{"id":10613,"date":"2005-07-07T19:49:24","date_gmt":"2005-07-07T17:49:24","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10613"},"modified":"2025-07-10T11:10:54","modified_gmt":"2025-07-10T09:10:54","slug":"matthaeus-7-15-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-7-15-21\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 7, 15-21"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">8. Sonntag nach Trinitatis | 17. Juli 2005 |\u00a0Matth\u00e4us 7, 15-21 | Elof Westergaard |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>(Predigttext der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p><em>K\u00f6nig Harald gebot, dass dieses Denkmal seinem Vater Gorm und seiner Mutter Thyra gemacht wurde, der Harald, der sich ganz D\u00e4nemark und Norwegen unterwarf und die D\u00e4nen zu Christen machte.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Das sind bekannte Worte. Es ist die Runeninschrift auf dem gro\u00dfen Stein von Jelling. Ein Denkmal, das zu den bedeutendsten aus der Zeit der Wikinger geh\u00f6rt, und ein Denkmal, das in D\u00e4nemark nationalen Rang besitzt. Es ziert Geldschein und Pass.<\/p>\n<p>Die Worte erz\u00e4hlen nicht nur vom Einzug des Christentums hier im Lande um das Jahr 900 und von den geschichtlichen Wurzeln und dem religi\u00f6sen Erbe des Landes. Es besteht auch eine Verbindung zwischen dem Schmuck des Steins und den Worten Jesu im Evangelium von heute. Und zwar in der Verwendung des Bildes. An beiden Stellen gibt es Pflanzen und Tiere, an beiden Stellen werden sie benutzt zur Veranschaulichung der wesentlichen Anliegen, die mit unserem Dasein und unserem Glauben zu tun haben.<\/p>\n<p>Auf der gr\u00f6\u00dften Fl\u00e4che des Steins von Jelling sehen wir Christus in der Mitte. Mit ausgestreckten Armen bildet er ein Kreuz. Er ist das Kreuz. Und um ihn herum schlingen sich die Windungen, die Ornamente der Zeit der Wikinger. Die Windungen wirken wie \u00c4ste mit dem Mittelpunkt in Christus. Er ist der Baumstamm.<\/p>\n<p>Auf dem unteren Teil des Steins ist die Bildersprache allerdings anders: dort sehen wir ein Tier, das von einem anderen umwunden ist. Zwei Tiere im Kampf: vermutlich ein Greif (oder ein L\u00f6we), der mit einer Schlange k\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Sowohl die Zweige des Baumstammes als auch der Kampf der Tiere haben eine Bedeutung. Die Zweige von Christus. Er ist der Baum des Lebens. Der Baum im Paradies, von dem zu essen dem Menschen nicht erlaubt war. Er steht jetzt sichtbar vor unseren Augen in dem gekreuzigten Christus. Mit seinem Tod, mit seinem Sieg \u00fcber den Tod, ist jetzt der Weg f\u00fcr das Leben er\u00f6ffnet. (Der Weg des Paradieses.)<\/p>\n<p>Aber der Kampf der Tiere betont nun auch, dass es, wie Harald \u00fcber die Christianisierung D\u00e4nemarks und Norwegens schrieb, ein Kampf war genau wie in der Welt der Tiere. Der Glaube und das Dasein bringen auch Kampf mit sich. Kampf wie zwischen den M\u00f6wen um die Fische, wie der Kampf des Wolfs gegen das Lamm oder wie zwischen uns Menschen gegenseitig.<\/p>\n<p>In Jesu Worten im heutigen Text \u00fcber die falschen Propheten spielen die Tier- und Pflanzenbilder auf \u00e4hnliche Weise eine gro\u00dfe Rolle: wir h\u00f6ren von den falschen Propheten, dass sie wie ein Schaf kommen, aber wie gefr\u00e4\u00dfige W\u00f6lfe sind. Und diejenigen, die die wahren Propheten sind, sollen an ihren Fr\u00fcchten erkannt werden. Die Frucht, die ihre Zweige tragen.