{"id":10619,"date":"2005-07-07T19:49:14","date_gmt":"2005-07-07T17:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10619"},"modified":"2025-07-10T11:39:13","modified_gmt":"2025-07-10T09:39:13","slug":"matthaeus-7-24-27-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-7-24-27-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 7, 24-27"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">9. Sonntag nach Trinitatis | 24. Juli 2005 |\u00a0Matth\u00e4us 7, 24-27 | Ekkehard Lagoda |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>Darum, wer diese meine Rede h\u00f6rt und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stie\u00dfen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegr\u00fcndet. Und wer diese meine Rede h\u00f6rt und tut sie nicht, der gleicht einem t\u00f6richten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stie\u00dfen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war gro\u00df. <\/em><em> Matth\u00e4us 7,24-27 <\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nals Mose einst vom Berg herabgestiegen und das Volk das Wort Gottes geh\u00f6rt hatte, antwortete es: \u201eAlles, was Gott gesprochen hat, wollen wir tun.\u201c<br \/>\nUnser Predigttext heute beinhaltet die letzten Worte Jesu seiner Predigt auf dem Berg. Er erz\u00e4hlt ein Gleichnis und weist seine Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer auf einen unl\u00f6slichen Zusammenhang hin: H\u00f6ren und Tun. Sein Wort will nicht nur geh\u00f6rt, sondern auch getan werden. Und die Zusage ergeht dann: wenn Ihr in felsenfestem Vertrauen lebt und tut, was Ihr geh\u00f6rt habt, kann Euch nichts und niemand ins Wanken bringen.<\/p>\n<p>Aber manchmal frage ich mich, woher das eigentlich kommt, da\u00df wir Christen auf Belastungen, denen wir uns ausgesetzt sehen, so unterschiedlich reagieren?<br \/>\nDa gibt es die gleichen Anforderungen, N\u00f6te und St\u00fcrme des Lebens, die den einen Menschen in seinem Glauben festigen und den anderen bis in seine Grundfesten hinein ersch\u00fcttern. Was aber unterscheidet den einen von dem anderen? Obgleich das Haus oder die Fassade gleich gut aussehen und \u00e4u\u00dferlich kein Unterschied feststellbar, sagt das Gleichnis: der eine hat sein Haus auf den Fels, der andere in den Sand hinein gebaut.<br \/>\n&#8222;Er hat auf Sand gebaut&#8220; &#8211; das ist als Redensart in unsere Sprache eingegangen. Wer auf Sand baut, der hat kein Fundament, dem zerrinnt gerade das, was seinem Leben Halt und Festigkeit geben sollte. Ob ein Mensch wirklich \u201eklug\u201c ist, zeigt sich nicht an der Bushaltestelle, auch nicht in der Disco, beim Kegeln oder Kaffeekr\u00e4nzchen und ebenso wenig im Gottesdienst am Sonntagmorgen um 09.30 Uhr in der Kirche. Es zeigt sich in den St\u00fcrmen des Lebens.<br \/>\nDie Einen knicken ein, verlieren ihre Zuversicht und Freude. Mit einem Schlag ist kein Trost mehr und aller Mut weicht. Das Kartenhaus ihrer Pl\u00e4ne bricht zusammen. Vielleicht hatten diese ihr Lebenshaus auf den Sand von Meinungen und Moden, Leichtsinn und Lust gebaut, ihr Leben an eine einzige Antwort auf die Frage nach dem Sinn gebunden.