{"id":10617,"date":"2005-07-07T19:49:26","date_gmt":"2005-07-07T17:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10617"},"modified":"2025-07-10T11:41:35","modified_gmt":"2025-07-10T09:41:35","slug":"matthaeus-7-24-27-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-7-24-27-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 7, 24-27"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">9. Sonntag nach Trinitatis | 24. Juli 2005 |\u00a0Matth\u00e4us 7, 24-27 | Martin Schewe |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Wenn ich mich diesmal besonders an euch wende, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, f\u00fchlen sich die Erwachsenen in der Gemeinde hoffentlich nicht vernachl\u00e4ssigt. Was ich euch sagen will, verstehen, glaube ich, Erwachsene auch. Es kann sogar sein, dass sie es noch besser verstehen, wenn ich mich besonders an euch wende. Deshalb diesmal:<\/p>\n<p>Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!<\/p>\n<p>Stellt euch bitte vor, ihr h\u00e4ttet ein eigenes Haus. Jede und jeder von euch. Ein Reihenhaus oder eine Prunkvilla \u2013 darauf kommt es im Moment nicht an. Hauptsache, ein eigenes Haus. Mit Zimmern, Fenstern und T\u00fcren und mit einem Dach \u00fcber dem Kopf. Ihr k\u00f6nnt allein darin bestimmen. Wie sehen eure Zimmer aus? Wie richtet ihr sie ein?<\/p>\n<p>So vielleicht:<br \/>\nDas Wohnzimmer ist wahrscheinlich aufger\u00e4umt. Heute jedenfalls, denn wir nehmen einmal an, heute bekommt ihr Besuch. Eure G\u00e4ste sollen es nett haben. Sie sind ja auch nett. F\u00fcr solche Leute ist euer Wohnzimmer der richtige Raum: hell und freundlich und mit bequemen Sesseln. Steif geht es in eurem Wohnzimmer nicht zu. Obwohl ihr extra aufger\u00e4umt habt. Aber gem\u00fctlich. Man kann dort stundenlang sitzen und erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Zwischendurch brauchen die G\u00e4ste etwas zu essen. Ihr selber auch. Werfen wir also einen Blick in die K\u00fcche. Darin steht ein gro\u00dfer K\u00fchlschrank, vollgepackt mit euren Lieblingsmahlzeiten. Schlie\u00dflich ist es eure K\u00fcche und euer K\u00fchlschrank. Zur Feier des Tages habt ihr au\u00dferdem eine Flasche Sekt kalt gelegt. Aber wirklich nur eine! Kocht jemand von euch gern? Dann ist der Herd ebenfalls gro\u00df. Und ungeheuer praktisch. Auf ihm gelingt jedes Gericht.<\/p>\n<p>\u00dcber die Fenster und T\u00fcren in eurem Haus haben wir schon etwas erfahren: Sie stehen offen. F\u00fcr Licht und Luft, und damit eure G\u00e4ste hereink\u00f6nnen. Und damit sie wieder hinausgehen. Denn so sch\u00f6n es ist, Besuch zu kriegen \u2013 irgendwann wollt ihr wieder f\u00fcr euch sein. Deshalb ist es gut, dass ihr die Fenster und T\u00fcren in eurem Haus schlie\u00dfen k\u00f6nnt. Hinter den G\u00e4sten. Die anderen m\u00fcssen akzeptieren, wenn ihr eure Ruhe braucht. Ihr k\u00f6nnt dann zum Beispiel in euer Schlafzimmer gehen. Mit dem bequemen Bett. Darin k\u00f6nnt ihr nicht nur schlafen, sondern auch tr\u00e4umen. Oder tr\u00e4umt ihr lieber woanders?<\/p>\n<p>In jedem Haus gibt es Lieblingspl\u00e4tze und Schmuddelecken. Wo eure Lieblingspl\u00e4tze sind, wisst ihr selber am besten. Die Schmuddelecke in meinem Haus ist der Keller. Da lass ich keinen herein; so unordentlich sieht es in meinem Keller aus. Das geht keinen etwas an.