{"id":10512,"date":"2005-05-07T19:49:24","date_gmt":"2005-05-07T17:49:24","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10512"},"modified":"2025-05-16T09:55:54","modified_gmt":"2025-05-16T07:55:54","slug":"johannes-16-5-15-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-16-5-15-5\/","title":{"rendered":"Johannes 16, 5-15"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Pfingstsonntag | 15. Mai 2005 | Johannes 16,5\u201315 | Reinhard Weber |<\/h3>\n<p><strong>Der pfingstliche Geist \u2013 die abwesende Anwesenheit Jesu <\/strong><\/p>\n<p>Seit den Zeiten der Alten Kirche wird im Verfolg des Kirchenjahres mit dem Sonntag Kantate das Thema des Geistes wach; seitdem geht es zentral um den Parakleten, den Tr\u00f6ster, wie Luther etwas vereinseitigend und unzureichend \u00fcbersetzt hat. Und das treibt dann auf den Kulminationspunkt an Pfingsten zu, wo der Geist als solcher zur Sprache und zur Wirkung kommt. Dabei wird das Thema wach in der Trauer, in dem Gef\u00fchl, in dem Bewu\u00dftsein der Entbehrung Jesu. Das ist sein genuiner, sein urspr\u00fcnglicher Ort. Das Entbehren Jesu im Kreise seiner Anh\u00e4nger, sein Nicht-mehr-dabei-Sein, seine Abwesenheit, sein Weggang von der Erde, darum geht es zun\u00e4chst, wenn vom Geiste geredet wird. In diesem Kontext und mit Blick auf diesen Augenblick f\u00e4ngt Jesus an, vom Geist zu reden. Und im Grunde sind ja die ganzen Abschiedsreden, die im Johev einen so wesentlichen Teil des ganzen Evangeliums ausmachen und in deren Zusammenhang unser Predigttext \u00fcberliefert ist, geradezu um dieses Thema herumgeschrieben. Und eigentlich ist das auch bei Paulus so, da\u00df dieser Jesus nicht greifbar ist, keine sinnliche Realit\u00e4t hat, da\u00df wir ihn ach dem Fleische nicht mehr kennen, da\u00df er uns so nicht mehr zuhanden ist (2. Kor 5,16).<\/p>\n<p>Die J\u00fcnger damals wie alle Christen seither m\u00fcssen ohne die lebendige, vitale, unmittelbare Gegenwart des Herrn auskommen. Er ist nicht mehr da! Das gilt sp\u00e4testens seit Himmelfahrt. Mit Pfingsten aber beginnt ein neues Zeitalter, beginnt das christliche Zeitalter.<\/p>\n<p>Das ist als solches weithin selbst in Kirche und bis heute hin nicht wirklich realisiert, da\u00df wir n\u00e4mlich nicht im Zeitalter Jesu leben und auch nicht im Zeitalter des Gottes Israels, sondern im Zeitalter des Geistes: das ist das Problem der Kirche \u2013 dieses Nichtrealisieren des dritten Zeitalters, da\u00df also die Kirche nicht ernstmacht mit dem Geist, mit der praesentia divina, der Gottesgegenwart als Geist: sie lebt weithin in der Geistvergessenheit, und da \u00e4ndert auch das ganze aktuelle Getue und Gemache mit der sog. Spirituali\u00e4t nichts dran. Im Gegenteil, manchmal kann man geradezu sagen, je mehr Spiritualit\u00e4t, desto weniger Geist!<\/p>\n<p>Der Zugang zum Geist geschieht nach dem NT n\u00e4mlich \u00fcber die Entbehrung Jesu, und f\u00fcr die Evangelischen, die Protestanten ist das am schwersten, weil da auch das Pochen auf die Bibel als dem papierenen Papst, das dem Protestantismus seit Luther so nahegelegen hat und eigent\u00fcmlich geworden ist, gar nichts n\u00fctzt, so wenig wie den Papisten die Berufung auf den Papst.<\/p>\n<p>Der Pfarrer steigt am Sonntag auf die Kanzel, legt die Bibel vor sich aufs Pult und dann ist der Geist da, f\u00e4hrt in ihn&#8230;, mitnichten. Mit dem Bibelbuch kann man einen auf den Kopf hauen, aber dadurch f\u00e4hrt noch lange nicht der Geist in ihn. So geht das eben gerade nicht, meistens jedenfalls nicht. Charismatisch-pfingstlicher Enthusiasmus oder t\u00e4uferischer Spiritualismus oder fundamentalistischer Biblizismus, sie sind auch kein Ausweg aus dieser Verlegenheit, da\u00df man den Geist eben nicht herbeizitieren kann, auch nicht durch die Berufung auf die Bibel als \u00e4u\u00dferes Wort oder auf das innere Licht, das lumen internum, nein, hier wird in einer Art Gewaltakt, der aus der Verlegenheit der Nichtanwesenheit, der Ungreifbarkeit Jesu resultiert, die eigentliche Schwierigkeit \u00fcbersprungen: die Not des \u00dcbersetzungsvorgangs, durch den 2000 Jahre zu \u00fcberbr\u00fccken sind, und die Bibel als solche ist eben nicht identisch mit dem Geist; sie kann so sehr wie die Berufung auf den Papst oder das Lehramt oder die Konzilien oder die Bekenntnisschriften in die Irre f\u00fchren und zu einer schweren Gef\u00e4hrdung werden durch die Behauptung vordergr\u00fcndiger Geistpr\u00e4senz, durch die Identifikation mit diesen Vermittlungsgr\u00f6\u00dfen. So aber kann der abwesende Jesus gerade nicht vergegenw\u00e4rtigt werden. Der Geist l\u00e4\u00dft sich auch institutionell nicht absichern, nicht versinnlichen. Deshalb ist die Abdr\u00e4ngung des Geistes \u00fcblich geworden mit der Folge des Verl\u00f6schens des Geistes, er ist in der Kirche weithin begraben und tot oder eben aufgel\u00f6st in diese allf\u00e4lligen billigen Scharm\u00fctzel mit dem und Anbiederungen an den Zeitgeist, wie sie heute weithin g\u00e4ngig geworden sind und wo man dann meint, man geht ja mit dem Geist der Zeit, man ist ja auf der H\u00f6he, man kann ja mitmachen, man wird wahrgenommen, man ist genehm und gegenw\u00e4rtig, aktuell. Nun, der Paraklet ist das nicht, was da heute feilgeboten wird. Jesus ist seit Himmelfahrt nicht mehr da, da helfen auch keine Visionen oder Enthusiasmiertheiten oder Werbefeldz\u00fcge oder Beratungsfirmen oder diakonische Aktionen o.\u00e4. So ist er weder wieder lebendig zu machen noch herbeizuzwingen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Pfingsten, das Kommen des Geistes, ist also nach unserem Text die erste Voraussetzung: Jesus ist nicht mehr da, er mu\u00df weg, wenn denn der Geist soll kommen k\u00f6nnen! Das ist die Grundvoraussetzung. Jesus mu\u00df erst weg, erst dann kann mit dem Geist eine neue Epoche beginnen. Als Jesus dieses Kommen nach seinem Weggang ank\u00fcndigt, nennt er drei Punkte, drei Aufgaben des Geistes, und um die geht es im Text, wenn vom Geist geredet wird: \u00dcberf\u00fchrung von S\u00fcnde, Gerechtigkeit und Gericht. Das ist die Dreifaltigkeit des Geistes:<\/p>\n<p><em> Erstens<\/em> , S\u00fcnde hei\u00dft, da\u00df die Welt nicht an Jesus glaubt, hei\u00dft Unglaube, Abfall von Jesus; S\u00fcnde ist also nicht moralisch-sittlich zu verstehen, das Moralisch-Sittliche ist lediglich eine blo\u00dfe Folgeerscheinung; S\u00fcnde ist prim\u00e4r ein transmoralischer Sachverhalt, ist das Verlassen Jesu; S\u00fcnde ist Sonderung, ist Getrenntsein vom Leben als von seinem Ursprung, also von Gott, so wie er in Jesus da ist; Unglaube ist: ohne diesen Gott in der Welt zurechtkommen wollen, und das geht ja auch in der Regel ganz gut, meist besser als in seiner N\u00e4he; aber es ist die S\u00fcnde, die Sonderung, das Alleinsein, das Wegsehen von ihm, ist das Mi\u00dfachten Jesu. Das ist die erste Funktion des Geistes, des pfingstlichen: uns dessen zu \u00fcberf\u00fchren, unseren prometheischen Unglauben offenbar zu machen! Unsere Abgewandtheit von diesem Gott in Jesus.<\/p>\n<p><em> Zweitens<\/em> , Gerechtigkeit hei\u00dft, da\u00df Jesus nicht mehr bei uns ist, da\u00df er als dieser Mensch irgendwann nicht mehr da ist, das ist Gerechtigkeit: das mu\u00df so sein, das ist die Zeitlichkeit des Menschseins, das ist das Vergehen seiner sinnlichen Erscheinung als Weltwesen, als zeithafte Vermittlungsgestalt Gottes; dieser Vordergrund Jesu ist nicht das Entscheidende, er gibt nur falsche Sicherheit, er lenkt vom Glauben ab; da sieht man ja nichts au\u00dfer dies und das, darum ist das Verschwinden Jesu als sinnlicher Gestalt gut und notwendig und gerecht \u2013 und gerecht hei\u00dft: nach dem Willen Gottes gef\u00fcgt; ja, Jesus als dieser Nazarener, als diese konkrete, leibhafte Menschengestalt vor 2000 Jahren an genau dieser Stelle der Geschichte ist der Weg zum Vatergott, aber er ist nur der Weg, er ist diese Vermittlung, er ist der Mittler, der als solcher nicht schon die Sache selbst ist, sondern sie lediglich vermittelt, auf sie verweist, sie anzeigt, sie pr\u00e4sent macht; er ist nicht das Ziel, denn der Weg als leibliche Gestalt verschwindet, wenn man am Ziel ist, er verschwindet als dieser Punkt an dieser bestimmten Raum-Zeit-Stelle, um im Geiste aufzuerstehen, im Geiste allgemein pr\u00e4sent zu werden in seiner Gemeinde. Gerade durch das Verschwinden Jesu wird Jesus universell, denn der Geist ist ja gleichsam Jesus noch einmal, aber nun eben nicht mehr als sinnliche Erscheinung, sondern als \u00fcbergreifende actualitas. Dessen \u00fcberf\u00fchrt uns der Geist, da\u00df das so sein mu\u00df, nach dem Fug Gottes.<\/p>\n<p><em> Drittens<\/em> , Gericht hei\u00dft, der F\u00fcrst dieser Welt ist gerichtet, er hat keine Macht mehr, das ist Ziel des Dreierkatalogs, die Entm\u00e4chtigung des Weltf\u00fcrsten. Mit dem ist es nichts mehr! Und das gilt gerade auch angesichts der Tatsache, da\u00df um uns herum ja durchaus M\u00e4chte sind, und ganz sch\u00f6n gewaltige, un\u00fcbersehbare zumal: Gewerkschaften und Arbeitgeber, Bush und Bin Laden, der milit\u00e4risch-industrielle Komplex und das gro\u00dfe Geld, die Wirtschaft und die Medien, der Papst und und und, und die Berufszw\u00e4nge &#8230; u.\u00e4.; aber mehr noch, F\u00fcrst, das sind wir als solche, die ihr Leben in der Welt ohne Gott allein aus sich selbst f\u00fchren wollen; F\u00fcrst ist Gottentfallenheit, Weltbew\u00e4ltigung rein aus menschlicher Dimension und Vollmacht, ohne R\u00fccksicht; das ist die Gier nach Ruhm vor der Welt, die Aufspreizung, die Selbstbespiegelung in der Welt und durch die Welt, falsche Eitelkeit und Ehrsucht, Herrschaftswille und Intransigenz, das sind die leidenschaftlichen Triebw\u00fcnsche, die von unten her aufsteigen und uns zu \u00fcberfallen und zu \u00fcberm\u00e4chtigen suchen etc.; das sind all die Kr\u00e4fte und Tendenzen, die uns von Gott weg und zum F\u00fcrsten dieser Welt hin f\u00fchren. Dessen \u00fcberf\u00fchrt uns der Geist, da\u00df n\u00e4mlich all diese M\u00e4chte gerichtet sind, da\u00df es nichts mehr mit ihnen ist, da\u00df wir ihnen nicht mehr tributpflichtig sind, da\u00df wir frei von ihrem Anspruch sind, befreit aus unserer Abh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>In dieser Dreiwirksamkeit also begegnet uns der Geist, so hat ihn Jesus charakterisiert, an diesen Kriterien kann man ihn erkennen. Das ist, das w\u00e4re das Leben des Geistes unter uns. Und nun sehen wir schnell: dem glauben wir alle nicht, das nehmen wir nicht ernst, danach leben wir auch nicht, denn wir erleben ja alle diese M\u00e4chte durchaus als machtvoll, sehr sogar, und im Gegensatz dazu den Geist als ganz schwach; sie als entm\u00e4chtigt zu wissen und zu erleben, ist aber Zumutung des Geistes. Was machen wir aber f\u00fcr Kompromisse mit diesen M\u00e4chten, wie unterwerfen wir uns ihnen, immer noch, immer wieder. Wieviel Schw\u00e4che und Halbherzigkeit unter den Christen, wieviel Anpassungsbereitschaft und Kleinglauben!!! Das geht hin auch bis zu dem kleinen inneren Unglauben an die M\u00f6glichkeit von Gottesn\u00e4he und Liebe und Geistbegabung und \u2013erm\u00e4chtigung in den vielen kleinen Lieblosigkeiten im Alltag, und das geht hindurch durch unseren Machtwahn, durch unsere Angst, durch falschen Stolz, durch Unsicherheit, durch Sicherheitsstreben, durch Furchtsamkeit, durch den Verfall an die Leidenschaften und die Begierden, die wir in uns tragen und von denen