{"id":10495,"date":"2005-05-01T19:49:21","date_gmt":"2005-05-01T17:49:21","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10495"},"modified":"2025-05-16T09:14:14","modified_gmt":"2025-05-16T07:14:14","slug":"lukas-111-4-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-111-4-2\/","title":{"rendered":"Lukas 11,1-4"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 align=\"left\">Rogate | 1. Mai 2005 | Lukas 11,1-4 | Christian-Erdmann Schott |<\/h3>\n<p align=\"left\">Liebe Gemeinde! Die Worte, die wir eben geh\u00f6rt haben, sind ein Teil der Antwort Jesu Christi auf die J\u00fcngerbitte \u201eHerr, lehre uns beten\u201c (Kap. 11,1). Damit meinen die J\u00fcnger: Lehre uns so beten, dass wir bei Gott geh\u00f6rt werden und eine positive Reaktion ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Die Antwort Jesu muss auf dem Hintergrund des Gesamtzeugnisses des Lukas und des Neuen Testamentes \u00fcberhaupt gesehen werden. Dann zeigt sich, dass sie drei auch f\u00fcr uns bleibend wichtige Hinweise enth\u00e4lt:<\/p>\n<p>Erstens: Wenn Eure Gebete dem allgemeinen Zustand der Welt gelten, solltet Ihr davon ausgehen, dass sie bereits erh\u00f6rt sind. Seit Jahrtausenden haben die Menschen unter dem Zustand der Welt gelitten. Ungerechtigkeit, Gottlosigkeit, L\u00fcge scheinen die Oberhand zu haben und immer schlimmer zu werden. Seit Jahrtausenden bitten die Menschen, Gott m\u00f6ge eingreifen und ein Zeichen seines Daseins, seiner N\u00e4he und Verbundenheit mit der Menschheit geben. Diese Bitten sind \u2013 und das ist der Hintergrund der Antwort Jesu &#8211; erf\u00fcllt.<br \/>\nIn Lukas 1 und 2, im Magnificat der Maria, in der Weihnachtsgeschichte mit der Botschaft der Engel, im Lobgesang des Simeon und der Hanna wird gesagt und besungen, dass das, \u201ewas der alten V\u00e4terschar h\u00f6chster Wunsch und Sehnen war, und was sie geprophezeit, ist erf\u00fcllt in Herrlichkeit\u201c (EG 12,2).<br \/>\nGott hat in der Person Jesu Christi das gro\u00dfe Zeichen daf\u00fcr gesetzt, dass er die Welt nicht aufgegeben hat; dass wir nicht Gott-los sind, sondern ihn \u201eUnser Vater\u201c nennen d\u00fcrfen und alles, was wir vorbringen und erbitten in diesem gro\u00dfen Rahmen des Welthandelns Gottes gesehen werden muss und auf der Grundlage einer gro\u00dfen Dankbarkeit geschehen kann. Wir d\u00fcrfen in seiner N\u00e4he leben und mit ihm sprechen.<br \/>\nDarum kann unser Beten auch eigentlich nur mit dem Lobpreis beginnen: \u201eDein Name werde geheiligt \u2013 Dein Wille geschehe \u2013 Dein Reich komme\u201c und setze sich bei uns weiter durch. (Lukas 11,2)<\/p>\n<p>Zweitens: Wenn Eure Gebete Eure pers\u00f6nliche Situation betreffen, k\u00f6nnt Ihr davon ausgehen, dass Gott Euch erh\u00f6ren und helfen wird. Dabei sollt Ihr Euch auch nicht dadurch entmutigen lassen, dass die Not \u2013 Krankheit, Arbeitslosigkeit, Angst, Sorge, Kinderlosigkeit, Einsamkeit \u2013 gro\u00df und die Lage aussichtslos scheint. Denkt daran, dass Gott Euer Vater ist oder auch \u2013 hier unser Evangelium &#8211; Euer guter Freund. Wenn schon ein menschlicher Freund hilft, weil Ihr nicht nachlasst mit Bitten, um wie viel mehr wird Gott auf Euer anhaltendes Gebet h\u00f6ren, sich erweichen lassen und helfen. Und wenn schon ein menschlicher Richter sich durch das unaufh\u00f6rliche Bitten einer schutzlosen Witwe erweichen l\u00e4sst, um wie viel mehr werdet Ihr Gott erweichen, wenn Ihr beharrlich bleibt. (Lukas 18,1-8). \u201eBittet \u2013 suchet \u2013 klopfet an\u201c \u2013 Gott ist Euch zugetan. Er wird Euch h\u00f6ren, \u201edenn er tut Wunder\u201c (Psalm 98,1).