<\/p>\n<p>Zu eurem Haus geh\u00f6rt vielleicht ein Garten. Auch da kann man gut sitzen, besonders zu zweit. Ein romantischer Garten f\u00fcr die warmen Sommerabende. Und ein Garten zum Spielen. Wom\u00f6glich mit einem Fu\u00dfballtor in Originalgr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Malt euch euer Haus genau aus: den Hobbyraum, das B\u00fccherregal, ein Heimkino. Manches werdet ihr im Lauf der Zeit umbauen und neu einrichten. Immer so, dass ihr euch wohlf\u00fchlt. In eurem Haus d\u00fcrft ihr ihr selber sein.<\/p>\n<p>Wo das Haus stehen soll, haben wir noch nicht besprochen. Dabei ist auch das eine wichtige Frage. Wie wichtig, k\u00f6nnen wir in der Bibel lesen \u2013 zum Schluss der Bergpredigt, die Jesus im Matth\u00e4usevangelium h\u00e4lt. Jesus sagt dort:<\/p>\n<p>\u201eDarum, wer diese meine Rede h\u00f6rt und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stie\u00dfen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegr\u00fcndet. Und wer diese meine Rede h\u00f6rt und tut sie nicht, der gleicht einem t\u00f6richten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stie\u00dfen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war gro\u00df.\u201c<\/p>\n<p>Besser nicht, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden! Das Haus, das ihr euch vorgestellt habt, muss stabil genug sein, um nicht vom Regen untersp\u00fclt und vom Wind umgeworfen zu werden. Darum ist die Frage wichtig, wo euer Haus steht \u2013 worauf ihr bauen k\u00f6nnt. Jesus beantwortet die Frage so: \u201eWer diese meine Rede h\u00f6rt und tut sie, der gleicht einem klugen Mann.\u201c Das Haus des klugen Mannes ist stabil, weil es auf dem Felsen steht; und der Felsen ist die Bergpredigt, die Jesus gerade gehalten hat. Darauf k\u00f6nnt ihr bauen: auf das, was Jesus sagt.<\/p>\n<p>Die Bergpredigt ist zwar zu lang, um sie jetzt von vorn bis hinten durchzugehen: drei Kapitel im Matth\u00e4usevangelium. Es ist aber, glaube ich, auch nicht n\u00f6tig, die ganze Rede auf einmal zu besprechen. Teile von ihr sind euch im Lauf eurer Konfirmandenzeit schon begegnet. Es wird gen\u00fcgen, wenn ich euch an diese Teile erinnere. Ihr werdet dann besser verstehen, was Jesus meint, wenn er von dem klugen Mann spricht, und warum die Bergpredigt das richtige Fundament f\u00fcr euer Haus ist.<\/p>\n<p>Das Vaterunser steht in der Bergpredigt. Jesus zeigt mit dem Vaterunser, wie wir beten sollen. Darum kommt es in jedem Gottesdienst vor. Auch in diesem werden wir es beten. Ich finde, das Beste am Vaterunser ist gleich der Anfang: dass Gott unser Vater ist. Er hat die ganze Welt geschaffen und steht uns dennoch nahe, jedem Einzelnen von uns. Gott nimmt uns alle wichtig und ist f\u00fcr uns da. Eben wie ein Vater. Oder wie eine Mutter. Als liebevolle Mutter k\u00f6nnen wir uns Gott auch vorstellen. Eine, die uns tr\u00f6stet und Mut macht. Zu der wir immer kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Von der Gerechtigkeit spricht Jesus in der Bergpredigt. Das ist ebenfalls ein gro\u00dfes Thema: wie Gott sich seine Welt w\u00fcnscht und was wir dazu tun k\u00f6nnen. Ihr habt euch damit besonders auf der Freizeit in Bethel besch\u00e4ftigt. Das Schicksal des Stra\u00dfenkindes Juma aus Tansania war ein eindringliches Beispiel daf\u00fcr, wie ungleich die Chancen auf ein menschenw\u00fcrdiges Leben verteilt sind. Wir k\u00f6nnen selber nicht damit zufrieden sein, dass es uns gut geht, w\u00e4hrend es anderen am N\u00f6tigsten fehlt.