{"id":10712,"date":"2005-09-07T19:49:22","date_gmt":"2005-09-07T17:49:22","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10712"},"modified":"2025-07-14T10:19:43","modified_gmt":"2025-07-14T08:19:43","slug":"markus-1017-27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-1017-27\/","title":{"rendered":"Markus 10,17-27"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">18. Sonntag nach Trinitatis | 25. September 2005 |\u00a0Markus 10, 17-27 | Thomas Oesterle |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>Und als Jesus sich auf den Weg machte, lief Einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. Du kennst die Gebote: &#8222;Du sollst nicht t\u00f6ten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden betr\u00fcgen<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">(1)<\/a>; ehre Vater und Mutter:&#8220; <\/em><\/p>\n<p><em> Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir: Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib&#8217;s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach! <\/em><\/p>\n<p><em> Er aber wurde unmutig \u00fcber das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele G\u00fcter. <\/em><\/p>\n<p><em> Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen J\u00fcngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen! Die J\u00fcnger aber entsetzten sich \u00fcber seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist&#8217;s , ins Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadel\u00f6hr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden? Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist`s unm\u00f6glich, aber nicht bei Gott: denn alle Dinge sind m\u00f6glich bei Gott.<\/em><\/p>\n<p><strong>Teil I <\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?&#8220; Mit dieser Frage, liebe Gemeinde, begann ein Gespr\u00e4ch vor 2000 Jahren. Diese Frage ist seither nie mehr verstummt. Sie wurde mit anderen Worten formuliert, aber das Ziel der Frage blieb stets dasselbe. Es war die Frage nach gelingendem, ganzen Leben, die Frage nach Erf\u00fcllung. Martin Luther hat die alte Frage aus dem Markusevangelium so neu formuliert: &#8222;Wie bekomme ich einen gn\u00e4digen Gott?&#8220; Die Menschen des 19. und beginnenden 20.Jahrhunderts h\u00e4tten vielleicht gefragt: &#8222;Wie wird mein Leben sinnvoll?&#8220;<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">(2)<\/a> Und wir Heutigen &#8211; in die un\u00fcbersichtliche Postmoderne verstrickt -, wir w\u00fcrden vielleicht einfach fragen: &#8222;Wie werde ich gl\u00fccklich?&#8220;<\/p>\n<p>Aber vielleicht ist das alles noch zu abstrakt und wir m\u00fcssten es packender sagen. Dann w\u00e4re es sinnvoll den alten urspr\u00fcnglichen Satzanfang des Reichen zu \u00fcbernehmen: &#8222;Was soll ich tun, damit&#8230;?&#8220; Unser Fragen w\u00e4ren dann vielleicht: &#8222;Was muss ich tun, damit mein Kind eine sichere Zukunft hat?&#8220; &#8222;Was muss ich tun, damit ich mit dem Gebrechen des Alters zurechtkomme?&#8220; &#8222;Was muss ich tun, damit meine Ehe gelingt?&#8220; &#8222;Was muss ich tun, damit ich beruflich noch mitkomme?&#8220; Wir merken schnell: Die Frage des Reichen an Jesus ist unsere Frage. Es ist die Frage nach einem Leben, das nicht leer bleibt, nach einem Leben, das nicht unter den H\u00e4nden zerrinnt, nach einem Leben, das sich zu leben lohnt. Unser Streben und das Streben des Reichen geht also in dieselbe Richtung, vielleicht deshalb, weil wir wie er genau wissen, dass Reichsein alleine noch nicht das ganze Leben ist.<\/p>\n<p>Jesus erweist sich in unserer Geschichte als ein Mensch der Fragen ernstnimmt und auf sie eingeht.<\/p>\n<p>&#8222;Was muss ich tun..