<\/p>\n<p>Bei Anderen tobt der Sturm und die Regenfluten umsp\u00fclen das Fundament ihres Lebenshauses. Doch sie haben Freunde in allem Leide. Sie k\u00f6nnen sich anvertrauen und f\u00fchlen sich von einer Gemeinschaft getragen. Sie erleben, dass sie trotz all ihrer Unzul\u00e4nglichkeit dennoch geliebt werden und bringen diese menschlich erfahrene Liebe in ihrem Glauben mit Gott zusammen. Sie haben Kraft f\u00fcr die Probleme dieses Tages, weil sie die Sorgen f\u00fcr morgen vertrauensvoll \u00fcbergeben k\u00f6nnen. Ihre Erfahrungen lassen sie zuversichtlich in die Zukunft schauen. Ihr Glaube mag im Sturm schwanken aber er h\u00e4lt, weil sie gehalten werden. Sie haben ihr Lebenshaus auf Felsen gebaut, indem sie ihr Leben an den Worten von Jesus ausgerichtet haben. Sie tun, was sie von ihm h\u00f6rten.<\/p>\n<p><em> (Hier k\u00f6nnten eventuell die beiden folgenden Liedstrophen w\u00e4hrend der Predigt gesungen werden) &#8211; EG 369, 1+7<br \/>\nWer nur den lieben Gott l\u00e4\u00dft walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerh\u00f6chsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut. <\/em><\/p>\n<p><em> Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verl\u00e4\u00dft er nicht.<br \/>\n<\/em><em> Text und Melodie: Georg Neumark (1641) 1657 <\/em><\/p>\n<p>Das Gleichnis schlie\u00dft die Bergpredigt Jesu ab und hat darum eine ganz besondere Bedeutung, denn sie will den Worten, die Jesus zuvor gesprochen hat, noch einmal Wichtigkeit verleihen. Sie gelten f\u00fcr die gesamte Lebensf\u00fchrung, und nicht nur f\u00fcr einen Lebensabschnitt. Sonst w\u00e4re der Vergleich mit dem Bau eines Hauses, das ja langfristig bestehen soll, etwas \u00fcbertrieben.<br \/>\nDas Gleichnis Jesu f\u00fcr sich genommen ist nicht eines der Herausragenden, aber indem es Bezug auf die zuvor gehaltene Bergpredigt nimmt, kommt ihm eine sehr gro\u00dfe Bedeutung zu. Denn es hei\u00dft: \u201ewer die Rede Jesu h\u00f6rt und sie tut, der ist wie ein Mensch, der sein Haus auf einen Felsen baut.\u201c Ganz deutlich wird, dass es zun\u00e4chst mal darum geht, die Rede Jesu &#8222;zu h\u00f6ren und zu tun\u201c.<br \/>\nDie Worte Jesu stellen die Grundlage f\u00fcr ein solides Leben dar. Das Leben ist das Haus, das sich der Mensch errichtet, die Worte Jesu sind das Fundament.<br \/>\nIn der Bergpredigt Jesu geht es um Grund\u00fcberzeugungen, um Einstellungen Gott, der Welt und den Menschen gegen\u00fcber. In ihr wird deutlich,<br \/>\nda\u00df Menschen in Liebe und in Frieden miteinander leben werden, wenn sie etwas vom Geheimnis Gottes erfahren und umgekehrt,<br \/>\nda\u00df Menschen etwas vom Geheimnis Gottes erfahren, wenn sie in Liebe und in Frieden miteinander leben.<br \/>\nDas zum Beispiel h\u00f6re ich, aber nun werde ich eingeladen dies auch zu tun. Das Tun der Worte Jesu beginnt als Arbeit am eigenen Fundament, am eigenen Herzen; es beginnt als ein Tun in einem Bereich, den au\u00dfer mir selbst kein anderer sieht. Dieses Tun ist m\u00fchsam und in keiner Weise \u00f6ffentlichkeitswirksam. Aber es gew\u00e4hrleistet letztlich ein stabiles Fundament. Wenn mein Tun aus einer bestimmten, Gott und den Menschen zugewandten, Lebens- und Glaubens\u00fcberzeugung erw\u00e4chst, dann ist es durch \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse, wie mangelnde Anerkennung, Infragestellung, einschneidende Erlebnisse, Lebenskrisen usw. nicht so leicht zu ersch\u00fcttern.