{"id":10532,"date":"2005-05-07T19:49:25","date_gmt":"2005-05-07T17:49:25","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10532"},"modified":"2025-07-03T14:43:22","modified_gmt":"2025-07-03T12:43:22","slug":"roemer-11-32-36-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-11-32-36-3\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 11, 32-36"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Trinitatis | 22. Mai 2005 | R\u00f6mer 11,32\u201336 | Elof Westergaard |<\/h3>\n<p>1 . <em>Oh, welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!<\/em> So schreibt Paulus im Brief an die R\u00f6mer, in der Epistel f\u00fcr heute. Es ist ein Lobpreis. Der Lobpreis, mit dem Paulus seinen Abschnitt \u00fcber Gottes Erl\u00f6sung Israels abschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Eine Verk\u00fcndigung, dass Juden wie Heiden, ja, alle unter dem Gericht Gottes stehen und damit alle auch in der Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit leben k\u00f6nnen. Wie Paulus es unmittelbar vor diesem Lobpreis markant formuliert hat: <em>Denn Gott hat alle beschlossen unter den Unglauben, auf dass er sich aller erbarme \/ <\/em>oder<em> auf dass er allen Barmherzigkeit zeige <\/em>(R\u00f6m. 11,32).<\/p>\n<p>2. Gottes Reichtum, Weisheit und Erkenntnis sind nach Paulus in seinem Lobpreis so tief, dass seine Gerichte f\u00fcr uns unbegreiflich sind, sie k\u00f6nnen r\u00e4tselhaft sein. Wir verstehen sie nicht notwendigerweise. Ebenso wie die Wege des allm\u00e4chtigen Gottes f\u00fcr uns unaufsp\u00fcrbar sein k\u00f6nnen. Es liegt eine Doppelheit in der Formulierung dieses Lobpreises. Sowohl ein hartes Urteil \u00fcber uns als auch eine gro\u00dfe Gnade.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen die Tiefe Gottes nicht ausloten. Gott sei Dank! Seine Gerichte sind nicht unsere. Er ist die Wurzel, wir sind blo\u00df, so d\u00fcrfen wir hoffen, ein kleiner Zweig an dem Baum, den er in die Welt gepflanzt hat. Alles hier bei uns wird so leicht mit der Wurzel ausgerissen. Also auch unsere Weisheit. Paulus zitiert selbst in einem anderen Brief das Wort des Jesaja. Paulus schreibt: <em>Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verst\u00e4ndigen will ich verwerfen. <\/em>(1. Kor. 1,19 \/ Jes. 29,14; 44,25).<\/p>\n<p>In der Tatsache, dass wir die Tiefe der Weisheit Gottes nicht auszuloten verm\u00f6gen, liegt eine Betonung der Grenzen unseres Wissens, es wird zunichte gemacht, ein Gericht \u00fcber uns, aber zugleich liegt darin auch die Gnade.<\/p>\n<p>Denn welch eine Erleichterung, welch eine Hoffnung ist uns nicht eben dadurch gegeben, dass Gottes Weisheit, Reichtum und Erkenntnis weit \u00fcber unsere eigenen F\u00e4higkeiten hinausreichen. Das macht uns weiterhin Hoffnung, dass all unsere Engstirnigkeit und Selbstgerechtigkeit, unsere Engherzigkeit und unser Gerechtigkeitssinn, dass die nicht notwendig alles sind. Es macht uns Hoffnung, dass unsere Art und Weise miteinander umzugehen, uns gegenseitig zu bel\u00e4stigen und zugrunde zu richten, dass das nicht allein dastehen wird. Die Weisheit, der Reichtum und die Erkenntnis Gottes geben uns geradezu die Hoffnung, dass Gnade vor Recht ergehen muss.<\/p>\n<p>3. Wenn Paulus Gott und seinen unendlichen Reichtum, seine Weisheit und Erkenntnis lobpreist, dann geschieht das n\u00e4mlich nicht so sehr im Blick auf das Sch\u00f6pfungswerk Gottes. So wie wir ihm im Buch der Psalmen oder bei unseren Liederdichtern begegnen k\u00f6nnen wie z.B. Brorson in dem d\u00e4nischen Lied \u201eOp al den ting, som Gud har gjort\u201c (\u201eAuf alle Ding, die Gott gemacht\u201c, d\u00e4nisches Gesangbuch Nr. 15), in dem sich das Gesch\u00f6pf ja \u00fcber den kleinsten Strohhalm wundert.