{"id":10503,"date":"2005-05-01T19:49:14","date_gmt":"2005-05-01T17:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10503"},"modified":"2025-05-16T09:33:56","modified_gmt":"2025-05-16T07:33:56","slug":"1-koenige-8-22-24-26-28-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-koenige-8-22-24-26-28-2\/","title":{"rendered":"1. K\u00f6nige 8, 22-24.26-28"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Freiluftgottesdienst | Himmelfahrt | 5. Mai 2005 | 1. K\u00f6nige 8,22\u201324.26\u201328 | Anne T\u00f6pfer |<\/h3>\n<p>Lesung: Apostelgeschichte 1, 1-10<br \/>\nPredigt: 1. K\u00f6nige 8, 22-24.26-28<\/p>\n<p><strong>Liebe Gemeinde!<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Auf und davon!<\/strong><br \/>\nHinaus ins Freie (bei Regen oder Sonnenschein). Gottesdienst einmal anders \u2013 f\u00fcr viele eine gute Erfahrung. Ich finde Gott eher im Wald als in der Kirche, so sagen manche. Und vielleicht sind ja auch F\u00f6rster die besseren Prediger und k\u00f6nnen noch viel mehr, als daf\u00fcr zu sorgen, dass wir heute Morgen hierhin kommen und hinfinden konnten. Wir k\u00f6nnten es ja einmal ausprobieren.<br \/>\nHimmelfahrt und \u00fcber uns ist der Himmel offen. Kein Dach weder als Schutz noch als Einengung. Ein Gottesdienst drau\u00dfen er\u00f6ffnet neue Perspektiven. Das Vertraute verlassen und zur\u00fccklassen, wenigsten heute einmal.<\/p>\n<p><strong>Auf und davon!<\/strong><br \/>\nDas gilt auch f\u00fcr Jesus. Aber es gilt in anderem Sinne als unser Spaziergang hierher zum Freiluftgottesdienst.<br \/>\nWeg ist er und jetzt zum zweiten Mal.<br \/>\nDas erste Mal waren sie traurig. Alles schien vorbei. Der Tote am Kreuz hatte alle Hoffnungen zunichte gemacht. Aber dabei blieb es nicht. Es ging weiter. Wunderbar und kaum zu glauben ist das. Neues Leben erblickt das Licht der Welt. Die totgeglaubte Hoffnung wird wieder lebendig. So kann es weitergehen. Aber nichts da.<br \/>\nAuch diese Zeit der Gewissheit hat ein Ende. Zum zweiten Mal verabschiedet sich Jesus von seinen Freundinnen und Freunden. Sie k\u00f6nnen ihn nicht festhalten. Er entzieht sich ihnen. Er tut dies aber nicht ohne ihnen etwas zu versprechen: <strong><em>Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein.<\/em><\/strong><em> Apg 1,8. <\/em>Das ist die Geschichte der Lesung, die von dem erz\u00e4hlt, was wir heute mit diesem Gottesdienst hier drau\u00dfen feiern. Voran wir uns erinnern, nach dessen Sinn wir fragen: Himmelfahrt!<br \/>\nSeit dieser Geschichte gilt f\u00fcr Jesus ein zweites Mal: Auf und davon!<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen Gott nicht, auch nicht in der Gestalt seines Sohnes, an uns binden. Wir k\u00f6nnen uns nicht in der Sicherheit w\u00e4gen: Hier ist er! Seht her und glaubt!<br \/>\nSo sehr wir das manchmal m\u00f6chten, k\u00f6nnen wir Gott nicht unserer Verf\u00fcgungsgewalt unterwerfen. Das l\u00e4sst Gott nicht mit sich machen. So k\u00f6nnen wir ihn nicht domestizieren, z\u00e4hmen, einsperren oder trainieren.