&#8220;? fragt der Reiche und Jesus antwortet: &#8222;Du kennst doch die Gebote&#8220;! Jetzt zeigt sich, dass der Reiche in seinem Verhalten gar kein so \u00fcbler Kerl ist. Nachdem Jesus die wichtigsten Gebote nochmals aufgez\u00e4hlt hat, antwortet er: &#8222;Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend an.&#8220; Dahinter verbirgt sich kein schnelles und devotes &#8222;Ja &#8211; sagen&#8220;, das unehrlich ist. Nein, dahinter steckt ernsthaft M\u00fche. Nicht mit \u00e4u\u00dferlichem Formalgehorsam sind hier die Gebote angesehen worden, der Reiche hat sie auch innerlich angenommen. Selbst die zwei Forderungen, die so manchen Reichen &#8211; je nachdem wie er an seinen Reichtum kam &#8211; treffen k\u00f6nnten, n\u00e4mlich: &#8222;Du sollst nicht stehlen&#8220; und &#8222;du sollst niemanden betr\u00fcgen&#8220; &#8211; selbst diese zwei Forderungen hat der Reiche erf\u00fcllt. Also wir reden hier nicht von Reichtum der mit linken Tricks angeh\u00e4uft wurde, kein Ausbeuterreichtum, wie z.B. der Reichtum der Z\u00f6llner zur Zeit Jesu. Nein, hier hat einer mit korrekten Gesch\u00e4ften gutes Geld verdient, nichts unehrenhaftes also.<\/p>\n<p>Und darin erkennen wir uns vielleicht wieder. Wir versuchen doch auch anst\u00e4ndig zu leben. Es ist viel ernstes Bem\u00fchen unter uns Christen, da bin ich mir sicher. Ich denke da an manches, was mir als Pfarrer in verschiedenen Gemeinden untergekommen ist. z.B. an die Frau in meiner Vikariatsgemeinde, die mit ihrem krankhaft depressiven Mann \u00fcber Jahre hin zusammenlebte. Immer wenn ich zu Besuch kam, dann jammerte der Mann die ganze Zeit \u00fcber und ich war meist nach einer Stunde schon so geschafft, dass ich froh war wieder gehen zu k\u00f6nnen. Aber die Ehefrau hielt an der Seite des Jammernden aus, versuchte ihm ein St\u00fcck Lebensfreude und Mut zu vermitteln und sorgte sich um das Haus und alle Alltagsgesch\u00e4fte. Zus\u00e4tzlich hatte sie noch die bereits hundert Jahre alte Mutter zu versorgen, die inzwischen ein Pflegefall war.<\/p>\n<p>Vieles wird also getan und deshalb sind Christinnen und Christen oft achtenswerte Menschen. Ich sage das ohne Spott und Ironie. \u00dcberzeugte Christen haben etwas, was sie vertrauensw\u00fcrdig macht, in einer immer schwerer einzusch\u00e4tzenden Gesellschaft. Das zeigt auch in der Politik. Die Integrit\u00e4t des Bundespr\u00e4sidentenamtes in unserem Staat ruht doch zu einem guten St\u00fcck darauf, dass zumindest die letzen vier Amtsinhaber, aus ihrer bewusst protestantischen Bindung und ihrem \u00fcberzeugten Christsein keinen Hehl gemacht haben. <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">(3)<\/a> Christen bem\u00fchen sich vertrauensw\u00fcrdige Menschen zu sein, und Jesus nimmt dieses Bem\u00fchen ernst, er wischt diese allt\u00e4glichen K\u00e4mpfe um ein christliches Ethos nicht einfach weg. &#8222;Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb&#8220; &#8211; so berichtet es die Bibel. Mehr muss nicht gesagt werden! Damit ist gesagt, dass Jesus diesen aufrechten Frager, diesen Reichen, annimmt und sch\u00e4tzt wie einen Freund. An diesem Satz sollte die Geschichte abbrechen, denn bis hierher f\u00fchlen wir uns verstanden, unsere Art zu leben wird hier angenommen.<\/p>\n<p><strong> Teil II <\/strong><\/p>\n<p>Aber &#8211; die Geschichte geht weiter. Diese Geschichte einer spontanen Freundschaft zwischen dem Reichen und Jesus &#8211; sie hat eine Grenze. Es ist eine Grenze, die bei uns schon zum Sprichwort geworden ist. Wir kennen alle dieses Sprichwort, das da sagt: &#8222;Beim Geld, da h\u00f6rt die Freundschaft auf.