{"id":10550,"date":"2005-06-03T19:49:14","date_gmt":"2005-06-03T17:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10550"},"modified":"2025-07-05T16:48:54","modified_gmt":"2025-07-05T14:48:54","slug":"1-johannes-3-13-18-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-johannes-3-13-18-2\/","title":{"rendered":"1. Johannes 3, 13-18"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">2. Sonntag nach Trinitatis | 5. Juni 2005 | 1. Johannes 3, 13-18 | Elof Westergaard |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>(Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p>1. <em>Lasst uns nicht nur mit dem Wort und der Zunge lieben, sondern mit der Tat und in Wahrheit!<\/em>, schreibt der Apostel Johannes in seinem Brief und in den Versen, die wir vorhin geh\u00f6rt haben, als sie vorm Altar vorgelesen wurden. Im Licht der Liebe Jesu schulden wir unserem Mitmenschen unsere Liebe. Indem er sein Leben f\u00fcr uns hingegeben hat, hat er auch ein Vorbild gegeben, und zwar in dem Sinne, dass auch wir es schuldig sind, unser Leben f\u00fcreinander hinzugeben.<\/p>\n<p>Johannes legt also in seinem Brief Wert darauf, dass die vielen Worte, die wir mit unseren eigenen Zungen reden, <em>eines<\/em> sind, dass es aber am wesentlichsten ist, dass Worte zu Taten werden. Wichtig ist es dem Apostel Johannes zufolge, es auf sich zu nehmen, dass man als Christ vom Tod zum Leben \u00fcbergegangen ist (Joh. 5,24), es ernst zu nehmen, dass Jesus am Ostersonntag von den Toten auferstanden ist, alle Finsternis des Todes erleuchtet hat und dass das Leben deshalb im Vertrauen darauf zu leben ist, dass die Liebe das Gr\u00f6\u00dfte von allem ist.<\/p>\n<p>2. Aber das k\u00f6nnen wir nur schwer tun, wird jemand einwenden. Wir sind ja in dem Ma\u00dfe vom Leben hier mit seiner Gebrechlichkeit gefangen. Wie k\u00f6nnen wir, wenn wir eine solche Ermahnung zu h\u00f6ren bekommen, <em>nicht<\/em> verzweifelt sein \u00fcber unsere eigene Unzul\u00e4nglichkeit? Wir verstehen Paulus besser, wenn er aufgebend feststellt: \u201ewas ich will, das tue ich nicht. Und was ich nicht will, das tue ich.\u201c Weitaus h\u00e4ufiger ist es ja genau dieser Widerspruch, der zwischen unseren Worten und unseren Taten besteht.<\/p>\n<p>Johannes nimmt allerdings in seinem Brief diesen unmittelbaren Einwand sogleich auf. Nachdem er geschrieben hat: <em>Lasst uns nicht nur mit dem Wort und der Zunge lieben, sondern mit der Tat und in Wahrheit!<\/em> f\u00fcgt er n\u00e4mlich hinzu: <em>Daran erkennen wir, dass wir zur Wahrheit geh\u00f6ren und k\u00f6nnen unser Herz vor ihm beschwichtigen, welche Anklagen es auch gegen uns vorbringen mag: denn Gott ist gr\u00f6\u00dfer als unser Herz und wei\u00df alles <\/em>(3,19-20). Wir sollen also weder in Selbstverurteilung verzweifeln noch auf der anderen Seite uns einseitig auf uns selbst und auf Selbstlob konzentrieren, sondern wir sollen an dem Vertrauen auf die Macht und die Gnade Gottes festhalten. Weswegen auch immer wir uns selbst und uns gegenseitig verurteilen, das Herz Gottes ist gr\u00f6\u00dfer als unser eigenes Herz. Das ist die Hoffnung, in der wir leben sollen.<\/p>\n<p>3. Das Worten Taten folgen sollen, ist nat\u00fcrlich wesentlich. Darin hat der Apostel Johannes Recht. Aber es ist zugleich \u2013 und nicht zuletzt in einer Zeit wie der unsrigen \u2013 auch wichtig, an der Bedeutung des Wortes festzuhalten. Es ist nicht einerlei, was gesagt wird und welcher Geist das Gesagte tr\u00e4gt. Welche Worte hinter den Taten stehen, die zu tun sind. Die Worte stellen Forderungen, Aufgaben und pr\u00e4gen Absichten in den Taten, die man auszuf\u00fchren versucht. Und sind die Worte dann lau oder kalt, dann sind es die Taten ebenfalls.