{"id":10554,"date":"2005-06-07T19:49:24","date_gmt":"2005-06-07T17:49:24","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10554"},"modified":"2025-07-04T12:25:34","modified_gmt":"2025-07-04T10:25:34","slug":"matthaeus-22-1-14-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-22-1-14-4\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 22, 1-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Unser Leben, sei ein Fest | 2. Sonntag nach Trinitatis | 5. Juni 2005 | Mt 22,1\u201314 | Sibylle Reh |<\/h3>\n<p>Verlesen des Predigttextes:<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde: &#8222;Sie sind zu einem gro\u00dfen Fest eingeladen: die Hochzeit des K\u00f6nigssohnes.&#8220; Solche Einladungen bekomme ich doch gerne. Besonders gerne gehe ich nat\u00fcrlich zu diesem Fest, wenn ich zwischen den Ehreng\u00e4sten sitzen darf. Etwa neben dem Bundespr\u00e4sidenten &#8211; oder doch zumindest neben einem Star aus dem Fernsehen. \u00dcberlegen Sie mal, neben wem sie auf so einem Fest gerne sitzen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Was passiert aber, wenn ich hingehe, aber pl\u00f6tzlich sitze ich nicht zwischen den Gro\u00dfen, Reichen und Ber\u00fchmten. Nein! Einige Leute, die auf dem Fest sind, habe ich schon mal gesehen, sie sa\u00dfen im Bus neben mir, oder standen vor mir in der Schlange im Supermarkt. Mir gegen\u00fcber sitzt meine Nachbarin, die, die immer so laute Partys feiert, besonders gerne dann, wenn ich am n\u00e4chsten Morgen fr\u00fch aufstehen will. Ja und dort! Dort gegen\u00fcber, ist das nicht der Mann, der sonst jeden Tag in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone sitzt, eine Flasche Bier in der Hand, und seinen Hut zum Betteln vor sich gelegt, Kleidung fleckig und stinkend? Was geht hier vor? Wo sind die Menschen, auf die ich mich gefreut habe, die ich schon immer kennen lernen wollte? Bin ich im falschen Film bzw. auf der falschen Party?<\/p>\n<p>Was mache ich jetzt? Bin ich so entt\u00e4uscht, dass ich gleich wieder gehe? Frage ich einen Kellner, was hier los ist, verlange von ihm, mich an einen besseren Platz zu setzen, weiter weg von diesen unm\u00f6glichen Leuten?<\/p>\n<p>Oder lasse ich mich darauf ein, feiere einfach mit? Freue ich mich mit den Leuten, die hier sind &#8211; warum auch immer-, zusammen \u00fcber die Hochzeit des K\u00f6nigssohnes?<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, so beschreibt uns Jesus das Reich Gottes: Ein Fest, ein Fest, zu dem sehr unterschiedliche Leute eingeladen sind. Menschen, die nicht ich mir ausgesucht habe, sondern Menschen, die Gott sich ausgesucht hat.<\/p>\n<p>Der Theologe Karl Barth wurde einmal nach einem Vortrag von einer alten Frau gefragt: &#8222;Werde ich denn meine Lieben in der Ewigkeit wieder sehen?&#8220; &#8211;&#8222;Ja, aber machen sie sich darauf gefasst: Nicht nur die Lieben.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, die Geschichte von dem Gastmahl, die Jesus erz\u00e4hlt, ist fast wie ein M\u00e4rchen. Es war einmal ein K\u00f6nig, der lud zur Hochzeitsfeier seines Sohnes ein&#8230; Und wie in einem M\u00e4rchen, so ist auch in dieser Geschichte vieles etwas \u00fcberspitzt, \u00fcbertrieben. So t\u00f6ten die G\u00e4ste die Boten des K\u00f6nigs, nur, weil sie nicht kommen wollen, der K\u00f6nig verw\u00fcstet die Stadt und plant dann, als sei nichts geschehen, weiter die Feier. Das ist wie ein M\u00e4rchen und dann doch blutige Realit\u00e4t. Der Evangelist Matth\u00e4us lebte in einer blutigen Zeit, zur Zeit des j\u00fcdischen Krieges, er lebte unter grausamen r\u00f6mischen Herrschern, die umgingen mit den Menschen der besetzten Gebiete, wie sie wollten.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, diese Geschichte, die Jesus erz\u00e4hlt, k\u00f6nnte an dem Punkt, an dem nun alle G\u00e4ste versammelt sind,, enden. Nun speisen sie alle zusammen gl\u00fccklich und zufrieden, und wenn sie nicht gestorben sind, dann feiern sie noch heute. So, wie sie der Evangelist Lukas aufgeschrieben hat, ist die Geschichte dann auch zu Ende.<\/p>\n<p>Matth\u00e4us aber berichtet noch vom weiteren Fortgang der Geschichte:<br \/>\nEs sind alle versammelt, die Feier beginnt, da kommt es noch zu einem seltsamen Zwischenfall zwischen dem Gastgeber und einem Gast.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4ter eingeladenen G\u00e4ste wurden beim Eingang vom Schmutz der Stra\u00dfe gereinigt, sie wurden in Festgew\u00e4nder gekleidet.