&#8220; Dieser bitterb\u00f6se Satz ist weit verbreitet. Er signalisiert: Hinter dem freundlichen, bem\u00fchten und anst\u00e4ndigen Menschen gibt es auch noch einen Anderen. Es gibt den Punkt, wo die Maske der Freundlichkeit f\u00e4llt und ein ver\u00e4nderter Mensch zu Tage tritt. Pl\u00f6tzlich ist da b\u00f6ser Egoismus, pl\u00f6tzlich ist da Gegeneinander und Streit. &#8222;Beim Geld, da h\u00f6rt die Freundschaft auf&#8220; &#8211; ja leider auch die Freundschaft zwischen Jesus und dem Reichen. Es ist aber auch unerh\u00f6rt was Jesus fordert. &#8222;Geh hin, verkaufe alles was du hast und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmelreich haben und komm und folge mir nach.&#8220;<\/p>\n<p>Nach diesem Jesus-Wort ist es gut, zuerst einmal eine Pause machen und durchzuatmen. (Stille)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, alles was hier gefordert ist, trifft zuerst einmal mich selbst und gilt mir. Ich bin der Mensch, der in einem sch\u00f6nen Pfarrhaus lebt, sich mit vielen M\u00f6beln eingerichtet hat und eine Menge von Dingen besitzt. Beim letzten Stellenwechsel, als alles was ich und meine Frau besitzen einen gro\u00dfen M\u00f6belwagen mit Anh\u00e4nger f\u00fcllte, da kam mir ein Lied der schwarzen S\u00e4ngerin Tracy Chapman in den Sinn. &#8222;Mountains of things&#8220;<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">(4)<\/a> hei\u00dft dieses Lied &#8211; &#8222;Berge von Dingen&#8220;. Die S\u00e4ngerin beschreibt am Beginn des Liedes, wie sie immer davon getr\u00e4umt hat, Berge von Dingen zu besitzen. Sie wollte nicht mehr f\u00fcr andere Menschen arbeiten, sondern selbst ein gro\u00dfes Auto besitzen, selbst ein s\u00fc\u00dfes und faules Leben f\u00fchren, nicht mehr st\u00e4ndig daran denken m\u00fcssen, was das Geld wert ist. Dazu braucht man Berge von Dingen &#8211; und manchmal kommt in mir das Gef\u00fchl auf, dass ich dieselben Tr\u00e4ume wie Tracy Chapman tr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Deshalb ber\u00fchrt mich diese dreifache Forderung Jesu unangenehm: &#8222;L\u00f6se Dich von deinem Besitz, gib was du hast den Armen und dann folge mir nach.&#8220; Diese Forderung trifft mich, weil ich selbst zu den Reichen geh\u00f6re.<\/p>\n<p>Ich sage das so, weil ich auch erfahren habe was Armut ist. Ich habe das erlebt als ich ein halbes Jahr in Peru, in Bolivien und in Mexiko war. Arm, das war der Stra\u00dfenjunge, der 10 Stunden jeden Tag Schuhe putzte. Er war ganz gl\u00fccklich als ich ihm vorlesen konnte, welche Werbeaufschrift au\u00dfen auf den alten Kiste aufgedruckt war, in der er sein Schuhputzzeug transportierte. Er selbst wird diese Aufschrift wohl nie lesen k\u00f6nnen, denn er wird nie genug Geld haben um eine Schule zu besuchen.<\/p>\n<p>Arm, das war die Mutter, die ihre beiden J\u00fcngsten mit 1 1\/2 Jahren und 3 Monaten statt in einer Wiege in einem Bananenkarton betten musste, der einfach auf dem Boden in der Ecke stand, etwas anderes hatte sie nicht. W\u00e4hrenddessen bot sie die armseligen Fr\u00fcchte ihres Ackers auf dem Markt feil.<\/p>\n<p>Und wenn wir es von meinem pers\u00f6nlichen Erleben l\u00f6sen und einem Blick auf das werfen, was uns die Medien in den letzen Wochen pr\u00e4sentiert haben, dann finden wir auch dort starke Bilder f\u00fcr das, was Armut ist. Arm, das sind die Schwarzen in New Orleans, die entweder kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Katastrophenwarnungen aufgrund von mangelnder Bildung entwickeln konnten, oder aber nicht einmal Geld f\u00fcr ein Busticket ins Hinterland besa\u00dfen, geschweige denn ein Auto. Arm sind farbige Sozialhilfeempf\u00e4nger, die man dann zuerst einmal fast eine Woche im Hochwasser sitzen l\u00e4sst, bevor man effektive Hilfe organisiert. Wie schrieb ein Journalist: &#8222;In Amerika lebt eine Unterschicht, wie wir sie uns in unserem sozial abgefederten Europa gar nicht vorstellen k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Das alles ist also Armut. Dann geh\u00f6re ich aber zu den Reichen, ich bin derjenige, der genauso wie der Mann in der Geschichte \u00fcber den radikalen Satz Jesu vom loslassen des Besitzes unmutig wird und traurig davongeht. Denn &#8211; ich habe auch viele G\u00fcter so wie der Reiche, und &#8211; wie gesagt &#8211; &#8222;beim Geld da h\u00f6rt die Freundschaft auf.