<\/p>\n<p>4. Heute, in unserer Gesellschaft, scheint es in zunehmendem Ma\u00df um die \u00e4u\u00dferen Taten zu gehen, w\u00e4hrend das Wort, das dahintersteht und die Taten in Gang setzt und tr\u00e4gt, vergessen wird, oder es wird ihm jedenfalls keine nennenswerte Bedeutung zuerkannt. Wir beurteilen heute immerzu nach den Taten und werden selbst nach unseren Taten beurteilt, und wohlgemerkt nach den \u00e4u\u00dferen und sichtbaren Taten. Alles soll offen sein, und wir sollen offen dastehen, nicht zuletzt weil wir daf\u00fcr sorgen m\u00fcssen, dass wir gesehen werden. Denn Sichtbarkeit steht heute obenan und hat gr\u00f6\u00dfte G\u00fcltigkeit, und sie ist Kriterium f\u00fcr Beurteilung und Bewertung. Darum dreht sich einfach alles. Nicht nur in der Lohnpolitik und auf dem Arbeitsmarkt. Sogar unser Umgang miteinander wird leicht davon angesteckt, dass alles \u00e4u\u00dferlich sichtbar gemacht werden soll. Dass es beispielsweise legal ist, die Lebensqualit\u00e4t eines anderen Menschen zu messen und zu wiegen und damit auch ein Urteil \u00fcber sie zu f\u00e4llen. Ein Messen und Bewerten, das leicht, wenn auch die Absichten dabei die allerbesten sind, zu einem unertr\u00e4glichen Neomoralismus werden kann, der von bestimmten Vorstellungen \u00fcber das gute Leben in \u00e4u\u00dferlichen Verh\u00e4ltnissen getragen ist. Derartige Messungen laufen unwillk\u00fcrlich Gefahr, die Bedeutung des einzelnen Menschen zu herabzusetzen.<\/p>\n<p>5. Und im Grunde wirkt ein solches Denken auch in der Richtung, dass es unser Vertrauen zueinander untergr\u00e4bt. Es baut mit an einer Gesellschaft des Misstrauens mit unzufriedenen und rechthaberischen B\u00fcrgern, die zwar selbst\u00e4ndig sind, aber kein Vertrauen in die Urteilskraft anderer besitzen und sich gegenseitig keinerlei Wert zuerkennen wollen. Denn solches Denken f\u00fchrt leicht dazu, dass wir nur uns selbst und all das im Blick haben, was wir erreichen wollen, um unsere eigene Lebensqualit\u00e4t zu verbessern. Und damit leicht zu einem fehlenden Interesse f\u00fcr andere Menschen. Man betrachte nur das Gleichnis Jesu von heute! Die ersten, die eine Einladung zum Fest erhalten, haben eben keine Zeit, denn sie sind so furchtbar von ihrem Eigenen besessen. \u201eIch habe einen Acker gekauft,\u201c sagt der Eine, um sich zu entschuldigen. \u201eIch habe keine Zeit. Ich habe f\u00fcnf Ochsen gekauft und muss sie jetzt ausprobieren,\u201c sagt ein Zweiter. \u201eUnd ich habe eben geheiratet, und deshalb kann ich nicht kommen,\u201c ist die Entschuldigung des Dritten. Sie alle haben genug an sich selbst und ihrem Eigenen. Und darin \u00e4hneln sie uns recht gut, uns in unserer handlungsorientierten Gesellschaft, in der Zeit Geld ist und in der alles in Wirtschaftlichkeit gemessen wird und wo alles einer Qualit\u00e4tskontrolle unterzogen wird.<\/p>\n<p>6. Was in einer solchen Welt fehlt und vermisst wird, ist ja gerade ein Wort, das dahintersteht, ein Wort dar\u00fcber, dass sich unser Leben nicht um uns selbst dreht, nicht darum, gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Ausbeute zu erreichen, nicht darum, dass wir so normal wie m\u00f6glich sind und die bestm\u00f6gliche Lebensqualit\u00e4t erreichen. Was uns fehlt und was wir vermissen, ist das Wort dar\u00fcber, dass das Leben ein Geschenk ist und dass derjenige oder diejenigen, die uns im Leben begegnen, einen Himmel f\u00fcr uns \u00f6ffnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>7. Mit anderen Worten, im Bild des Gleichnisses, es ist wichtig, dass das Wort Gottes ausgesprochen wird, das uns erz\u00e4hlt, dass wir zu einem Fest geladen sind. Dass wir in eine Gemeinschaft eingeladen sind, an