{"id":10526,"date":"2005-05-07T19:49:12","date_gmt":"2005-05-07T17:49:12","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10526"},"modified":"2025-07-03T14:17:42","modified_gmt":"2025-07-03T12:17:42","slug":"johannes-3-16-21-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-3-16-21-2\/","title":{"rendered":"Johannes 3, 16-21"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Pfingstmontag | 16. Mai 2005 | Johannes 3,16-21 | Arne \u00d8rtved |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Es ist ein merkw\u00fcrdiger Raum, in dem wir hier versammelt sind. Gebaut vor gut 800 Jahren aus gro\u00dfen, grob behauenen Steinen, die man nach einem sinnigen und soliden System aufeinander gelegt hat. Aber das ist es ja eigentlich nicht, was uns beeindruckt; denn es gibt so viele merkw\u00fcrdige und interessante H\u00e4user. Nein, es ist eher all das, was hier in all diesen Jahren geschehen ist: Gottesdienste, Kindertaufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Begr\u00e4bnisse. \u00dcberw\u00e4ltigend, wenn man nur daran denkt! Generation auf Generation. In den ersten vielen, vielen Jahren unglaublich arm; dann beginnt die moderne Zeit mit Eisenbahn, Industriebetrieben, Eigenheimen, Autos usw.<\/p>\n<p>Aber das alles ist nur ein kleiner Teil von, was merkw\u00fcrdig ist an diesem Haus. Es ist erf\u00fcllt von Glauben; aber das kann man nirgends sehen. Es war auch nicht hier, ehe wir kamen; und wenn wir nach dem Gottesdienst wieder nach Hause gegangen sind, ist es wieder weg. Da k\u00f6nnte man glauben, es sei etwas gewesen, das wir mit uns hier hereinbrachten und wieder mit uns nahmen, als wir fortgingen; aber das ist keineswegs der Fall.<\/p>\n<p>Wenn jemand etwas Glauben von zuhause mitgebracht hat, dann ist es ganz und gar nicht dieser, der jetzt den Raum erf\u00fcllt. Es mag sein, dass er daran erinnert, aber es ist nicht derselbe Glaube, \u2013 ganz und gar nicht. Die hei\u00dfe Diskussion in den Medien der letzten Tage k\u00f6nnte einen leicht zu der Ansicht verleiten, dass der Pastor einen Glauben mitbringen w\u00fcrde, von dem er dann an die Kirchg\u00e4nger austeilen k\u00f6nnte. Aber da muss ich bedauern, denn ich habe nichts, wovon ich austeilen k\u00f6nnte. Ob euer Pastor hier auf der Kanzel glaubt oder nicht glaubt und an was, geht die Gemeinde \u00fcberhaupt nichts an, das ist eine Sache zwischen mir und Gott, und ich lasse mir in dieser Hinsicht gar nicht in die Karten kucken. Im \u00dcbrigen bin ich ja wie alle ihr anderen. Weder schlimmer noch besser. Weder weniger noch mehr gl\u00e4ubig. Aber ich bem\u00fche mich nat\u00fcrlich sehr um die Dinge des Christentums und der Kirche, denn das ist meine Arbeit, und daf\u00fcr bekomme ich mein Gehalt. Nicht daf\u00fcr, dass ich glaube. Aber man muss ja am Sonntag predigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wo kommt dann der Glaube her und erf\u00fcllt den Raum hier w\u00e4hrend unseres Gottesdienstes? Das ist genau das, worum es an Pfingsten geht: Der Glaube ist in jeder Hinsicht von der Gemeinde abh\u00e4ngig. Den Glauben pflanzt Gott mit seinem Wort mitten in die Gemeinde, und zwar immer dann, wenn sie sich versammelt. Und er tut das mit Hilfe dessen, was Heiliger Geist hei\u00dft. Deshalb ist es doch t\u00f6richt, einen Pastoren oder andere zu fragen, ob sie glauben. Als ob der Glaube etwas w\u00e4re, was man in einem kleinen religi\u00f6sen Rucksack mit sich herumtragen k\u00f6nnte. Und wozu in aller Welt sollte man in die Kirche gehen, wenn man im Besitz eines Glaubens w\u00e4re. Um der Geselligkeit willen vielleicht, aber dies hier w\u00e4re dann doch ein teurer und gro\u00dfer Apparat, mit dem man um der Geselligkeit willen aufwartete.