&#8220; Was also so harmonisch wie eine Freundschaft begann, &#8211; die Beziehung zwischen Jesus und dem Reichen &#8211; das zerbricht. Und Jesus geht dem, der sich abkehrt nicht werbend hinterher, er sucht nicht einen Kompromiss, so wie wir Pfarrer &#8211; durch unser Amt butterweich geworden &#8211; es vielleicht machen w\u00fcrden. Nein! Jesus l\u00e4sst ihn gehen, den der viele G\u00fcter hat &#8211; und er setzt noch eines obendrauf: &#8222;Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!&#8220; &#8211; so macht er den Konflikt mit einem Einzelnen zu einer prinzipiellen Absage.<\/p>\n<p>Und wir, die wir diesen Predigttext h\u00f6ren, wir sp\u00fcren noch heute etwas von dem Entsetzen, das die J\u00fcnger angesichts dieser Szene ergriff. Wir sind selbst entsetzt \u00fcber die Wendung in dieser Geschichte, \u00fcber diesen scharfen und eindeutigen Schnitt, den Jesus hier macht.<\/p>\n<p>Eigentlich ist ja die Geschichte so glasklar, so sprechend, dass man sie gar nicht in einer Predigt auslegen m\u00fcsste. Aber gerade deshalb, wollen wir sie ausgelegt haben, denn vielleicht gelingt es einem findigen Theologen mit gedrechselten Argumenten die H\u00e4rte der Textaussage abzumildern. Vielleicht kann ein wortgewandter Pfarrer oder eine Pfarrerin durch ihre Interpretation die unbequeme Wendung der Geschichte so ausdeuten, dass es wieder ertr\u00e4glich wird.<\/p>\n<p>Aber auf solche Erwartungen kann ich f\u00fcr mich nur antworten: Nein &#8211; das kann ich nicht und will ich nicht, obwohl ich selbst als Reicher denselben Wunsch hege. Dieses letzte St\u00fcck Ehrlichkeit, muss trotz allen Entsetzens angesichts der H\u00e4rte Jesu bleiben. Ich kann nur sagen, dass das, was wir beim ersten h\u00f6ren dieser Geschichte gef\u00fchlt und verstanden haben, wahrscheinlich richtig ist. So hart springt Jesus mit den Reichen um.<\/p>\n<p><strong> Teil III <\/strong><\/p>\n<p>Doch eines kann ich nicht glauben: N\u00e4mlich, dass Jesus das Leben von uns Reichen derart in Frage stellt, ohne einen positiven Sinn damit zu verfolgen. Zwei S\u00e4tze, die einen positiven Sinn erkennen lassen, kann ich erkennen.<\/p>\n<p>Zuerst will Jesus, dass der Besitz des Reichen an die Armen weitergegeben wird.<\/p>\n<p>Jesus denkt dabei nicht nur an den leidenden Armen. Auch den Reichen f\u00fchrt er aus der Isolation des Reichtums heraus. Denn diejenigen, f\u00fcr die beim Geld immer die Freundschaft aufh\u00f6rt, die bleiben letztlich ja auch alleine. Sie finden oft keine Freundschaft, die auch schwierige Situationen aush\u00e4lt.<\/p>\n<p>So singt Tracy Chapman am Ende ihres Liedes \u00fcber die Berge von Dingen, die sie um sich angeh\u00e4uft hat:<\/p>\n<p>&#8222;Meist f\u00fchle ich mich einsam,<br \/>\ngute Menschen sind nur Stolpersteine,<br \/>\nich brauche all meine Berge von Dingen,<br \/>\ndamit sie mich umgeben, damit all meine Feinde wegbleiben, um meiner Traurigkeit und meiner Einsamkeit zu wehren.&#8220;<\/p>\n<p>Die Traurigkeit, die in dem Reichen ja auch wach wird als er von Jesus geht, diese tiefe Traurigkeit des Reichtums will Gott uns nehmen. Jesus will aus einem isolierten Leben heraushelfen und in Gemeinschaft hineinf\u00fchren.<\/p>\n<p>Zum zweiten meint Jesus, indem wir abgeben, schaffen wir uns einen Schatz im Himmelreich. Aber geht das, dass wir reale greifbare Werte eintauschen gegen eine zweifelhafte Gutschrift auf einem himmlischen Sperrkonto ?