{"id":10498,"date":"2005-05-01T19:49:17","date_gmt":"2005-05-01T17:49:17","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10498"},"modified":"2025-05-16T09:20:02","modified_gmt":"2025-05-16T07:20:02","slug":"1-koenige-8-22-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-koenige-8-22-28\/","title":{"rendered":"1. K\u00f6nige 8, 22-28"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><span style=\"color: #000099;\">Himmelfahrt | <\/span><span style=\"color: #000099;\">5. Mai 2005 | 1. K\u00f6nige 8, 22-28 |<\/span><span style=\"color: #000099;\"> Richard Engelhardt |<\/span><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Vom Profeten Elia wird berichtet, da\u00df er sich einmal ziemlich mutlos und offenbar der Verzweiflung sehr nahe in einer Bergh\u00f6hle verkrochen hatte und seinem Gott Jahwe sein Leid zu klagen versuchte. Er w\u00fcnschte sich sehnlichst die N\u00e4he und Geborgenheit Gottes. Da kam ein gewaltiger Sturm. Es kam ein erdbeben, das den Berg in seinen Grundfesten ersch\u00fctterte, aber Jahwe war nicht in dem Erdbeben. Es kam ein Feuer, aber jahwe war auch nicht in dem feuer. Dann kam ein stilles, sanftes Sausen, ein Nichts. In diesem stillen, sanften sausen h\u00f6rte Elia die Stimme jahwes, seines Gottes.<\/p>\n<p>Wo wohnt Gott? Kann man ihm ein festes Haus bauen? Das ist die Frage Salomos bei der Einweihung des von ihm gebauten Tempels.<\/p>\n<p>Aber erz\u00e4hlen wir von Anfang an: das Volk Israel hatte sich als einziges Volk weit und breit von der Vorstellung eines verf\u00fcgbaren Gottes losgesagt. Sein Gott Jahwe hatte keine Statuen und Bilder, keine heiligen Haine und keine heiligen Zeichen n\u00f6tig. Gewi\u00df, es gab ein paar Orte und Gegenst\u00e4nde, die die N\u00e4he Jahwes immer wieder in Erinnerung riefen, aber sie waren nicht gegenstand der Anbetung. Als wichtigstes Symbol dieses Erinnerns an die gro\u00dfen Taten Gottes und an den Bund, den er mit seinem Volk geschlossen hatte, gab es die Bundslade. Das war eine Art Truhe mit den Geboten Jahwes. In einem Zelt wurde sie aufbewahrt. Sie konnte bei Kriegsz\u00fcgen und Wanderungen mitgenommen werden. Durch die in ihr aufbewahrten Tafeln mit den Geboten gab sie dem Volk das Gef\u00fchl, Gott ist gegenw\u00e4rtig. Mehr und mehr wurde diese Lade auch zum Symbol f\u00fcr die Einheit des Volkes und den gemeinsamen Glauben an Jahwe.<\/p>\n<p>David, der gro\u00dfe K\u00f6nig Israels und Einiger der St\u00e4mme, kam auf den Gedanken, dieser Bundeslade einen festen und w\u00fcrdigen Platz zu bauen. Es sollte ein Haus werden, gr\u00f6\u00dfer und pr\u00e4chtiger als alles bisher gesehene. Es sollte ein Tempel werden zur Ehre Jahwes. Hier sollte Jahwe angebetet werden. Die Bundeslade mit der von Jahwe, dem einzigen Gott Israel, gegebenen Ordnung sollte im Mittelpunkt stehen. Und mit der Verehrung der Bundeslade sollte der Gott, der sich in der Geschichte Israel als der Herr erwiesen hatte, geehrt werden. Es sollte ein Haus Gottes werden.<\/p>\n<p>David lie\u00df Zedernholz aus dem Libanon beschaffen und Kupfer, Eisen und Steine, aber den Bau konnte er nicht beginnen. Blut, zu viel Blut klebte an seinen H\u00e4nden, hatte er in seinen Kriegen vergossen, als da\u00df er zu Gottes Ehre ein Haus buen konnte.<\/p>\n<p>Erst sein Sohn und Nachfolger auf dem K\u00f6nigsthron, Salomo, war w\u00fcrdig, den Tempel zu bauen. Und er machte sich ans Werk. Es wurde ein gro\u00dfartiger Bau, ein Tempel im Namen Jahwes. Dieser Tempel wird jetzt eingeweiht. Salomo redet dabei nicht das Volk an, sonden spricht vor dem Volk in einem gro\u00dfen Gebet mit Gott.