{"id":10667,"date":"2005-08-07T19:49:13","date_gmt":"2005-08-07T17:49:13","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10667"},"modified":"2025-07-12T16:18:44","modified_gmt":"2025-07-12T14:18:44","slug":"markus-1-40-45-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-1-40-45-7\/","title":{"rendered":"Markus 1, 40-45"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">14. Sonntag nach Trinitatis | 28. August 2005 |\u00a0Markus 1, 40-45 | Richard Engelhardt |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>&#8220; Einmal kam ein Auss\u00e4tziger zu Jesus, kniete vor ihm nieder und bat ihn um Hilfe.<\/em><br \/>\n<em>\u201eWenn du willst\u201c, sagte er, \u201ekannst du mich gesund machen.\u201c Jesus hatte Mitleid mit ihm, streckte die Hand aus und ber\u00fchrte ihn. \u201eIch will\u201c, sagte er, \u201esei gesund!\u201c<\/em><br \/>\n<em>Im selben Augenblick war der Mann von seinem Aussatz geheilt.<\/em><br \/>\n<em>Jesus schickte ihn weg und befahl ihm streng:<\/em><br \/>\n<em>\u201eSag keinem ein Wort davon, sondern geh zum Priester und la\u00df dich von ihm untersuchen. Dann bring das Opfer f\u00fcr deine Heilung, wie Mose es vorgeschrieben hat, damit jeder sehen kann, da\u00df du gesund bist.\u201c<\/em><br \/>\n<em>Aber der Mann fing trotz des Verbotes an, \u00fcberall von seiner Heilung zu erz\u00e4hlen. Bald konnte Jesus keine Ortschaft mehr unerkannt betreten. Daher blieb er drau\u00dfen in einsamen Gegenden; die Leute aber kamen von \u00fcberall her zu ihm.&#8220;<\/em><br \/>\n(\u00dcbersetzung: Die gute Nachricht)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>\u201eTue Gutes und rede davon\u201c. So h\u00e4lt es die Werbebranche, so halten es die Parteien im Wahlkampf, so mu\u00df es zum Beispiel auch die Diakonie halten. Und wer es nicht so h\u00e4lt, ist bald vergessen. Wer mitreden will, wer eine Ware verkaufen m\u00f6chte oder Spenden braucht, mu\u00df sich ins rechte Licht r\u00fccken, verk\u00fcnden, da\u00df er der Beste ist oder zumindest gro\u00dfe Taten zu vollbringen vermag.<\/p>\n<p>Wir erleben es gerade im Wahlkampf, wie die Parteien und ihre Kandidaten sich und ihre Ideen anpreisen. Stellen wir uns gar nicht erst vor, wie es w\u00e4re, wenn unter all denen, die sich um ein politisches Mandat bewerben, jemand meinte, er h\u00e4tte die eine z\u00fcndende Idee, wie die Probleme unseres Landes zu l\u00f6sen w\u00e4ren, der sozusagen behaupten w\u00fcrde, ein Wunder vollbringen zu k\u00f6nnen. Was w\u00fcrde er f\u00fcr eine Werbung machen, um seinem Ruhm im Lande zu verk\u00fcnden. Unsere Vorfahren vor mehr als zwei Generationen haben das erlebt. Viele im Lande sind damals der Werbung, Propaganda, wie man sagte, erlegen und waren so beeindruckt, da\u00df sie tats\u00e4chlich das Heil erwarteten, den F\u00fchrer weitgehend mit Inbrunst verehrten und sich ihm auslieferten.<\/p>\n<p>Seitdem es Werbung gibt, ist diese Geschichte aus dem Markus-Evangelium v\u00f6llig unzeitgem\u00e4\u00df, denn Jesus will ja gerade nicht der \u201eJesus Christ Superstar\u201c sein, zu dem ihn manche gerne machen m\u00f6chten. Streng verbietet er dem Mann, der gerade die entscheidende Wende in seinem Leben erfahren hat, seinen Namen bekannt zu machen, f\u00fcr ihn mit der wunderbaren Heilung zu werben. Nat\u00fcrlich h\u00e4lt sich der \u00fcbergl\u00fcckliche Mann nicht an dieses Verbot. Er preist nicht nur seinen Gott, wie es von ihm erwartet wird, er nennt auch den Namen dessen, der ihm geholfen hat: Jesus. \u201eBald konnte Jesus keine Ortschaft mehr unerkannt betreten.\u201c Da haben die Menschen ihn also, den \u201eSuperstar\u201c. Jesus will diese Popularit\u00e4t nicht. Er weicht in die \u201eeinsamen Gegenden\u201c aus. Trotzdem kommen die Menschen in gro\u00dfer Zahl zu ihm. Und sie \u201ebrachten zu ihm alle Kranken und Besessenen\u201c. \u201eUnd er half vielen Kranken und trieb viele B\u00f6se Geister aus.