<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">(5)<\/a><\/p>\n<p>Jesus macht mit dieser Wendung der Geschichte deutlich: Die Sch\u00e4tze die du auf Erden sammelst, die werden irgendwann einmal von Motten und Rost gefressen (Mt.6.). Anerkennung bei Gott ist aber unverg\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Wir haben es im Grunde alle erfahren: Belastbare menschliche Freundschaften h\u00f6ren beim Geld nicht auf, sondern sind auch da tragf\u00e4hig. Da wird der Freund dann wichtiger als das Geld. Dar\u00fcber hinaus bietet Gott uns eine belastbare und unverg\u00e4ngliche Freundschaft an. Aber wer auf diese unverg\u00e4ngliche Freundschaft sein Leben bauen will, der kann nicht gleichzeitig noch einen verg\u00e4nglichen Lebensgrund wie das Geld gleichwertig daneben stellen. Gott will, dass wir wirkliche Lebensgewissheit erlangen, die nicht zerbricht und jenseits des Besitzes liegt.<\/p>\n<p><strong> Schluss<\/strong> :<\/p>\n<p>Trotzdem steht die Forderung Jesu vor uns wie ein Berg. Wir sind doch wie die Kamele, die nicht durch das Nadel\u00f6hr passen, weil wir uns so sehr an unseren Besitz gew\u00f6hnt haben.<\/p>\n<p>&#8222;Bei den Menschen ist&#8217;s unm\u00f6glich&#8220; &#8211; das ist der vorletzte Satz Jesu \u00fcber das loslassen von Besitz. Ist das Ganze also doch eine gro\u00dfe Geschichte des Scheiterns? Vor allem, weil der Mensch nicht an einem \u00fcberm\u00e4chtigen Schicksal scheitert, sondern an sich selbst. Es hindert ihn nichts, das zu tun was Jesus will, nur er selbst will es nicht. Der Mensch hat sich selbst ganz gefesselt und versperrt sich so, &#8211; wenn wir zur Eingangsfrage zur\u00fcckkehren &#8211; das ewige Leben.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten resignieren, w\u00e4re da nicht der letzte Satz Jesu. &#8222;Bei Gott ist es m\u00f6glich.&#8220; <a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">(6)<\/a> Diese Geschichte ist uns gegeben, dass wir auch in Fragen des Besitzes lernen, ganz auf Gott zu sehen, ihn ganz ernst zu nehmen. Wo unsere M\u00f6glichkeiten scheitern, da scheitert Gott noch lange nicht. Er kann und will unser Leben ver\u00e4ndern, wenn wir nur h\u00f6ren was er sagt und tun was er will. Bei Gott ist&#8217;s m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Vielleicht lernen wir durch Gottes Handeln an unserem Leben eine neues, christliches Sprichwort, dass dann lauten w\u00fcrde: &#8222;Beim Geld, da f\u00e4ngt die Freundschaft erst an !&#8220; Tiefe Freundschaft beginnt und zwar dann, wenn ein Mensch erkennt: Einen fr\u00f6hlichen Geber hat Gott lieb.(2.Kor.9,7) AMEN<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a> (1) Dieser Begriff ist \u00fcbersetzt nach W. Jens &#8222;Die Zeit ist erf\u00fcllt, die Stunde ist da&#8220; Stuttgart 1990, S.59<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><\/a> (2) vgl. dazu Prof. Paul Tillich, Systematische Theologie Bd.1. Stuttgart 1983 7 S.61<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><\/a> (3) Man k\u00f6nnte auch weiter zur\u00fcck gehen z.B. zu Gustav Heinemann<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\"><\/a> (4) vgl. Tracy Chapman, Album Tracy Chapman , mountains o&#8216; things 1987<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\"><\/a> (5) vgl. Prof. Werner Jetter, Unterwegs mit dem Wort, Hamburg 1966, Predigt zum Text<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\"><\/a> (6) vgl. Prof. Helmuth Gollwitzer &#8222;&#8230;und lobten Gott&#8220; Neukirchen 1964 Predigt zum Text<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Thomas Oesterle<br \/>\n<a href=\"mailto:ev.pauluski.ost.schorndorf@t-online.de\">ev.pauluski.ost.schorndorf@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18. Sonntag nach Trinitatis | 25. September 2005 |\u00a0Markus 10, 17-27 | Thomas Oesterle | Und als Jesus sich auf den Weg machte, lief Einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? 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