<\/p>\n<p>Da wird er von der Gr\u00f6\u00dfe und Macht Gottes \u00fcberw\u00e4ltigt. Da sp\u00fcrt er, wie klein sogar dieser gro\u00dfe und pr\u00e4chtige Tempel vor Jahwe, seinem Gott, ist. Sein Stolz auf dieses machtvolle und herrliche Werk, das er da hat bauen lassen, zerschmilzt. \u201eSollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Der Himmel, ja das Weltall k\u00f6nnen dich nicht fassen \u2013 wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?\u201c So seine Erkenntnis, die er vor Gott tr\u00e4gt. Nur du, Gott, kannst diesem Haus einen Sinn geben, indem du dar\u00fcber wachst, was in diesem Haus geschieht, und die Gebete deines Volkes h\u00f6rst.<\/p>\n<p>\u201eSollte Gott wirklich auf Erden wohnen?\u201c In diesem Tempel, gebaut zu seiner Ehre und in sseinem Namen, hat er offenbar nicht gewohnt. Der Tempel wird zerst\u00f6rt. Die Bundeslade vernichten die Feinde. Erst viel sp\u00e4ter \u2013 als ds Volk aus der Gefangenschaft zur\u00fcckkehren kann \u2013 wird einneuer Tempel gebaut. Und wieder wird die Frage laut: \u201esollte Gott wirklich auf Erden wohnen?\u201c In diesem zweiten Tempel bleibt das Allerheiligste, der Ort, der einmal f\u00fcr die Bundeslade bestimmt war, leer. Ein leerer Raum f\u00fcr Gott. In diesem Raum darf nur der Hohepriester den Namen Gottes preisen. Und so, wie beim ersten Tempelbau Salomo zu Gott rufen kann: \u201eSo habe ich nun ein Haus gebaut dir zur Wohnung, eine St\u00e4tte, da\u00df du ewiglich dort wohnst.\u201c Ist dies auch ein starker Gedanke beim Bau des zweiten Tempels. Und so wie Salomo unsicher wird und fragt: \u201eAber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen?\u201c deutet der leere Raum f\u00fcr Gott darauf hin, da\u00df auch die Erbauer des zweiten Tempels diese zweifelnde Frage umtreibt.<\/p>\n<p>Diese beiden Gedanken, Gott einen Tempel, einen heiligen Raum zu schaffen und zugleich auch zu sp\u00fcren, da\u00df Gott nicht in einem von Menschen geschaffenen Raum Wohnung nehmen kann, bewegt auch die christliche Gemeinde von Anfang an.<\/p>\n<p>Da berichten uns die Evangelien: Petrus, Jakobus und Johannes, die drei J\u00fcnger haben ein besonders aufregendes Erlebnis mit Jesus. Er wird vor ihnen zu einer leuchtenden Gestalt, flankiert von Moses und dem Profeten Elia. Der erste Gedanke ist: Hier ist ein heiliger Ort. \u201eHerr hier ist gut sein. Willst du, so will ich hier drei H\u00fctten bauen.\u201c So fa\u00dft es Petrus in Worte. Ein faszinierender Gedanke: Es w\u00fcrde einen Ort geben, an dem Gott, durch Jesus Christus gegenw\u00e4rtig w\u00e4re. Dieser Gedanke vergeht den J\u00fcngern als sie die Stimme Gottes vernehmen. Es geht nicht mehr um den Ort als festen Punkt, zu dem man auch zur\u00fcckkehren kann. Jesus macht ihnen deutlich, da\u00df es eine Bewegung auf ein Ziel hin gibt, da\u00df sie einen Weg zu gehen haben. Dieser Weg ist nicht leicht. Leiden und Tod werden sie auf diesem Weg erfahren. Was sie auf diesem Weg h\u00e4lt, ist die Hoffnung, da\u00df am Ende der ewige Tod \u00fcberwunden ist und durch Jesus Christus die Auferstehung und das Lebenim Reich Gottes stehen.<\/p>\n<p>In der Folgezeit haben es die Christen auch immer einmal wieder versucht, heilige Orte, Orte der Gegenwart Gottes oder Jesu zu finden oder zu bauen. Aber trotz all der vielen Versuche, die pr\u00e4chtigsten Gottesh\u00e4user zu bauen, um Gott einen angemessenen Raum zu geben, immer wieder mu\u00df die christliche Gemeinde erkennen, Gott kann nicht an Orte, auch nicht an Zeremonien gebunden werden. Die \u00dcberlieferung von der Himmelfahrt Jesu macht dies deutlich. Und die Baumeister der wuchtigen romantischen Dome, der mit den k\u00fchnen B\u00f6gen in den Himmel strebenden gotischen Kathedralen oder der sich mit Deckengem\u00e4lden zum Himmel \u00f6ffnenden Barockkirchen haben dies sehr wohl verstanden und ihre Werke als Abbild des himmlischen Jerusalem oder als Symbole f\u00fcr die K\u00f6nigsherrschaft Gottes verstanden.