{"id":10622,"date":"2005-07-07T19:49:19","date_gmt":"2005-07-07T17:49:19","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10622"},"modified":"2025-07-10T11:31:01","modified_gmt":"2025-07-10T09:31:01","slug":"lukas-161-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-161-9\/","title":{"rendered":"Lukas 16,1-9"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><span style=\"color: #000099;\">9. Sonntag nach Trinitatis | 24. Juli 2005 |\u00a0Lukas 16,1-9 | Lars Ole Gjesing |<\/span><\/h3>\n<p>(Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Dieses Gleichnis, das die \u00dcberschrift &#8222;der untreue Haushalter&#8220; bekommen hat, hat schon immer gro\u00dfe Schwierigkeiten gemacht, denn wie in aller Welt kann man eine so unmoralische Geschichte erz\u00e4hlen und sie dann damit enden lassen, dass der Haushalter, der so entschieden auf eigene Faust gehandelt hat, auch noch Lob erntet?<\/p>\n<p>Die \u00e4u\u00dferen Verh\u00e4ltnisse in dem Gleichnis sind ja ganz realistisch. Von solchen gro\u00dfen Gutsh\u00f6fen gab es zur Zeit Jesu viele in Israel. Ihre Besitzer lebten oft anderw\u00e4rts, beteiligten sich an der Regierung des Landes in Jerusalem oder wohnten im angenehmen Klima an der K\u00fcste, oder sie begaben sich auf lange Handelsreisen ins gro\u00dfe Ausland. Und dann hatten sie nat\u00fcrlich einen verl\u00e4sslichen und t\u00fcchtigen Rechnungsf\u00fchrer und Verwalter, einen Haushalter, der ihre Interessen auf dem Gut wahrnahm.<\/p>\n<p>Der Haushalter hatte nicht zuletzt daf\u00fcr zu sorgen, dass die Bauern, die einen Teil des Ackerlandes pachteten, auch ihre Abgaben entrichteten in Form von Weizen oder \u00d6l oder Wein, und dass sie das rechtzeitig taten. \u2013 Ein solcher Haushalter war ein Vertrauensmann. Es konnte geschehen, dass er dem Besitzer nur selten begegnete, deshalb hatte er oft uneingeschr\u00e4nkte Vollmacht, im Namen des Besitzers zu handeln. Die Schuldbriefe, die in dem Gleichnis eine Rolle spielen, k\u00f6nnten eine Art Erntepfandbriefe sein, die bestimmten, welche Abgaben die abh\u00e4ngigen Bauern zu entrichten hatten, wenn die Ernte eingebracht war.<\/p>\n<p>Es ist nat\u00fcrlich die Aufgabe des Gutsverwalters, die Forderungen einzutreiben, und nicht sie herabzusetzen, aber man kann sich sehr gut vorstellen, dass die Abschreibung, die er hier vornimmt, in Wirklichkeit rechtlich bindend war, weil er ja unbegrenzte Vollmacht besa\u00df, im Namen des Besitzers zu handeln.<\/p>\n<p>Aber worum geht es denn in dem Gleichnis? Warum hat Jesus es erz\u00e4hlt? Es sieht so aus, als w\u00e4re bereits Lukas selbst ernsthaft im Zweifel gewesen \u00fcber den Sinn der Geschichte, als er sie treu niederschrieb, so wie er sie \u00fcberliefert bekommen hatte. Lukas seinerseits war nicht Augenzeuge des Lebens Jesu. Was aber darauf hindeutet, dass Lukas im Zweifel war, ist die Tatsache, dass er sich nicht mit <em>einer<\/em> Erkl\u00e4rung des Gleichnisses begn\u00fcgt. Die Erkl\u00e4rung, die wir geh\u00f6rt haben, handelt ja davon, dass das Gleichnis ein Beispiel daf\u00fcr sein soll, dass die Kinder der Welt \u2013 also der Haushalter \u2013 in Geldangelegenheiten kl\u00fcger sind als die Kinder des Lichts. Damit wird er beinahe zu einem abschreckenden Beispiel. Das aber passt nicht gerade gut dazu, dass er kurz zuvor gelobt worden ist. Dann aber f\u00e4hrt die Auslegung damit fort, den Haushalter zu einem Beispiel der Nachfolge zu machen: Schafft euch Freunde mit Hilfe des unehrlichen Mammons, so dass sie euch in den ewigen Wohnungen empfangen k\u00f6nnen. Mit Geld in der Tasche kann man alles offenbar auf die leichte Schulter nehmen! Und wenn wir bei Lukas etwas weiterlesen \u2013 weiter, als die Agende vorschreibt \u2013, dann finden wir, dass da noch weitere drei bis vier Erkl\u00e4rungen folgen, die in Wirklichkeit in verschiedene Richtungen weisen.