<br \/>\nDer Bergprediger spricht von einem in Gottes Augen gelingenden Leben. Wer die Bergpredigt h\u00f6rt oder liest, f\u00fchlt sich leicht \u00fcberfordert. Denn sie fordert einen heraus. F\u00fcr die einen stellt sie eine unm\u00f6gliche M\u00f6glichkeit dar, f\u00fcr die anderen ist sie so utopisch, da\u00df sie als bedeutungslos abgetan wird und sie sagen sich lapidar: \u201eHaben wir alles schon versucht, klappt doch nicht.\u201c Aber eigentlich verpflichtet Jesus seine J\u00fcnger nicht auf ein Programm, das man Punkt f\u00fcr Punkt abhaken kann. Er ruft einladend: Komm mit, geh\u2019 mit, h\u00f6re und tue, was ich tue, so wirst du mir \u00e4hnlich. Aber tue es. Indem Du lebst, was Du von mir h\u00f6rst, verinnerlichst Du und machst Dir zu eigen, was ich mir unter gelingendem Leben vorstelle.<br \/>\nWenn Du meine Rede h\u00f6rst und tust, dann bist Du wie ein Mensch, der sein Haus auf einen Fels baut.<\/p>\n<p>Im griechischen Text wird nicht von einer H\u00fctte, sondern wohl bedacht vom oikos, von einem Haus gesprochen. Dieses Wort bietet einen gemeinsamen Wortstamm f\u00fcr die Begriffe: \u00d6kologie, \u00d6konomie und \u00d6kumene und weist uns auf einen gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang als unsere Privatsph\u00e4re.<br \/>\nDer Oikos ist das Haus, in dem Gemeinschaft gelebt wird.<br \/>\nEin kluger Bauherr ist demnac h auch ei n guter Haushalter in dem Haus f\u00fcr die Menschen, f\u00fcr die er Verantwortung tr\u00e4gt. Das verantwortliche Handeln beginnt bei sich selbst im eigenen Lebenshaus.<br \/>\nUnd er fragt sich: w ie will\/muss ich heute leben, damit ich bzw. die nachfolgende Generation auch morgen \u00fcberleben kann?<\/p>\n<p>Bevor wir die Betrachtungsweise weiter \u00f6ffnen, bleiben wir noch einen Augenblick auf der pers\u00f6nlichen Ebene und fragen uns :<br \/>\n\u201eWie baue ich eigentlich mein Lebenshaus? Bin ich den St\u00fcrmen des Lebens gewachsen? Was passiert mir, wenn ein Lebensinhalt wegbricht, ein Kind oder ein Partner stirbt, habe ich noch andere Lebensinhalte? Habe ich eine sichere Basis, die mich tr\u00e4gt, auch wenn mir Sinn knapp wird? Dies sind fundamentale, grundlegende Fragen, die ich mir in meinem Leben immer wieder stellen darf sollte. Aber unser Predigttext f\u00fchrt weiter. Es geht nicht nur um meine Verantwortung f\u00fcr mein eigenes Leben. Ich bin gleichzeitig Teil einer weltweiten Hausgemeinschaft, eines OIKOS. Darum zeigt die Bergpredigt auch sozial, wie ein Leben in Gemeinschaft gelingend gestaltet werden kann.<\/p>\n<p>Jesu Wort will ein Tun, ein liebendes Tun im OIKOS. Darum prangert er Armut, ungerechte Strukturen, Friedlosigkeit an und zeichnet durch die Bergpredigt das Bild einer neuen Gesellschaft, sozusagen einer neuen Hausgemeinschaft. In ihr wird der Mensch menschlich, weil ihm Gerechtigkeit und Barmherzigkeit widerf\u00e4hrt. Eugen Roth hat einmal gesagt: \u201eEin Mensch ist manchmal ganz verwandelt, wenn man ihn menschlich nur behandelt\u201c (Eugen Roth).