{"id":10567,"date":"2005-06-07T19:49:13","date_gmt":"2005-06-07T17:49:13","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10567"},"modified":"2025-07-07T10:41:42","modified_gmt":"2025-07-07T08:41:42","slug":"genesis-50-15-21-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/genesis-50-15-21-2\/","title":{"rendered":"Genesis 50, 15-21"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">4. Sonntag nach Trinitatis | 19. Juni 2005 |\u00a0Genesis 50, 15-21 | Eberhard Busch |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Das ist das Ende einer Geschichte von erschreckender Bosheit und Torheit. L\u00fcge, Betrug, niedertr\u00e4chtige Gemeinheit haben sich ereignet, vermischt mit schicksalhaften Irrungen und Wirrungen, pers\u00f6nliche Unerfreulichkeiten, eingebettet in Katastrophen von internationalem Ausma\u00df. Es ist wie ein tr\u00fcber, ja, st\u00fcrmischer Tag hereingest\u00fcrzt. Und da, auf einmal leuchtet ein helles, gutes, friedliches Licht \u00fcber dem Dunkel auf: \u201eIhr Menschen gedachtet es b\u00f6se zu machen. <em>Aber<\/em> Gott gedachte es gut zu machen.\u201c<\/p>\n<p>Zw\u00f6lf Br\u00fcder \u2013 einen unter ihnen hassen die Anderen. Der Hass scheint begr\u00fcndet. Hass scheint meist gut begr\u00fcndet \u2013 in diesem Fall damit, dass der Eine hohe Vorz\u00fcge genie\u00dft. Sagt er das nicht auch selbst mit seinem Traum, dass die Br\u00fcder sich einmal vor ihm verneigen werden? Kann man es nicht verstehen, dass sie sich Gedanken dar\u00fcber machen, wie dieses \u00c4rgernis sich am schnellsten aus dem Weg r\u00e4umen l\u00e4sst? Es sind ja nur Gedankenspiele. Bis aus dem Spiel blutiger Ernst wird: Josef wird in ein Loch geworfen und dann verkauft, als Sklave, um 20 Silberlinge. Er ist beiseite geschafft. Dem Vater t\u00e4uschen sie vor, er sei von einem b\u00f6sen Tier zerfetzt worden.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend der Vater noch um ihn trauert, wird Josef als Sklave ins Haus eines hohen Politikers weiterverkauft. Als er dort den Verlockungen von dessen Frau widersteht, ist sie heftig entt\u00e4uscht \u00fcber ihr missgl\u00fccktes Abenteuer, und sie sorgt daf\u00fcr, dass er ins Gef\u00e4ngnis kommt. Dort sitzt er ein mit zwei h\u00f6heren Dienern des Pharao. Als der eine wieder frei kommt, f\u00e4llt ihm zwei Jahre sp\u00e4ter ein, dass einst jener sonderbare Josef ihm geholfen hat: damit, dass er ihm einen r\u00e4tselhaften Traum auf seine ja dann eingetroffene Befreiung gedeutet hat. Das f\u00e4llt ihm ein, nachdem der Pharao auch einen r\u00e4tselhaften Traum hatte, den niemand zu erkl\u00e4ren wusste.<\/p>\n<p>Der l\u00e4sst Josef aus dem Gef\u00e4ngnis holen. Nein, er k\u00f6nne nicht Tr\u00e4ume deuten, sagt er. Aber <em>Gott<\/em> werde zum Pharao gesprochen haben. Und dann sagt ihm Josef, was Gott ihm im Traum mitteilen lie\u00df: Es werden sieben herrlich fruchtbare Jahre kommen mit \u00fcberreicher Wirtschaftsbl\u00fcte und darauf sieben furchtbar unfruchtbare Hungerjahre. In den reichen Jahre solle man darum den \u00dcberfluss nicht vergeuden, sondern \u201espare in <em>der<\/em> Zeit, so hast du in der Not.\u201c So ordnete es der Pharao nun an und setzte Josef als obersten Verwalter daf\u00fcr ein.