{"id":10481,"date":"2005-04-07T19:49:23","date_gmt":"2005-04-07T17:49:23","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10481"},"modified":"2025-05-15T20:17:44","modified_gmt":"2025-05-15T18:17:44","slug":"johannes-16-5-15-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-16-5-15-6\/","title":{"rendered":"Johannes 16, 5-15"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Kantate | 24. April 2005 | Johannes 16,5\u201315 | Hanne Sander |<\/h3>\n<p>Sollte jemand den Text schwer verst\u00e4ndlich finden, so kann ich dem nur zustimmen. Der Evangelist Johannes, der ihn geschrieben hat, ist nicht leicht zu verstehen, und es kommt noch hinzu, da\u00df wir mitten in eine Rede hineinkommen, weil wir nur einen kleinen Teil einer Rede geh\u00f6rt haben, die sich \u00fcber drei Kapitel erstreckt.<\/p>\n<p>Man mu\u00df sich Johannes vorstellen, der das Evangelium geschrieben hat. Man rechnet damit, da\u00df es um das Jahr 90 geschrieben ist, also etwa 60 Jahre nach dem Tod Jesu. Das ist, wie wenn jemand heute aus der Zeit von 1915-45 erz\u00e4hlen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>An Ende seines Lebens lebte Johannes auf der griechischen Insel Patmos &#8211; und nun sitzt der alte Johannes und schreibt die Geschichte von Jesus nieder, so wie er sie geh\u00f6rt und verstanden hat.<\/p>\n<p>Und die Geschichte mu\u00df notwendigerweise von hinten geschrieben werden. Wir gehen davon aus, da\u00df Johannes einer der zw\u00f6lf J\u00fcnger war, und im Lichte des Todes und der Auferstehung Jesu ruft Johannes das Leben Jesu in Erinnerung, um selbst zu verstehen, was es f\u00fcr ihn bedeutet hat. Dann will er es niederschreiben und so anderen weitergeben.<\/p>\n<p>Und wenn er nun zur\u00fcckdenkt, dann ist es verst\u00e4ndlich, da\u00df es auch den J\u00fcngern schwer fiel zu verstehen, was Jesus meinte, als er sich von ihnen verabschiedete.<\/p>\n<p>Wie konnte er meinen, da\u00df es f\u00fcr sie das Beste sei, da\u00df er fortging? Johannes hatte es nicht selber miterlebt, aber er hatte im Evangelium von Matth\u00e4us gelesen, da\u00df da einmal eine Episode mit Petrus stattgefunden hatte, als Jesus davon sprach, da\u00df Ostern in Jerusalem f\u00fcr ihn Gefangennahme, Leiden und Tod bedeuten w\u00fcrde. Allein der Gedanke daran lie\u00df Petrus protestieren. Petrus konnte zu diesem Zeitpunkt \u00fcberhaupt nicht den Gedanken, da\u00df Jesus der Sohn Gottes war, damit verbinden, da\u00df er sterben sollte. Nein, als sie mit Jesus zusammenwaren &#8211; und davon \u00fcberzeugt waren, in ihm Gott selbst zu sehen, da\u00df er der Sohn Gottes war, da hatten sie sich vorgestellt, da\u00df Gott \u00fcber Niederlagen, Leiden und Tod erhaben sei. Jetzt aber im Nachhinein kann Johannes sehr wohl sehen, wie wenig sie eigentlich vom Wesen Gottes verstanden hatten, als Jesus lebte. Da\u00df Gott und Jesus zwei Seiten ein und derselben Sache waren, das ging ihnen erst allm\u00e4hlich nach dem Tode Jesu auf. Und so gesehen konnte Johannes gut verstehen, da\u00df Jesus sterben mu\u00dfte, damit die J\u00fcnger und alle anderen Menschen verstehen konnten, da\u00df die Liebe Gottes zu den Menschen so gro\u00df war, da\u00df Gott den Menschen entgegenkommen w\u00fcrde und ihr Geschick teilen w\u00fcrde, auch wenn das Verfolgung und Tod bedeutete.<\/p>\n<p>Das kann Johannes jetzt sehr wohl sehen, da\u00df sie diesen Gedanken nicht ertragen konnten, als Jesus noch lebte und sie mit ihm zusammenwaren. Sie mu\u00dften das erst aus der Distanz sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gleich nach dem Tode Jesu hatten sie n\u00e4mlich gemeint, da\u00df der Tod ein Fiasko f\u00fcr Menschen und f\u00fcr Gott bedeutete. Sie hatten das Gef\u00fchl, Gott sei abwesend, er habe sie im Stich gelassen, und sie seien wieder sich selbst \u00fcberlassen. Aber dann hatten sie erlebt, da\u00df das Gegenteil der Fall war. Jesus war auferstanden und war bei ihnen in einer neuen Weise, und Gott war nah wie nie zuvor &#8211; und nun wu\u00dften sie, da\u00df nicht einmal der Tod Menschen von Gott trennen konnte, wenn Gott auch den Tod in sich tragen konnte.