\u201c Die Menschen sehen hier endlich den gro\u00dfen Helden, von dem ja schon vor langer Zeit die Propheten geschrieben haben, dass mit ihm die messianische Zeit, die Zeit des Heils anbrechen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Jesus hat diese Situation in seiner Vorbereitungszeit, jenen Wochen in der W\u00fcste, als teuflische Versuchung vor sich gesehen: Wer Steine zu Brot machen kann und damit den Hunger besiegt, wer Krankheit und Tod beseitigen kann und damit die Ur\u00e4ngste der Menschen \u00fcberwindet, der hat Macht, der hat Ruhm verdient, der kann allerdings auch die Menschen manipulieren. Nur, die Macht w\u00e4re nicht mehr die Macht Gottes.Sie w\u00e4re an einen Menschen gebunden, an seine Person, seine Ideen, vielleicht seine Parteig\u00e4nger. Und was w\u00e4re damit gewonnen? Es w\u00fcrde andere N\u00f6te geben. Die Menschen w\u00fcrden weiter in ihren Zw\u00e4ngen, Gesetzen, Ordnungen leben. Unm\u00fcndig und gottfern. Jesus wehrt die Versuchungen ab. Gott, den er seinen Vater nennen kann, hat ihm einen anderen Auftrag gegeben: Gottes Liebe soll und will er verk\u00fcnden.<\/p>\n<p>Aber dieser Jesus, Gottes Sohn, heilt doch Kranke, sogar von Totenauferweckung, Brotvermehrung und anderen wundersamen Ereignissen wird berichtet. Sehen wir uns die Geschichte, die Markus berichtet, noch einmal von vorne an:<\/p>\n<p>Da ist ein Mann, befallen von einer entsetzlichen und ansteckenden Krankheit. Es gibt f\u00fcr diese Krankheit, den Aussatz, keine Heilung und die Umgebung kennt nur einen Schutz vor Ansteckung: Der Kranke mu\u00df aus der Gemeinschaft radikal ausgeschlossen werden. Diese Entfernung aus der Familie und dem Freundeskreis f\u00e4llt niemandem leicht. Man trauert um den, der nun vor dem Dorf oder der Stadt bleiben mu\u00df, der keinen Kontakt mehr haben darf zu seiner Frau, seinen Kindern oder Eltern. Man trauert um ihn wie um einen Toten. Und so ein lebendig zum Toten erkl\u00e4rter Mann wirft sich vor Jesus nieder und bittet um Hilfe. \u201eWenn du willst\u201c, sagt er, \u201ekannst du mich gesund machen.\u201c Hier ist nicht der Arzt angesprochen, bei dem es darum geht, ob er heilen kann. Hier wirft sich einer nieder vor dem Herrn, dessen Wille entscheidet. Dieser Mann sieht in Jesus den, durch dessen Willen er erl\u00f6st und von der t\u00f6dlichen Krankheit befreit werden kann. Das Wunder geschieht diesem Mann. Jesus hat Mitleid mit dem, der sich ihm so v\u00f6llig ausliefert und alle noch m\u00f6gliche Hoffnung auf ihn setzt. Er durchbricht die gesetzte Ausgrenzung, streckt nicht nur die Hand aus, sondern ber\u00fchrt den Unber\u00fchrbaren. Der Auss\u00e4tzige erf\u00e4hrt wieder, was ihm nach Recht und Gesetz f\u00fcr immer verwehrt sein sollte, die liebevolle Ber\u00fchrung durch einen anderen. Wie der Herrscher sein \u201eIch will\u201c gegen andere Menschen, Freunde und Feinde durchsetzt, wird das \u201eIch will\u201c Jesu zum Machtwort gegen Krankheit, Ausgrenzung und Tod.<\/p>\n<p>Aber w\u00e4hrend der Herrscher seinen Willen kraft eigener Machtvollkommenheit durchzusetzen vermag, kennt Jesus die Kraft seines Willens als vom Vater verliehhen. Sp\u00e4ter, als der Auftrag seines Vaters \u00fcber Wort und Tat hinausgeht und ihn zum Leiden und Sterben f\u00fchrt, kann er in Gethsemane beten: \u201eAbba, mein Vater, alles ist dir m\u00f6glich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!