{"id":10697,"date":"2005-09-07T19:49:26","date_gmt":"2005-09-07T17:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10697"},"modified":"2025-07-14T09:30:16","modified_gmt":"2025-07-14T07:30:16","slug":"klagelieder-3-22-26-31-32-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/klagelieder-3-22-26-31-32-3\/","title":{"rendered":"Klagelieder 3, 22-26.31-32"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">16. Sonntag nach Trinitatis | 11. September 2005 |\u00a0Klagelieder 3, 22-26.31-32 | Friedrich Malkemus |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Gerade h\u00f6ren wir auf die Nachrichten aus Amerika. Der gewaltige Wirbelsturm ist \u00fcber die Gegend von New Orleans hinweggefegt und hat breite Bahnen der v\u00f6lligen Verw\u00fcstung und gro\u00dfer Uberschwemmung hinterlassen. Bei dem Anblick der Verheerung k\u00f6nnten die \u00dcberlebenden und Gefl\u00fcchteten mit dem Klagelied des Jeremias ausrufen: Ach wie verlassen liegt die Stadt, die voll Volks war! Die Stra\u00dfen nach Zion liegen w\u00fcst!<\/p>\n<p>Die Sprechch\u00f6re der Klagenden sind un\u00fcberh\u00f6rbar. Der Schrecken, ja das Entsetzen sind gro\u00df. Die Ratlosigkeit und auch Wut stehen den Leuten ins Gesicht geschrieben. Warum ist diese gro\u00dfe Not \u00fcber uns gekommen? Das intensive Forschen und Deuten des Unheils hat l\u00e4ngst angefangen.<\/p>\n<p>Viele Ursachen werden benannt. Doch welche Folgerungen werden gezogen und auch umgesetzt? Gebete steigen zum Himmel: Gott m\u00f6ge ein Einsehen haben, die Verantwortlichen erleuchten und eine Wende aus der Katastrophe erm\u00f6glichen, ja die Menschen bef\u00e4higen, gegen k\u00fcnftige Notlagen besser ger\u00fcstet zu sein. Stadt und Staat m\u00fcssen ger\u00fcstet sein, um neu\u00aden verheerenden St\u00fcrmen entgegenwirken zu k\u00f6nnen. Und auch der Privatmann und B\u00fcrger muss nachdenken, wo er siedelt und wie er Haus und Garten besser sch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Hier hat eine Naturkatastrophe die riesige Not \u00fcber die Leute gebracht. Bei Jeremia hat der Feind mit Krieg die Stadt und das Land \u00fcberzogen. Verschleppung, Verw\u00fcstung, Hunger und Tod vieler Menschen ist die traurige Gegenwart. Dort wie hier beginnt die heftige Wehklage: 0 mir dreht sich das Herz im Leib um!<\/p>\n<p>Kennen sie nicht auch dieses Gef\u00fchl? Und haben sie nicht auch schon so gedacht und gesprochen und wie Jeremia geklagt, gejammert, laut oder leise? Der Orient kennt auch heute die laute, Herz und Kleider zerreissende Klage. Dazu der Schrei der Anklage &#8211; sie kennen diese Bilder. Ich wei\u00df nicht, wie sie darauf reagieren. Dringt diese offenkundige Klage nur an ihr Ohr oder auch tief in ihr Herz? &#8211; Oder denken sie: Man muss den Schmerz in der Stille, und in sich tragen und verbergen. Hier in den Tracht tragenden Gemeinden gab es das Trauerm\u00e4ntelchen. Von ihm umh\u00fcllt vergruben die Frauen ihr vom Schmerz gezeichnetes Gesicht und den Lauf ihrer Tr\u00e4nen. &#8211; Ich war auch lange Zeit ein Bef\u00fcrworter der stillen und verborgenen Trauer und Klage. Aber nach der gr\u00fcndlichen Lekt\u00fcre der Klagelieder des Jeremias habe ich mich abgekehrt von dem Prinzip der Schmerzunterdr\u00fcckung.