<\/p>\n<p>Wenn Jesus sowohl \u00fcber falsche Propheten als auch \u00fcber denjenigen sprechen will, der die Wahrheit sagt, dann benutzt er Bilder mit Tieren und Pflanzen.<\/p>\n<p>Ein falscher Prophet, so h\u00f6ren wir, kommt wie ein Schaf, ist aber im Innern ein Wolf. Beim falschen Propheten gibt es also einen Widerspruch zwischen \u00c4u\u00dferem und Innerem, er gibt sich f\u00fcr einen anderen aus, als er in Wirklichkeit ist.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, er gibt sich aus f\u00fcr das Gegenteil eines gefr\u00e4\u00dfigen Wolfs, und das muss ein freundliches und ungef\u00e4hrliches Lamm sein. Aber er ist ein gefr\u00e4\u00dfiger Wolf, und das hei\u00dft einer, der denjenigen, den er aufsucht, \u00fcberfallen will, der mit dem Anderen k\u00e4mpfen, ihn besiegen und zum Schluss fressen will. Ja, der falsche Prophet ist hier also ein Mensch, der ausschlie\u00dflich von der Strategie der Macht und mit dem Willen zum Herrschen lebt. Seine Botschaft ist dem Willen zur Macht unterworfen.<\/p>\n<p>Es war zu allen Zeiten eine Versuchung, den oder die falschen Propheten beim Namen zu nennen und sie in der eigenen Zeit ans Licht zu ziehen \u2013 das hat man im Namen des Christentums und in der langen Geschichte der Kirche oft getan \u2013 und jedesmal haben die Hirten, diese Pastoren, in ihrem Eifer \u00fcbersehen, wie scharf ihre eigenen Raubtierz\u00e4hne wurden durch dieses ans-Licht-Zerren.<\/p>\n<p>Will man wirklich ans Licht holen, dann gibt es gute Gr\u00fcnde, auf den zur\u00fcckzuschauen, der wirlich ein gefr\u00e4\u00dfiger Wolf genannt wurde. Sogar von seinem eigenen Vater.<\/p>\n<p>Nur Einer n\u00e4mlich ist in der biblischen Welt ein gefr\u00e4\u00dfiger Wolf genannt worden. Und es ist gut, sich an die Umst\u00e4nde dieser Episode zu erinnern.<\/p>\n<p>Der gefr\u00e4\u00dfige Wolf war Jakobs Sohn Benjamin.<\/p>\n<p>Als Jakob, Isaaks Sohn, auf dem Sterbebett lag, rief er seine zw\u00f6lf S\u00f6hne zu sich. Und jeder von ihnen bekam ein Wort gesagt, und Jakob segnete sie.<\/p>\n<p>Die Worte, die ihnen gesagt wurden, waren oft zweideutig, so auch die Worte zu Benjamin: <em>Benjamin, der rei\u00dfende Wolf, des Morgens wird er Raub fressen, des Abends wird er Beute austeilen. (1. Mos. 49,27). <\/em>Das waren alle Worte f\u00fcr Benjamin. Wenige, aber harte Worte \u00fcber ihn als einen raubgierigen und gefr\u00e4\u00dfigen Wolf.<\/p>\n<p>Nun ist der gefr\u00e4\u00dfige Wolf ans Licht gezogen! Wenn wir uns aber an die Geschichte von Benjamin erinnern und ihm im Alten Testament folgen, dann ist es ein recht zweideutiges Bild, das wir von ihm bekommen. Das l\u00e4sst sich auch durch die Doppeldeutigkeit veranschauli\u00adchen, die rein deutungsm\u00e4\u00dfig schon in seinem Namen liegt: Benjamin kann \u201eSohn meines Ungl\u00fccks\u201c bedeuten, aber auch: \u201eSohn des Gl\u00fccks\u201c.<\/p>\n<p>Das Zweideutige macht allerdings Benjamin hier sehr menschlich. Er gleicht jedem anderen Menschen.<\/p>\n<p>Zugleich hat man auch daran zu denken, dass Jakob, unmittelbar nachdem er auf seinem Sterbebett liegend seinen S\u00f6hnen Worte mitgegeben hat \u2013 und zwar so harte Worte wie die f\u00fcr Benjamin, dass er n\u00e4mlich ein raubgieriger Wolf sei \u2013 dass Jakob also danach seine S\u00f6hne segnet.<\/p>\n<p>Ohne die Szenen zu vergleichen: Jesus tut dasselbe gegen\u00fcber einem seiner J\u00fcnger, n\u00e4mlich Petrus. Aber es geschieht in der umgekehrten Reihenfolge: \u201ePetrus, auf dich will ich meine Kirche bauen,\u201c sagt Jesus segensreich. Aber danach muss er Petrus ausschelten und sagen: \u201eWeiche von mir, Satan!