wir uns beherrschen lassen. Und dann dieses verst\u00e4ndliche, aber so unheilvolle Streben nach sinnlicher religi\u00f6ser Vergewisserung, nach der Greifbarkeit Jesu, nach dem Abschieben unserer Verantwortung, nach dem Sich-Verkriechen hinter einer Autorit\u00e4t, und dies alles auf der Grundlage des tieferliegenden Unglaubens an Jesus und sein Dasein, sein Kommen, seine Pr\u00e4senz, da\u00df in ihm diese Entm\u00e4chtigung der Weltm\u00e4chte schon geschehen ist, da\u00df er der Zeuge des Endes des F\u00fcrsten dieser Welt ist, am Kreuz best\u00e4tigt und durch Gott legitimiert, da\u00df also die M\u00e4chte weder uns noch dem Herrn des Lebens noch etwas anhaben k\u00f6nnen. Wir aber vollziehen weiter den Gehorsam gegen\u00fcber dem F\u00fcrsten dieser Welt, trauen ihm alles zu, wollen mit ihm zurecht kommen, liefern uns ihm aus, wollen verhandeln und Kompromisse machen, irgendwie gut durchkommen; und dadurch machen wir ihn gro\u00df, halten ihn an der Macht, glauben nicht an Jesus, verewigen seinen Tod, geben dem F\u00fcrsten, der ihn t\u00f6tete, noch recht. Dabei hat er doch l\u00e4ngst sein Recht an uns verloren. Und eben diesen Glauben mutet uns der Geist zu, und dazu erm\u00e4chtigt er uns auch, da\u00df wir unsere im Geschick Jesu erworbene und dargetane Freiheit gegen\u00fcber diesem F\u00fcrsten wahrnehmen, weil er ja gerichtet ist.<\/p>\n<p>Ja, das ist die Zumutung des Parakleten und seine Botschaft an uns, dieser Glaube, da\u00df der F\u00fcrst der Welt nicht der Herr \u00fcber unser Leben ist, obwohl wir doch gar keine Mittel bei uns und in uns zu haben scheinen, ihm zu entgehen. Der von Jesus seinen J\u00fcngern verhei\u00dfene Geist mutet ihnen dies \u00dcbersteigen \u00fcber die Unmittelbarkeit der vorgeblichen Herrschaft der Weltm\u00e4chte zu, und sie haben es in ihrem Widerstand gegen die r\u00f6mischen Kaiser bew\u00e4hrt. Das schaffen wir oft nicht, und darum ist in unserem Scheitern der Geist der Tr\u00f6ster, kommt er als Tr\u00f6ster und verk\u00fcndigt uns die frohe Botschaft, die es hell werden l\u00e4\u00dft in unseren Herzen, durch das Feststellen der geistlichen Tatsache: Gott hat den F\u00fcrsten dieser Welt entm\u00e4chtigt; und damit, durch diese Gewi\u00dfheit macht er uns getrost. Im Geist k\u00f6nnen und d\u00fcrfen wir von dieser Tatsache ausgehen, da\u00df der F\u00fcrst uns als Glaubenden nichts mehr anhaben kann, da\u00df durch Jesus diese f\u00fcrstliche Welt \u00fcberwunden ist (16,33), und da\u00df wir in unserem Leben daraus die Konsequenz ziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die J\u00fcnger als Adressaten der Botschaft des irdischen Jesus war das noch nicht vollziehbar, sondern erst unter der Herrschaft des Geistes, wenn Jesus sie verlassen hat, wird das offenbar, kann er wiederkehren und von ihnen Besitz ergreifen, als ganz eigene geheime Herrschaft, n\u00e4mlich \u00fcber ihre und unsere Herzen, die nun diese sinnliche Gegenwart nicht mehr brauchen, die in der Geistleitung selbst\u00e4ndig sind, verantwortlich als Christen, als Jesuaner in der Welt zu handeln. Und darum gilt: aus diesen \u00fcberwundenen Herzen geht dann auch die Weltverwandlung hervor, die auch heute akut werden kann, indem wir neue Wahrheiten, neue Lebensarten und -bereiche, neue Aneignungsformen und neue Gestalten der Weltherrschaft des Geistes, des Geistes Jesu Christi, der uns in alle Wahrheit leiten kann, entdecken!