<\/p>\n<p>Wie gesagt, so geschah es. Die Hungersnot in den folgenden Jahren erreicht auch die Familie des Josef in der Ferne. Vater Jakob schickt daher seine S\u00f6hne, bis auf den j\u00fcngsten Benjamin, um in \u00c4gypten nach Getreide betteln zu gehen. Sie werden dabei von Josef entdeckt. Sie erkennen ihn nicht, aber er erkennt sie. Kaum kann er da sein Heimweh verbergen. Tief bewegt horcht er sie aus: \u00fcber den Vater, \u00fcber Benjamin, und er fasst sie dann hart an, steckt einen der Br\u00fcder ins Gef\u00e4ngnis, bis sie ihm Benjamin vorgef\u00fchrt haben. Richtig, das n\u00e4chste Mal ist Benjamin dabei. Und kaum sind die Br\u00fcder wieder auf dem R\u00fcckweg, holt sie die Polizei ein: einer von ihnen habe den Silberbecher ihres Gastgebers gestohlen. In Wahrheit hatte Josef ihn unter Benjamins Sachen versteckt. Doch nun soll Benjamin gefangengesetzt werden. O Schreck! Das w\u00fcrde der Vater nicht \u00fcberleben: nach dem Verlust des Josef auch noch der Verlust Benjamins. Alle kehren daraufhin zur\u00fcck zu Josef, und ein anderer Bruder bietet sich stellvertretend f\u00fcr Benjamin als Geisel an.<\/p>\n<p>Da ist Josef so ger\u00fchrt, dass er sich zu erkennen gibt, und bittet nun seine Br\u00fcder, bei ihm zu bleiben und auch den alten Vater dazuzuholen. Und eben, jetzt stellt Josef \u00fcber diese dramatische Geschichte die \u00dcberschrift: \u201eIhr Mensch gedachtet es b\u00f6se zu machen, Gott aber gedachte es gut zu machen.\u201c Man k\u00f6nnte es auch sagen mit dem alten Schweizer Sprichwort: \u201eUnter menschlicher Verworrenheit, aber durch Gottes F\u00fcrsorge werden wir regiert.\u201c<\/p>\n<p align=\"center\">*<\/p>\n<p>\u201e<em>Ihr Menschen gedachtet es b\u00f6se zu machen<\/em>.\u201c Das kommt vor. Und wer wei\u00df, wie weit <em>wir<\/em> mit Gleichem besch\u00e4ftigt sind? \u2013 so wenig wir es auch zugeben m\u00f6gen! Denn das geh\u00f6rt in der Regel dazu, wenn man im Sinn hat, es b\u00f6se zu machen: Man streitet es ab. Man deutet es um und gibt ihm den Anschein, damit vielmehr der Menschlichkeit zu dienen. Und das gelingt einem so sehr, dass man am Ende es vor allem <em>selbst<\/em> glaubt, es doch recht gemeint und recht gemacht zu haben. Sogar nach dem unheimlichen Morden im zweiten Weltkrieg glaubten so viele, doch nichts Schlimmes getan, sondern nur \u201esauber und anst\u00e4ndig\u201c Befehle ausgef\u00fchrt und ihre Pflicht getan zu haben. Aber wie das Sprichwort sagt: \u201eEs ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch an die Sonnen.\u201c N\u00e4mlich an die \u201eSonne der Gerechtigkeit\u201c, die Gott selber ist. Und wenn es sonst noch so verborgen, noch so umgedeutet und abgestritten ist: Er \u00fcbersieht es nicht. Er bringt es an den Tag, dass Unrecht Unrecht ist. Er wei\u00df es, dass das B\u00f6se, das die Menschen unternehmen, b\u00f6se ist.<\/p>\n<p>Er bringt es an den Tag, indem er dem Unrecht das Recht entgegensetzt, der L\u00fcge die Wahrheit, dem B\u00f6sen das Gute. \u201eIhr Menschen gedachtet es b\u00f6se zu machen, <em>Gott aber gedachte es gut zu machen<\/em>.