<\/p>\n<p>Nein, der Glaube ist hier in der Kirche, wenn wir uns zu Gottesdienst, Hochzeit oder Begr\u00e4bnis hier einfinden. Dann ist \u00fcbrigens immer von Gottesdienst die Rede, wenn denn Pastor und Gemeinde sich ordentlich benehmen. Was soll das hei\u00dfen? Dass wir immer hier hereinkommen sollen, um zu h\u00f6ren, was Gott zu uns sagen will. Und er spricht hier immer. Das ist so sch\u00f6n, so eindringlich, so leidenschaftlich, denn er will es gern so haben, dass wir h\u00f6ren und verstehen.<\/p>\n<p><em>Verstehen<\/em> ist vielleicht nicht das rechte Wort. <em>Begreifen, einsehen, umschlungen werden <\/em>w\u00e4re vielleicht besser. Der Glaube spricht zum Herzen, nicht zum Verstand. Das bedeutet nicht, dass der Glaube etwas besonders Mystisches w\u00e4re, sondern es bedeutet, dass er mit Liebe zu tun hat. Deshalb gibt es auch keine Freipl\u00e4tze in einer Kirche, d.h. einen Ort, an dem man behaglich zur\u00fcckgelehnt dasitzen, die Arme kreuzen und die Dinge beurteilen k\u00f6nnte. In dem Fall w\u00e4re man in Wirklichkeit gar nicht hier drinnen und k\u00f6nnte ebensogut drau\u00dfen auf dem Friedhof sitzen, wo man dann tats\u00e4chlich auch hingeh\u00f6ren w\u00fcrde. Denn dies hier ist der Ort der Auferstehung und des Lebens und nicht des Todes.<\/p>\n<p>Die Kirche ist ein altes Haus, aber auch ein merkw\u00fcrdiges Haus. Sobald man hineingekommen ist, wird man umschlungen von Worten, die den Glauben in sich tragen: Gebete, Lieder, Gr\u00fc\u00dfe, Texte, Predigten, Taufe und Abendmahl. Die Worte f\u00fcllen nicht nur den Raum aus, sondern sie tragen die Menschen unmerklich mit sich hinein in diese wunderbare Welt von Frieden, Befreiung und Lebensmut.<\/p>\n<p>Heute ist es die phantastische Proklamation aus dem Johannesevangelium, in die wir hineingezogen werden: <em>Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben<\/em>. Unglaubliche und machtvolle Worte. Eigentlich m\u00fcsste man sie wohl rufen oder singen. Das ist ja nicht einfach so hingesagt. Das ist eine Fanfare. Die Fanfare erschallt aus Freude, sie bezeugt Neuigkeit, Begeisterung. Trost und Zuspruch. Und das hat sie zweitausend Jahre lang getan; und Menschen sind in Gesang ausgebrochen und haben Gott f\u00fcr dieses Wort gedankt, an das sie also geglaubt und von dem sie gelebt haben. Es ist genau dies, das in unserer Kirche gilt, in unserem Land, in unserer Religion! Ein Glaubensbekenntnis.<\/p>\n<p>Mit einem solchen Bekenntnis ist es nicht leicht, den Glauben an Heinzelm\u00e4nnchen oder Geister vom Fernsehen zu bewahren. Das ist auch nicht der Sinn der Sache. Faktisch ist es der Sinn der Sache, dass man alles andere aufgeben und sich der frohen Botschaft total hingeben soll. Da gibt es keine Vorbehalte in den Worten des Evangelisten. Und die braucht es auch nicht bei dem Pastoren zu geben, der diese Worte weiterzugeben hat. Und wenn jemand den Pastoren mitten in der Lesung bremsen und ihn fragen w\u00fcrde, ob der denn nun auch daran glaube, dann gibt es darauf nur eine einzige Antwort, und die ist: <em>Dann h\u00f6r doch hin, Mann! So hat Gott die Welt geliebt! So hat er auch dich geliebt, damit du nicht verlorengehst, sondern das ewige Leben hast! <\/em>Glaube kann nicht zu gef\u00e4lliger Beachtung sein; er ist ein Entweder \u2013 Oder.<\/p>\n<p>Darf man fragen, ganz h\u00f6flich und interessiert: Muss es das Christentum sein, woran man glaubt? Ist das Christentum denn wirklich so phantastisch? Wie steht es mit den anderen Religionen? Nun haben wir vor kurzem den phantastischen Dalai Lama mit seiner starken Pers\u00f6nlichkeit und seiner unglaublichen Ausstrahlung bei uns zu Besuch gehabt \u2013 was sollen wir von seinem Buddhismus halten? Er vermittelt Ruhe und Toleranz, die der moderne Mensch und die moderne Welt n\u00f6tig haben. \u2013 Es hilft leider nichts. Lass den Dalai Lama nur in Ruhe und behandle ihn gut und h\u00f6flich, wenn er zu Besuch kommt, denn wie Johannes schreibt: <em>Gott sandte seinen Sohn nicht, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn selig werde.