<\/p>\n<p>Aber wir Menschen haben es immer wieder versucht. Wir wollen die Sicherheit, dass dieser Gott bei uns bleibt, dass wir seiner habhaft werden und bleiben. Das jede und jeder wei\u00df, wo dieser Gott zu finden ist. So wurde auch der Tempel gebaut, damals in Jerusalem. K\u00f6nig David wollte es schon und durfte es nicht. Sein Sohn Salomo, der den Glauben an den einen Gott mit menschlichem Nachsinnen, mit Weisheit verbinden konnte, baute das pr\u00e4chtige Haus. Ein Haus f\u00fcr Gott, ein Tempel aus edelsten Materialien nach einem genau festgelegten Bauplan.<br \/>\nEndlich konnte Israel mit anderen V\u00f6lkern und Religionen konkurrieren. Endlich hat auch Israel ein Haus, in dem Gott \u201ewohnt\u201c. Hier ist er greifbar, hier ist er zu finden.<\/p>\n<p>Doch schon fr\u00fch kommen Zweifel daran auf. Wir k\u00f6nnen sie nachlesen im Weihe-Gebet f\u00fcr den Tempel. Vom K\u00f6nig Salomo werden sie erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Lesung: 1. K\u00f6nige 8, 22-24.26-28<br \/>\n<em>22 Und Salomo trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine H\u00e4nde aus gen Himmel<br \/>\n23 und sprach: HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch untern auf Erden dir gleich, der du h\u00e4ltst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen;<br \/>\n24 der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erf\u00fcllt, wie es offenbar ist an diesem Tage.<br \/>\n26 Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast.<br \/>\n27 Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel k\u00f6nnen dich nicht fassen \u2013 wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?<br \/>\n28 Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du h\u00f6rest das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir:<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Das Haus, der Tempel ist fertig. Die Menschen freuen sich. Sie haben ihre Erwartungen, aber auch andere T\u00f6ne werden h\u00f6rbar. \u201aGeht das denn \u00fcberhaupt? Wo doch aller Himmel Himmel Gott nicht fassen k\u00f6nnen, wie sollte es dann dies Haus, diese Mauern, von Menschenhand gebaut?\u2019<br \/>\nKlingt hier die bittere Erfahrung an, die Jahre sp\u00e4ter wahr wird? Der Tempel zerst\u00f6rt durch die Babylonier. Steckt hinter der Frage: geht das \u00fcberhaupt, Gott ein Haus zu bauen, die Erkenntnis, dass selbst wenn der Tempel zerst\u00f6rt ist, Gott die Menschen dennoch nicht verl\u00e4sst egal, wo sie auch sind, egal wo sie auch beten und Gottesdienst feiern?<\/p>\n<p>Das eine ist so sehr erw\u00fcnscht: die Sicherheit der N\u00e4he Gottes!<br \/>\nDas andere ist so offensichtlich: wir k\u00f6nnen Gott nicht in Mauern einsperren!<br \/>\nUnd das ist drittens tr\u00f6stlich n\u00e4mlich dann, wenn es keine Mauern mehr gibt, in denen Gottesdienst gefeiert werden kann.<\/p>\n<p>So gut wie es ist, Orte zu haben, die uns und unserem Glauben gut tun, so richtig ist auch, dass wir die N\u00e4he Gottes nicht dahin zwingen k\u00f6nnen.<br \/>\nWir k\u00f6nnen sie nicht f\u00fcr unsere Gottesdienste erzwingen, ob wir sie in unseren Kirchen feiern oder auf dem Kirchentag oder wie heute hier im Wald.<br \/>\nAber: Gott hat seine Gegenwart versprochen \u2013 unabh\u00e4ngig von Orten und Pl\u00e4tzen, von Prunk und Pracht. Weltweit gibt es gen\u00fcgend christliche Gemeinden, die keine Geb\u00e4ude haben. Auch sie feiern Gottesdienste in Schulen und Scheunen, im Schatten von B\u00e4umen oder in Zelten, in Privath\u00e4usern oder an Stra\u00dfenecken.