<\/p>\n<p>Ein Gast jedoch tr\u00e4gt noch sein verstaubtes Stra\u00dfenkleid. Er will also anscheinend doch nicht mitfeiern. Diesen unh\u00f6flichen Gast, der sich nicht wie ein Gast benimmt, l\u00e4sst der Gastgeber hinauswerfen.<\/p>\n<p>Kein sch\u00f6ner Zwischenfall.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, zu der Zeit, als der Evangelist Matth\u00e4us dieses Gleichnis Jesu aufschrieb, gab es schon gro\u00dfe christliche Gemeinden. Wahrscheinlich waren diese Gemeinden auch damals schon nicht immer &#8222;ein Herz und eine Seele.&#8220; Die Christen lebten au\u00dferhalb der Gemeinde in verschiedenen sozialen Gruppen: Juden, Griechen, Sklaven, Freie. Normalerweise setzten sich Angeh\u00f6rige der verschiedenen Gruppen nicht an einen Tisch. Warum sollten sie es nun in der christlichen Gemeinde tun? Aber das war gerade das, was verlangt wurde. Durch die Taufe geh\u00f6rten alle, ganz gleich, wo sie herkamen, zur Gemeinde. Die gemeinsame Mahlfeier der Gemeinde war f\u00fcr alle Christen da, genauso wie alle Christen zum Reich Gottes geh\u00f6ren sollten.<\/p>\n<p>Dem Evangelisten Matth\u00e4us ist es wichtig, dass die Anh\u00e4nger Jesu leben, wie es ihrer Freude \u00fcber das Hereinbrechen des Reiches Gottes entspricht. Ihm ist wichtig, dass sie Gerechtigkeit leben,: &#8222;Alles, was ihr wollt, was euch die Leute tun, das tut ihr ihnen&#8220;. (Mt 7, 12) So zitiert Matth\u00e4us Jesus in der Bergpredigt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Vielleicht ist es m\u00f6glich, das Hochzeitsmahl, von dem Jesus redet, als das Abendmahl zu verstehen, das hochzeitliche Gewand, das die G\u00e4ste am Eingang erhalten, als die Taufe und das christliche Leben.<\/p>\n<p>Damit ist sicherlich nicht alles gesagt, was was Jesus in diesem Gleichnis sagen m\u00f6chte. Denn das Gleichnis weist nicht auf die Kirche, sondern auf das Reich Gottes hin. Aber auch die Sakramente der Kirche, Taufe und Abendmahl, weisen darauf hin. Wir Christen leben in der Hoffnung auf das Reich Gottes.<\/p>\n<p>Das Reich Gottes ist ein Geschenk, ein Geschenk, das wir eigentlich nicht verdient haben, so wie echte Geschenke nie verdient sind.<\/p>\n<p>Die Freude auf das Reich Gottes, die k\u00f6nnen wir versuchen, heute zu leben, wenn wir zusammen kommen und gemeinsam Abendmahl feiern.<\/p>\n<p>Es ist nicht so leicht, diese Freude immer zu leben. Das Leben ist nicht immer fr\u00f6hlich. Es ist auch nicht leicht, immer nur allen Leuten Gutes zu tun, es tun ja auch nicht alle Leute mir nur immer Gutes.<\/p>\n<p>Wenn man das so sieht, so treffen wir viele Menschen ohne hochzeitliche Gew\u00e4nder. Schon Luther schrieb: &#8222;Denn die Welt und die Masse ist und bleibt unchristlich, auch wenn sie alle getauft sind und Christen hei\u00dfen; die Christen dagegen wohnen, wie man zu sagen pflegt, fern voneinander.&#8220; (aus: Von weltlicher Obrigkeit, und wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei, 1523, W.A. 11, S. 245ff.)<\/p>\n<p>Ich sagte aber schon: die Einladung zu dem Fest ist ein Geschenk, das weder ich noch jemand anders sich verdient hat. Ein Geschenk, \u00fcber das ich mich freuen kann. Weil es ein Geschenk ist, nicht meine Aufgabe, Gastgeber zu sein und G\u00e4ste hinauszuweisen.<\/p>\n<p>Ich bin zu einem Fest eingeladen, bei dem ich zwischen meiner zu lauten Nachbarin und dem Bettler aus der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone sitze. Aber es bleibt ein Geschenk Gottes und ein Fest.<\/p>\n<p>So hei\u00dft es in einem modernen Kirchenlied:<br \/>\n1. Unser Leben sei ein Fest.\/ Jesu Geist in unserer Mitte.<br \/>\nJesu Werk in unseren H\u00e4nden,\/ Jesu Geist in unseren Werken.<br \/>\nUnser Leben sei ein Fest\/ an diesem Morgen (Abend) und jeden Tag.<\/p>\n<p>2. Unser Leben sei ein Fest.\/ Brot und Wein f\u00fcr unsere Freiheit.<br \/>\nJesu Wort f\u00fcr unsere Wege,\/ Jesu Weg f\u00fcr unser Leben.<br \/>\nUnser Leben sei ein Fest\/ an diesem Morgen (Abend) und jeden Tag.<\/p>\n<p>(Text: Strophe 1 Josef Metternich Team 1972; Strophe 2 Kurt Rose 1981; Melodie: Peter Janssens 1972)<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Sibylle Reh<br \/>\nJenaer Str. 58 38444 Wolfsburg, 05361-888159<br \/>\n<a href=\"mailto:sreh@gmx.de\">sreh@gmx.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Leben, sei ein Fest | 2. Sonntag nach Trinitatis | 5. 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