<\/p>\n<p>Den J\u00fcngern, die ihrem Herrn nachsehen, vielleicht von Furcht und Staunen erf\u00fcllt, wird gesagt: \u201eWas steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.\u201c In einer anderen \u00dcberlieferung, die in den Evangelien nach Matth\u00e4us und Markus aufgeschrieben ist, sagt Jesus seinen J\u00fcngern als letztes Wort: \u201eGeht hin in alle Welt\u201c, lehrt alle V\u00f6lker, verk\u00fcndet die frohe Nachricht von der Liebe Gottes allen Menschen, tauft sie auf den Namen Gottes, der sich als der Vater, der Sohn und der Heilige Geist den Menschen kundtut.<\/p>\n<p>Salomo baute den Tempel, um den Namen Gottes zu verherrlichen. F\u00fcr die christliche Gemeinde steht fest, da\u00df nach Jesu Tod und Auferstehung und seiner Annahme durch Gott, durch die Taufe der Name Gottes verherrlicht wird.<\/p>\n<p>Nun sollen wir die Geschichte vom Tempelbau am Himmelfahrtstag im Gottesdienst bedenken. Wir sollen also diese alte Geschichte mit dem ziemlichen sperrigen Fest der Himmelfahrt Christi in eine Verbindung bringen. Ich denke mir, das kann nur \u00fcber die Frage Salomos gehen: \u201eSollte Gott wirklich auf Erden wohnen?\u201c und \u00fcber die Antwort, die die J\u00fcnger erhalten: Was seht ihr in den Himmel, geht hin. Oder \u2013 anders gesagt \u2013 es geht um die Frage: Brauchen wir Christen einen festen Ort, an dem auch Gott seinen Ort hat, um anzubeten und den Namen Gottes zu preisen?<\/p>\n<p>Der Verfasser des Hebr\u00e4erbriefes gibt eine Antwort. In dieser Antwort ist gleichzeitig die Botschaft dieser f\u00fcr uns manchmal sperrigen Geschichte von der Himmelfahrt Christi zusammengefa\u00dft: \u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir.\u201c<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor i. R. Richard Engelhardt<br \/>\nLotzestra\u00dfe 53<br \/>\n37083 G\u00f6ttingen<br \/>\nTel.: 0551-3706970<br \/>\nFax: 0551-3706962 <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Himmelfahrt | 5. Mai 2005 | 1. K\u00f6nige 8, 22-28 | Richard Engelhardt | Liebe Gemeinde! Vom Profeten Elia wird berichtet, da\u00df er sich einmal ziemlich mutlos und offenbar der Verzweiflung sehr nahe in einer Bergh\u00f6hle verkrochen hatte und seinem Gott Jahwe sein Leid zu klagen versuchte. Er w\u00fcnschte sich sehnlichst die N\u00e4he und Geborgenheit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15160,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14,1,2,727,375,157,853,114,923,349,109,1202],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10498","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-koenige","category-aktuelle","category-at","category-archiv","category-himmelfahrt","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-08-chapter-08-1-koenige","category-kasus","category-predigten","category-richard-engelhardt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10498","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10498"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10498\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24507,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10498\/revisions\/24507"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10498"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10498"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10498"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10498"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10498"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10498"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10498"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}