<\/p>\n<p>Jesus, &#8211; bitte erschrecken Sie nicht, &#8211; zeichnet das Bild einer klassenlosen Gesellschaft, nicht im Sinne eines festgelegten \u00f6konomischen Fachbegriffs, sondern er brandmarkt jede Aufteilung in der Gesellschaft, die zur Ausbeutung und zur Ungerechtigkeit zwischen den Menschen untereinander f\u00fchrt und damit geschwisterliche Gemeinschaft zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Weil vom OIKOS die Rede ist und damit die \u00d6kumene, die \u00d6konomie und die \u00d6kologie mit angesprochen werden, m\u00f6chte ich Jesu Worte auch daraufhin beziehen.<\/p>\n<p>Die biblische Lehre von der Haushalterschaft besteht darin, da\u00df wir Gott Rechenschaft geben m\u00fcssen \u00fcber unseren Umgang mit allem, was er uns anvertraut hat, denn das beinhaltet ja die Feststellung von \u201eauf Sand bauen\u201c oder \u201eauf Fels bauen\u201c. Jesus spricht durch seine Aussagen in der gesamten Bergpredigt ein klares Urteil gegen jedes Wirtschaftssystem, das auf unendlichem Wirtschaftswachstum, Profit und der Ausbeutung der Erde gr\u00fcndet. Armut ist bereits in der Sichtweise der hebr\u00e4ischen Bibel weder Zufall noch naturgegeben. Armut wurzelt in Ungerechtigkeit. So werden schon die Propheten nicht m\u00fcde, die Reichen wegen ihrer Unterdr\u00fcckung der Armen anzugreifen.<\/p>\n<p>Das Bild vom Haus l\u00e4dt uns ein, alle Menschen als Mitglieder der einen Menschheitsfamilie, als Mitglieder der einen Hausgemeinschaft anzusehen. Also frage ich mich zum Beispiel: Warum soll gerade ich in diesem Haus reich sein, wenn mein N\u00e4chster arm ist? Nun ja, es ist keine Schande, da\u00df ich reich bin, aber da\u00df die anderen arm bleiben, das kann mir nicht einerlei sein. Wird Frieden angesichts einer solchen Ungerechtigkeit m\u00f6glich werden? Herausgeh\u00f6rt habe ich, da\u00df es einen untrennbaren Zusammenhang von Gerechtigkeit und Frieden gibt.<br \/>\nDer aktuelle Terrorismus sollte mehr als Anfrage an unseren \u201eWay of life\u201c, an unseren Lebensstil, ja als Schrei nach einer neuen Bewegung f\u00fcr mehr Gerechtigkeit ernstgenommen werden.<\/p>\n<p>Aber was mu\u00df ich tun, was k\u00f6nnen wir tun?<br \/>\nSchauen wir uns ein praktisches, ein eher mutiges, Beispiel daf\u00fcr an, wie Menschen den Schritt vom H\u00f6ren zum Tun vollzogen haben. Begeben wir uns nach Namibia.<\/p>\n<p>Armut ist eine soziale Realit\u00e4t in Namibia. Sie bedeutet zum Beispiel, da\u00df M\u00fctter sich prostitutieren, um ihre Kinder versorgen zu k\u00f6nnen,<br \/>\nda\u00df Kranke, die sich die Fahrt zum Hospital nicht leisten k\u00f6nnen, zu Hause an Krankheiten leiden und sterben, von denen sie unter anderen Umst\u00e4nden h\u00e4tten geheilt werden k\u00f6nnen,<br \/>\nda\u00df Menschen nicht schlafen k\u00f6nnen, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Familie \u00fcber den n\u00e4chsten Tag bringen.<br \/>\nDiese Armut erzeugt eine Abh\u00e4ngigkeit, \u201edie immer noch die Menschen dazu zwingt, ihre K\u00f6pfe zu neigen, um einige der Krumen, die vom Tisch fallen, zu bekommen.\u201c<\/p>\n<p>Das ist eine Realit\u00e4t. Diese kann ich aber \u201eberuhigt\u201c wegwischen, wenn ich die soziale Realit\u00e4t Namibias wie die Weltbank beschreibe und nur das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen zu Grunde lege. Das Ergebnis, das ich auf diese Weise bekomme, zeichnet ein positives Bild von diesem afrikanischen Land s\u00fcdlich der Sahara. Namibia ist nach dieser Rechnung immerhin ein Land mit mittlerem Einkommen.