<\/p>\n<p>Daf\u00fcr ist Pfingsten das Realsymbol! An diesem Fest feiert die Christenheit das sinnliche Verschwinden Jesu als Voraussetzung seiner geistigen Wiederkehr als universale Macht, welche die Weltm\u00e4chte entm\u00e4chtigt hat. An Pfingsten schenkt sich uns Jesus in der Gestalt des Geistes. Er, dieser Geist, ist die Vergegenw\u00e4rtigung des Geschickes und der Wirkm\u00e4chtigkeit Jesu, denn das Thema des Geistes ist Jesus, Anagnorisis, Erkennen, je ganz neu. Von Jesus reden aber hei\u00dft vom Vater reden, und dies geschieht durch den Geist: es geht dabei, wie unser Predigttext am Ende zu erkennen gibt, um die Herrlichkeit Gottes, welche dadurch statuiert wird, da\u00df -vermittelt durch den Sohn und durch den Geist akut gemacht- in dieser actualitas der F\u00fcrst dieser Welt gerichtet ist: dem k\u00f6nnen wir im Geist Gestalt verleihen. Das ver\u00e4ndert die Welt und macht sie gleichnisf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Das ist die heutige Pfingstbotschaft unseres Johannestextes: Diese schreckliche Welt ist gerichtet und \u00fcberwunden, \u00fcberwunden durch die Erscheinung der Liebe Gottes in Jesus, die sich im Geist mitteilt. Das ist der Aufgang eines neuen Lebens. Das Pfingstfest ruft dazu auf, damit an einem ganz kleinen St\u00fcck ernst zu machen, sich nicht mehr treiben lassen von den M\u00e4chten der Welt &#8211; sondern auf dem Wege zu Jesus und von im her den Glauben an die Wahrheit dieser befreienden Botschaft einzu\u00fcben, kleine Schritte zu machen, im ganz engen Raum, nicht mehr Getriebene sein, sondern Treibende, das ist der Anfang des Geistes, durch den sich der Sieg Gottes \u00fcber den F\u00fcrsten dieser Welt bezeugt, denn der wird nur im in der Liebe t\u00e4tigen Glauben weltlich real, und durch den Glauben realisiert er sich in unserem Leben, in unserer kleinen Welt als deren geheim offenbare Macht.<\/p>\n<p>Die Botschaft von Pfingsten, die der heutige Predigttext zu Geh\u00f6r bringt, ist demnach keine andere, als uns zu dem Beginn der kleinen Schritte zu erm\u00e4chtigen, die uns tributfrei von den fremden M\u00e4chten machen auf der Grundlage des gro\u00dfen und entscheidenden Schrittes, den Gott mit der Welt in Jesus, dem Christus getan hat; dadurch \u00f6ffnet uns der Geist in die Kunft Gottes, und so ist die Gegenwart die Herausforderung unseres Glaubens, sie im Lichte von Gottes Zukunft zu sehen und zu gestalten an unserem Teil &#8211; darauf kommt es an. Durch Jesu Tod und sein Kommen als Geist ist uns das Tor aufgetan zum neuen Leben der Gegenwart aus der Zukunft Gottes heraus. Und so bezeugt schon diese Gegenwart Gottes Sieg in der Welt durch unseren Glauben als seine abwesende Anwesenheit.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>PD Dr. Reinhard Weber<br \/>\nRudolf-Bultmann-Str.4<br \/>\n35039 Marburg<br \/>\n<a href=\"mailto:weber@esg-marburg.de\">weber@esg-marburg.de <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstsonntag | 15. Mai 2005 | Johannes 16,5\u201315 | Reinhard Weber | Der pfingstliche Geist \u2013 die abwesende Anwesenheit Jesu Seit den Zeiten der Alten Kirche wird im Verfolg des Kirchenjahres mit dem Sonntag Kantate das Thema des Geistes wach; seitdem geht es zentral um den Parakleten, den Tr\u00f6ster, wie Luther etwas vereinseitigend und unzureichend [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,727,157,853,114,726,349,3,387,109,1544],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10512","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-16-chapter-16-johannes","category-kasus","category-nt","category-pfingstsonntag","category-predigten","category-reinhard-weber"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10512"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10512\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24534,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10512\/revisions\/24534"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10512"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10512"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10512"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10512"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}