{"id":10638,"date":"2005-08-07T19:49:15","date_gmt":"2005-08-07T17:49:15","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10638"},"modified":"2025-07-10T14:41:14","modified_gmt":"2025-07-10T12:41:14","slug":"matthaeus-21-28-32-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-21-28-32-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 21, 28-32"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">11. Sonntag nach Trinitatis | 7. August 2005 |\u00a0Matth\u00e4us 21, 28-32 | Hans Theodor Goebel |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>1.<br \/>\n<em>Was meint ihr? <\/em>\u2013 fragt Jesus die M\u00e4nner, die ihm im Tempel gegen\u00fcber sitzen. Und erz\u00e4hlt ihnen eine Geschichte.<br \/>\n<em>Was meint ihr?<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Wenn Jesus nach seiner Verhei\u00dfung mitten unter ist, haben wir damit zu rechnen: Er fragt mit dieser Geschichte jetzt auch uns.<em><br \/>\n<\/em><em>Was meint ihr?<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>In der Geschichte, die Jesus erz\u00e4hlt, scheint alles ganz einfach. Ohne Frage.<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Mensch hatte zwei Kinder.<br \/>\n<\/em>Sagen wir: ein Vater mit zwei erwachsenen S\u00f6hnen.<br \/>\n<em>Er kam zu dem ersten und sprach: Kind, geh hin und arbeite heute im Weinberg! Der aber antwortete und sprach: Ich will nicht. Sp\u00e4ter aber \u00e4nderte er seinen Sinn und ging hin. Da kam der Vater zum anderen und sprach ebenso. Der aber antwortete und sprach: Jawohl, Herr. Und ging nicht hin. Welcher von den beiden hat des Vaters Willen getan?<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>So Jesu Frage zu dieser Geschichte. <em>Was meint ihr?<\/em><em><br \/>\n<\/em>Die Antwort ist ganz einfach. Ohne Frage. <em>Sie sagen: Der erste.<br \/>\n<\/em>Der hat doch <em>getan<\/em>, was sein Vater wollte. Auch wenn er zuerst Nein! sagte.<br \/>\nEine andere Antwort ist nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Ein Gleichnis ist das, was Jesus hier erz\u00e4hlt. So wie in dieser Geschichte verh\u00e4lt es sich auch bei Gott.<\/p>\n<p>Das wussten auch die j\u00fcdischen Schriftgelehrten vor und neben Jesus: \u201eDie Gerechten sagen wenig und tun viel. Die Gottlosen sagen viel und tun wenig\u201c.<\/p>\n<p>Jesus hat das aufgenommen \u2013 wir h\u00f6ren es am Ende seiner <em>Bergpredigt:<br \/>\nEs werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen <\/em>tun<em> meines Vaters im Himmel.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>2.<em><br \/>\n<\/em><em>Was meint ihr? \u2013 <\/em>fragt Jesus.<br \/>\nErkennt ihr euch auch selbst in einem der beiden S\u00f6hne? In dem, der <em>Jawohl<\/em> sagt wie ein Untergebener zu seinem Herrn und dann doch nicht des Vaters Willen tut? In dem, der aufm\u00fcpfig <em>Ich will nicht <\/em>sagt, und dann doch tut, was sein Vater will? Was meint ihr von euch selbst? <em>Tut <\/em>ihr das Gerechte? Gegen\u00fcber den Menschen, mit denen ihr am engsten zusammen lebt? Und wenn ihr urteilt \u00fcber die Fremden? Und bei der Arbeit mit anderen? Tut ihr da, was diesen Menschen nach dem Willen des himmlischen Vaters gerecht wird? \u2013 Oder macht ihr nur sch\u00f6ne Worte?