<br \/>\nTrotz des Baus des Tempels wird von Salomo erz\u00e4hlt, dass er das wei\u00df. Und er h\u00e4lt mit dieser Erkenntnis nicht hinterm Berg, selbst nicht bei dessen feierlicher Er\u00f6ffnung. Auch da geh\u00f6rt sie hin: die Feststellung, dass wir Menschen Gott weder festhalten noch einsperren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine gute Gelegenheit, sich dessen immer wieder bewusst zu werden, ist ein Ortswechsel f\u00fcr den Gottesdienst wie heute.<br \/>\nNat\u00fcrlich ist es gut, dass wir unsere Kirchen noch haben. F\u00fcr die meiste Zeit des Jahres ist es auch wesentlich angenehmer dort Gottesdienst zu feiern \u2026 wenn manche es auch da gerne noch w\u00e4rmer h\u00e4tten. In unseren Breiten ist der Freiluftgottesdienst einfach keine Ganzjahresvariante.<\/p>\n<p>Die Sicherheit von Mauern kann auch unser Denken und Glauben einschr\u00e4nken. Begrenzt durch Mauern wird unser Blick eingeschr\u00e4nkt. Gottesdienst kann zu diesem abgegrenzten Raum werden und hat er dann mit unserem Leben im Alltag wenig zu tun. Wenn ich Konfirmanden fragen, was denn zur Kirchengemeinde dazugeh\u00f6rt, dann kommen als erstes Antworten wie: die Kirche, gemeint ist das Geb\u00e4ude und der Gottesdienst am Sonntag und dann wird erst einmal \u00fcberlegt. Es dauert etwas und dann kommen auch andere Gedanken.<br \/>\nAber in einem Gottesdienst wie heute hier drau\u00dfen ist einfach mehr Raum, Anderes zu denken. Sich auf und davon zu machen, er\u00f6ffnet neue Sichtweisen.<\/p>\n<p>Jenseits der bekannten Mauern, im Gespr\u00e4ch auf dem Hinweg und dem R\u00fcckweg, beim W\u00fcrstchen oder Zucchini essen geschieht Begegnung auch mit Raum f\u00fcr Gedanken \u00fcber unseren Glauben. In der Begegnung von Menschen aus vier (f\u00fcnf) Kirchengemeinden k\u00f6nnen neue Kontakte entstehen.<br \/>\nSich auf und davon zu machen und das Versprechen Gottes \u00fcber allem \u2026 ich bin bei euch.<br \/>\nDer Himmel und aller Himmel Himmel k\u00f6nnen ihn nicht fassen. Aber die fehlende Sicherheit wird mit einem weit gr\u00f6\u00dferen Geschenk \u00fcbertroffen. Auch im Exil ist Gott bei seinem Volk Israel geblieben. Auch nach Himmelfahrt weht Gottes Geist auf Erden, da wo er will (auch au\u00dferhalb der Kirchen- und anderer Mauern).<br \/>\nVielleicht musste er sich ja auf und davon machen, um uns zu zeigen, dass er<br \/>\n<strong>Immer und \u00fcberall<\/strong> zu finden ist.<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Anne T\u00f6pfer<br \/>\nSteffensweg 65<br \/>\n37120 Bovenden<br \/>\n<a href=\"mailto:annetoepfer@t-online.de\">annetoepfer@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freiluftgottesdienst | Himmelfahrt | 5. Mai 2005 | 1. K\u00f6nige 8,22\u201324.26\u201328 | Anne T\u00f6pfer | Lesung: Apostelgeschichte 1, 1-10 Predigt: 1. K\u00f6nige 8, 22-24.26-28 Liebe Gemeinde! Auf und davon! Hinaus ins Freie (bei Regen oder Sonnenschein). Gottesdienst einmal anders \u2013 f\u00fcr viele eine gute Erfahrung. 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