u00dft die Geburtswehen mit ein!<\/p>\n<p>Daraus sch\u00f6pfen wir Christen unsere Hoffnung, das ermutigt uns, auch unter den schwierigen Umst\u00e4nden, die ein Menschenleben begleiten oder pr\u00e4gen, den Mut nicht zu verlieren. Denn die Freude der J\u00fcnger war so \u00fcberw\u00e4ltigend, dass wir kaum eine Ahnung haben, wie sie ausgelebt wurde. Wir wissen nur, dass diese Freude tief im Herzen sa\u00df, tief im Glauben Wurzeln schlug und zum Leben befreite. Daran k\u00f6nnen wir teilhaben, denn wir sind getauft und glauben, dass Jesus Christus unser Herr und Erl\u00f6ser ist.<\/p>\n<p>Ein Lesezeichen unbekannter Herkunft begleitet mich bei der Bibellese, liebe Gemeinde. Es hat Worte und Zeichen: ein Kreuz und eine Krone. Dar\u00fcber und dazwischen stehen die Worte \u201eohne\u201c und \u201ekeine\u201c. Das Kreuz wird am Schaft von gr\u00fcnen Zweigen umrankt. Durch das Lesen unseres Evangeliums wird mir die Botschaft des Zeichens bewusst und verst\u00e4ndlich:<\/p>\n<p align=\"center\">\u201eOhne Kreuz keine Krone\u201c.<\/p>\n<p>Ohne Kreuz keine Krone, das meint: wer in sich geht, seine Schuld bekennt und b\u00fc\u00dft, der erlebt die Freude, wiedergeboren zu sein, zu denen gez\u00e4hlt zu werden, die Gottes Gnade erl\u00f6st hat.<\/p>\n<p>Das mag f\u00fcr moderne Ohren unerwartet klingen, liebe Gemeinde, doch so wie wir es im Alltag erwarten und hoffentlich praktizieren, dass da, wo jemand etwas falsch gemacht hat und seine Fehlleistung einsieht, ihn das schlechte Gewissen plagt und er nur dann zu einer Unbeschwertheit zur\u00fcckfinden kann, wenn er sich auf den Weg macht, den Verletzten, den Beleidigten, den Leidenden um Verzeihung bittet, sich entschuldigen will und kann \u2013 so wird es auch im Verh\u00e4ltnis zu Gott sein.<\/p>\n<p>Mitunter ist die tr\u00e4nenreichste Arbeit der Vergebung das Ringen mit sich selbst, das Eingestehen der eigenen Schuld oder eines Verhaltens, mit dem ich bewusst oder unbewusst andere beleidigt, verletzt oder gedem\u00fctigt habe. Kann ich mich im tiefsten Innern davon \u00fcberzeugen, dass ich gefehlt habe, dann weichen die Tr\u00e4nen der Reue der Freude einer erbetenen Vergebung, dann sp\u00fcre ich die mir gew\u00e4hrte Gnade und Chance zur Umkehr, f\u00fcr einen neuen Anfang meines Lebens oder f\u00fcr die Gemeinschaft anderer mit mir.<\/p>\n<p>Gleiches gilt f\u00fcr mein Verh\u00e4ltnis zu Jesus Christus.<\/p>\n<p>Bin ich bereit, mein Versagen und meine Gottesferne seiner G\u00fcte und Liebe gegen\u00fcber einzugestehen und wie der Z\u00f6llner zu beten und zu bitten: \u201eGott sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig!\u201c, dann erfahre ich das Licht seiner Vergebung, sp\u00fcre die Huld und Freude von meiner Schuld erl\u00f6st zu sein.<\/p>\n<p>Ohne Kreuz keine Krone: das meint auch dies:<\/p>\n<p>Wer in der Anfechtung Tr\u00e4nen vergoss, dem wird die Freude der Erl\u00f6sung widerfahren. Ich begegne Menschen, die ungewollt von Herausforderungen und Schwierigkeiten gepeinigt werden:<\/p>\n<p>Da ist der Mann, der trocken geworden ist und keinen Tropfen Alkohol anr\u00fchren will und soll und darunter leidet, dass seine Freunde ihn deshalb necken und verf\u00fchren wollen: \u201eEin Gl\u00e4schen in Ehren kann niemand verwehren!