{"id":10637,"date":"2005-08-07T19:49:27","date_gmt":"2005-08-07T17:49:27","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10637"},"modified":"2025-07-10T14:45:04","modified_gmt":"2025-07-10T12:45:04","slug":"lukas-1511-32-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1511-32-5\/","title":{"rendered":"Lukas 15:11-32"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">11. Sonntag nach Trinitatis | 7. August 2005 | Lukas 15:11-32 | Dankwart Arndt |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Jesu Gleichnisse sind einfach; aber sie sind keinesfalls simpel. Deshalb bed\u00fcrfen sie einer nachdenklichen Auslegung.<\/p>\n<p>\u201eEin Mann hatte zwei S\u00f6hne&#8230;\u201c \u2013 so k\u00f6nnte auch ein M\u00e4rchen beginnen. M\u00e4rchen allerdings und auch Gleichnisse bilden ein St\u00fcck Wirklichkeit ab. Dabei bildet das Gleichnis vom Vater zweier S\u00f6hne mehr Wirklichkeit ab als zun\u00e4chst erscheinen mag.<\/p>\n<p>In der Welt und auch in diesem Gleichnis geht es nicht simpel zu. Die Welt l\u00e4sst sich nicht einfach einteilen in solche, die \u201eJa,\u201c sagen und \u201eNein\u201c tun einerseits und andererseits in solche, die zun\u00e4chst \u201eNein\u201c sagen und dann doch \u201eJa\u201c tun; nicht einfach und ohne Rest einzuteilen ist die Welt, in einerseits liebedienerische Typen, die vorneherum viel versprechen und sp\u00e4ter wenig halten, und andererseits in die \u201eehrlichen H\u00e4ute\u201c\u2013 \u201eder Ehrliche ist der Dumme\u201c &#8211; , die sich zun\u00e4chst verweigern, dann aber das Gebotene tun.<\/p>\n<p>So simpel geht es eben auch in Jesu Gleichnis nicht zu, wenngleich diese Deutung \u2013 mit kr\u00e4ftig erhobenem Zeigefinger! \u2013 beliebt und \u2013 begehrt ist.<\/p>\n<p>Beliebt, weil sich auf diese Weise alle \u00dcbel dieser Welt hin- und her-schieben lassen. Dann urteilt der B\u00fcrger \u2013 zumal in diesen Wochen -, die Klasse der Politiker seien \u201eJa-Sager\u201c und \u201eNein-Tuer\u201c, dann urteilt der kritische Geist \u2013 und das ist dann schon der Gipfel kritischer Weisheit! -, Menschen, die \u201edauernd in die Kirche rennen\u201c, seien auch nicht besser als andere, sie und ihre Kleriker predigten Wasser, w\u00fcrden selber aber Wein trinken.<\/p>\n<p>Beliebt und begehrt ist diese Deutung des Jesus-Gleichnisses, weil sie \u2013 scheinbar! \u2013 R\u00fcckendeckung bietet beim ach so beliebten Verschieben von Schatten und \u00dcbel: immer sind dann n\u00e4mlich die jeweils anderen die \u201eB\u00f6sen\u201c: \u201edie da oben\u201c, die Politiker oder eben die breite Mehrheit \u201edrau\u00dfen im Lande\u201c; die Chefs oder eben die Mitarbeiter; die Vorgesetzten oder eben das \u201eFu\u00dfvolk\u201c; die unzul\u00e4nglichen Lehrer oder eben die unf\u00e4higen und unwilligen Sch\u00fcler. Immer haben \u201edie anderen\u201c Schatten und \u00dcbel dieser Welt zu verantworten.<\/p>\n<p>Aber \u2013 Jesu Gleichnis ist nicht simpel. Er erz\u00e4hlt nicht von einem liebedienerischen, heuchelnden Sohn, der \u201eJa\u201c sagt und \u201eNein\u201c tut, und einem edlen Sohn, der ohne viel Aufhebens zu machen, das Gute tut.<\/p>\n<p>Vielmehr: Jesus erz\u00e4hlt ganz schlicht: da sind zwei S\u00f6hne. Einer sagt \u201eJa\u201c zu seines Vaters Gebot; und zun\u00e4chst \u2013 m\u00f6chte ich denken \u2013 meint er auch \u201eJa\u201c, hat die gute Absicht und den erkl\u00e4rten Willen. Dann aber geht er nicht hin und tut nicht das Gebotene.