{"id":10635,"date":"2005-07-07T19:49:16","date_gmt":"2005-07-07T17:49:16","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10635"},"modified":"2025-07-10T11:45:40","modified_gmt":"2025-07-10T09:45:40","slug":"2-mose-19-1-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-mose-19-1-6\/","title":{"rendered":"2. Mose 19, 1-6"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">10. Sonntag nach Trinitatis | 31. Juli 2005 |\u00a02. Mose 19, 1-6 | Rudolf Schmidt |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><strong>Vorbemerkung<br \/>\n<\/strong>Die Frage nach dem angemessenen Predigttext f\u00fcr den 10. Sonntag nach Trinitatis bedenkt Helmut Ruppel in seien Gedanken zu Johannes 2,13-22 in den \u201eG\u00f6ttinger Predigtmeditationen (Pastoraltheologie 94. Jg. 2005, S. 366ff) in gro\u00dfer und bedenkenswerter Ausf\u00fchrlichkeit.<br \/>\nIch halte mich an den f\u00fcr diesen Sonntag in diesem Jahr vorgesehenen Predigttext, 2. Mose 19, 1- 6.<\/p>\n<p>Folgende Lieder w\u00fcrde ich singen lassen:<br \/>\nEingangslied EG 140,1-5 Brunn alles Heils, dich ehren wir<br \/>\nWochenlied: EG 138, 1-3<br \/>\nLied vor der Predigt: EG 380: Ja. Ich will euch tragen<br \/>\nLied nach der Predigt: EG 481, 2-5 Die Zeit ist wie verschenket<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Der Predigttext f\u00fcr den 10. Sonntag nach Trinitatis steht im 2. Buch Mose im 19. Kapitel die Verse 1-6:<br \/>\nAm ersten Tag des dritten Monat nach dem Auszug der Kinder Israel aus \u00c4gyptenland, genau auf den Tag, kamen sie in die W\u00fcste Sinai.<br \/>\nDenn sie waren ausgezogen von Raphidim und kamen in die W\u00fcste Sinai und lagerten sich dort in der W\u00fcste gegen\u00fcber dem Berge.<br \/>\nUnd Mose stieg hinauf zu Gott. Und der Herr rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und verk\u00fcndigen den Kindern Israel:<br \/>\nIhr habt gesehen, was ich mit den \u00c4gyptern gemacht habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerfl\u00fcgeln und euch zu mir gebracht.<br \/>\nWerdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen V\u00f6lkern; denn die ganze Erde ist mein.<br \/>\nUnd ihr sollt mir ein K\u00f6nigreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Kindern Israel sagen sollst.<\/p>\n<p>Dieser Bibeltext f\u00fchrt uns weit zur\u00fcck zu den Anf\u00e4ngen des Volkes Israel. Mose hatte sein Volk im Auftrage Gottes aus Aegypten und durch das Schilfmeer in die W\u00fcste Sinai gef\u00fchrt. Auf dem Weg in das verhei\u00dfene Land der Vorv\u00e4ter, -Israel, &#8211; waren sie nach langer Wanderung &#8211; die Zeit wird sehr genau angegeben: <strong>am 1. Tag des dritten Monats nach dem Auszug aus Aegypten<\/strong> bis an den Fu\u00df des Berges Sinai gekommen: \u201c<strong>Sie kamen in die W\u00fcste Sinai und lagerten sich dort in der W\u00fcste gegen\u00fcber dem Berge<\/strong>\u201c. Vermutlich steht hinter diesem Bericht eine alte Erz\u00e4hltradition, da nicht genau bekannt ist, welcher Berg mit dem Sinai wirklich gemeint ist. Aber dar\u00fcber m\u00fcssen wir heute nicht lange nachsinnen, weil das Entscheidende nicht der Berg selbst ist, sondern das, was dort geschieht.<\/p>\n<p>Berichtet wird uns, dass Mose den Berg hinaufstieg und der Herr ihn vom Berge her ansprach.<br \/>\nIn dieser Begegnung zwischen Mose und Gott wird viel von dem deutlich, was unseren Glauben, &#8211; als Christen, die im j\u00fcdischen Glauben ihre Wurzeln haben, &#8211; besonderes pr\u00e4gt und bestimmt: Es ist die so ganz andere Gotteserfahrung, die in dieser Begegnung zwischen Mose und Gott lebendig und anschaulich wird.<\/p>\n<p>Vielleicht mu\u00df man dies besondere betonen, weil es uns so selbstverst\u00e4ndlich erscheint, aber es ist etwas ganz besonderes mit unserm Gott: er spricht zu Mose. Es ist also eine Gottesbegegnung ganz direkter Art, die Mose hier erfahren darf. Vergleichbare Erfahrungen ziehen sich durch die ganze Bibel hindurch, bis zur Taufe Jesu, wo Gott zu ihm sagt: \u201eDu bist mein lieber Sohn, an dem ich wohlgefallen habe, den sollt ihr h\u00f6ren\u201c., oder auch der Verkl\u00e4rungsgeschichte, und schlie\u00dflich der Begegnung des Paulus mit dem Auferstandenen Jesus vor Damaskus.<\/p>\n<p>Doch wie stellt sich Gott hier vor ? \u201e<strong>Ihr habt gesehen, was ich mit den \u00c4gyptern gemacht habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerfl\u00fcgeln und euch zu mir gebracht.