<\/p>\n<p>Paulus\u2019 Lobpreis des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes kn\u00fcpft vor allem an die Art und Weise an, wie Gott sich in Jesus zu erkennen gegeben hat.<\/p>\n<p>Um im Sprachgebrauch des Paulus zu bleiben, k\u00f6nnen wir sagen, dass der Reichtum Gottes, seine Weisheit und seine Erkenntnis sich im Kreuz und dem gekreuzigten Christus sammelt. Paulus formuliert das sehr klar in einem anderen seiner Briefe, im ersten Korintherbrief:<\/p>\n<p><em>Denn dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch t\u00f6richte Predigt selig zu machen die, so daran glauben; sintemal die Juden Zeichen fordern und die Griechen nach Weisheit fragen, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein \u00c4rgernis und den Griechen eine Torheit\u201d <\/em>(1. Kor. 1,21-23).<\/p>\n<p>Das Kreuz ist hier ein Gericht \u00fcber uns. Es enth\u00fcllt die fehlende Weisheit in unserem Eigenen, und, so k\u00f6nnten wir hinzuf\u00fcgen, das Kreuz zeigt auch die menschliche S\u00fcnde und Bosheit, was wir einander antun k\u00f6nnen, ebenso wie es uns das zeigt, was wir nicht verstehen k\u00f6nnen: Gott am Kreuz. Der allm\u00e4chtige Gott stirbt den Tod eines schwachen Menschen.<\/p>\n<p>Der Kreuzestod Jesu zeigt uns somit die Grenze unseres eigenen Denkens und Spekulierens. Das Kreuz weist uns unmissverst\u00e4ndlich darauf hin, dass wir Gottes Sinn und Gedanken nicht kennen, und es zeigt uns unsere eigene Schwachheit.<\/p>\n<p>Zugleich aber zeigt uns das Kreuz dann auch sehr viel mehr als unsere eigene Unzul\u00e4nglichkeit. In erster Linie weist das Kreuz f\u00fcr uns auf die Gnade Gottes und seinen Willen hin, uns zu folgen selbst im Tode. Dass ihm kein Ort zu dunkel ist und keine Tiefe zu tief. Die Liebe Gottes und seine Barmherzigkeit k\u00f6nnen selbst sie k\u00e4lteste Erde lebendig und warm machen.<\/p>\n<p>4. <em>Oh, welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes!<\/em>, lobpreist Paulus Gott. Diese Dreiheit: \u201dReichtum, Weisheit und Erkenntnis\u201d verbindet sich mit Gott. Er ist reich. Er ist weise. Er besitzt Erkenntnis. \u00dcber allen Verstand<br \/>\nMiteinander k\u00f6nnen alle diese drei Pr\u00e4dikate die Allmacht Gottes betonen. Zugleich aber bezeichnen die drei auch etwas Verschiedenes.<\/p>\n<p>Auf dieselbe Weise gilt das von unserem Bekenntnis und Gottesbegriff, dem Bekenntnis zu dem dreieinigen Gott. (Das Bekenntnis, nach dem der heutige Sonntag seinen Namen hat: Sonntag Trinitatis, und alle folgenden Sonntage des Kirchenjahres bis zum Ersten Sonntag im Advent haben \u2013 mit einer einzigen Ausnahme \u2013 auch den Namen Trinitatis.) Trinitatis \u2013 die Dreieinigkeit von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist. Die Tatsache, dass wir ein und denselben Gott mit drei Namen kennen, tr\u00e4gt auch dazu bei, verschiedene Farben zu geben und verschiedene Sachverhalte zu betonen in Bezug auf diesen einen und selbigen Gott. Und jeder f\u00fcr sich, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, tr\u00e4gt dazu bei, etwas Wesentliches \u00fcber Gott und das Gottesverh\u00e4ltnis zu sagen, dass uns durch Gottes eigene Gnade geschenkt ist und an dem wir Anteil erhalten. Die Lobpreisungen im R\u00f6merbrief, die Rede von Gottes Reichtum, seiner Weisheit und seiner Erkenntnis betonen gewiss, wie bereits gesagt, die Allmacht Gottes, zugleich aber zeigen sie in all ihrer Verschiedenheit und damit jeweils auf eigene Weise etwas Wesentliches auf in der Offenbarung Gottes und seiner Gegenwart hier.<\/p>\n<p>5. <em>Oh, welch eine Tiefe des Reichtums Gottes!