<\/p>\n<p>Es liegt eine gro\u00dfe Hilfe darin, die Last des Herzens deutlich auszu\u00adsch\u00fctten. Sollen doch die H\u00f6renden mit nachdenken, mitempfinden und wahr\u00adnehmen: Not ist unter uns, die Klage wollen wir h\u00f6ren und den Grund erforschen.<\/p>\n<p>Wenn das Klagelied bei Jeremia oder bei uns beginnt mit: Ach wie..! dann denken wir nicht: Schon wieder ein Jammer, schon wieder ein Ach!<\/p>\n<p>Nein, wir nehmen den tiefempfundenen Ruf an und in unserem Herzen auf. Hier meldet sich eine gequ\u00e4lte Seele, die unter ihren Lasten noch nicht zusammenbricht und diese beschreibt und noch aussprechen kann.Das hat ihr gutgetan, dass du das Leid geduldig anh\u00f6rst und mitdenkst und die verwundete Seele aussprechen konnte,was sie mit sich herumschleppt.<\/p>\n<p>Solange ich klage und meinen Jammer mitteilen kann, bin ich noch mit der Kraft zum Klagen und der Sehnsucht nach geheiltem Leben ausger\u00fcstet.\u00ad H\u00f6chst bedrohlich aber wird es,wenn in der brennenden Not die Klage und das Wehe verstummen :Die \u00c4ltesten sitzen auf der Erde und sind still.. die Jungfrauen senken ihre K\u00f6pfe zur Erde. &#8211; Haben wir doch den Mut zur Klage und die Geduld, die Klage anzuh\u00f6hren und unser Nach- und Mitdenken einzubringen. Ob es sich nun um das akute Naturereignis in Amerika jetzt oder den Terrorangriff auf das World Trade Center vor vier Jahren handelt, um die Stammeskriege in Afrika, die Arbeitslosigkeit in Europa oder aber um deine pers\u00f6nliche und famili\u00e4re Not &#8211; wir h\u00f6ren den Aufschrei, wenden einander zu und fragen mit nach neuen Wegen und Lichtblicken.<\/p>\n<p>Der Wehklagende und der zuh\u00f6rende Zeuge k\u00f6nnen gemeinsam aussprechen: Wir sind noch nicht garaus. Es sind noch Kr\u00e4fte vorhanden f\u00fcr einen Neu\u00adanfang,um die \u00c4ngste zu mindern und die Wunden zu lindern. Tr\u00fcmmer werden beseitigt, Kranke transportiert und versorgt, die ersten Ideen der Abhilfe greifen. Jeremia und wir mit ihm k\u00f6nnen sprechen Die G\u00fcte des Herrn ist es, die noch kein Ende hat.Ja sie ist alle Morgen neu und ermutigt zu einen neuen Beginnen.\u00ad Ist dieses nicht eine herrliche Zusage? Mein Klagelied darf sein, wird nicht verworfen; ich bleibe in Gottes G\u00fcte fest geborgen. Denn Gott ist mein Teil. Und das ist unaufl\u00f6sliche Bindung. Nichts, nichts kann uns scheiden von der \u00ad Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus gegeben ist. Grund zur Freude in allem Leide. Ich kann den Kopf heben und den neuen Tag begr\u00fc\u00dfen. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><b>Friedrich Malkemus<br \/>\nDekan i.R., Kirchenrat<br \/>\nWolfgang-Zeller-Str. 13<br \/>\n34613 Schwalmstadt-Ziegenhain<\/b><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16. Sonntag nach Trinitatis | 11. September 2005 |\u00a0Klagelieder 3, 22-26.31-32 | Friedrich Malkemus | Liebe Gemeinde! Gerade h\u00f6ren wir auf die Nachrichten aus Amerika. Der gewaltige Wirbelsturm ist \u00fcber die Gegend von New Orleans hinweggefegt und hat breite Bahnen der v\u00f6lligen Verw\u00fcstung und gro\u00dfer Uberschwemmung hinterlassen. 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