<\/p>\n<p>Wie aber soll man von dem Leben reden k\u00f6nnen, das ganz anders und neu geworden ist. Wie beschreiben wir selbst Erfahrungen, die wir gehabt haben, wenn wir sagen: Ich bin ein ganz neuer Menschen geworden.<\/p>\n<p>Der Prophet Jesaja gebraucht ein sehr starkes Bild, wenn er die Ver\u00e4nderung zu neuem Leben beschreiben will: Das ist, wie wenn man ein neues Herz bekommt, sagt er. Gott entfernt das Steinherz aus eurem K\u00f6rper und gibt euch ein Herz aus Fleisch &#8211; lebendig und beweglich.<\/p>\n<p>Genauso stark wird von Paulus erz\u00e4hlt, wie sich sein Leben ver\u00e4nderte. Das Harte in seinem Herzen verschwindet &#8211; und sein Leben erh\u00e4lt eine neue Richtung. Paulus ist ein Beispiel f\u00fcr einen Menschen, der von der Wahrheit \u00fcber sein Leben eingeholt und zu einem \u00fcberzeugten Christen wird. Paulus war daf\u00fcr bekannt gewesen, ein besonders eifriger Verfolger der Christen gewesen zu sein, aber er wird eines Tages von einem gewaltigen Licht \u00fcberfallen, w\u00e4hrend er unterwegs ist. Er kann \u00fcberhaupt nichts sehen und f\u00e4llt vom Esel &#8211; und dann h\u00f6rt er eine Stimme, die sagt: Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich? Dieses starke Erlebnis bedeutet, da\u00df Paulus drei Tage lang daniederliegt, wo er weder sehen, essen noch trinken kann. Er ist wirklich durch das Wort Gottes getroffen. Als drei tage vergangen sind, kommt jemand aus der christlichen Gemeinde, der Ananias hei\u00dft, und legt ihm seine H\u00e4nde auf, so da\u00df er wieder sehen kann. Und dann erhebt sich Paulus, wird getauft und beginnt wieder zu essen. Er steht fast auf vom Tode zu neuem Leben, und er ist davon \u00fcberzeugt, da\u00df Jesus, den er zuvor verfolgt hatte, der Sohn Gottes ist.<\/p>\n<p>Nun meine ich nicht, da\u00df alle so gewaltige Erlebnisse haben sollen. Aber wir k\u00f6nnen auch Augenblicke der Klarheit haben, wo uns wirklich ein Licht aufgeht, oder wo zu uns so geredet wird, da\u00df das Geh\u00f6rte f\u00fcr uns pl\u00f6tzlich \u00fcberzeugend wird und voll von Bedeutung.<\/p>\n<p>Johannes will gerne einen neuen Namen f\u00fcr die Klarheit oder Ergriffenheit finden, die wir erleben k\u00f6nnen &#8211; und er nennt es Tr\u00f6ster, den Tr\u00f6ster Gottes. Und er sagt schlie\u00dflich am Ende unseres Textes, da\u00df die Klarheit nicht auf einmal kommt. Sie ist stets auf dem Weg e zu uns.<\/p>\n<p>Die Wahrheit in unserem Leben und die Wahrheit \u00fcber unser Leben sind ein Proze\u00df. Und es gibt nur eine Art und Weise, in der wir herausfinden k\u00f6nnen, ob das Christentum das neue Leben enth\u00e4lt und die Ver\u00e4nderung des Herzens &#8211; und das ist so zu leben, als w\u00e4re es war, und es auf die Erfahrung ankommen lassen. Es mu\u00df sich im Leben eines jeden einzelnen Menschen bewahrheiten. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrerin Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2800 Gentofte<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 39 65 52 72<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:sa@km.dk\">sa@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kantate | 24. April 2005 | Johannes 16,5\u201315 | Hanne Sander | Sollte jemand den Text schwer verst\u00e4ndlich finden, so kann ich dem nur zustimmen. 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