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich die sogenannten \u201eSeligpreisungen\u201c. Erinnert ihr euch? Mit ihnen beginnt Jesus die Bergpredigt. Zu den Seligpreisungen habt ihr Plakate gestaltet, die in der Schule aufgeh\u00e4ngt waren. \u201eSelig sind, die da geistlich arm sind\u201c, stand da \u2013 die selbst nichts vorzuweisen haben, sondern alles von Gott erwarten. Ihnen geh\u00f6rt das Himmelreich, sagt Jesus. Und: \u201eSelig sind die Sanftm\u00fctigen.\u201c Sie werden die Erde besitzen. \u201eDie Barmherzigen.\u201c Gott ist zu ihnen barmherzig. Jesus lobt nicht die, die sonst obenauf sind; nicht die Starken, Erfolgreichen, Prominenten, sondern genau die anderen. Mit ihnen hat Gott noch viel vor.<\/p>\n<p>So klingen die Worte und S\u00e4tze Jesu, auf denen euer Haus stehen soll, damit es euch bei jedem Wetter Schutz und Geborgenheit bietet. Sehen wir uns das Haus daraufhin noch einmal an. Ihr habt es so eingerichtet, dass ihr euch darin wohlf\u00fchlt und ihr selbst sein k\u00f6nnt. Euer Haus ist ein Ort, um euch mit anderen zu treffen, und ein Ort zum Alleinsein; ein Ort f\u00fcr Tr\u00e4ume und romantische Abende und f\u00fcr eure Hobbies. Ein Arbeitszimmer sollte es wohl auch geben. Alles, was in eurem Leben z\u00e4hlt, kommt in eurem Haus zu seinem Recht. Falls ich etwas vergessen habe, m\u00fcsst ihr es erg\u00e4nzen. Damit euer Lebenshaus ein Gl\u00fcckshaus wird. Ein solches Gl\u00fcckshaus w\u00fcnsche ich euch. Und viel wichtiger: Jesus w\u00fcnscht euch das Gl\u00fcckshaus. Deshalb spricht er von dem klugen Mann, der auf den Felsen gebaut hat. Deshalb die Bergpredigt. Auch Jesus redet davon, was in eurem Leben z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Dass Gott f\u00fcr euch da ist wie ein Vater und eine Mutter; dass er Gerechtigkeit will und es nicht hinnimmt, wenn seinen Kindern b\u00f6se mitgespielt wird; dass Gott nicht mitmacht, wenn immer dieselben im Mittelpunkt stehen, sondern sich um die k\u00fcmmert, die es n\u00f6tig haben \u2013 das geh\u00f6rt zu einem erf\u00fcllten Leben. Das Haus, das ihr euch vorstellt, wird noch sch\u00f6ner in einer Welt, wie Jesus sie sich vorstellt \u2013 einer Welt, die selbst ein Haus ist: ein Gl\u00fcckshaus f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Weil sie von diesem gro\u00dfen Haus handelt, das Gott baut, ist die Bergpredigt das richtige Fundament f\u00fcr euer eigenes Lebenshaus. Und zwar nicht blo\u00df bei Regen und Sturm. Gottes Zusagen und W\u00fcnsche sind keine Unwetterversicherung. Sie gelten nicht blo\u00df im Notfall und sch\u00fctzen nicht nur, was ihr schon habt. Von Gott k\u00f6nnt ihr viel mehr erwarten. Es geht ihm ums Ganze, an guten Tagen wie an schlechten: um alles, was ihr seid und was noch aus euch wird. Gott m\u00f6chte euer Leben mit euch f\u00fchren und verspricht euch, es lohnt sich. Denn er liebt euch. Darauf k\u00f6nnt ihr euch verlassen. Felsenfest. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Dr. Martin Schewe<br \/>\nEvangelisch Stiftisches Gymnasium<br \/>\nFeldstra\u00dfe 13<br \/>\n33330 G\u00fctersloh<br \/>\n<a href=\"mailto:marschewe@yahoo.de\">marschewe@yahoo.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9. Sonntag nach Trinitatis | 24. Juli 2005 |\u00a0Matth\u00e4us 7, 24-27 | Martin Schewe | Wenn ich mich diesmal besonders an euch wende, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, f\u00fchlen sich die Erwachsenen in der Gemeinde hoffentlich nicht vernachl\u00e4ssigt. Was ich euch sagen will, verstehen, glaube ich, Erwachsene auch. 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