<\/p>\n<p>Wenn wir uns entschlie\u00dfen k\u00f6nnten, ihn \u2013 diesen Sohn \u2013 auch in uns selbst, als einen Teil von uns in unserem Alltag zu entdecken, dann k\u00f6nnten wir \u2013 Sie und ich und jeder f\u00fcr sich \u2013 die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Ungehorsam herausfinden, wenn wir denn im klaren dar\u00fcber sind, dass der Ja-Sager und Nein-Tuer auch in uns steckt.<\/p>\n<p>Freilich: Jesus zielt in diesem Gleichnis eher darauf, die andere M\u00f6glichkeit herauszustellen, den \u201eanderen Sohn\u201c zu beachten und dessen Verhalten und dies als angemessen, verhei\u00dfungsvoll, hilfreich dem H\u00f6rer vor Augen zu stellen und ans Herz zu legen. Denn \u2013 auch \u201eder andere Sohn\u201c ist ein Teil von mir, von Ihnen, &#8211; steht f\u00fcr eine M\u00f6glichkeit, die wir \u2013 hoffentlich \u2013 ebenfalls als uns er\u00f6ffnet erkennen.<\/p>\n<p>Dieser \u201eandere\u201c, dieser \u201ezweite\u201c Sohn macht ja nun eben nicht nur kein Aufhebens von seinem Gehorsam, sondern er sagt zun\u00e4chst sehr dezidiert sein \u201eNein\u201c zu dem Gebotenen. Wiederum aus Gr\u00fcnden, die jeder bei sich selbst suchen mag.<\/p>\n<p>Zwischen seinem Nein-Sagen und dem Ja-Tun liegt nun aber das \u2013 Bu\u00dfe-Tun, die Sinnes\u00e4nderung, die Neu-besinnung, die Umkehr. Und darauf will Jesus mit seinem Gleichnis hinaus.<\/p>\n<p>Nun wissen wir zwar: es gibt die genialen Einf\u00e4lle, die ihre Richtigkeit beweisen, auch die raschen Worte, die sofort treffend, passend, gut sind. Und ganz gewiss sind diejenigen Menschen wenig hilfreich, die ihre Fahne nach jedem Windhauch zu h\u00e4ngen wissen, die \u201eWendeh\u00e4lse\u201c, die ganz fix Urteile, Einstellungen, Parteien zu wechseln verm\u00f6gen. A b e r : Jesu Verhei\u00dfung gilt doch denen, die zu z\u00f6gern verm\u00f6gen, die neu zu \u00fcberlegen verm\u00f6gen, die neu zu entscheiden verm\u00f6gen, die sich zu \u201erevidieren\u201c verm\u00f6gen. \u201eRevidieren\u201c \u2013 das meint: zur\u00fcck \u2013 und neu hin-sehen.<\/p>\n<p>Wer aber vermag das?<\/p>\n<p>Wer gewinnt solches \u201eVerm\u00f6gen?\u201c \u2013 wir wissen auch aus anderen Lebenszusammenh\u00e4ngen, dass der erste Entwurf nicht immer wirklich \u201eder gro\u00dfe Wurf\u201c ist., dass der erste Gedanke nicht immer richtig ist, das erste Gef\u00fchl nicht immer Wahrheit aufdeckt. Und wer etwas tut, weil er es \u201eimmer so gehalten\u201c hat; wer auf einem Urteil beharrt, weil er es nun einmal so gef\u00e4llt hat; wer Entscheidungen vollzieht, weil sie \u201enun einmal gefallen\u201c sind \u2013 wer so denkt und handelt, der muss im Grunde seines Herzens \u00fcberaus \u00e4ngstlich sein, gefesselt geradezu von der Angst, zur\u00fcckzuschauen, zu pr\u00fcfen, in Frage zu stellen und sich in Frage stellen zu lassen.<\/p>\n<p>Noch einmal also die Frage: woher das Verm\u00f6gen, sich zu revidieren, umzukehren, Bu\u00dfe zu tun? Die Antwort auf diese Frage findet sich in dem Wort dessen, der dieses Gleichnis erz\u00e4hlt: sich zu \u00e4ndern vermag, auf verkehrtem Weg umzukehren vermag, wer sich anreden l\u00e4sst als Kind, als Sohn: \u201eEs hatte ein Mann zwei S \u00f6 h n e ..