{"id":10598,"date":"2005-07-07T19:49:26","date_gmt":"2005-07-07T17:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10598"},"modified":"2025-07-10T10:18:25","modified_gmt":"2025-07-10T08:18:25","slug":"johannes-630-35-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-630-35-2\/","title":{"rendered":"Johannes 6,30-35"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Brot des Lebens | 7. Sonntag nach Trinitatis | 10. Juli 2005 | Joh 6,30\u201335 | Ulrich Nembach <span style=\"color: #000099;\"><span style=\"caret-color: #000099;\">|<\/span><\/span><\/h3>\n<p><strong>Meditation zu Johannes 6,30-35 am Abend des 7.7.2005, nach dem Bombenterror in London<\/strong><\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfer kann der Kontrast nicht sein: in London, hier: Tod \u2013 dort Jesus: <em>Ich bin das Brot des Lebens.<\/em> Mit Speise, mit dem Manna in der W\u00fcste, dem Ort des Hungers, spendet Gott, der Vater Jesu, Brot, Leben.<\/p>\n<p>Inzwischen sind St\u00e4dte, Zentren des Lebens &#8211; New York, Madrid, Moskau, London &#8211; zu Orten des Todes geworden. Menschen machen sie dazu. Sie w\u00e4hlen sich daf\u00fcr unschuldige, um ihre Unsicherheit unwissende Menschen. Sie tun das, was unser Strafgesetzbuch hinterlistig, heimt\u00fcckisch nennt, weil die Arglosigkeit von den Menschen ausgenutzt wird, die ermordet werden. Diese Art zu t\u00f6ten, wird als besonders sch\u00e4ndlich, gemein angesehen und deshalb so bewertet, n\u00e4mlich als Mord. Mord wird mit der H\u00f6chststrafe an Jahren in Gefangenschaft gestraft, nicht mit dem Tod. Wer meint, ein Recht zum T\u00f6ten zu haben, weil sein Vater, sein Sohn, seine Mutter oder wer auch immer zu Unrecht in Afghanistan, im Irak, in Pal\u00e4stina oder sonst wo umkam, hat kein Recht zum T\u00f6ten in New York, Madrid, Moskau, London. Auch hat niemand das Recht, das Recht in die eigene Hand zu nehmen. Richter, unabh\u00e4ngige Menschen f\u00fchren einen Prozess, sie urteilen, um allen Gerechtigkeit zu <em>teil<\/em> werden zu lassen. Gerechtigkeit ist keine <em>ein<\/em>seitige Angelegenheit.<\/p>\n<p>Das wissen die Attent\u00e4ter auch, sehr genau wissen sie das. Ihre Tat \u00fcberf\u00fchrt sie. Sie handeln im Verborgenen. Sie haben nichts f\u00fcr ihre Taten vorzubringen. Es gibt keine Begr\u00fcndungen f\u00fcr Mord, Massenmord.<\/p>\n<p>Noch eins, das Entscheidende: Eine Hand voll Sprengstoff zu verstecken, zumal unter ahnungslosen Menschen, ist leicht, aber eine Hand voll Korn zu erzeugen, um Brot zu backen, ist schwer. Wie lange und wie intensiv \u2013 mindestens zum Teil \u2013 versuchen wir Menschen, den Hunger aus der Welt zu schaffen. Wie wenig weit sind wir gekommen? Wie weit sind wir selbst in Europa? Wir arbeiten uns gerade m\u00fchsam an Hartz IV und der Sorge um den eigenen Arbeitsplatz ab. Die Bauern k\u00e4mpfen um ihre Existenz auf dem Markt. Die Attent\u00e4ter scheuen die Schwerarbeit. Sie versuchen gar nicht, die Arbeit aufzunehmen.<\/p>\n<p>Sie w\u00e4hlten vielmehr als Zeitpunkt den Tag, an dem endlich ein Weltwirtschaftsgipfel sich des Hungers, des Hungers in Afrika annehmen will, nachdem den \u00dcberlebenden der Flutkatastrophe weltweit geholfen wurde. Wie weit sind die Attent\u00e4ter vom Leben entfernt? Oder wissen sie gar nicht, was sie tun? Ich m\u00f6chte beten: Herr vergib ihnen \u2013 es ist schwer. Ich begreife, was Jesu Bitte am Kreuz bedeutet: &#8222;Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun\u201c (Lk. 23,34). Durch das Kreuz hindurch schuf Jesus Leben; auf Karfreitag folgt Ostern.<\/p>\n<p>Wir brauchen Gott, der in der W\u00fcste Manna, Brot gibt. Jesus, sein Sohn, der das Leben ist, gibt es weiter. Unsere Sicherheitsdienste, so viel M\u00fche sie sich geben, so teuer sie sind, sie k\u00f6nnen uns das Leben nicht garantieren.<\/p>\n<p>Es ist tr\u00f6stlich, dass gerade dieser Text, gerade er, f\u00fcr den kommenden Sonntag als Predigttext vorgesehen ist. Ein rechtzeitig gestreuter Same, damit wir heute das Brot zum Leben haben.<\/p>\n<p>Kommen Sie; Sie sind eingeladen, am Tisch des Herrn Brot und Wein zu empfangen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach<br \/>\n<a href=\"mailto:ulrich.nembach@theologie.uni-goettingen.de\">ulrich.nembach@theologie.uni-goettingen.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brot des Lebens | 7. Sonntag nach Trinitatis | 10. Juli 2005 | Joh 6,30\u201335 | Ulrich Nembach | Meditation zu Johannes 6,30-35 am Abend des 7.7.2005, nach dem Bombenterror in London Gr\u00f6\u00dfer kann der Kontrast nicht sein: in London, hier: Tod \u2013 dort Jesus: Ich bin das Brot des Lebens. 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