<\/p>\n<p>Als der ehrliche Mann, der Lukas ist, will er das Problem nicht verbergen, indem er das Gleichnis einfach auslie\u00dfe, aber wenn er es dann erz\u00e4hlt hat, verehrt er der Nachwelt auch noch alle m\u00f6glichen Auslegungen dazu. Deshalb m\u00fcssen wir selbst sehen, ob wir den rechten Weg finden k\u00f6nnen. Wo unter den Jesusgeschichten finden wir etwas, was diesem Gleichnis \u00e4hnlich w\u00e4re und uns auf den Weg helfen k\u00f6nnte? Wo finden wir einen Menschen, der Schuld tilgt? Wir finden ihn in Jesus selbst! Wo finden wir jemanden, der mit Vollmacht handelt, oder wenigstens behauptet, dass er mit Vollmacht handelt? Wir finden ihn wiederum in Jesus selbst! \u2013 Ich glaube, wir tun klug daran, das Gleichnis als eine Erz\u00e4hlung von Jesu eigener S\u00fcndenvergebung zu lesen, \u2013 als eine Verteidigungsrede daf\u00fcr, dass er S\u00fcnden vergibt.<\/p>\n<p>Es gibt ja viele andere Gleichnisse Jesu, die eine Art Verteidigungrede sind, etwa, wenn er im Gleichnis vom verlorenen Sohn seinen Umgang mit Z\u00f6llnern und S\u00fcndern verteidigt. Mit dem Gleichnis sagt er doch, dass der Vater selbst die Verlorenen mit offenen Armen empfangen will. V\u00f6llig entsprechend wurde Jesus heftig angeklagt, weil er S\u00fcnden vergab. Man sagte, das k\u00f6nne allein Gott tun, und darin, so glaube ich, war Jesus ganz einig, aber er behauptete, dass er mit einer Vollmacht handelte: Der Menschensohn hat die Befugnis auf Erden, S\u00fcnden zu vergeben.<\/p>\n<p>Ist das nun nicht genau dies Problem und diese Anklage, die sich hinter unserem Gleichnis hier verbirgt? Hier ist die Hauptperson ja ein Mann, der Schulden und Schuld abschafft, die nicht ihm selbst gegen\u00fcber bestehen. Genau dies stellt das Gleichnis in die N\u00e4he einer Verbrechererz\u00e4hlung. Aber teils handelt dieser Verwalter mit einer Vollmacht, mit einer Befugnis von seinem Herrn. Und teils \u2013 und das ist dann die gro\u00dfe \u00dcberaschung des Gleichnisses \u2013 endet das Gleichnis damit, dass ihn sein Herr lobt. Wir haben hier gelinde gesagt einen untraditionellen Gutsbesitzer vor uns, der Lob austeilt. Dieser Herr handelt auf dieselbe souver\u00e4ne, g\u00f6ttliche Weise wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn, oder wie der K\u00f6nig im Gleichnis von der Hochzeit des K\u00f6nigssohnes, der seinen Festsaal f\u00fcllen wollte. Das hei\u00dft, das Gleichnis ist eine Verteidigungsrede, die Jesus h\u00e4lt, um sich zu verteidigen gegen Anklagen, er h\u00e4tte kein Recht, Schuld zu erlassen und S\u00fcnde zu vergeben.<\/p>\n<p>Dieser Anklage gegen\u00fcber steht die Antwort Jesu, dass er mit Gottes eigener Autorit\u00e4t handelt. Es ist ein Ausdruck des Glaubens Jesu, dass er erwartet, dass Gott ihn deshalb loben und seine Vergebung zu der seinigen machen und seine Macht daf\u00fcr einsetzen wird. \u2013 Dass Gott sich selbst hinter Jesu Vergebung der S\u00fcnde von Menschen stellt. Es war der Glaube Jesu, dass Gott ihn deshalb loben wird. Und es ist unser Glaube, dass wir \u2013 seine Gemeinde \u2013 in den Fu\u00dfspuren Jesu, in seinem Namen die Vergebung der S\u00fcnden zusagen k\u00f6nnen und dass Gott auch diese Zusage zu seiner eigenen machen wird um Jesu Christi willen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Lars Ole Gjesing<br \/>\nS\u00f8ndergade 43<br \/>\nDK-5970 \u00c6resk\u00f8bing<br \/>\nTel.: ++ 45 \u2013 62 52 11 72<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:logj@km.dk\">logj@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9. Sonntag nach Trinitatis | 24. 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