<br \/>\nJesu Geschichte kann uns die Augen \u00f6ffnen. Sie kann uns auch den Blick auf unsere Kirche und unsere Gemeinden sch\u00e4rfen. Redet unsre Kirche immer nur von der Gerechtigkeit, macht Erkl\u00e4rungen, die sich an andere richten, oder<em> tut<\/em> sie auch das Gerechte in Zeiten, wo das Geld knapp wird? Tun wir das Gerechte an den Menschen, die bei uns in der Kirche arbeiten? Tun wir das Gerechte an den Menschen, die uns nichts bringen, aber arm dran sind und gerade auf uns warten, von ihren N\u00e4chsten Vergessene und Liegengebliebene in unsrer Gesellschaft? Tut unsre Kirche, was ihnen gerecht wird?<\/p>\n<p>3.<br \/>\nJesu Gleichnis von den zwei ungleichen S\u00f6hnen hat bei dem Evangelisten Matth\u00e4us noch eine weitere Dimension. Jesus sagt noch mehr. Und trifft damit die M\u00e4nner, die ihm im Tempel gegen\u00fcber sitzen, in ihrem Verhalten zu ihm selbst.<br \/>\nWas sind das f\u00fcr M\u00e4nner?<br \/>\nSolche, die in Jerusalem das Sagen haben. Geistliche F\u00fchrer und aus den ersten Familien der Stadt. Sie haben kritisch zugesehen, wie Jesus eben noch unter den Jubelrufen einer begeisterten Volksmenge in die Stadt eingezogen ist, wie er die H\u00e4ndler und Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben und eben da Blinde und Lahme geheilt hat. Und hat die unm\u00fcndigen Kinder verteidigt, die das <em>Hosianna<\/em> von der Stra\u00dfe in den Tempel getragen hatten.<br \/>\nWieso tritt Jesus so im Tempel auf? Mit welchem Recht darf er das? Wer hat ihn dazu bevollm\u00e4chtigt? Autorisiert?<br \/>\nSo haben diese Kritiker Jesus gefragt. Und der hat sie zur\u00fcck gefragt <em>Was meint ihr? <\/em>Wer von den ungleichen S\u00f6hnen hat des Vaters Willen getan? Da konnten sie nur antworten: Der zuerst sagte <em>Ich will nicht<\/em>, der hat des Vaters Willen getan.<br \/>\nAuf diese ihre Antwort hin spricht Jesus und es t\u00f6nt wie ein Urteil voller Autorit\u00e4t:<br \/>\n<em>Amen, ich sage euch: Die Z\u00f6llner und die Dirnen kommen eher als ihr in die K\u00f6nigsherrschaft Gottes.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Und dann, als ob Jesus sein Urteil noch einmal f\u00fcr sie begr\u00fcndete und erkl\u00e4rte:<br \/>\n<em>Es kam n\u00e4mlich Johannes zu euch auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Z\u00f6llner aber und die Dirnen glaubten ihm. Ihr dagegen habt es gesehen und habt danach euern Sinn nicht ge\u00e4ndert, ihm zu glauben.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Noch einmal k\u00f6nnen sie sich selbst in dieser Geschichte erkennen als die, die den Willen Gottes nicht taten, obwohl sie doch wie auf Befehl <em>Jawohl, Herr <\/em>sagten. Und werden besch\u00e4mt, weil Jesus auf andere hinweist: Die Betr\u00fcger und Huren taten Gottes Willen.<em><br \/>\n<\/em>Die f\u00fchrenden M\u00e4nner \u2013 sie hatten den Glauben an Gott und die Gebote im Munde gef\u00fchrt und selbst hochgehalten. Das ist von uns nicht schlecht zu machen. Aber als es drauf ankam, als der T\u00e4ufer Johannes auftrat und dann Jesus und beide predigten: <em>Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen! \u2013 <\/em>taten sie das Entscheidende nicht. <em>Da habt ihr nicht geglaubt \u2013 <\/em>sagt Jesus.<br \/>\nIhr Kirchenbesucher, wird er wohl uns fragen, und ihr Kirchenf\u00fchrer, H\u00fcter der Gesellschaft, die ihr die christlichen Werte und Traditionen beschw\u00f6rt, die ihr die christliche Religion in der \u00d6ffentlichkeit geachtet wissen und Gott unbedingt in der Verfassung Europas genannt haben wollt, die ihr die Verweltlichung des Lebens beklagt und vor der Gottlosigkeit warnt \u2013 wie haltet ihr es mit Jesus, der wie der T\u00e4ufer auf dem Weg der Gerechtigkeit Gottes gekommen ist?