<\/p>\n<p>Dass diese Rechnung nicht aufgeht und nicht die Lebenswirklichkeit widerspiegelt, eigentlich sogar die Wahrheit in ihr Gegenteil verkehrt, das wurde im April diesen Jahres deutlich, als f\u00fchrende Vertreter der namibischen Zivilgesellschaft in der Zentrale des Kirchenrates Windhoek zusammenkamen, um ein B\u00fcndnis aus der Taufe zu heben, das ein gesichertes Grundeinkommen f\u00fcr alle Namibier erreichen will. Dieses Grundeinkommen bedeutet f\u00fcr alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, unabh\u00e4ngig von ihrer wirtschaftlichen Lage, eine monatliche und staatliche Zahlung von ca. 13 Euro. Besser Verdienende und Wohlhabende, die diese Unterst\u00fctzung nicht n\u00f6tig haben, sollen diese anteilig durch die Steuer wieder zur\u00fcckzahlen.<\/p>\n<p>Sicherlich ist dieses gew\u00e4hrte Grundeinkommen kein Allheilmittel, aber es wird die Abh\u00e4ngigkeit, die durch die bitterste Armut gen\u00e4hrt wird, bek\u00e4mpfen und soziale Spannungen abbauen helfen.<\/p>\n<p>\u00d6konomisch gesehen k\u00f6nnen wir etwas tun und bewusster einkaufen. Fair gehandelte Produkte bedeuten in erster Linie gerechte Entlohnung f\u00fcr harte Arbeit und ihre Produkte, bedeuten menschenw\u00fcrdige Arbeitsbedingungen und eine Sicherung der Existenzgrundlage. Bei einem Gespr\u00e4ch in unserem gemeindlichen Arbeitskreis f\u00fcr wirtschaftethische Fragestellungen ging ein Bef\u00fcrworter des z\u00fcgellosen Neoliberalismus davon aus, da\u00df der freie Handel (<em>free trade<\/em>) deshalb fairen Handel (<em>fair trade<\/em>) bedeutet, weil das Pro-Kopf-Einkommen der Bev\u00f6lkerung durchschnittlich steigt. Das ist Demagogie pur.<\/p>\n<p>Denn wir wissen, da\u00df der z\u00fcgellose freie Handel zum Beispiel f\u00fcr die Kaffee anbauende Landbev\u00f6lkerung j\u00e4hrlich neue Tiefstpreise bedeutet und darum bitterste Armut mit sich bringt, auch wenn das Pro-Kopf-Einkommen best\u00e4ndig steigen mag.<\/p>\n<p>Die Bergpredigt erkl\u00e4rt, worum es im Reich Gottes geht. Ihre Botschaft ist eindeutig. Sie bietet eine praktische Vision davon, wie das Leben in dieser neuen Ordnung aussieht und was es bedeutet, Jesus nachzufolgen. Aber sie beginnt nicht mit einer Liste von Forderungen oder Verpflichtungen, sondern mit einer Reihe von Segnungen. Diese sogenannten Seligpreisungen offenbaren das Herz Jesu und die Grundwerte seines Reiches. Jesu Segen gilt den Armen, den \u00bbgeistigen\u00ab wie denen, die buchst\u00e4blich nichts haben. Sie wissen, da\u00df sie Gott brauchen. Jesus verhei\u00dft denen Trost, die es gelernt haben, f\u00fcr die Welt zu weinen. Jene, die einen sanften, gewaltlosen Geist haben, sollen die Erde besitzen. Er segnet sowohl alle, die nach Gerechtigkeit hungern, als auch jene, die Barmherzigkeit zeigen; sie sollen satt werden und selbst Barmherzigkeit erfahren. Die ein reines Herz haben, sagt er, werden Gott sehen. Jesus segnet die Friedensstifter und sagt, sie werden Gottes eigene Kinder genannt werden. Schlie\u00dflich segnet er alle, die zu Unrecht um der gerechten Sache willen leiden m\u00fcssen. Ihnen wird das Reich Gottes geh\u00f6ren.