\u201c Entscheidungen zu bereuen und zu revidieren vermag, wer in diesen Frei-Raum der Kindschaft sich hineinnehmen l\u00e4sst, wer gelten l\u00e4sst, dass er auf seine Vergangenheit nicht festgelegt, auf seine Taten nicht festgenagelt ist.<\/p>\n<p>Moralische Appelle behaupten, der zun\u00e4chst geleistete Gehorsam macht ein Kind aus, richtige Entscheidungen und zun\u00e4chst nachgewiesene Leistungen seien die Voraussetzung daf\u00fcr, den Rang eines humanen Wesens zu erklimmen. Im Unterschied dazu, ja, im Gegensatz dazu sagt das Evangelium \u2013 und deshalb und darin ist es Frohe Botschaft, die befreit &#8211; : nur wer schon immer als Menschengesch\u00f6pf geachtet ist, wird humane Entscheidungen treffen k\u00f6nnen; nur wer immer schon als Kind ganz und gar und vorbehaltlos angenommen ist, kann kindlichen \u2013 nicht knechtischen- Gehorsam aufbringen; nur wer immer schon als menschlicher Mensch angesehen, angeredet, akzeptiert ist, kann zum rechten, zu menschlichem Tun und Verhalten finden.<\/p>\n<p>\u201eEin Mann hatte zwei S\u00f6hne&#8230;\u201c \u2013 diese beiden leben und wesen in jedem einzelnen von uns, so, dass wir h\u00f6ren k\u00f6nnen: \u201eEin Mann hat \u2013 jetzt und hier \u2013 zwei S\u00f6hne.\u201c Einer, der schnell, vielleicht vorschnell \u2013 \u201eJa\u201c sagt; m\u00f6glicherweise aus Furcht?, oder blo\u00df leichtsinnig?, oder um einer missliebigen Situation schnell zu entkommen?, oder weil ein schneller Vorteil winkt? Wer wei\u00df! Und der andere, der \u201eNein\u201c antwortet, der dann aber ins Z\u00f6gern ger\u00e4t, nachdenklich wird, sich revidiert. \u201eEin Mann hatte zwei S\u00f6hne&#8230;\u201c \u2013 beide M\u00f6glichkeiten, beide Verhaltenweisen, beide Entw\u00fcrfe geh\u00f6ren zu mir und zu Ihnen.<\/p>\n<p>\u201eEin Mann hatte zwei S\u00f6hne&#8230;\u201c \u2013 und er nagelt keinen von Ihnen fest. Vielmehr: solange und wo dieses Gleichnis erz\u00e4hlt, gepredigt, verk\u00fcndigt wird im Namen des Gekreuzigten \/ Auferweckten, wird der Frei-Raum zur Umkehr er\u00f6ffnet, werden \u2013 wenn denn das Wort geh\u00f6rt und angenommen wird \u2013 die \u201eF\u00fc\u00dfe auf einen weiten Raum gestellt\u201c, die Einladung zur Bu\u00dfe g\u00fcltig.<\/p>\n<p>Jesus fragte seine Zuh\u00f6rer: \u201eWelcher unter den zweien hat des Vaters Willen getan?\u201c Zu dieser Frage geh\u00f6ren \u2013 denke ich \u2013 auch folgende Fragen: \u201eWer von den beiden war am Ende bei sich? Wer war er selbst? Wer von beiden hatte am Ende sich gefunden? Wer von den beiden war am Ende gel\u00f6st, frei und von Herzen fr\u00f6hlich?\u201c \u2013 Die Antwort kann nur lauten: der die befreiende Erfahrung der Revision, der Umkehr erfahren hatte, der \u2013 wie der Titel eines un\u00fcbertroffenen klugen B\u00fcchleins zum Thema sagt \u2013 \u201edie Freude der Bu\u00dfe\u201c erlebt hatte.<\/p>\n<p>Dass diese Freude Sie erreiche und ergreife, ist Ziel des Gleichnisses und der Wunsch des Predigers.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Dankwart Arndt<br \/>\nPastor i. R.<br \/>\nAuf dem Breckels 1, 24329 Grebin<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>E-Mail c\/o <a href=\"mailto:angelikatanha@hotmail.com\">angelikatanha@hotmail.com<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11. Sonntag nach Trinitatis | 7. August 2005 | Lukas 15:11-32 | Dankwart Arndt | Jesu Gleichnisse sind einfach; aber sie sind keinesfalls simpel. 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