\u201c Hart und schwer ist es dann, standhaft zu bleiben, der Versuchung nicht zu erliegen.<\/p>\n<p>Da ist die alte Frau, die ihre Enkel, die sie liebt und die ihrem Leben Licht und Freude bereiten, nicht sehen darf, denn die Kinder werden bewusst von ihr ferngehalten und sogar gegen sie aufgewiegelt.<\/p>\n<p>Wer kann das auf Dauer ertragen? Wen \u00fcberkommt da nicht Bitterkeit oder Resignation? Wessen Liebe erkaltet da nicht?<\/p>\n<p>Dann hilft es, zu wissen, dass Tr\u00e4nen sich in Freude verwandeln, wenn ich den Weg der Liebe und der G\u00fcte um Gottes Willen weitergehe, wenn ich mich allen Widrigkeiten zum Trotz getragen wei\u00df vom Kraftfeld der Liebe Gottes und mir dieses Wissen wichtiger ist, als ein augenblicklicher Erfolg oder ein Sieg nach Punkten \u00fcber die Menschen, die es mir schwer machen wollen.<\/p>\n<p>Ich erinnere an junge Menschen, die glauben wollen, die ihren Weg zu Jesus Christus suchen und von Gleichaltrigen verspottet und von Erwachsenen abgewiesen werden, denen gar die Kirche als Institution befremdlich erscheint. Und dennoch bleiben sie treu in der Suche, in ihrem Glauben, in der Gemeinschaft. Sie wollen tiefer schauen als nur auf die Oberfl\u00e4chlichkeit heutiger Teenager-Kultur, wollen zum Kern des Gl\u00fccks und des Lebens vorsto\u00dfen.<\/p>\n<p>Ohne Kreuz keine Krone.<\/p>\n<p>Manchmal begegne ich Menschen, die das Sterben ungerecht finden, besonders ein Sterben mit Schmerzen und \u00c4ngsten, mit langer Zeit im Krankenhaus oder im Hospiz. Sie meinen, wer gut und gl\u00fccklich gelebt hat und niemandem etwas zu Leide tat, der d\u00fcrfe am Ende selbst nicht so leiden. Sie klagen Gott an, dem sie sonst kaum Glauben und Achtung schenken. Doch wer hat gesagt, dass Sterben immer rasch und einfach, ohne Schmerzen ginge \u2013 so unbewusst, wie das Geborenwerden, an dessen Schmerzen sich nur die Mutter bewusst erinnern kann? Erst durch Schmerzen und \u00c4ngste um Leben und Tod gelange ich gel\u00e4utert ins Licht des neuen Lebens, wenn ich glaube.<\/p>\n<p>Schauderhaft ist der Tod der Menschen, die sich ihres Lebens mit Schuld, S\u00fcnde, Tod und Teufel erinnern und sich nun fragen m\u00fcssen, ob sie Halt und Zuspruch, Vergebung und Gerechtigkeit erlangen oder ob sie namenlos verloren gehen, ihren Lohn bereits erhalten haben.<\/p>\n<p>Die Krone des Lebens steht dem zu, der treu bat und seiner Schuld bewusst, Gott um Vergebung bat.<\/p>\n<p>Ohne Kreuz keine Krone \u2013 hie\u00df es auf dem Lesezeichen. Viele singen gerne:<\/p>\n<p align=\"center\">\u201eIn dir ist Freude, in allem Leide\u201c<\/p>\n<p>und bekennen:<\/p>\n<p align=\"center\">Christliche Freude am Leben schlie\u00dft die Geburtswehen mit ein.<\/p>\n<p align=\"center\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Christian Tegtmeier<br \/>\n<a href=\"mailto:310042727065-0001@T-Online.de\">310042727065-0001@T-Online.de <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jubilate | 17. April 2005 | Johannes 16,16.20\u201323a | Christian Tegtmeier | Christliche Freude am Leben schlie\u00dft die Geburtswehen mit ein. \u2013So m\u00f6chte ich die frohe Botschaft unseres Sonntages umschreiben, die beim Evangelisten Johannes \u00fcberliefert ist. 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