<\/em>, schreibt Paulus. Heute unterscheiden wir oft zwischen materiellem Reichtum und einem mehr geistigen oder jedenfalls weniger handgreiflichen Reichtum. Etwa dem Reichtum in einer Freundschaft, in der Liebe oder in der Familie. All das, was das Leben eben reich macht.<\/p>\n<p>Gerade weil unsere Welt so materiell ausgerichtet ist und diesen enormen \u00dcberfluss besitzt, enden wir leicht in dieser sehr starken Unterscheidung. Aber das alles ist ja Reichtum: sowohl das Materielle als auch das mehr Geistige. Reichtum ist in einem gewissen Sinne in allem gegenw\u00e4rtig, was es gibt und von Gott geschaffen ist. Reichtum bezeichnet einen \u00dcberfluss und eine F\u00fclle von etwas. Der Gegensatz zu Reichtum ist Armut, kann aber auch Mangel und Leere sein.<\/p>\n<p>Die Rede vom Reichtum Gottes \u2013 die Worte <em>Oh, welch eine Tiefe des Reichtums Gottes!<\/em> \u2013 tragen dazu bei, die F\u00fclle Gott Vaters zu ver\u00adanschaulichen. Und hier hat man nicht nur materiell zu denken und an Gottes m\u00f6gliche Erf\u00fcllung dessen, von dem wir selbst meinen, es fehlt uns konkret im Leben.<\/p>\n<p>Paulus hat in demselben Kapitel des R\u00f6merbriefes schon vorher davon gesprochen. Hier ging es um den Reichtum, der darin besteht, dass der Pakt Gottes nicht nur ganz Israel gilt, sondern der ganzen Welt. Und dass der Reichtum Gottes deshalb auch Israel gilt (V. 11, 12). Der Reichtum, Gottes Reichtum, ist also dies: dass wir Gesch\u00f6pfe Gott nicht selbst etwas geben k\u00f6nnen, \u2013 ihm, der uns zuerst etwas gegeben hat: der uns schuf. Der Reichtum ist, dass Gott sich nicht f\u00fcr sich beh\u00e4lt, sondern in \u00dcbereinstimmung mit seinem Wesen nicht sich selbst sucht, sondern hinaus nach anderen: und zwar nicht nur nach einem engen Kreis, einer geschlossenen Gruppe. Seine Himmelsschleusen sind offen f\u00fcr die ganze Welt.<\/p>\n<p>6. <em>Oh, welch eine Tiefe der Weisheit Gottes!<\/em>, schreibt Paulus dann auch. Wir streben nach Weisheit. Nikodemus, der Mensch und der Pharis\u00e4er, tat es auch, als er des Nachts zu Jesus kam und ihm um Rat fragen wollte. \u201dWir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen.\u201d<\/p>\n<p>Die Weisheit ist im Christentum allerdings paradox, weil sie von Liebe und Gnade getragen ist, und, wie Jesus es in dem Gespr\u00e4ch mit Nikodemus sagt, getragen von einem Geist, der weht, wo er will, d.h. die Weisheit l\u00e4sst sich nicht in ein System zwingen.<\/p>\n<p>Die Weisheit Gottes ist wie schon gesagt im Kreuz, in dem Gekreuzigten ausgedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>7. <em>Oh, welch eine Tiefe der Erkenntnis Gottes!<\/em>, schreibt Paulus dann als drittes und letztes. Wir selbst kennen nicht die Gedanken Gottes. Und unsere eigene Erkenntnis ist leicht so kalt und k\u00fchl. Aber genau hier geschieht es, dass Gott st\u00e4ndig seinen Geist \u00fcber die Erde wehen l\u00e4sst. Es gibt den Heiligen Geist, und er wird weiterhin Gottes Erkenntnis in seine Kirche und in seine Gemeinde bringen, so dass die Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes uns zuteil werden mag. Im Namen des Vater, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Elof Westergaard<br \/>\nGramvej 2, Husby<br \/>\nDK-6990 Ulfborg<br \/>\nTel. +45 97495108<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:eve@km.dk\">eve@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trinitatis | 22. Mai 2005 | R\u00f6mer 11,32\u201336 | Elof Westergaard | 1 . Oh, welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! So schreibt Paulus im Brief an die R\u00f6mer, in der Epistel f\u00fcr heute. Es ist ein Lobpreis. 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