<br \/>\nSo sieht der an der Bergpredigt geschulte, an Jesus orientierte \u00bbPers\u00f6nlichkeitstyp\u00ab aus, der zu Gottes Reich pa\u00dft: Geradlinig und stark genug, um schwach zu sein.<\/p>\n<p>Darum lehrt Jesus seine J\u00fcnger, ihre Feinde zu lieben und nicht B\u00f6ses mit B\u00f6sem zu vergelten. Wenn sie so leben, dann sind sie wie Salz und Licht f\u00fcr die Welt.<\/p>\n<p>Ins Reich Gottes kommen nur die, die seine Worte h\u00f6ren und tun. Die erste grunds\u00e4tzliche Tat nach dem H\u00f6ren der Worte Jesu ist deshalb die Entscheidung f\u00fcr das Tun gegen das Nicht-Tun. Wer sich f\u00fcr das Tun entscheidet, der ist gut beraten noch einmal genau hineinzuh\u00f6ren in die Bergpredigt, was denn eigentlich getan werden soll. Bereits die Seligpreisungen zu Beginn der Bergpredigt, obgleich nur als zusagende Verhei\u00dfung gesprochen, enthalten indirekt eine Aufforderung zu: Sanftm\u00fctigkeit, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>H\u00f6ren und Tun das ist Segen, das bringt Leben in F\u00fclle. Wenn wir in Liebe und in Frieden miteinander leben werden, erfahren wir Gott. Wenn wir in felsenfestem Vertrauen leben und tun, was wir geh\u00f6rt und erfahren haben, kann uns nichts und niemand ins Wanken bringen. AMEN.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfr. Ekkehard Lagoda<br \/>\nEvangelisch-Lutherische Kirche in Genf<br \/>\n20, rue Verdaine<br \/>\nCH-1204 Gen\u00e8ve<br \/>\nTel 0041 22 310 41 87<br \/>\nFax 0041 22 310 41 51<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:pfarrer@luther-genf.ch\">pfarrer@luther-genf.ch<\/a><br \/>\nWebseite: <a href=\"http:\/\/www.luther-genf.ch\/\">www.luther-genf.ch<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Zwei Texte, die auf ihre Weise zum Verst\u00e4ndnis beitragen k\u00f6nnten:<\/strong><\/p>\n<p>Eine humorvolle Geschichte: Ein Benediktiner, ein Dominikaner, ein Franziskaner und ein Jesuit beten zusammen. Pl\u00f6tzlich gehen alle Lichter aus. Der Benediktiner will mit dem Gebet fortfahren, denn er kennt es auswendig. Der Dominikaner regt ein Streitgespr\u00e4ch \u00fcber &#8222;Licht und Dunkel in der Bibel&#8220; an. Der Franziskaner kniet nieder und schl\u00e4gt vor, dem Herrn f\u00fcr das Licht zu danken, das ihnen so sehr fehlt. In diesem Augenblick wird es wieder hell. Der Jesuit hatte inzwischen die Sicherung ausgewechselt. Was meint Jesus mit diesen Worten, geht es um katholische Werkgerechtigkeit, um Pragmatismus, in die H\u00e4nde spucken und Sicherungen auswechseln?<\/p>\n<p>Nicht das Beliebige, sondern<br \/>\ndas Rechte tun und wagen<br \/>\nnicht im M\u00f6glichen schweben<br \/>\ndas Wirkliche tapfer ergreifen<br \/>\nnicht in der Flucht der Gedanken,<br \/>\nallein in der Tat ist Freiheit.<\/p>\n<p>Tritt aus \u00e4ngstlichem Z\u00f6gern<br \/>\nhinaus in den Sturm des Geschehens,<br \/>\nnur von Gottes Gebot<br \/>\nund deinem Glauben getragen,<br \/>\nund die Freiheit wird deinen Geist<br \/>\njauchzend empfangen.<\/p>\n<p><em>Dietrich Bonhoeffer. <\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9. Sonntag nach Trinitatis | 24. Juli 2005 |\u00a0Matth\u00e4us 7, 24-27 | Ekkehard Lagoda | Darum, wer diese meine Rede h\u00f6rt und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. 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