<br \/>\nDamit sind wir bei dem breiten Strom der Wundergeschichten im Neuen Testament. Etwa die H\u00e4lfte von ihnen ist als Gebetserh\u00f6rung konzipiert. Zum Beispiel die Geschichte von den Zehn Auss\u00e4tzigen mit der Bitte \u201eJesus, lieber Meister, erbarme dich unser!\u201c Oder die beiden Blinden, von dem Matth\u00e4us erz\u00e4hlt, die ihm nachfolgten und schrieen \u201eAch, du Sohn Davids, erbarme dich unser\u201c (Matth. 9,27). Die Wundergeschichten k\u00f6nnen und sollen uns ermutigen, auch in aussichtsloser Situation um ein Wunder bei uns zu bitten. Im Kern ist ohnehin jede Bitte um Hilfe, die wir an Gott richten, die Bitte um ein Wunder. Das d\u00fcrfen wir. Das sollen wir.<\/p>\n<p>Drittens: Wenn Ihr betet, m\u00fcsst Ihr Gott aber auch ernst nehmen und ihm zubilligen, dass er dar\u00fcber entscheidet, wie er Euch helfen will. Darum hei\u00dft es ja im \u201eVater Unser\u201c auch ausdr\u00fccklich \u201eDein Wille geschehe\u201c. Gerade das m\u00fcssen wir immer wieder lernen \u2013 wie es auch Jesus selbst lernen musste. Die Geschichte seines Betens in Gethsemane zeigt es. Auch er musste dahin kommen, sich in den Willen Gottes zu f\u00fcgen. Andererseits zeigt diese Geschichte aber auch, dass Gott auf seine, auf die ihm gem\u00e4\u00dfe Weise tats\u00e4chlich hilft: Er sandte zu Jesus Christus einen \u201eEngel vom Himmel\u201c, der ihn f\u00fcr seinen Leidensweg st\u00e4rkte (Lukas 22,43).<br \/>\nDarum ist es so wichtig, dass wir bei allem, was uns bewegt und bedr\u00fcckt, oder auch erfreut, die Bitte um den Heiligen Geist nicht vergessen. Darauf weist ja unser Evangelium auch hin (V.13) Wenn wir den Geist Gottes haben, werden wir lernen, auf die Zeichen zu achten, durch die Gott antwortet. Manchmal kann diese Reaktion Gottes eine Weile dauern. Aber das geduldige Warten auf die Hilfe Gottes hat schon bei manchen Menschen zu der Einsicht gef\u00fchrt, dass Gott sie besser verstanden hat als wir uns mitunter selbst verstehen und unsere Gebete \u2013 zu unserem Gl\u00fcck \u2013 nicht so erh\u00f6rt hat, wie wir sie meinten, sondern umgebogen hat. Das dankbar zu erkennen, ist Sache des Gottvertrauens und des Heiligen Geistes. Es hat Menschen gegeben, die dankbar f\u00fcr nicht erh\u00f6rte Gebete waren, weil sie erkannten, dass Gott die Dinge, die sie belastet haben, besser hinausgef\u00fchrt hat, als sie es selbst jemals gekonnt h\u00e4tten.<br \/>\nDer Heilige Geist macht aus den Christen \u00dcberlebensk\u00fcnstler \u2013 weil er uns die F\u00e4higkeit verleiht, das Gute, das Gott uns auf oft versteckte Weise zukommen l\u00e4sst, zu erkennen. Der Apostel Paulus hat das in die sch\u00f6nen Worte gefasst: \u201eWir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen\u201c (R\u00f6m. 8,28). So lange man diesen Durchblick noch nicht hat, kann man sich in prek\u00e4ren Situationen immerhin schon einmal f\u00fcr sich selbst und andere an den Volksmund halten und vertrauensvoll unterstellen: \u201eWer wei\u00df, wozu es gut ist\u201c.<\/p>\n<p>Wenn wir diese drei Hinweise, die Jesus Christus den J\u00fcngern auf ihre Bitte \u201eHerr, lehre uns beten\u201c gegeben hat, aufnehmen und umsetzen, werden wir erkennen, dass das wichtigste am Beten dieses ist: Dass wir mit Gott im Gespr\u00e4ch bleiben \u2013 so wie er mit uns im Gespr\u00e4ch ist. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Pfarrer em. Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nElsa-Braendstroemstr. 21<br \/>\nD-55124 Mainz (Gonsenheim)<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:ce.schott@surfeu.de\">ce.schott@surfeu.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rogate | 1. Mai 2005 | Lukas 11,1-4 | Christian-Erdmann Schott | Liebe Gemeinde! 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