<\/em><\/p>\n<p>Aber f\u00fcr uns gilt, dass wir um das Christentum nicht herumkommen. Im Gegenteil. Wir sollen in es hineinkommen. Es ist keine Religion unter anderen. Es ist die Wahrheit selbst und das Einzige, das absolut Einzige, was in diesem Haus G\u00fcltigkeit hat.<\/p>\n<p>Das klingt recht intolerant; und das soll es auch. Hier gibt es nichts zu verhandeln. Hier herrscht keine Demokratie, sondern der Wille Gottes, und dem hat man sich zu beugen, man kann nicht mit ihm diskutieren. Das sind die Bedingungen des Glaubens. Das ist ein Teil der Befreiung, die der Glaube mit sich bringt: Hier kommt es nicht auf dich an und alle deine Meinungen und F\u00e4higkeiten und Taten. Hier spricht und handelt Gott, der dreieinige Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist.<\/p>\n<p>Die Situation des Menschen in der Welt und in seinem eigenen Leben ist dadurch gekennzeichnet, dass der Mensch in ein schiefes Verh\u00e4ltnis zu Gott und damit zu dem Leben, das uns zugedacht war, gekommen ist. Man kann das auf viele verschiedene Weisen erleben: Als Angst, Leere, Verzweiflung, Ruhelosigkeit. Das Leben verliert an Bedeutung und Gewicht; und man wird zu einem Fremden auf Erden und f\u00fchlt sich allein und ausgesto\u00dfen! Davon handeln alle Relgionen, denn so erlebt der Mensch sein Leben. Mit verschiedener St\u00e4rke und verschiedenem Ausdruck.<\/p>\n<p>Hier ist es das Anliegen des Evangelisten und des Gottesdienstes, vor aller Welt zu erkl\u00e4ren, dass dieser Konflikt mit Jesus Christus beendet ist. Die Entscheidung oder das Urteil in dem Konflikt wird damit vom Richterstuhl des Ewigen am letzten Tage auf den Glauben an Christus verlegt. Mit ihm ist ein Freispruch erwirkt und ein neues Leben begonnen; aber es ist nat\u00fcrlich Bedingung, dass man daran glaubt; sonst w\u00fcrde man fortgesetzt unter der alten Anklage und dem bevorstehenden Gericht leben. Das ist in Wirklichkeit ganz logisch: <em>Und das ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren b\u00f6se! <\/em><\/p>\n<p>Es geht also um Glauben! Deshalb sind wir hierher gekommen, um das zu bekommen, und der Raum hier ist voll davon. Es ist in uns hineingesungen, in uns hineingebetet und in uns hineingelesen. Man soll nicht Herz und Nieren bei sich selbst untersuchen, sondern die Ohren \u00f6ffnen und sich von der sprudelnden Botschaft des Evangelisten Johannes \u00fcberw\u00e4ltigen lassen. Hier ist dein Glaube! Er ist gut genug! Gib dich ihm hin! Lebe in ihm und von ihm! Darauf bist du getauft! Erhebe dein Angesicht, und sch\u00e4me dich nicht \u00fcber dich selbst, wenn Gott so f\u00fcr dich geb\u00fcrgt hat. <em>Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben<\/em>.<\/p>\n<p>Heute war es der Evangelist Johannes, der mit der Hilfe des Heiligen Geistes die Kirche in Brande mit Glauben erf\u00fcllt hat. Das wusste er nicht, als er das vor 1900 Jahren schrieb, aber der Heilige Geist hat eine gro\u00dfe Arbeit f\u00fcr uns und mit uns geleistet. Frohe Pfingsten! Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Arne \u00d8rtved<br \/>\nBirkeb\u00e6k 8<br \/>\nDK-7330 Brande<br \/>\nTlf.: ++ 45 \u2013 97 18 10 98<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:ortved@mail.dk\"> ortved@mail.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstmontag | 16. 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