<\/strong>\u201c<\/p>\n<p>Da ist Gott kein ferner, kein unnahbarer Gott, der im Himmel f\u00fcr ich sein will, sonder Gott will mit den Menschen, mit seinem Volk, mit uns sein, auch wenn wir von ihm weglaufen. Auch im Dunkel unseres Lebens, in der Gottferne, wie wir sie vielleicht beim Tode eines leiben Menschen oder bei den schrecklichen Terrorangriffen in diesen Tagen immer wieder erfahren, auch da will unser Gott bei uns sein und mit uns gehen.<\/p>\n<p>Im Judentum wird dazu eine sch\u00f6ne Geschichte erz\u00e4hlt: Ein K\u00f6nig verstie\u00df seine Frau aus seinem Palast \u2013 und holte sie am n\u00e4chsten Tag zur\u00fcck. Verwundert fragte die K\u00f6nigin: \u201eWarum hast du mich gestern versto\u00dfen , wenn du mich heute wieder zur\u00fcckholst?\u201c \u201eWisse\u201c, antwortete der K\u00f6nig, \u201eals du den Palast verlie\u00dfest, bin ich dir gefolgt, denn ich hielt es dort nicht alleine aus\u201c.<\/p>\n<p>So ist es mit dem Gott Israels, mit unserm Gott, dem Vater Jesu Christi: er will uns nicht in die Irre laufen lassen, von ihm fort, &#8211; sondern er geht mit uns, schickt sogar seinen Sohn, um uns zur\u00fcck zu holen, zur\u00fcck zu ihm.<\/p>\n<p>Gott will mit uns Menschen sein. Das ist eine ganz wichtige Erfahrung, die schon am Anfang der Geschichte des Volkes Israel steht und bis heute gilt und lebendig ist.<\/p>\n<p>Weil Gott die Menschen liebt, macht er dies an seinem Volk deutlich: Ihr sollt mein Eigentum sein vor allen V\u00f6lkern.. Das schlie\u00dft die andern V\u00f6lker nicht aus der N\u00e4he Gottes aus, aber es weist dem Volk Israel eine besondere Aufgabe zu. Denn diese N\u00e4he Gottes ist es, die im Volk Israel immer wieder tradiert und in immer neuen Erfahrungen eingefordert und bekr\u00e4ftigt wurde.<\/p>\n<p>In den Abschiedsworten Jesu am Ende des Matth\u00e4usevangeliums wird diese Zusage der N\u00e4he und Gegenwart Gottes noch einmal endg\u00fcltig bet\u00e4tigt: <strong>Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt<\/strong>.<\/p>\n<p>So sind wir durch Christus in diese ungeteilte Liebe Gottes zu seinem Volk mit einbezogen und d\u00fcrfen uns mit eingeschlossen wissen in diesen Bund, von dem unser Predigttext aus dem 2. Buch Mose berichtet.<\/p>\n<p>Dieser Bund ist aber kein Vertrag auf Gegenseitigkeit, in dem Gott unsere guten Werke, unsere Leistungen oder unsere Fr\u00f6mmigkeit belohnt, sondern ein Geschenk Gottes an die Seinen, eine Zusage, dass er zu den Seinen steht. Die 10 Gebote, die das Volk Gottes dann am Sinai empfangen hat, sind deshalb auch nicht als Gesetzt oder eine schwere Last verstanden worden, sondern als Wegweiser ins Leben. Zu wem sich Gott stellt, der soll wissen, wie das Leben in der N\u00e4he Gottes gelebt werden kann, was gut und ist und hilfreich f\u00fcr das gemeinsame Leben vor Gott, und was zu lassen ist, damit das gemeinsame Leben der Menschen vor Gott nicht verst\u00f6rt wird, sondern im Gegenteil, damit unser Leben gelingt in der Gegenwart unseres Gottes.<\/p>\n<p>Darum hat Gott seinen Sohn zu uns gesandt, zum Zeichn, da\u00df Gott uns liebt, so wie wir sind. Er hat uns angenommen, damit wir leben, in seiner N\u00e4he und zu seinem Lob.<\/p>\n<p>So lassen sich Spuren und Verbindungen der N\u00e4he und der Liebe Gottes finden vom Anbeginn der Geschichte des Volkes Israel \u00fcber Jesus, den Christus, den Gesalbten Gottes, die bis zu uns heute hinf\u00fchren und uns deutlich machen, dass Gottes Verhei\u00dfung an sein Volk nicht aufgehoben ist und auch f\u00fcr uns Christen gilt, die wir durch Christus zum Volk Gottes geh\u00f6ren,.<\/p>\n<p>Gottes Treue zu seinem Volk will darum auch von uns heute dankbar gelebt werden, in der Liebe zum N\u00e4chsten, in dem Gott uns t\u00e4glich neu begegnen will.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Rudolf Schmidt<br \/>\nBeethovenstra\u00dfe 4<br \/>\n37085 G\u00f6ttingen<br \/>\nTel. : 0551 \/ 73470 Dienstag, 26. Juli 2005<br \/>\nFax: 0551 \/ 5085743<br \/>\nEmail: <a href=\"mailto:p.rudolfschmidt@web.de\">p.rudolfschmidt@web.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10. Sonntag nach Trinitatis | 31. Juli 2005 |\u00a02. Mose 19, 1-6 | Rudolf Schmidt | Vorbemerkung Die Frage nach dem angemessenen Predigttext f\u00fcr den 10. Sonntag nach Trinitatis bedenkt Helmut Ruppel in seien Gedanken zu Johannes 2,13-22 in den \u201eG\u00f6ttinger Predigtmeditationen (Pastoraltheologie 94. Jg. 2005, S. 366ff) in gro\u00dfer und bedenkenswerter Ausf\u00fchrlichkeit. 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