\u201c Jesus h\u00e4tte genauso gut sagen k\u00f6nnen: du gieriger Wolf, oder du erstickende Schlange.<\/p>\n<p>Sich f\u00fcr ein Schaf ausgeben, aber eigentlich ein gieriger Wolf sein. Diese Beschreibung und dieser Widerspruch zwischen innen und au\u00dfen kann keinem Menschen fremd sein. Es ist ein recht menschlicher Zug. Anstatt den falschen Propheten ans Licht zu ziehen, ist es also weitaus wichtiger, ihn als in uns allen verborgen zu sehen, wenn wir uns verstellen, wenn wir uns zu etwas machen, was wir nicht sind, wenn wir die Macht um der Macht willen erstreben. Wenn eigener Gewinn Vorrang hat vor dem Wohl und Wehe des N\u00e4chsten.<\/p>\n<p>Jesus sagt dann, wir sollten auch die Frucht achten. Denn ein Wolf kann sich nicht einfach in ein Lamm verwandeln. Er wird ja weiterhin, wenn auch verdeckt, wie der Wolf handeln. Der Wolf wird sich gierig auf das Lamm st\u00fcrzen. Jesus wechselt hier das Bild, wenn er jetzt von der Frucht des Baumes spricht. \u201eAn ihren Fr\u00fcchten sollt ihr sie erkennen,\u201c sagt Jesus. Kann ein Mensch sich f\u00fcr etwas Anderes ausgeben, als er in Wirklichkeit ist, dann werden seine Fr\u00fcchte ihn doch entlarven. Der Mensch ist wie ein Baum oder wie ein Zweig an einem Baum, und er wird Fr\u00fcchte hervorbringen wie der Baum, der er ist. \u201eKann man vom Dornbusch Trauben oder von Disteln Feigen ernten?\u201c, fragt Jesus rhetorisch. Es besteht ein Verh\u00e4ltnis zwischen Baum und Frucht, das sich nicht verbergen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Aber was f\u00fcr B\u00e4ume sind wir denn? Der falsche Prophet wird nur schlechte Fr\u00fcchte tragen, sagt Jesus. Und das Gericht ist gro\u00df. W\u00e4hrend der gute Baum Frucht tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Jesus sagt nirgends, dass wir wie der Baum sind. Und vielleicht sollen wir uns selbst mehr so wie im Johannesevangelium verstehen, wo Jesus sagt: \u201eIch bin der wahre Weinstock. Ihr seid die Reben.\u201c D.h. wir sollen uns verstehen als etwas Kleineres im Vergleich zu etwas Gr\u00f6\u00dferem, als Reben, die doch Fr\u00fcchte tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen in Jesus und als in seinem Namen Getaufte hoffen, wie die ornamentalen Ranken in das Kreuz und den Lebensbaum auf dem Stein von Jelling einzugehen, als Zweige oder Reben an dem Baum, den er auf Erden gepflanzt hat. Hier in der Welt, wo die K\u00e4mpfe weiterhin vor sich gehen und wo wir Menschen um des eigenen Gewinns willen allzu oft dem Greif und der Schlange \u2013 ja gierigen W\u00f6lfen \u00e4hneln.<\/p>\n<p>Mag der Baum des Lebens im gekreuzigten Christus wachsen. Und m\u00f6gen unsere Zweige und Reben durch die Gnade Gottes Fr\u00fcchte tragen.<\/p>\n<p>In Jesu Namen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Elof Westergaard<br \/>\nGramvej 2, Husby<br \/>\nDK-6990 Ulfborg<br \/>\nTel. +45 97495108<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:eve@km.dk\">eve@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8. Sonntag nach Trinitatis | 17. Juli 2005 |\u00a0Matth\u00e4us 7, 15-21 | Elof Westergaard | (Predigttext der d\u00e4nischen Perikopenordnung) K\u00f6nig Harald gebot, dass dieses Denkmal seinem Vater Gorm und seiner Mutter Thyra gemacht wurde, der Harald, der sich ganz D\u00e4nemark und Norwegen unterwarf und die D\u00e4nen zu Christen machte.\u00a0 Das sind bekannte Worte. 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