\u201c<\/p>\n<p>Und Gott \u201ewill, da\u00df allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen\u201c. (1. Tim. 2, 4) Ob der Auss\u00e4tzige, der gesund wurde \u2013 oder rein, wie es in der w\u00f6rtlichen \u00dcbersetzung hei\u00dfen m\u00fc\u00dfte \u2013 ob der Mann diese Wahrheit erkannt hat, wissen wir nicht. Er hat ein Wunder an sich erlebt und es \u00fcbergl\u00fccklich seiner Umgebung auf seine Weise mitgeteilt. Vermutlich bleibt hier f\u00fcr ihn verborgen, was ihm in Wahrheit geschehen ist, so wie es auch f\u00fcr Jesu J\u00fcnger noch verborgen bleibt. Jesus steht am Anfang seines Weges und seine J\u00fcnger k\u00f6nnen noch nicht erkennen, wohin dieser Weg f\u00fchrt. Erst nachdem sie den Tod und die Auferstehung Jesu erfahren haben, erfassen sie, was sie da erlebt haben auf dem Weg mit Jesus, den sie nun den Christus nennen k\u00f6nnen: Jesus hat diesen Mann nicht geheilt, um seine politische oder soziale kompetenz zur Schau zu stellen. Diese Heilung zeigt das Mitleiden Gottes mit dem Menschen, der gefangen ist in Unmenschlichkeit und damit in Gottesferne. Das ist die Wahrheit, da\u00df Gott dem leidenden Menschen, auch dem, der an sich selbst leidet, nahe ist. \u201eEr streckte die Hand aus und ber\u00fchrte ihn.\u201c<\/p>\n<p>Der Mann, von dem unsere Geschichte erz\u00e4hlt, wird aus seinen Zw\u00e4ngen und Verstrickungen, aus seiner Krankheit und Hoffnungslosigkeit frei, indem er sich dem Willen Gottes ausliefert. Was hier dem einzelnem Menschen geschieht, k\u00f6nnen nach der Erl\u00f6sungstat Jesu alle Menschen efahren: Da\u00df n\u00e4mlich Gott sich zuwendet. Jesus Christus steht daf\u00fcr, da\u00df Gott nicht mehr der ferne Gott ist, der zornig oder resignierend die Menschen in ihren Zw\u00e4ngen, Gebrechen und Einsamkeiten l\u00e4\u00dft, sondern da\u00df er nahe ist, zugewandt, liebevoll. \u201eGott will, da\u00df allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.\u201c<\/p>\n<p>Diese Wahrheit ist, da\u00df wir seit Jesus Christus in der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes leben d\u00fcrfen. Wir werden weiter Leiden und Krankheit, gewiss auch Einsamkeit erleben m\u00fcssen und endlich unser Leben hier auf der Erde mit dem Tod beenden. Aber das mu\u00df uns nicht mehr als Gottverlassenheit oder als Sinnlosigkeit oder als Strafe f\u00fcr ein verfehltes Leben gelten. Da, wo wir es wagen zu bitten: \u201eWenn Du willst, kannst du mich heilen, \u201esteht Gottes Antwort: \u201eIch will, sei heil\u201c \u2013 dieses Wort f\u00fcr ein getrostes Leben und f\u00fcr ein getrostes Sterben.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Richard Engelhardt 37083 G\u00f6ttingen<br \/>\nPastor i.R. Lotzestra\u00dfe 53<br \/>\nTel.: 0551-3706970<br \/>\nFax: 0551-3706962<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>14. Sonntag nach Trinitatis | 28. August 2005 |\u00a0Markus 1, 40-45 | Richard Engelhardt | &#8220; Einmal kam ein Auss\u00e4tziger zu Jesus, kniete vor ihm nieder und bat ihn um Hilfe. \u201eWenn du willst\u201c, sagte er, \u201ekannst du mich gesund machen.\u201c Jesus hatte Mitleid mit ihm, streckte die Hand aus und ber\u00fchrte ihn. \u201eIch will\u201c, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2953,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[37,512,1,727,157,853,114,633,349,3,109,1202],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10667","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-markus","category-14-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-01-chapter-01-markus","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-richard-engelhardt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10667","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10667"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10667\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25101,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10667\/revisions\/25101"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2953"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10667"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10667"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10667"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10667"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10667"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10667"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10667"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}