\u201c Im Lichte dessen, was Gott gut zu machen gedenkt, kommt zum Vorschein, dass das, was Menschen zu tun geneigt waren, b\u00f6se und verkehrt ist. Mehr noch: An dem, was die Menschen verkehrt zu machen beabsichtigen, beteiligt sich Gott nicht. Dem setzt er sein Nein entgegen. Mit dem kann er buchst\u00e4blich nichts anfangen \u2013 au\u00dfer dem, dass er einen Neuanfang macht und mit dem Guten beginnt, das er zu tun gedenkt. Es herrscht also zwischen dem, was die Menschen da planen, und dem, was Gott im Sinn hat, kein automatischer Zusammenhang. Was sie da tun, erweist sich nicht am Ende als ein wohl problematisches, aber doch n\u00fctzliches Mittel zu einem guten Zweck, nicht als ein zun\u00e4chst t\u00f6richt erscheinender, aber zuletzt doch sinnvoll zum Ziel f\u00fchrender Umweg. Was die Menschen in ihrer Verkehrtheit fertig bringen, ist nichts als ihr Widerstand gegen das, was Gott <em>trotzdem <\/em>zu Stande bringt. W\u00e4re Gott jetzt nicht auf dem Plan, so w\u00fcrde zuletzt der Unfug siegen. Was Gott trotzdem zu Stande bringt, das ist der Triumph seiner reinen, unverdienten, gewinnenden <em>Gnade<\/em>.<\/p>\n<p>Das von Josef Gesagte, das ist aufs Neue hervorgetreten in dem so abgr\u00fcndigen, geheimnisvollen Geschehen der Kreuzigung Jesu. Wer handelt denn da? Sicher, auf der einen Seite tritt dabei Judas hervor. Der verr\u00e4t Jesus, mit einem Kuss, dem Zeichen inniger Freundschaft, aber er, nicht ein Feind, sondern ein J\u00fcnger Jesu setzt die schauerliche Hinrichtung Jesu in Gang. Und auf der anderen Seite sagt Paulus: im selben Geschehen vers\u00f6hnte <em>Gott <\/em>diese verbrecherische Welt mit ihm selber, rechnete den \u00dcbelt\u00e4tern ihre S\u00fcnde nicht an. Beides im selben Ereignis: das Verkehrte, das Menschen, von Gott geliebte Menschen tun, und das Gute, was Gott in seiner hingebungsvollen Liebe vollbringt. Was Gott da tut, das <em>nennt<\/em> das verkehrte Tun des Judas nicht gut. Aber es <em>macht <\/em>gut, was er verkehrt gemacht hat. Indem das geschieht, was Gott unbedingt verneinen muss, \u00fcberwindet Gott das Verkehrte, indem Gott Ja sagt zu dem S\u00fcnder. Und so ist gerade Judas nicht ausgeschlossen von der Liebe Gottes, sondern von ihr umfangen. Und wenn wir durch die Geschichte und Kirchengeschichte der Jahrhunderte durchgehen, bis zum heutigen Tage, so sto\u00dfen wir wieder und wieder auf Ereignisse im Gro\u00dfen und im Kleinen, in dem sich das widerspiegelt: O Himmel, so unheimlich vieles, wo Menschen im privaten und im \u00f6ffentlichen Bereich, ja, leider auch mitten in der Kirche es b\u00f6se und falsch gemacht haben. Man k\u00f6nnte angesichts dessen allen Mut verlieren. Wenn nicht das Eine w\u00e4re, das Eine, der Andere: <em>Gott<\/em>, &#8211; <em>der<\/em> Gott, der damit besch\u00e4ftigt ist, gut zu machen, was wir verkehrt machen. Gott sei Lob und Dank! Das l\u00e4sst hoffen. Mit Paul Gerhardt zu reden:<\/p>\n<p>\u201eDer aber, der uns ewig liebt,<br \/>\nmacht gut, was wir verwirren,<br \/>\nerfreut, wo wir uns selbst betr\u00fcbt,<br \/>\nund f\u00fchrt uns, wo wir irren.<br \/>\nUnd dazu treibt ihn sein Gem\u00fct<br \/>\nund die so reine Vaterg\u00fct,<br \/>\nin der uns arme S\u00fcnder<br \/>\ner tr\u00e4gt als seine Kinder.\u201c Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Eberhard Busch, G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:eberhard.busch@theologie.uni-goettingen.de\">eberhard.busch@theologie.uni-goettingen.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag nach Trinitatis | 19. Juni 2005 |\u00a0Genesis 50, 15-21 | Eberhard Busch | Das ist das Ende einer Geschichte von erschreckender Bosheit und Torheit. 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