<br \/>\nHabt <em>ihr<\/em> ihm geglaubt? Wie urteilt er \u00fcber euch, wenn er spricht:<br \/>\nAmen, ich sage euch, die Z\u00f6llner und die Dirnen werden eher ins Reich Gottes kommen als ihr. Denn sie haben wie dem T\u00e4ufer so auch Jesus geglaubt.<br \/>\nGewiss &#8211; die Lebensf\u00fchrung dieser Geldeintreiber und Huren war ein offensichtliches Nein zu Gottes Gebot. Die Frommen verachteten sie deswegen auch gr\u00fcndlich. Was aber taten diese Au\u00dfenseiter, als Jesus kam? Sie setzten sich mit Jesus an einen Tisch, um mit ihm zu essen und zu trinken, weil er sich zu ihnen setzte. Als er einkehren wollte bei dem Oberz\u00f6llner Zach\u00e4us, nahm der ihn auf &#8211; \u201emit Freuden\u201c und versprach die H\u00e4lfte seines Besitzes den Armen und vierfache Entsch\u00e4digung denen, die er betrogen hatte. Und die so genannte gro\u00dfe S\u00fcnderin salbte Jesus als Zeichen ihrer gro\u00dfen Liebe mit kostbarem Salb\u00f6l.<\/p>\n<p>Ihr habt das gesehen \u2013 sagt Jesus in unserm Text zu den M\u00e4nnern im Tempel, aber ihr habt euern Sinn nicht ge\u00e4ndert und geglaubt. Und doch nagelt Jesus seine Kritiker nicht fest auf ihren Unglauben. Noch, wo er sie so anspricht &#8211; wirbt er um sie.<br \/>\nWill er ihnen nicht sagen: Meine T\u00fcr steht euch offen!<\/p>\n<p>Wir sehen ihn nicht. Doch glauben wir, dass der lebendige Jesus auch durch unsere Zeit geht. Und wie damals zieht es ihn zu den Menschen, die unten und die arm dran sind. Die im Schatten existieren. Es zieht ihn zu den Kleinen und Armen, zu den Vergessenen und Liegengelassenen, zu den Gottlosen und Verachteten jenseits der Grenzen von Religion und Moral. Denn Gott selbst zieht es da hin. Wo Jesus kommt, macht Gott gerade bei denen Wohnung. Jesus l\u00e4sst sich dabei nicht beirren durch die M\u00e4chtigen und Weisen, durch die Hohen und Reichen, durch die, die \u00fcber Gefahr und Rettung immer schon Bescheid zu wissen meinen und sich in ihrer eigenen Gerechtigkeit nicht ersch\u00fcttern lassen. Jesus sagt in der ihm eigenen Souver\u00e4nit\u00e4t: F\u00fcr die Starken und f\u00fcr die Gerechten bin ich nicht gekommen, sondern f\u00fcr die Schwachen und die S\u00fcnder.<\/p>\n<p>Wie halte ich es mit Jesus? Wie h\u00e4ltst du es mit Jesus?<br \/>\nAuch du und ich, wir sind bei uns selbst nicht gut aufgehoben, aufgehoben sind wir nur bei Gott, der die Verlorenen annimmt. Das ist die Gerechtigkeit, die uns in Jesus begegnet. Das ist die offene T\u00fcr ins Reich Gottes.<\/p>\n<p>Was will Jesus mit unserem Leben?<br \/>\nSein Zug zu den Menschen, die unten sind, will sich fortsetzen in unserem Leben. In unserm Tun. Was ihr <em>getan<\/em> habt einem unter meinen geringsten Schwestern und Br\u00fcdern &#8211; den Fremden und den Kranken, den Gefangenen, den Hungernden und D\u00fcrstenden \u2013 das habt ihr mir <em>getan<\/em>. So sagt er. Da habt ihr mich getroffen, und wusstet es gar nicht. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Hans Theodor Goebel, K\u00f6ln<br \/>\n<a href=\"mailto:HTheo_Goebel@web.de\">HTheo_Goebel@web.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11. Sonntag nach Trinitatis | 7. August 2005 |\u00a0Matth\u00e4us 21, 28-32 | Hans Theodor Goebel | 1. Was meint ihr? \u2013 fragt Jesus die M\u00e4nner, die ihm im Tempel gegen\u00fcber sitzen. Und erz\u00e4hlt ihnen eine Geschichte. Was meint ihr? 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