der wir in der Taufe Anteil erhalten. Keine gro\u00dfe verfilzte Gemeinschaft, sondern eine Gemeinschaft unter gemeinsamen Bedingungen, als Kinder Gottes. Genau in diesem Lichte sollen wir einander begegnen. Nicht mit Messst\u00e4ben in den H\u00e4nden und Qualit\u00e4tsbewertungen in den Augen: ob der Betreffende nun auch normal ist und Lebensqualit\u00e4t besitzt. Wir sollen es wagen, dem anderen Menschen zu begegnen, einander zu begegnen im Vertrauen darauf, dass, so verschieden wie wir nun einmal sind, ein jeder Mensch seine eigenen Augen hat zu sehen, und seine eigenen Ohren zu h\u00f6ren. Wir sollen bereit sein, das Vertrauen in die Urteilskraft anderer wachsen zu lassen.<\/p>\n<p>8. Wir sollen mit den Worten des Apostels Johannes in dem Vertrauen leben, dass Gott gr\u00f6\u00dfer ist als unser Herz, indem wir in diesen Worten sowohl das Gericht Gottes als auch seine Gnade \u00fcber unser Leben h\u00f6ren sollen. Das Gericht: dass unser Herz wie eine Uhr nur eine bestimmte Zeit lang schl\u00e4gt. Dass es unwillk\u00fcrlich diesen Gegensatz in unserem Leben gibt, den Gegensatz zwischen Herz und Hand, zwischen Wort und Tat. Die Gnade: dass unser Herz nicht in einem luftleeren Raum schl\u00e4gt, sondern in einer gottgeschaffenen Welt, die noch immer von Gottes Wort und Geist getragen werden kann. Denn nicht nur ist Gott gr\u00f6\u00dfer als unser Herz, sondern wie wir voller Freimut in dem Tauflied singen, das wir immer hier in der Kirche singen: <em>Oh, schreibe deinen Namen in ihr Herz. <\/em><\/p>\n<p>Gott schreibt geradezu in der Taufe seinen Namen in das Herz des Menschen. Und der Name ist Jesus Christus. In ihm kn\u00fcpft Gott sich so eng an uns wie m\u00f6glich, damit auch das Herz des Menschen f\u00fcr das Leben schlagen und brennen kann. In Jesu Namen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Elof Westergaard<br \/>\nGramvej 2, Husby<br \/>\nDK-6990 Ulfborg<br \/>\nTel. +45 97495108<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:eve@km.dk\">eve@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Sonntag nach Trinitatis | 5. Juni 2005 | 1. Johannes 3, 13-18 | Elof Westergaard | (Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung) 1. Lasst uns nicht nur mit dem Wort und der Zunge lieben, sondern mit der Tat und in Wahrheit!, schreibt der Apostel Johannes in seinem Brief und in den Versen, die wir vorhin geh\u00f6rt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15746,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[409,56,1,727,185,157,853,114,175,973,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10550","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-2-so-n-trinitatis","category-1-johannes","category-aktuelle","category-archiv","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-elof-westergaard","category-kapitel-03-chapter-03-1-johannes","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10550","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10550"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10550\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24877,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10550\/revisions\/24877"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15746"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10550"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10550"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10550"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10550"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10550"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10550"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10550"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}